Ritalinmissbrauch

ShortId
04.1179
Id
20041179
Updated
24.06.2025 21:25
Language
de
Title
Ritalinmissbrauch
AdditionalIndexing
2841;junger Mensch;Gesundheitsrisiko;Betäubungsmittel;Narkotikum;Krankheit;Kind;Medikament
1
  • L05K0105030102, Medikament
  • L05K0107010205, Kind
  • L05K0105030105, Narkotikum
  • L03K010501, Krankheit
  • L04K01050510, Gesundheitsrisiko
  • L05K0107010204, junger Mensch
  • L06K010102010201, Betäubungsmittel
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Wiederholt hatte der Bundesrat Gelegenheit, ausführlich zum Thema Verschreibung von Ritalin an Kinder und Jugendliche Stellung zu nehmen. Er verweist insbesondere auf die Antworten zur Einfachen Anfrage Guisan 02.1079, "Verschreibung von Ritalin", zur Interpellation Brunner Christiane 02.3243, "Verschreibung von Ritalin", und zur Interpellation Bortoluzzi 02.3775, "Gesundheitsschutz für Kinder und Jugendliche".</p><p>Die zuständigen Behörden, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG), das Schweizerische Heilmittelinstitut (Swissmedic), die kantonalen Gesundheitsbehörden und die Ärzteschaft verfolgen die in der internationalen medizinischen Fachpresse erschienenen Artikel zur Behandlung von Kindern mit Ritalin bei Hyperaktivität. Sie stehen zu dem Thema auch im Austausch mit den zuständigen internationalen Behörden.</p><p>1. Ritalin ist ein seit 1954 durch die zuständigen Behörden zugelassenes Arzneimittel. Es wird zur Behandlung von Narkolepsie und bei Kindern mit hyperkinetischen Verhaltensstörungen eingesetzt. Für alle zugelassenen Arzneimittel und somit auch für Ritalin gilt, dass sie nur für die Indikation zugelassen werden, für welche die Überprüfung der Wirksamkeit und Sicherheit ein günstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis ergibt. Vor der Verschreibung sind die Ärztin, der Arzt verpflichtet, dieses Verhältnis für jeden Patienten, insbesondere auch für Kinder, abzuwägen. Sie bzw. er berücksichtigt dabei zudem die anerkannten Regeln der medizinischen Wissenschaften.</p><p>2. Zur Zunahme der Ritalinverschreibungen wird auf die Publikation im Bulletin des Bundesamtes für Gesundheit (BAG-Bulletin 15, 284-289) vom 8. April 2002, "Entwicklung der Anzahl Verschreibungen für Ritalin (Methylphenidat) im Kanton Neuenburg zwischen 1996 und 2000", verwiesen. Zwischen 2000 und 2003 ist die Anzahl der Verschreibungen schweizweit nochmals um 50 Prozent gestiegen. Nahezu alle Verschreibungen stehen in Zusammenhang mit der Behandlung von Jugendlichen.</p><p>3. Swissmedic ist mit der Erfassung von Informationen über unerwünschte Arzneimittelwirkungen beauftragt. Bezüglich Methylphenidat sind seit 1989 im Vergleich zur Anzahl Anwendungen nur ganz wenige Meldungen gesammelt worden. Es gibt ferner keinerlei Hinweise aus der Forschung und der klinischen Erfahrung, dass der Einsatz von Stimulanzien direkt zu einer Suchtmittelabhängigkeit führt, die häufig befürchtet wird.</p><p>Aufgrund dieser Ergebnisse sieht der Bundesrat zum jetzigen Zeitpunkt keinen Handlungsbedarf, eine Studie zur Untersuchung der Folgeschäden in Auftrag zu geben. Im Weiteren sei auch auf die Antwort des Bundesrates vom 7. März 2003 auf die Interpellation Bortoluzzi 02.3775, "Gesundheitsschutz für Kinder und Jugendliche" (Ziff. 2.2), verwiesen.</p><p>4. Bis heute liegen keine Studien zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) bei Kindern vor, die auf eine gleichwertige Alternative zum Einsatz von Ritalin bzw. seines Wirkstoffes Methylphenidat schliessen lassen.</p><p>5. Die zugrunde liegende Ursache der ADHS ist nicht bekannt. Die überwiegende Mehrzahl der Experten im Bereich ADHS geht heute davon aus, dass neurobiologische, angeborene Faktoren und psychosoziale Folgen bzw. Lernerfahrungen und Reaktionen der Umwelt auf die ADHS-Symptomatik zusammenwirken.</p><p>Die Zunahme der Ritalinverschreibung lässt sich vermutlich auf eine heute häufigere medizinische Therapie der betroffenen Kinder, nicht auf ein vermehrtes Auftreten der Hyperaktivität zurückführen. Dies lässt sich insofern rechtfertigen, als die häufig problematische Entwicklung bei ADHS auf die Notwendigkeit einer früheren Behandlung mit geeigneten medikamentösen und Verhaltenstherapien verweist. Aus einer im Jahr 2004 veröffentlichten Studie des universitären Kinder- und Jugendpsychiatriedienstes in Lausanne geht hervor, dass der Einsatz von Medikamenten meist im Rahmen einer ganzheitlichen Behandlung vorgeschlagen wird.