Anglizismen. Bundesrat als "Federal Executive Committee"?
- ShortId
-
04.3159
- Id
-
20043159
- Updated
-
25.06.2025 01:40
- Language
-
de
- Title
-
Anglizismen. Bundesrat als "Federal Executive Committee"?
- AdditionalIndexing
-
2831;kulturelles Erbe;Sprache;nationale Identität;Amtssprache;englische Sprache
- 1
-
- L05K0106010303, englische Sprache
- L04K01060103, Sprache
- L04K08060102, Amtssprache
- L04K01060301, kulturelles Erbe
- L04K08020219, nationale Identität
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Der Bundesrat wurde bereits mehrfach gefragt, wie er der Anglizismenschwemme in den in einer der Amtssprachen verfassten Texten oder in der Bezeichnung verschiedener Verwaltungseinheiten und Programme des Bundes begegnen wolle (Postulat Schwaab 02.3103 und Einfache Anfrage Rennwald 03.1112). Der Bundesrat hat zwar die Abschreibung des Postulates Schwaab beantragt, weil dessen Ziel realisiert sei. Man muss jedoch feststellen, dass sich die Situation nicht verändert hat und dass auch in der Bundesverwaltung die Verwendung englischer und amerikanischer Ausdrücke zunimmt. Mehrere Bundesstellen und -ämter haben sich in jüngster Zeit sogar Bezeichnungen "à l'americaine" zugelegt. Man denke nur an das Schweizerische Heilmittelinstitut, das zur Swissmedic mutierte, das Bundesamt für Polizeiwesen nennt sich neu Fedpol, das Projekt des EFD zum Finanzplatz Schweiz heisst Finweb. Auch die Umbenennung der Eidgenössischen Münzstätte in Swissmint gehört in dieses Kapitel. Die Internetseite des vom Bundesamt für Veterinärwesen abhängigen Institutes für Viruserkrankungen und Immunprophylaxe ist sogar nur auf Deutsch und auf Englisch verfügbar. Beim Durchblättern des Staatskalenders oder beim Durchklicken der Internetseiten des Bundes stösst man allenthalben auf Abteilungen oder Sektionen mit den Bezeichnungen "Budgeting", "Reporting", "Controlling". Von den "Newsletters" und den "Task Forces" ganz zu schweigen.</p><p>Die zögerlichen Massnahmen des Bundesrates scheinen also wenig Erfolg zu haben und wenig zu wirken. Nun ist eine klare Antwort des Bundesrates gefragt. Nur so lässt sich das Überhandnehmen von Anglizismen über Begriffe unserer Landessprachen eindämmen und vermeiden, dass der Bundesrat nicht demnächst zum "Federal Executive Committee" avanciert.</p><p>Immer schon haben sich die einzelnen Sprachen gegenseitig beeinflusst - ein bereichernder kultureller Austausch. Bisher hatte aber sicher keine Sprache so viele und so einflussreiche Übertragungskanäle wie das Englische. Englisch ist die Sprache der Informatik. Mit dem Internet ist eine Plattform entstanden, die dem entsprechenden Wortschatz zu einer erheblichen Verbreitung verhilft. Begriffe wie "Mail", "Spam", "Hacker" usw. sind bereits alltäglich, obwohl es für die meisten französische, deutsche oder italienische Äquivalente gibt. Englisch ist auch die Sprache der Wirtschaft. Jeden Tag lesen oder hören wir Wörter wie "Stock-Options", "Spin-off", "Business Angel" usw. Auch hier gibt es gleichbedeutende Begriffe in den Landessprachen. Die Werbung strotzt ebenfalls vor Anglizismen. Zahlreiche Unternehmen werben mit Slogans in der Sprache Shakespeares. Die Medien nehmen diese englischen Wörter auf, die wiederum die Sprache der jungen und der weniger jungen Leute immer stärker kennzeichnen. In der Freizeitwelt spricht man nicht mehr von Spazierengehen, sondern von "Walking", und das "Carving" hat das "Skifahren" verdrängt.