Beitritt der Schweiz zur Union latine

ShortId
04.3028
Id
20043028
Updated
28.07.2023 13:08
Language
de
Title
Beitritt der Schweiz zur Union latine
AdditionalIndexing
2831;08;Mehrsprachigkeit;französisch-sprachiges Gebiet;italienisch-sprachiges Gebiet;Kulturförderung;Beitritt zu einer internationalen Organisation
1
  • L05K1002010301, Beitritt zu einer internationalen Organisation
  • L05K0106010202, französisch-sprachiges Gebiet
  • L05K0106010203, italienisch-sprachiges Gebiet
  • L04K01060307, Kulturförderung
  • L05K0106010306, Mehrsprachigkeit
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Die Union latine wurde 1954 mit dem Übereinkommen von Madrid gegründet, war aber bis 1983 nicht aktiv. Von 1983 bis 2000 stieg die Zahl der Staaten, die das Übereinkommen ratifizierten oder im Nachhinein der Union latine beitraten, von 12 auf 35. Praktisch alle der als Mitglieder infrage kommenden Staaten sind der Union latine beigetreten. Ihr Budget beläuft sich auf 3,432 Millionen Euro für das Jahr 2000, die in erster Linie Frankreich, Italien, Spanien, Brasilien, Mexiko, Portugal und Argentinien eingebracht haben.</p><p>Um Mitglied der Union latine zu werden, muss ein Staat nach den Empfehlungen von 1992, welche die Konvention ausführen, eines oder mehrere der folgenden Kriterien erfüllen:</p><p>Sprachliche Kriterien: Die Amtssprache, die Unterrichtssprache und die Sprache der alltäglichen Kommunikation muss lateinischen Ursprungs sein.</p><p>Sprachkulturelle Kriterien: Bedeutende Werke der Literatur und die Presse müssen sowohl hinsichtlich Auflage als auch Anzahl Titel mehrheitlich in einer Sprache lateinischen Ursprungs vorliegen. Fernseh- und Radiosendungen müssen vorwiegend in einer Sprache lateinischen Ursprungs ausgetragen werden.</p><p>Kulturelle Kriterien: Die Kultur des Landes stammt direkt oder indirekt der Kultur des alten Rom ab, der sich die Mitgliedstaaten verpflichtet fühlen. Sie pflegen die lateinische und die vom Lateinischen abstammenden Sprachen und fördern den Kulturaustausch mit anderen lateinischstammenden Ländern, die in der lateinischen Kultur in Bezug auf die Organisation der Gesellschaft, namentlich auf rechtlicher Ebene verwurzelt sind, und sie setzen sich für die Wahrung der Grundfreiheiten, für die Menschenrechte und die Grundsätze der Demokratie, der Toleranz und der Religionsfreiheit ein.</p><p>Die Union Latine ist vor allem kulturell, insbesondere im Bereich Film, bildende Kunst und Literatur aktiv. Sie offenbart ausserdem ein starkes Interesse an Unterricht und Förderung der Sprachen lateinischen Ursprungs. Schwerpunktthemen sind zurzeit die Erarbeitung von Methoden zur Spracherlernung, die Entwicklung einer gemeinsamen Terminologie, die Zusammenstellung von mehrsprachigen technischen Wörterbüchern und die Weiterentwicklung der Sprachautomatisierung.</p><p>In einer Zeit, in der die Verbindungen unter den Lateinamerikanischen, den Portugiesisch und Spanisch sprechenden sowie den Französisch sprechenden Ländern immer enger, sich ein Mercosur und eine Gemeinschaft Portugiesisch sprechender Länder gebildet hat und man von einem Europa der Kulturen spricht, welches das heutige wirtschafts- und währungszentrierte Europa unbedingt ergänzen sollte, ist die Union latine aufgefordert, ihren Beitrag zur kulturellen Solidarität, für das sie Symbol ist, zu leisten.</p><p>Der Beitritt der Schweiz zur Union latine würde das internationale Verständnis für unser Land auf kultureller und wirtschaftlicher Ebene verbessern. Er würde eine sehr differenzierte Darstellung der Eigenheiten insbesondere der französischen und italienischen, aber auch der rätoromanischen Schweiz ermöglichen und wäre zudem ein Beitrag zum Erhalt von sprachlicher Vielfalt und kulturellem Pluralismus - Prinzipien, für die sich unser Land engagiert.</p><p>Das Beitrittsgesuch müsste, wie es der Bundesrat in seiner Antwort auf das Postulat Scheurer wünschte, in das Legislaturprogramm des Bundesrates 2004-2007 aufgenommen werden, da es eines der Hauptziele im Bericht über die Aussenpolitik 2000 aufnimmt, nämlich den Dialog zwischen verschiedenen Kulturen und die Achtung kultureller Diversität.</p>
