Basislehrjahre für Jugendliche ohne Lehrstelle
- ShortId
-
05.3190
- Id
-
20053190
- Updated
-
27.07.2023 19:51
- Language
-
de
- Title
-
Basislehrjahre für Jugendliche ohne Lehrstelle
- AdditionalIndexing
-
32;15;Lehrstelle;Erwerbsleben;Unterrichtsprogramm;Bekämpfung der Arbeitslosigkeit;Lehre;junge/r Arbeitnehmer/in;berufliche Bildung;Jugendarbeitslosigkeit
- 1
-
- L05K0702030403, Jugendarbeitslosigkeit
- L05K0702020112, junge/r Arbeitnehmer/in
- L04K13020204, Lehre
- L04K13010310, Unterrichtsprogramm
- L05K0702030303, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit
- L06K070202010402, Erwerbsleben
- L06K070202030801, Lehrstelle
- L03K130202, berufliche Bildung
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Zurzeit befinden sich etwa 21 500 Jugendliche in einem Brückenangebot, welches pro Person im Durchschnitt 15 000 Franken kostet. Die Gesamtkosten betragen über 300 Millionen Franken jährlich, doch diese Mittel könnten grösstenteils effizienter eingesetzt werden. Für Jugendliche mit schulischen oder sozialen Lücken sowie Schwierigkeiten bei der Berufswahl sind Brückenangebote sinnvoll. Zu viele Jugendliche befinden sich aber vor allem wegen des Lehrstellenmangels in einem Brückenangebot. Für sie ist diese Lösung wenig sinnvoll und verkommt oft zu einem teuren Wartejahr. Für diese Jugendlichen müssen neue Angebote geschaffen werden, indem die Basislehrjahre ausgebaut und weiterentwickelt werden. Jugendliche ohne Lehrstelle sollen ein Basislehrjahr in jener Branche absolvieren können, in welcher sie einen Ausbildungsplatz suchen. Im Basislehrjahr werden Fertigkeiten mit hohem Praxisbezug gezielt eingeübt, was in der klassischen Berufslehre im ersten Lehrjahr geschieht. Der grosse Vorteil dieses Modells besteht darin, dass die Jugendlichen für die spätere Ausbildung im Betrieb optimal vorbereitet sind. Der Bund muss zusammen mit den zuständigen Branchenverbänden die entsprechenden Rahmenbedingungen für Pilotversuche mit Basislehrjahren in unterschiedlichen Berufsfeldern entwickeln. Die Finanzierung soll durch die Mittel der eingesparten Brückenangebote sowie durch eigens für neue Modelle vorgesehene Gelder, dem sogenannten Innovationszehntel, welcher im neuen Berufsbildungsgesetz festgelegt ist, erfolgen. Längerfristig sollen sich die Branchenverbände an der Finanzierung beteiligen, und die Angebote, welche sich bewähren, sollen nach einer Pilotphase flächendeckend eingeführt werden. Da im Informatikbereich bereits solche Basislehrjahre existieren, kann man für die Entwicklung in anderen Berufsfeldern aus den positiven wie auch aus den negativen Erfahrungen der Informatikbasislehrjahre lernen und dieses Wissen umsetzen.</p>
- <p>Im Sommer 2004 haben sich gemäss dem vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie in Auftrag gegebenen Lehrstellenbarometer 21 500 Jugendliche - aus verschiedenen Gründen - für eine Zwischenlösung entschieden. Das Spektrum der Zwischenlösungen ist breit gefächert: Es reicht von 10. Schuljahren über Auslandaufenthalte und Praktika bis hin zu berufsspezifischen Vorbereitungen und Brückenangeboten.</p><p>Brückenangebote verbessern die Berufsbildungsfähigkeit: Sie ergänzen das Programm der obligatorischen Schule im Hinblick auf die Anforderungen der beruflichen Grundbildung. Von Brückenangeboten profitieren insbesondere Schulabgängerinnen und -abgänger mit Leistungsdefiziten sowie Migrantinnen und Migranten. Der Bund unterstützt die Kantone bei der Bereitstellung von Brückenangeboten, sofern diese zu mindestens 60 Prozent praktische Tätigkeiten aufweisen. 2004 hat der Bund für Brückenangebote rund 6 Millionen Franken aufgewendet.</p><p>Ebenfalls als Zwischenlösung wären die von der Motionärin angeregten Basislehrjahre einzustufen. Es würde sich um ein der beruflichen Grundbildung vorgelagertes Bildungsangebot handeln.