</p><p>Artikel 18 der Bundesverfassung verpflichtet den Bundesrat, die Sprachenfreiheit zu garantieren. Er darf aber nicht vergessen, dass die Landessprachen nach Artikel 4 der Bundesverfassung Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch sind. Wir erwarten vom Bundesrat, dass er Massnahmen ergreift, die diesen Namen verdienen und die es erlauben, ein zentrales kulturelles Erbe unseres Landes zu bewahren: seine Landessprachen mit ihren Eigenheiten und ihrem Reichtum. Verschiedene Länder haben bereits mehr oder weniger einschneidende Massnahmen ergriffen, mit denen die Anglisierung ihrer Landessprachen verhindert werden soll. Für das Französische denke man bloss an Québec und Frankreich. Im Vergleich zu diesen beiden Ländern ist unser Anspruch bescheidener. Wir wollen nur, dass der Bundesrat in der Bundesverwaltung und in den vom Bund kontrollierten Unternehmen Massnahmen ergreift.</p><p>Unserer Ansicht nach sollte die übermässige Verwendung von Anglizismen nicht unterschätzt werden. Breite Teile der Bevölkerung verstehen aus verschiedenen Gründen wie Alter, Herkunft oder Ausbildung die meisten der verwendeten Ausdrücke nicht. Mit einer vermehrten Verwendung von Anglizismen werden diese Menschen also noch etwas mehr an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt.</p><p>Dieses Postulat will nicht gegen das Englische ins Feld ziehen. Es will unsere Landessprachen mit all ihrem Reichtum bewahren. Zu wünschen wäre, dass der Bundesrat der Tatsache Rechnung trägt, dass ein immer häufigerer Gebrauch von Anglizismen, wie dies Mode ist, dem Geist der Verfassung und dem nationalen Zusammenhalt zuwiderläuft.</p>
- Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird eingeladen, dafür zu sorgen, dass die Bundesverwaltung und die vom Bund kontrollierten Unternehmen die Verwendung englischer oder amerikanischer Ausdrücke vermeiden, wenn es deutsche, französische oder italienische Entsprechungen gibt. Zudem soll verboten werden, dass sich Ämter, Dienststellen und Programme des Bundes und die von ihm kontrollierten Unternehmen mit englisch klingenden Namen bezeichnen.</p>
- Anglizismen. Bundesrat als "Federal Executive Committee"?
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Der Bundesrat wurde bereits mehrfach gefragt, wie er der Anglizismenschwemme in den in einer der Amtssprachen verfassten Texten oder in der Bezeichnung verschiedener Verwaltungseinheiten und Programme des Bundes begegnen wolle (Postulat Schwaab 02.3103 und Einfache Anfrage Rennwald 03.1112). Der Bundesrat hat zwar die Abschreibung des Postulates Schwaab beantragt, weil dessen Ziel realisiert sei. Man muss jedoch feststellen, dass sich die Situation nicht verändert hat und dass auch in der Bundesverwaltung die Verwendung englischer und amerikanischer Ausdrücke zunimmt. Mehrere Bundesstellen und -ämter haben sich in jüngster Zeit sogar Bezeichnungen "à l'americaine" zugelegt. Man denke nur an das Schweizerische Heilmittelinstitut, das zur Swissmedic mutierte, das Bundesamt für Polizeiwesen nennt sich neu Fedpol, das Projekt des EFD zum Finanzplatz Schweiz heisst Finweb. Auch die Umbenennung der Eidgenössischen Münzstätte in Swissmint gehört in dieses Kapitel. Die Internetseite des vom Bundesamt für Veterinärwesen abhängigen Institutes für Viruserkrankungen und Immunprophylaxe ist sogar nur auf Deutsch und auf Englisch verfügbar. Beim Durchblättern des Staatskalenders oder beim Durchklicken der Internetseiten des Bundes stösst man allenthalben auf Abteilungen oder Sektionen mit den Bezeichnungen "Budgeting", "Reporting", "Controlling". Von den "Newsletters" und den "Task Forces" ganz zu schweigen.