  • <p>In seiner Erklärung zum Postulat Scheurer Rémy betreffend den Beitritt der Schweiz zur Union latine, dessen Annahme der Nationalrat am 6. Oktober 2000 zugestimmt hat, hielt der Bundesrat fest, dass er die Frage eines Beitrittes der Schweiz zur Union latine im Rahmen der Festlegung seiner Zielsetzungen für die Legislaturperiode 2004-2007 erneut beurteilen werde. Bei der Neubeurteilung dieses Anliegens standen für den Bundesrat finanz- und personalpolitische Überlegungen im Vordergrund.</p><p>Auf der Grundlage des Zweijahresbudgets der Union latine für die Periode 2003-2004, das sich insgesamt auf 7 660 530 Euro beläuft, müsste die Schweiz mit statutarischen jährlichen Beiträgen in der Höhe von 380 000 Euro oder ungefähr 620 000 Franken rechnen. Für die Mitarbeit der Schweiz an den Programmtätigkeiten der Union latine und die Betreuung der von ihr mitgetragenen Zusammenarbeitsprojekte muss des Weiteren sichergestellt sein, dass die betroffenen Bundesstellen über die notwendigen personellen Kapazitäten verfügen.</p><p>Angesichts der prekären finanziellen Lage des Bundes, die nach zusätzlichen unumgänglichen Sparanstrengungen zur Entlastung des defizitären Bundeshaushaltes verlangt, und der sehr restriktiven Bewirtschaftung der personellen Ressourcen des Bundes zur notwendigen Entlastung der entsprechenden Personalkredite misst der Bundesrat dem Beitritt der Schweiz in die Union latine in der laufenden Legislaturperiode keinen vorrangigen Stellenwert zu.</p><p>Der Bundesrat anerkennt die Tatsache, dass die Union latine der Schweiz ein zusätzliches Kontaktnetz für die internationale kulturelle Zusammenarbeit bereitstellen würde, das ihren frankophonen, italienischen und rätoromanischen Sprachgemeinschaften zugute käme. In diesem Sinne ist der Bundesrat bereit, nach Massgabe der Erreichung seiner finanzpolitischen Ziele zu einem späteren Zeitpunkt die finanziellen, personellen und operationellen Auswirkungen eines Beitrittes der Schweiz zur Union latine einer genauen Analyse zu unterziehen, um sich auf dieser Grundlage Klarheit über das weitere Vorgehen zu verschaffen.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
  • <p>Ich beziehe mich auf das Postulat Scheurer 00.3306, das am 6. Oktober 2000 vom Nationalrat angenommen wurde, und fordere den Bundesrat auf, dem Parlament in dieser Legislaturperiode ein Gesuch um Beitritt der Schweiz zur Union latine zu unterbreiten.</p>
  • Beitritt der Schweiz zur Union latine
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Die Union latine wurde 1954 mit dem Übereinkommen von Madrid gegründet, war aber bis 1983 nicht aktiv. Von 1983 bis 2000 stieg die Zahl der Staaten, die das Übereinkommen ratifizierten oder im Nachhinein der Union latine beitraten, von 12 auf 35. Praktisch alle der als Mitglieder infrage kommenden Staaten sind der Union latine beigetreten. Ihr Budget beläuft sich auf 3,432 Millionen Euro für das Jahr 2000, die in erster Linie Frankreich, Italien, Spanien, Brasilien, Mexiko, Portugal und Argentinien eingebracht haben.</p><p>Um Mitglied der Union latine zu werden, muss ein Staat nach den Empfehlungen von 1992, welche die Konvention ausführen, eines oder mehrere der folgenden Kriterien erfüllen:</p><p>Sprachliche Kriterien: Die Amtssprache, die Unterrichtssprache und die Sprache der alltäglichen Kommunikation muss lateinischen Ursprungs sein.</p><p>Sprachkulturelle Kriterien: Bedeutende Werke der Literatur und die Presse müssen sowohl hinsichtlich Auflage als auch Anzahl Titel mehrheitlich in einer Sprache lateinischen Ursprungs vorliegen. Fernseh- und Radiosendungen müssen vorwiegend in einer Sprache lateinischen Ursprungs ausgetragen werden.</p><p>Kulturelle Kriterien: Die Kultur des Landes stammt direkt oder indirekt der Kultur des alten Rom ab, der sich die Mitgliedstaaten verpflichtet fühlen. Sie pflegen die lateinische und die vom Lateinischen abstammenden Sprachen und fördern den Kulturaustausch mit anderen lateinischstammenden Ländern, die in der lateinischen Kultur in Bezug auf die Organisation der Gesellschaft, namentlich auf rechtlicher Ebene verwurzelt sind, und sie setzen sich für die Wahrung der Grundfreiheiten, für die Menschenrechte und die Grundsätze der Demokratie, der Toleranz und der Religionsfreiheit ein.