</p><p>Unter Basislehrjahren wird in der Berufsbildung jedoch etwas anderes verstanden: Es handelt sich um eine spezielle, integrierte Form des ersten Jahres einer beruflichen Grundbildung. Ziel ist es, die Lernenden zentral in einem Ausbildungszentrum auf die weitere Ausbildung im Lehrbetrieb vorzubereiten. Damit sollen die Lehrbetriebe von der Berufseinführung und der Vermittlung von Grundfertigkeiten entlastet werden. Ab dem zweiten Lehrjahr wird die berufliche Grundbildung im Lehrbetrieb weitergeführt. Da Basislehrjahre Teil einer beruflichen Grundbildung sind, verfügen die Lernenden von Beginn weg über einen gültigen Lehrvertrag. Basislehrjahre sind in der Berufsbildung wenig verbreitet. Zum Zuge kommt diese Form beispielsweise in der Ausbildung von Informatikerinnen und Informatikern.</p><p>In der Berufsbildung teilen sich Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt die Verantwortung. Letztere sorgen im Rahmen der Verbundpartnerschaft dafür, neue Bildungsangebote zu entwickeln, Bildungsinhalte zu definieren und Ausbildungsplätze bereitzustellen. Damit ist der direkte Bezug zum Arbeitsleben sichergestellt: Die Ausbildungen orientieren sich zum einen an nachgefragten Berufsqualifikationen. Zum andern bieten Unternehmungen Lehrstellen an, wo auf dem Arbeitsmarkt eine Nachfrage nach Berufsleuten besteht.</p><p>Die von der Motionärin angeregten Basislehrjahre fügen sich nicht in diesen bewährten Mechanismus ein. Erstens würden die Jugendlichen ein Bildungsangebot besuchen, ohne über eine vorgängige Zusage zu einer späteren Lehrstelle zu verfügen. Die Jugendlichen hätten einen Abschluss ohne Anschluss. Die Lehrstellensuche würde lediglich um ein weiteres Jahr verschoben. Zweitens ist bei den über 200 Lehrberufen die Gestaltung der beruflichen Grundbildung unterschiedlich. Die kollektive Einführung von Basislehrjahren im Sinne der Motionärin würde den spezifischen Anforderungen der einzelnen Lehrberufe nicht gerecht werden. </p><p>Mit dem 2004 neu in Kraft getretenen Berufsbildungsgesetz sind die Bildungsangebote neu definiert und positioniert worden. Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt verfügen damit über ein ausreichendes Instrumentarium, Jugendlichen den Einstieg in die Berufswelt zu ermöglichen.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Die zuständigen Behörden des Bundes sollen zusammen mit den Zuständigen der Wirtschaft und Branchenverbände Modelle für Basislehrjahre entwickeln. Die nach Berufsfelder unterteilten Basislehrjahre können in einzelnen Kantonen zuerst als Pilotprojekte gestartet werden und nach einer Versuchsphase dann flächendeckend eingeführt werden.</p>
- Basislehrjahre für Jugendliche ohne Lehrstelle
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Zurzeit befinden sich etwa 21 500 Jugendliche in einem Brückenangebot, welches pro Person im Durchschnitt 15 000 Franken kostet. Die Gesamtkosten betragen über 300 Millionen Franken jährlich, doch diese Mittel könnten grösstenteils effizienter eingesetzt werden. Für Jugendliche mit schulischen oder sozialen Lücken sowie Schwierigkeiten bei der Berufswahl sind Brückenangebote sinnvoll. Zu viele Jugendliche befinden sich aber vor allem wegen des Lehrstellenmangels in einem Brückenangebot. Für sie ist diese Lösung wenig sinnvoll und verkommt oft zu einem teuren Wartejahr. Für diese Jugendlichen müssen neue Angebote geschaffen werden, indem die Basislehrjahre ausgebaut und weiterentwickelt werden. Jugendliche ohne Lehrstelle sollen ein Basislehrjahr in jener Branche absolvieren können, in welcher sie einen Ausbildungsplatz suchen. Im Basislehrjahr werden Fertigkeiten mit hohem Praxisbezug gezielt eingeübt, was in der klassischen Berufslehre im ersten Lehrjahr geschieht. Der grosse Vorteil dieses Modells besteht darin, dass die Jugendlichen für die spätere Ausbildung im Betrieb optimal vorbereitet sind. Der Bund muss zusammen mit den zuständigen Branchenverbänden die entsprechenden Rahmenbedingungen für Pilotversuche mit Basislehrjahren in unterschiedlichen Berufsfeldern entwickeln. Die Finanzierung soll durch die Mittel der eingesparten Brückenangebote sowie durch eigens für neue Modelle vorgesehene Gelder, dem sogenannten Innovationszehntel, welcher im neuen Berufsbildungsgesetz festgelegt ist, erfolgen. Längerfristig sollen sich die Branchenverbände an der Finanzierung beteiligen, und die Angebote, welche sich bewähren, sollen nach einer Pilotphase flächendeckend eingeführt werden. Da im Informatikbereich bereits solche Basislehrjahre existieren, kann man für die Entwicklung in anderen Berufsfeldern aus den positiven wie auch aus den negativen Erfahrungen der Informatikbasislehrjahre lernen und dieses Wissen umsetzen.</p>
