Fair-Trade-Produkte in den Bundeskantinen

ShortId
04.3494
Id
20043494
Updated
28.07.2023 08:29
Language
de
Title
Fair-Trade-Produkte in den Bundeskantinen
AdditionalIndexing
15;04;Entwicklungsland;Handel;Gerechtigkeit;Bundesverwaltung;Niedriglohn;Nord-Süd-Handel;Arbeitsbedingungen;Nahrungsmittel;Gaststättengewerbe;Handelspolitik (speziell)
1
  • L04K07010303, Handelspolitik (speziell)
  • L05K0701020405, Nord-Süd-Handel
  • L03K070102, Handel
  • L04K08020209, Gerechtigkeit
  • L03K140203, Nahrungsmittel
  • L05K0101010307, Gaststättengewerbe
  • L04K08060103, Bundesverwaltung
  • L04K07020502, Arbeitsbedingungen
  • L06K070201010302, Niedriglohn
  • L05K0704020103, Entwicklungsland
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>In Artikel 23 der Allgemeinen Menschenrechtserklärung steht: "Jeder Mensch, der arbeitet, hat das Recht auf angemessene und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert." Aufgrund der Gesetze und Mechanismen des internationalen Handels erhalten leider zahlreiche kleine Produzenten und Handwerkerinnen in den südlichen Ländern einen Lohn, der diesem Ziel nicht entspricht. Bauernfamilien und Plantagenangestellte in den sogenannten Entwicklungsländern leben sogar dann oft in Armut, wenn sie den ganzen Tag unter sehr schwierigen Bedingungen arbeiten. Nicht selten sind diese Menschen zu Bedingungen angestellt, die an Sklaverei grenzen, und sie sind gezwungen, ihre Kinder arbeiten zu lassen, anstatt sie in die Schule zu schicken.</p><p>Zum Glück gibt es heute im internationalen Handel einen Hoffnungsschimmer. Seit mehreren Jahren setzt sich der faire Handel als effizientes Mittel durch, mit dem die Ungleichheiten verringert werden und der Mensch seinen Platz im internationalen Handelsaustausch zurückerhält. Max Havelaar ist eine Non-Profit-Organisation, die Gütesiegel verleiht für Produkte, die den Standards des fairen Handels entsprechen. Der faire Handel hat zum Ziel, ein befriedigendes Preis-Leistungsverhältnis für alle, von den Produzenten bis zu den Konsumentinnen, zu schaffen.</p><p>Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer wählen Produkte, die aus fairem Handel stammen. 2003 erzielte der Verkauf von Max-Havelaar-Produkten in der Schweiz einen Umsatz von 156 Millionen Franken. Dies bedeutet eine Steigerung von nahezu 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 38 Millionen Franken davon gingen direkt an die Produzentinnen und Produzenten und an die Angestellten der Partnerplantagen von Max Havelaar in den Ländern des Südens. Die Max-Havelaar-Stiftung Schweiz schätzt, dass dank fairem Handel in benachteiligten Regionen die Lebensbedingungen von 800 000 Familien, also von etwa 5 Millionen Menschen, verbessert werden konnten.</p><p>Wir sind uns bewusst, dass der Bund grosse Anstrengungen unternimmt, mit dem Ziel, die Ungleichheiten auf der Welt zu verringern, insbesondere durch seine Kredite und Projekte für die Entwicklungshilfe. Wir sind aber der Meinung, dass dieses Ziel auch beim täglichen Entscheiden und Wirken der Regierung und der Bundesverwaltung spürbar werden sollte. Die Verwendung von Produkten aus fairem Handel in den Kantinen und Cafeterias des Bundes (beispielsweise in den Betrieben des Militärs, der ETH und der Post) wäre somit ein Zeichen von Kohärenz zwischen dem Ziel, das die Regierung beim Abbau der Ungleichheiten auf der Welt vertritt, und dem Verhalten der Verwaltung und den Einrichtungen, die der Bund überwacht. Die Kundschaft dieser Betriebe müsste auf die Verwendung der Produkte aus fairem Handel (Kaffee, Tee, Orangensaft, Reis usw.) aufmerksam gemacht werden. So könnte man Konsumentinnen und Konsumenten für den fairen Handel sensibilisieren, und der Einsatz des Bundes zugunsten des fairen Handels würde aufgewertet.</p><p>Der Bundesrat soll Bundeskantinen, die von privaten Unternehmen betrieben werden, auffordern, diesem Beispiel zu folgen.</p>
  • <p>Die Verpflegungsräume in der Bundesverwaltung werden von unabhängigen Betreiberfirmen geführt. Im "Vermietungs- und Betriebskonzept für Verpflegungsräume in der Bundesverwaltung" werden die Betreiber der Verpflegungsräume zur Bewirtschaftung nach branchenüblichen Normen und zu unternehmerischem Denken angehalten. Das Konzept definiert verschiedene Verpflegungsarten und legt die Richtlinien fest, nach welchen die Betreiber zu handeln haben.</p><p>Die Motion verlangt vom Bundesrat, verstärkt Einfluss zu nehmen auf die Ausgestaltung des Angebotes in den Verpflegungsräumen. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass damit die Autonomie der Betreiber zu stark beschränkt würde. Wenn die Kunden Fair-Trade-Produkte wünschen und bereit sind, den allenfalls höheren Preis dafür zu bezahlen, so werden die Betreiber diese Produkte auch ohne Eingreifen des Bundesrates anbieten.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
  • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, Kantinen und Cafeterias des Bundes aufzufordern, Produkte aus fairem Handel zu verwenden, und damit Artikel 23 der Allgemeinen Menschenrechtserklärung Geltung zu verschaffen. Mit einer Informationskampagne während der Einführung dieser Produkte sollen die Kundinnen und Kunden in den Betrieben darauf aufmerksam gemacht werden, dass es fairen Handel gibt und was der Bund unternimmt, um diesen Handel zu unterstützen.</p>
  • Fair-Trade-Produkte in den Bundeskantinen
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>In Artikel 23 der Allgemeinen Menschenrechtserklärung steht: "Jeder Mensch, der arbeitet, hat das Recht auf angemessene und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert." Aufgrund der Gesetze und Mechanismen des internationalen Handels erhalten leider zahlreiche kleine Produzenten und Handwerkerinnen in den südlichen Ländern einen Lohn, der diesem Ziel nicht entspricht. Bauernfamilien und Plantagenangestellte in den sogenannten Entwicklungsländern leben sogar dann oft in Armut, wenn sie den ganzen Tag unter sehr schwierigen Bedingungen arbeiten. Nicht selten sind diese Menschen zu Bedingungen angestellt, die an Sklaverei grenzen, und sie sind gezwungen, ihre Kinder arbeiten zu lassen, anstatt sie in die Schule zu schicken.</p><p>Zum Glück gibt es heute im internationalen Handel einen Hoffnungsschimmer. Seit mehreren Jahren setzt sich der faire Handel als effizientes Mittel durch, mit dem die Ungleichheiten verringert werden und der Mensch seinen Platz im internationalen Handelsaustausch zurückerhält. Max Havelaar ist eine Non-Profit-Organisation, die Gütesiegel verleiht für Produkte, die den Standards des fairen Handels entsprechen. Der faire Handel hat zum Ziel, ein befriedigendes Preis-Leistungsverhältnis für alle, von den Produzenten bis zu den Konsumentinnen, zu schaffen.</p><p>Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer wählen Produkte, die aus fairem Handel stammen. 2003 erzielte der Verkauf von Max-Havelaar-Produkten in der Schweiz einen Umsatz von 156 Millionen Franken. Dies bedeutet eine Steigerung von nahezu 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 38 Millionen Franken davon gingen direkt an die Produzentinnen und Produzenten und an die Angestellten der Partnerplantagen von Max Havelaar in den Ländern des Südens. Die Max-Havelaar-Stiftung Schweiz schätzt, dass dank fairem Handel in benachteiligten Regionen die Lebensbedingungen von 800 000 Familien, also von etwa 5 Millionen Menschen, verbessert werden konnten.</p><p>Wir sind uns bewusst, dass der Bund grosse Anstrengungen unternimmt, mit dem Ziel, die Ungleichheiten auf der Welt zu verringern, insbesondere durch seine Kredite und Projekte für die Entwicklungshilfe. Wir sind aber der Meinung, dass dieses Ziel auch beim täglichen Entscheiden und Wirken der Regierung und der Bundesverwaltung spürbar werden sollte. Die Verwendung von Produkten aus fairem Handel in den Kantinen und Cafeterias des Bundes (beispielsweise in den Betrieben des Militärs, der ETH und der Post) wäre somit ein Zeichen von Kohärenz zwischen dem Ziel, das die Regierung beim Abbau der Ungleichheiten auf der Welt vertritt, und dem Verhalten der Verwaltung und den Einrichtungen, die der Bund überwacht. Die Kundschaft dieser Betriebe müsste auf die Verwendung der Produkte aus fairem Handel (Kaffee, Tee, Orangensaft, Reis usw.) aufmerksam gemacht werden. So könnte man Konsumentinnen und Konsumenten für den fairen Handel sensibilisieren, und der Einsatz des Bundes zugunsten des fairen Handels würde aufgewertet.</p><p>Der Bundesrat soll Bundeskantinen, die von privaten Unternehmen betrieben werden, auffordern, diesem Beispiel zu folgen.</p>
    • <p>Die Verpflegungsräume in der Bundesverwaltung werden von unabhängigen Betreiberfirmen geführt. Im "Vermietungs- und Betriebskonzept für Verpflegungsräume in der Bundesverwaltung" werden die Betreiber der Verpflegungsräume zur Bewirtschaftung nach branchenüblichen Normen und zu unternehmerischem Denken angehalten. Das Konzept definiert verschiedene Verpflegungsarten und legt die Richtlinien fest, nach welchen die Betreiber zu handeln haben.</p><p>Die Motion verlangt vom Bundesrat, verstärkt Einfluss zu nehmen auf die Ausgestaltung des Angebotes in den Verpflegungsräumen. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass damit die Autonomie der Betreiber zu stark beschränkt würde. Wenn die Kunden Fair-Trade-Produkte wünschen und bereit sind, den allenfalls höheren Preis dafür zu bezahlen, so werden die Betreiber diese Produkte auch ohne Eingreifen des Bundesrates anbieten.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
    • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, Kantinen und Cafeterias des Bundes aufzufordern, Produkte aus fairem Handel zu verwenden, und damit Artikel 23 der Allgemeinen Menschenrechtserklärung Geltung zu verschaffen. Mit einer Informationskampagne während der Einführung dieser Produkte sollen die Kundinnen und Kunden in den Betrieben darauf aufmerksam gemacht werden, dass es fairen Handel gibt und was der Bund unternimmt, um diesen Handel zu unterstützen.</p>
    • Fair-Trade-Produkte in den Bundeskantinen

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