Lichtverschmutzung als Umweltstressor
- ShortId
-
04.3426
- Id
-
20043426
- Updated
-
28.07.2023 09:41
- Language
-
de
- Title
-
Lichtverschmutzung als Umweltstressor
- AdditionalIndexing
-
52;Bericht;Umweltqualität;elektrischer Leuchtkörper;Lebensqualität;Umweltbelastung;Beleuchtung
- 1
-
- L03K060203, Umweltbelastung
- L05K0705030202, Beleuchtung
- L05K0705060201, elektrischer Leuchtkörper
- L03K020206, Bericht
- L04K06010308, Umweltqualität
- L05K0109040202, Lebensqualität
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Die künstliche Beleuchtung der Aussenräume nimmt weltweit zu. Messungen in Italien haben gezeigt, dass dort die Lichtverschmutzung in den letzten dreissig Jahren um 500 bis 1000 Prozent zugenommen hat! Die Schweiz verfügt über keinen Quadratkilometer Landesfläche mehr, in dem noch natürliche Dunkelheit herrscht.</p><p>Beleuchtungskörper, die nach oben strahlen, erhellen heute den natürlich dunklen Nachthimmel. Diese künstliche Aufhellung mit ihren negativen Auswirkungen auf Mensch und Natur wird Lichtverschmutzung genannt - ein noch wenig erforschtes Umweltproblem, das im In- und Ausland wachsende Aufmerksamkeit erfährt. In der Schweiz hat sich vor allem René L. Kobler, Umweltingenieur und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Institutes für Umwelttechnik der Fachhochschule beider Basel, damit intensiv auseinander gesetzt. Auch das Buwal arbeitet bereits an Empfehlungen, wobei diese alleine nicht genügen können.</p><p>Wie wirkt sich dieses Phänomen auf die Umwelt aus? Grundsätzlich ist festzuhalten, dass sich Lebewesen und Ökosysteme über Hunderte von Millionen Jahren innerhalb der Evolution an den klaren, von der Natur vorgegebenen Hell-Dunkel-Zyklus angepasst haben. Die - gemessen an evolutionären Zeiträumen - abrupte Änderung der Nachtverhältnisse und des Hell-Dunkel-Zyklus hat negative Auswirkungen besonders auf nachtaktive Lebewesen. Als Beispiel die Zugvögel: Zwei Drittel der Zugvögel wandern in der Nacht. Wenn der Nachthimmel durch Lichtimmissionen aufgehellt ist, können sie die Sterne schlechter erkennen und ihr Orientierungsvermögen ist eingeschränkt. Zweites Beispiel Mensch: Licht ist für uns Menschen ein wichtiger externer Zeitgeber. Durch Licht werden Prozesse der Hormonblockierung und -ausschüttung gesteuert. Direkte Auswirkungen auf Menschen und Tiere müssen unbedingt erforscht werden.</p><p>Licht am falschen Ort wird also zunehmend zum Umweltstressor, die natürliche Dunkelheit zum Schutzgut. Das Amt für Umweltschutz und Energie des Kantons Basel-Landschaft hat fürs Erste auf Sensibilisierung gesetzt. Die Bevölkerung und die Entscheidungsträgerinnen bei der Gestaltung von Aussenraumbeleuchtung sollen über das Phänomen Lichtverschmutzung informiert und mit einem einfachen Fünf-Punkte-Merkblatt zum Handeln aufgefordert werden. Denn eines ist klar, es geht nicht darum, unsere Städte und Dörfer wieder dunkel zu machen, sondern darum, das Licht mit geschickter Technik und Weiterentwicklung der Beleuchtungskörper nur dorthin zu lenken, wo es der Mensch auch wirklich direkt brauchen kann.</p>
- <p>1. Bislang ist die Regierung des Kantons Graubünden zum Thema Lichtverschmutzung beim Bundesrat nicht vorstellig geworden.</p><p>Dessen ungeachtet wird diesem Thema auf Bundesebene bereits heute Beachtung geschenkt. Im Rahmen des Bewilligungsverfahrens zur Neugestaltung der SBB-Bahnhöfe haben BAV, Buwal und SBB gemeinsam nach Möglichkeiten zur Verminderung der negativen Wirkungen des Lichteinflusses (Railbeam) gesucht und solche auch gefunden. Spezifische Untersuchungen über die negativen Umweltauswirkungen von Lichtimmissionen sind auf Bundesebene aktuell nicht im Gang.