</p><p>Swissmedic bietet den Medizinalpersonen seit Mai 2004 auf ihrer Website das Informationsmodul über die ADHS bei Kindern sowie über deren sinnvolle und fachgerechte Behandlung an.</p><p>Der Bundesrat sieht nach heutigem Stand des Wissens keine Notwendigkeit, in seinem Einflussbereich zusätzliche Massnahmen zu veranlassen, die über die bereits getroffenen Massnahmen hinausgehen. Die Möglichkeit, den betroffenen Kindern und ihren Familien mit einer medikamentösen Behandlung zu helfen, muss weiterhin bestehen bleiben. ADHS ist ein Gesundheitsproblem, das das Leben der Kinder stark beeinträchtigen und zum Auftreten von noch ernsteren Problemen führen kann. Der Bundesrat wird über die zuständigen Bundesstellen die weiteren Entwicklungen genau beobachten.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>Seit einiger Zeit mehren sich Meldungen über eine vermehrte Abgabe von Ritalin an Kinder und Jugendliche bei Hyperaktivität. Die Begriffe Hyperaktivität, ADS und ADHS tauchen überall auf. ADHS ist die Abkürzung für Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit Hyperaktivität, ADS steht für Aufmerksamkeitsdefizitstörung ohne Hyperaktivität. Früher wurde eher der Begriff POS-Kinder verwendet. Ritalin ist ein hoch potentes Aufputschmittel und gehört zur Stoffgruppe der Amphetamine. Die chemische Wirksubstanz ist Methylphenidat. Ritalin steht auf der Liste der gefährlichen Suchtstoffe der Uno-Drogenkontrollbehörde.</p><p>In diesem Zusammenhang stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>1. Wie schätzt er die Gefährlichkeit von Ritalin ein?</p><p>2. In welchem Ausmass hat die Abgabe von Ritalin an Jugendliche in den letzten Jahren zugenommen?</p><p>3. Gibt es Untersuchungen über Folgeschäden, oder ist er bereit, solche zu veranlassen?</p><p>4. Gibt es Alternativen zum Einsatz von Ritalin, oder werden solche geprüft?</p><p>5. Was sind die Gründe für das vermehrte Auftreten von Hyperaktivität bei Kindern, und sieht er Möglichkeiten, dieser Entwicklung entgegenzusteuern?</p>
  • Ritalinmissbrauch
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Wiederholt hatte der Bundesrat Gelegenheit, ausführlich zum Thema Verschreibung von Ritalin an Kinder und Jugendliche Stellung zu nehmen. Er verweist insbesondere auf die Antworten zur Einfachen Anfrage Guisan 02.1079, "Verschreibung von Ritalin", zur Interpellation Brunner Christiane 02.3243, "Verschreibung von Ritalin", und zur Interpellation Bortoluzzi 02.3775, "Gesundheitsschutz für Kinder und Jugendliche".</p><p>Die zuständigen Behörden, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG), das Schweizerische Heilmittelinstitut (Swissmedic), die kantonalen Gesundheitsbehörden und die Ärzteschaft verfolgen die in der internationalen medizinischen Fachpresse erschienenen Artikel zur Behandlung von Kindern mit Ritalin bei Hyperaktivität. Sie stehen zu dem Thema auch im Austausch mit den zuständigen internationalen Behörden.</p><p>1. Ritalin ist ein seit 1954 durch die zuständigen Behörden zugelassenes Arzneimittel. Es wird zur Behandlung von Narkolepsie und bei Kindern mit hyperkinetischen Verhaltensstörungen eingesetzt. Für alle zugelassenen Arzneimittel und somit auch für Ritalin gilt, dass sie nur für die Indikation zugelassen werden, für welche die Überprüfung der Wirksamkeit und Sicherheit ein günstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis ergibt. Vor der Verschreibung sind die Ärztin, der Arzt verpflichtet, dieses Verhältnis für jeden Patienten, insbesondere auch für Kinder, abzuwägen. Sie bzw. er berücksichtigt dabei zudem die anerkannten Regeln der medizinischen Wissenschaften.</p><p>2. Zur Zunahme der Ritalinverschreibungen wird auf die Publikation im Bulletin des Bundesamtes für Gesundheit (BAG-Bulletin 15, 284-289) vom 8. April 2002, "Entwicklung der Anzahl Verschreibungen für Ritalin (Methylphenidat) im Kanton Neuenburg zwischen 1996 und 2000", verwiesen. Zwischen 2000 und 2003 ist die Anzahl der Verschreibungen schweizweit nochmals um 50 Prozent gestiegen. Nahezu alle Verschreibungen stehen in Zusammenhang mit der Behandlung von Jugendlichen.