</p><p>Die zögerlichen Massnahmen des Bundesrates scheinen also wenig Erfolg zu haben und wenig zu wirken. Nun ist eine klare Antwort des Bundesrates gefragt. Nur so lässt sich das Überhandnehmen von Anglizismen über Begriffe unserer Landessprachen eindämmen und vermeiden, dass der Bundesrat nicht demnächst zum "Federal Executive Committee" avanciert.</p><p>Immer schon haben sich die einzelnen Sprachen gegenseitig beeinflusst - ein bereichernder kultureller Austausch. Bisher hatte aber sicher keine Sprache so viele und so einflussreiche Übertragungskanäle wie das Englische. Englisch ist die Sprache der Informatik. Mit dem Internet ist eine Plattform entstanden, die dem entsprechenden Wortschatz zu einer erheblichen Verbreitung verhilft. Begriffe wie "Mail", "Spam", "Hacker" usw. sind bereits alltäglich, obwohl es für die meisten französische, deutsche oder italienische Äquivalente gibt. Englisch ist auch die Sprache der Wirtschaft. Jeden Tag lesen oder hören wir Wörter wie "Stock-Options", "Spin-off", "Business Angel" usw. Auch hier gibt es gleichbedeutende Begriffe in den Landessprachen. Die Werbung strotzt ebenfalls vor Anglizismen. Zahlreiche Unternehmen werben mit Slogans in der Sprache Shakespeares. Die Medien nehmen diese englischen Wörter auf, die wiederum die Sprache der jungen und der weniger jungen Leute immer stärker kennzeichnen. In der Freizeitwelt spricht man nicht mehr von Spazierengehen, sondern von "Walking", und das "Carving" hat das "Skifahren" verdrängt.</p><p>Artikel 18 der Bundesverfassung verpflichtet den Bundesrat, die Sprachenfreiheit zu garantieren. Er darf aber nicht vergessen, dass die Landessprachen nach Artikel 4 der Bundesverfassung Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch sind. Wir erwarten vom Bundesrat, dass er Massnahmen ergreift, die diesen Namen verdienen und die es erlauben, ein zentrales kulturelles Erbe unseres Landes zu bewahren: seine Landessprachen mit ihren Eigenheiten und ihrem Reichtum. Verschiedene Länder haben bereits mehr oder weniger einschneidende Massnahmen ergriffen, mit denen die Anglisierung ihrer Landessprachen verhindert werden soll. Für das Französische denke man bloss an Québec und Frankreich. Im Vergleich zu diesen beiden Ländern ist unser Anspruch bescheidener. Wir wollen nur, dass der Bundesrat in der Bundesverwaltung und in den vom Bund kontrollierten Unternehmen Massnahmen ergreift.</p><p>Unserer Ansicht nach sollte die übermässige Verwendung von Anglizismen nicht unterschätzt werden. Breite Teile der Bevölkerung verstehen aus verschiedenen Gründen wie Alter, Herkunft oder Ausbildung die meisten der verwendeten Ausdrücke nicht. Mit einer vermehrten Verwendung von Anglizismen werden diese Menschen also noch etwas mehr an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt.</p><p>Dieses Postulat will nicht gegen das Englische ins Feld ziehen. Es will unsere Landessprachen mit all ihrem Reichtum bewahren. Zu wünschen wäre, dass der Bundesrat der Tatsache Rechnung trägt, dass ein immer häufigerer Gebrauch von Anglizismen, wie dies Mode ist, dem Geist der Verfassung und dem nationalen Zusammenhalt zuwiderläuft.</p>
- Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird eingeladen, dafür zu sorgen, dass die Bundesverwaltung und die vom Bund kontrollierten Unternehmen die Verwendung englischer oder amerikanischer Ausdrücke vermeiden, wenn es deutsche, französische oder italienische Entsprechungen gibt. Zudem soll verboten werden, dass sich Ämter, Dienststellen und Programme des Bundes und die von ihm kontrollierten Unternehmen mit englisch klingenden Namen bezeichnen.</p>
- Anglizismen. Bundesrat als "Federal Executive Committee"?
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