</p><p>2. Zum jetzigen Zeitpunkt stehen auf Stufe Bund die Aufarbeitung und Auswertung vorhandener Informationen zum Thema Lichtverschmutzung im Vordergrund. Es ist vorgesehen, daraus Empfehlungen zur Minimierung der negativen Einwirkungen der Lichtverschmutzung auf die gesamte Umwelt (inklusive den Menschen) abzuleiten. Die Empfehlungen böten dem Bund eine Grundlage, um bei einer allfälligen Akzentuierung der Problematik angemessen reagieren zu können. Es ist beabsichtigt, sie in geeigneter Form auch der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Neben dem Bund haben auch einzelne Kantone und Gemeinden das Thema aufgegriffen.</p><p>3. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die gesetzlichen Grundlagen ausreichen, um die Aspekte der Lichtverschmutzung sachgerecht zu berücksichtigen. So verpflichtet das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz die Bundesorgane zu umfassender Rücksicht gegenüber der Landschaft und bezweckt, die Tier- und Pflanzenwelt und ihren natürlichen Lebensraum vor Beeinträchtigungen zu schützen. Zudem verlangt das Vorsorgeprinzip gemäss Umweltschutzgesetz, dass Einwirkungen, die schädlich oder lästig werden könnten, frühzeitig zu begrenzen sind. Eine Verordnung für weiter gehende Vorschriften zum Schutz vor Lichtimmissionen ist aktuell nicht vorgesehen.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Die Kantonsregierung Graubünden hat sich in der Beantwortung eines Postulates vom 31. Mai 2002 bereit erklärt, sich bei den zuständigen Bundesstellen dafür einzusetzen, dass Untersuchungen über die Lichtverschmutzung in der Schweiz in Gang gesetzt werden. Hat er dies gemacht und welche Studien zum Thema Lichtverschmutzung liegen nun vor?</p><p>2. Ist er bereit, falls Handlungsbedarf gegeben ist, entsprechende Massnahmen zu erarbeiten und umzusetzen?</p><p>3. Könnte er sich vorstellen, mit einer Verordnung die Eindämmung der Lichtverschmutzung zu präzisieren, damit die Wirkung in der Praxis garantiert ist?</p>
- Lichtverschmutzung als Umweltstressor
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Die künstliche Beleuchtung der Aussenräume nimmt weltweit zu. Messungen in Italien haben gezeigt, dass dort die Lichtverschmutzung in den letzten dreissig Jahren um 500 bis 1000 Prozent zugenommen hat! Die Schweiz verfügt über keinen Quadratkilometer Landesfläche mehr, in dem noch natürliche Dunkelheit herrscht.</p><p>Beleuchtungskörper, die nach oben strahlen, erhellen heute den natürlich dunklen Nachthimmel. Diese künstliche Aufhellung mit ihren negativen Auswirkungen auf Mensch und Natur wird Lichtverschmutzung genannt - ein noch wenig erforschtes Umweltproblem, das im In- und Ausland wachsende Aufmerksamkeit erfährt. In der Schweiz hat sich vor allem René L. Kobler, Umweltingenieur und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Institutes für Umwelttechnik der Fachhochschule beider Basel, damit intensiv auseinander gesetzt. Auch das Buwal arbeitet bereits an Empfehlungen, wobei diese alleine nicht genügen können.</p><p>Wie wirkt sich dieses Phänomen auf die Umwelt aus? Grundsätzlich ist festzuhalten, dass sich Lebewesen und Ökosysteme über Hunderte von Millionen Jahren innerhalb der Evolution an den klaren, von der Natur vorgegebenen Hell-Dunkel-Zyklus angepasst haben. Die - gemessen an evolutionären Zeiträumen - abrupte Änderung der Nachtverhältnisse und des Hell-Dunkel-Zyklus hat negative Auswirkungen besonders auf nachtaktive Lebewesen. Als Beispiel die Zugvögel: Zwei Drittel der Zugvögel wandern in der Nacht. Wenn der Nachthimmel durch Lichtimmissionen aufgehellt ist, können sie die Sterne schlechter erkennen und ihr Orientierungsvermögen ist eingeschränkt. Zweites Beispiel Mensch: Licht ist für uns Menschen ein wichtiger externer Zeitgeber. Durch Licht werden Prozesse der Hormonblockierung und -ausschüttung gesteuert. Direkte Auswirkungen auf Menschen und Tiere müssen unbedingt erforscht werden.