- <p>Im Sommer 2004 haben sich gemäss dem vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie in Auftrag gegebenen Lehrstellenbarometer 21 500 Jugendliche - aus verschiedenen Gründen - für eine Zwischenlösung entschieden. Das Spektrum der Zwischenlösungen ist breit gefächert: Es reicht von 10. Schuljahren über Auslandaufenthalte und Praktika bis hin zu berufsspezifischen Vorbereitungen und Brückenangeboten.</p><p>Brückenangebote verbessern die Berufsbildungsfähigkeit: Sie ergänzen das Programm der obligatorischen Schule im Hinblick auf die Anforderungen der beruflichen Grundbildung. Von Brückenangeboten profitieren insbesondere Schulabgängerinnen und -abgänger mit Leistungsdefiziten sowie Migrantinnen und Migranten. Der Bund unterstützt die Kantone bei der Bereitstellung von Brückenangeboten, sofern diese zu mindestens 60 Prozent praktische Tätigkeiten aufweisen. 2004 hat der Bund für Brückenangebote rund 6 Millionen Franken aufgewendet.</p><p>Ebenfalls als Zwischenlösung wären die von der Motionärin angeregten Basislehrjahre einzustufen. Es würde sich um ein der beruflichen Grundbildung vorgelagertes Bildungsangebot handeln.</p><p>Unter Basislehrjahren wird in der Berufsbildung jedoch etwas anderes verstanden: Es handelt sich um eine spezielle, integrierte Form des ersten Jahres einer beruflichen Grundbildung. Ziel ist es, die Lernenden zentral in einem Ausbildungszentrum auf die weitere Ausbildung im Lehrbetrieb vorzubereiten. Damit sollen die Lehrbetriebe von der Berufseinführung und der Vermittlung von Grundfertigkeiten entlastet werden. Ab dem zweiten Lehrjahr wird die berufliche Grundbildung im Lehrbetrieb weitergeführt. Da Basislehrjahre Teil einer beruflichen Grundbildung sind, verfügen die Lernenden von Beginn weg über einen gültigen Lehrvertrag. Basislehrjahre sind in der Berufsbildung wenig verbreitet. Zum Zuge kommt diese Form beispielsweise in der Ausbildung von Informatikerinnen und Informatikern.</p><p>In der Berufsbildung teilen sich Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt die Verantwortung. Letztere sorgen im Rahmen der Verbundpartnerschaft dafür, neue Bildungsangebote zu entwickeln, Bildungsinhalte zu definieren und Ausbildungsplätze bereitzustellen. Damit ist der direkte Bezug zum Arbeitsleben sichergestellt: Die Ausbildungen orientieren sich zum einen an nachgefragten Berufsqualifikationen. Zum andern bieten Unternehmungen Lehrstellen an, wo auf dem Arbeitsmarkt eine Nachfrage nach Berufsleuten besteht.</p><p>Die von der Motionärin angeregten Basislehrjahre fügen sich nicht in diesen bewährten Mechanismus ein. Erstens würden die Jugendlichen ein Bildungsangebot besuchen, ohne über eine vorgängige Zusage zu einer späteren Lehrstelle zu verfügen. Die Jugendlichen hätten einen Abschluss ohne Anschluss. Die Lehrstellensuche würde lediglich um ein weiteres Jahr verschoben. Zweitens ist bei den über 200 Lehrberufen die Gestaltung der beruflichen Grundbildung unterschiedlich. Die kollektive Einführung von Basislehrjahren im Sinne der Motionärin würde den spezifischen Anforderungen der einzelnen Lehrberufe nicht gerecht werden. </p><p>Mit dem 2004 neu in Kraft getretenen Berufsbildungsgesetz sind die Bildungsangebote neu definiert und positioniert worden. Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt verfügen damit über ein ausreichendes Instrumentarium, Jugendlichen den Einstieg in die Berufswelt zu ermöglichen.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Die zuständigen Behörden des Bundes sollen zusammen mit den Zuständigen der Wirtschaft und Branchenverbände Modelle für Basislehrjahre entwickeln. Die nach Berufsfelder unterteilten Basislehrjahre können in einzelnen Kantonen zuerst als Pilotprojekte gestartet werden und nach einer Versuchsphase dann flächendeckend eingeführt werden.</p>
- Basislehrjahre für Jugendliche ohne Lehrstelle
Back to List