</p><p>3. Swissmedic ist mit der Erfassung von Informationen über unerwünschte Arzneimittelwirkungen beauftragt. Bezüglich Methylphenidat sind seit 1989 im Vergleich zur Anzahl Anwendungen nur ganz wenige Meldungen gesammelt worden. Es gibt ferner keinerlei Hinweise aus der Forschung und der klinischen Erfahrung, dass der Einsatz von Stimulanzien direkt zu einer Suchtmittelabhängigkeit führt, die häufig befürchtet wird.</p><p>Aufgrund dieser Ergebnisse sieht der Bundesrat zum jetzigen Zeitpunkt keinen Handlungsbedarf, eine Studie zur Untersuchung der Folgeschäden in Auftrag zu geben. Im Weiteren sei auch auf die Antwort des Bundesrates vom 7. März 2003 auf die Interpellation Bortoluzzi 02.3775, "Gesundheitsschutz für Kinder und Jugendliche" (Ziff. 2.2), verwiesen.</p><p>4. Bis heute liegen keine Studien zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) bei Kindern vor, die auf eine gleichwertige Alternative zum Einsatz von Ritalin bzw. seines Wirkstoffes Methylphenidat schliessen lassen.</p><p>5. Die zugrunde liegende Ursache der ADHS ist nicht bekannt. Die überwiegende Mehrzahl der Experten im Bereich ADHS geht heute davon aus, dass neurobiologische, angeborene Faktoren und psychosoziale Folgen bzw. Lernerfahrungen und Reaktionen der Umwelt auf die ADHS-Symptomatik zusammenwirken.</p><p>Die Zunahme der Ritalinverschreibung lässt sich vermutlich auf eine heute häufigere medizinische Therapie der betroffenen Kinder, nicht auf ein vermehrtes Auftreten der Hyperaktivität zurückführen. Dies lässt sich insofern rechtfertigen, als die häufig problematische Entwicklung bei ADHS auf die Notwendigkeit einer früheren Behandlung mit geeigneten medikamentösen und Verhaltenstherapien verweist. Aus einer im Jahr 2004 veröffentlichten Studie des universitären Kinder- und Jugendpsychiatriedienstes in Lausanne geht hervor, dass der Einsatz von Medikamenten meist im Rahmen einer ganzheitlichen Behandlung vorgeschlagen wird.</p><p>Swissmedic bietet den Medizinalpersonen seit Mai 2004 auf ihrer Website das Informationsmodul über die ADHS bei Kindern sowie über deren sinnvolle und fachgerechte Behandlung an.</p><p>Der Bundesrat sieht nach heutigem Stand des Wissens keine Notwendigkeit, in seinem Einflussbereich zusätzliche Massnahmen zu veranlassen, die über die bereits getroffenen Massnahmen hinausgehen. Die Möglichkeit, den betroffenen Kindern und ihren Familien mit einer medikamentösen Behandlung zu helfen, muss weiterhin bestehen bleiben. ADHS ist ein Gesundheitsproblem, das das Leben der Kinder stark beeinträchtigen und zum Auftreten von noch ernsteren Problemen führen kann. Der Bundesrat wird über die zuständigen Bundesstellen die weiteren Entwicklungen genau beobachten.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>Seit einiger Zeit mehren sich Meldungen über eine vermehrte Abgabe von Ritalin an Kinder und Jugendliche bei Hyperaktivität. Die Begriffe Hyperaktivität, ADS und ADHS tauchen überall auf. ADHS ist die Abkürzung für Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit Hyperaktivität, ADS steht für Aufmerksamkeitsdefizitstörung ohne Hyperaktivität. Früher wurde eher der Begriff POS-Kinder verwendet. Ritalin ist ein hoch potentes Aufputschmittel und gehört zur Stoffgruppe der Amphetamine. Die chemische Wirksubstanz ist Methylphenidat. Ritalin steht auf der Liste der gefährlichen Suchtstoffe der Uno-Drogenkontrollbehörde.</p><p>In diesem Zusammenhang stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>1. Wie schätzt er die Gefährlichkeit von Ritalin ein?</p><p>2. In welchem Ausmass hat die Abgabe von Ritalin an Jugendliche in den letzten Jahren zugenommen?</p><p>3. Gibt es Untersuchungen über Folgeschäden, oder ist er bereit, solche zu veranlassen?</p><p>4. Gibt es Alternativen zum Einsatz von Ritalin, oder werden solche geprüft?</p><p>5. Was sind die Gründe für das vermehrte Auftreten von Hyperaktivität bei Kindern, und sieht er Möglichkeiten, dieser Entwicklung entgegenzusteuern?</p>
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