</p><p>Licht am falschen Ort wird also zunehmend zum Umweltstressor, die natürliche Dunkelheit zum Schutzgut. Das Amt für Umweltschutz und Energie des Kantons Basel-Landschaft hat fürs Erste auf Sensibilisierung gesetzt. Die Bevölkerung und die Entscheidungsträgerinnen bei der Gestaltung von Aussenraumbeleuchtung sollen über das Phänomen Lichtverschmutzung informiert und mit einem einfachen Fünf-Punkte-Merkblatt zum Handeln aufgefordert werden. Denn eines ist klar, es geht nicht darum, unsere Städte und Dörfer wieder dunkel zu machen, sondern darum, das Licht mit geschickter Technik und Weiterentwicklung der Beleuchtungskörper nur dorthin zu lenken, wo es der Mensch auch wirklich direkt brauchen kann.</p>
- <p>1. Bislang ist die Regierung des Kantons Graubünden zum Thema Lichtverschmutzung beim Bundesrat nicht vorstellig geworden.</p><p>Dessen ungeachtet wird diesem Thema auf Bundesebene bereits heute Beachtung geschenkt. Im Rahmen des Bewilligungsverfahrens zur Neugestaltung der SBB-Bahnhöfe haben BAV, Buwal und SBB gemeinsam nach Möglichkeiten zur Verminderung der negativen Wirkungen des Lichteinflusses (Railbeam) gesucht und solche auch gefunden. Spezifische Untersuchungen über die negativen Umweltauswirkungen von Lichtimmissionen sind auf Bundesebene aktuell nicht im Gang.</p><p>2. Zum jetzigen Zeitpunkt stehen auf Stufe Bund die Aufarbeitung und Auswertung vorhandener Informationen zum Thema Lichtverschmutzung im Vordergrund. Es ist vorgesehen, daraus Empfehlungen zur Minimierung der negativen Einwirkungen der Lichtverschmutzung auf die gesamte Umwelt (inklusive den Menschen) abzuleiten. Die Empfehlungen böten dem Bund eine Grundlage, um bei einer allfälligen Akzentuierung der Problematik angemessen reagieren zu können. Es ist beabsichtigt, sie in geeigneter Form auch der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Neben dem Bund haben auch einzelne Kantone und Gemeinden das Thema aufgegriffen.</p><p>3. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die gesetzlichen Grundlagen ausreichen, um die Aspekte der Lichtverschmutzung sachgerecht zu berücksichtigen. So verpflichtet das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz die Bundesorgane zu umfassender Rücksicht gegenüber der Landschaft und bezweckt, die Tier- und Pflanzenwelt und ihren natürlichen Lebensraum vor Beeinträchtigungen zu schützen. Zudem verlangt das Vorsorgeprinzip gemäss Umweltschutzgesetz, dass Einwirkungen, die schädlich oder lästig werden könnten, frühzeitig zu begrenzen sind. Eine Verordnung für weiter gehende Vorschriften zum Schutz vor Lichtimmissionen ist aktuell nicht vorgesehen.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Die Kantonsregierung Graubünden hat sich in der Beantwortung eines Postulates vom 31. Mai 2002 bereit erklärt, sich bei den zuständigen Bundesstellen dafür einzusetzen, dass Untersuchungen über die Lichtverschmutzung in der Schweiz in Gang gesetzt werden. Hat er dies gemacht und welche Studien zum Thema Lichtverschmutzung liegen nun vor?</p><p>2. Ist er bereit, falls Handlungsbedarf gegeben ist, entsprechende Massnahmen zu erarbeiten und umzusetzen?</p><p>3. Könnte er sich vorstellen, mit einer Verordnung die Eindämmung der Lichtverschmutzung zu präzisieren, damit die Wirkung in der Praxis garantiert ist?</p>
- Lichtverschmutzung als Umweltstressor
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