</p><p>Die Union Latine ist vor allem kulturell, insbesondere im Bereich Film, bildende Kunst und Literatur aktiv. Sie offenbart ausserdem ein starkes Interesse an Unterricht und Förderung der Sprachen lateinischen Ursprungs. Schwerpunktthemen sind zurzeit die Erarbeitung von Methoden zur Spracherlernung, die Entwicklung einer gemeinsamen Terminologie, die Zusammenstellung von mehrsprachigen technischen Wörterbüchern und die Weiterentwicklung der Sprachautomatisierung.</p><p>In einer Zeit, in der die Verbindungen unter den Lateinamerikanischen, den Portugiesisch und Spanisch sprechenden sowie den Französisch sprechenden Ländern immer enger, sich ein Mercosur und eine Gemeinschaft Portugiesisch sprechender Länder gebildet hat und man von einem Europa der Kulturen spricht, welches das heutige wirtschafts- und währungszentrierte Europa unbedingt ergänzen sollte, ist die Union latine aufgefordert, ihren Beitrag zur kulturellen Solidarität, für das sie Symbol ist, zu leisten.</p><p>Der Beitritt der Schweiz zur Union latine würde das internationale Verständnis für unser Land auf kultureller und wirtschaftlicher Ebene verbessern. Er würde eine sehr differenzierte Darstellung der Eigenheiten insbesondere der französischen und italienischen, aber auch der rätoromanischen Schweiz ermöglichen und wäre zudem ein Beitrag zum Erhalt von sprachlicher Vielfalt und kulturellem Pluralismus - Prinzipien, für die sich unser Land engagiert.</p><p>Das Beitrittsgesuch müsste, wie es der Bundesrat in seiner Antwort auf das Postulat Scheurer wünschte, in das Legislaturprogramm des Bundesrates 2004-2007 aufgenommen werden, da es eines der Hauptziele im Bericht über die Aussenpolitik 2000 aufnimmt, nämlich den Dialog zwischen verschiedenen Kulturen und die Achtung kultureller Diversität.</p>
    • <p>In seiner Erklärung zum Postulat Scheurer Rémy betreffend den Beitritt der Schweiz zur Union latine, dessen Annahme der Nationalrat am 6. Oktober 2000 zugestimmt hat, hielt der Bundesrat fest, dass er die Frage eines Beitrittes der Schweiz zur Union latine im Rahmen der Festlegung seiner Zielsetzungen für die Legislaturperiode 2004-2007 erneut beurteilen werde. Bei der Neubeurteilung dieses Anliegens standen für den Bundesrat finanz- und personalpolitische Überlegungen im Vordergrund.</p><p>Auf der Grundlage des Zweijahresbudgets der Union latine für die Periode 2003-2004, das sich insgesamt auf 7 660 530 Euro beläuft, müsste die Schweiz mit statutarischen jährlichen Beiträgen in der Höhe von 380 000 Euro oder ungefähr 620 000 Franken rechnen. Für die Mitarbeit der Schweiz an den Programmtätigkeiten der Union latine und die Betreuung der von ihr mitgetragenen Zusammenarbeitsprojekte muss des Weiteren sichergestellt sein, dass die betroffenen Bundesstellen über die notwendigen personellen Kapazitäten verfügen.</p><p>Angesichts der prekären finanziellen Lage des Bundes, die nach zusätzlichen unumgänglichen Sparanstrengungen zur Entlastung des defizitären Bundeshaushaltes verlangt, und der sehr restriktiven Bewirtschaftung der personellen Ressourcen des Bundes zur notwendigen Entlastung der entsprechenden Personalkredite misst der Bundesrat dem Beitritt der Schweiz in die Union latine in der laufenden Legislaturperiode keinen vorrangigen Stellenwert zu.</p><p>Der Bundesrat anerkennt die Tatsache, dass die Union latine der Schweiz ein zusätzliches Kontaktnetz für die internationale kulturelle Zusammenarbeit bereitstellen würde, das ihren frankophonen, italienischen und rätoromanischen Sprachgemeinschaften zugute käme. In diesem Sinne ist der Bundesrat bereit, nach Massgabe der Erreichung seiner finanzpolitischen Ziele zu einem späteren Zeitpunkt die finanziellen, personellen und operationellen Auswirkungen eines Beitrittes der Schweiz zur Union latine einer genauen Analyse zu unterziehen, um sich auf dieser Grundlage Klarheit über das weitere Vorgehen zu verschaffen.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
    • <p>Ich beziehe mich auf das Postulat Scheurer 00.3306, das am 6. Oktober 2000 vom Nationalrat angenommen wurde, und fordere den Bundesrat auf, dem Parlament in dieser Legislaturperiode ein Gesuch um Beitritt der Schweiz zur Union latine zu unterbreiten.</p>
    • Beitritt der Schweiz zur Union latine

Back to List