Café Vallotton. Besser sitzen als stehen
- ShortId
-
05.3274
- Id
-
20053274
- Updated
-
01.07.2023 10:13
- Language
-
de
- Title
-
Café Vallotton. Besser sitzen als stehen
- AdditionalIndexing
-
0421
- 1
-
- L07K07050303030101, Bundeshaus
- L04K08030403, Infrastruktur der Parlamentsmitglieder
- L05K0101010307, Gaststättengewerbe
- L05K0106030106, Sitten und Gebräuche
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>"Wie Sie wissen, wird im nächsten Jahr das Parlamentsgebäude saniert. Die Verwaltungsdelegation hat dem Umbaukonzept am vergangenen Donnerstag zugestimmt. Mit diesem Entscheid hält nach 103 Jahren, das Parlamentsgebäude wurde am 1. April 1902 eingeweiht, auch in der Gastronomie das Zweikammersystem Einzug. Das Konzept sieht nämlich die Umnutzung der Galerie des Alpes in ein sogenanntes 'Grand Café' vor. Auch der Wunsch vieler Ratsmitglieder, eine Verpflegungsmöglichkeit in der unmittelbaren Nähe der Ratssäle beizubehalten, wurde in die Überlegungen mit einbezogen. Deshalb wird das heutige Café Vallotton zu einer 'Café-Bar' mit Stehtischen umgestaltet. Henry Vallotton war 1938/39 Präsident des Nationalrates und kehrte mit der Idee aus London und Paris zurück, auch hier in Bern eine Cafeteria einzurichten. Wenn schon Churchill in Westminster mit Chamberlain einen Whisky oder Paul Reynaud im Palais-Bourbon mit Léon Blum im Parlamentsgebäude einen Apéritif trinken konnten, dann sollten doch auch Jean Studer und Yvan Perrin die Gelegenheit haben, mit einem Absinthe anzustossen."</p><p>Dies ein Zitat aus einer Rede des Ständeratspräsidenten Bruno Frick anlässlich des Treffens der ehemaligen Ratspräsidenten vom 9. März 2005.</p><p>Das war eine weise Sicht von alt Nationalratspräsident Henry Vallotton, und er hat mit seiner Initiative kaum die Idee einer Stehbar gemeint. Damals galt für Essen und Trinken eine minimale Kultur. So, wie Churchill aus der Geschichte bekannt ist ("no sports"), wird er kaum mit Chamberlain im Stehen Whisky getrunken haben, und ebenso haben kaum Reynaud und Blum, von einem Bein auf das andere tretend, sich einen Apéritif genehmigt, und auch Jean Studer wird es kaum schätzen, mit Yvan Perrin einen Steh-Absinthe zu konsumieren. Das alles wäre ein Verlust an Qualität, ja ein Frevel an diesen edlen Getränken.</p><p>Und so soll es auch in Zukunft sein. Es geht nicht in erster Linie um den Erhalt einer alten Tradition, nein, es geht um eine gesellschaftliche statt rationale Komponente im Zusammenhang mit der Praktikabilität des Ratsgeschehens. Von der Verwaltungsdelegation wurde richtig erkannt, dass es - z. B. während stundenlangen Detailberatungen in der Gesetzgebung - dringend notwendig ist, auf dem gleichen Stock wie die Ratssäle eine Verpflegungsmöglichkeit zu haben. Weshalb die Idee einer Stehbar, einer Erfindung des modern-gestressten Menschen, aufgekommen ist, ist unklar, aber sicher unpraktisch. Wenn schon die Anwesenheit der Ratsmitglieder auf dem gleichen Stock erforderlich ist, dann sind Diskussionen, ein wenig Erholung, ein Treffen mit einem Gast usw. sitzend sicher angenehmer als stehend. Kaffee zu trinken, andere Getränke oder Speisen zu geniessen ist sitzend genussvoller als stehend. Das Moderne ist nicht immer das Bessere. Effizienz in Ehren, aber nicht auf Kosten sozialer Komponenten. Nur weil das vorgesehene Restaurant in der Galerie des Alpes Sitzplätze und wohl auch mehr Ruhe anbietet, ist das noch lange kein Grund, das Vallotton zu einem "Fast-drink/Fast-food-Tempel" zu degradieren und aus den Parlamentsmitgliedern Schnellkonsumentinnen und -konsumenten zu machen.</p>
- <p>Die Planung der zukünftigen Verpflegung im Parlamentsgebäude sieht zwei verschieden genutzte Lokalitäten vor: In der Galerie des Alpes soll ein sogenanntes "Grand Café" betrieben werden, und im sogenannten Café Vallotton wird im Rahmen einer sanften Aufwertung eine "Cafébar" eingerichtet.</p><p>Die Cafébar wird mit Bartheke, einigen Stehtischen und mehrheitlich mit Sitzgelegenheiten möbliert. Sie dient als Verpflegungsmöglichkeit in unmittelbarer Nähe der Ratssäle und liegt auch in Bezug auf die Kommissionssitzungszimmer sehr zentral. Während den Sessionen wird die Cafébar durch Servicepersonal bedient und verfügt über ein Angebot an Getränken und einigen Snacks. In der Zeit zwischen den Sessionen ist die Cafébar - dank Selbstbedienungsmöglichkeit - rund um die Uhr geöffnet; das Rauchen soll erlaubt sein. Während der Auswärtssession im Jahr 2001 wurde in Lugano das "Parlaments-Bistro" mit einem ähnlichen Konzept betrieben und hat bei den Ratsmitgliedern grossen Anklang gefunden. Zwei überwiesene Vorstösse verlangten die Einrichtung einer Cafébar bzw. von Kaffeeautomaten in der Nähe der Ratssäle.</p><p>Das Grand Café des Alpes wird während und ausserhalb der Sessionen bedient sein. Es wird über eine gemütliche Atmosphäre mit bequemen Sitzgelegenheiten und über ein grösseres Angebot an Getränken und Speisen verfügen. Dieser Raum soll auch für Apéros genutzt werden und ist als rauchfreie Zone vorgesehen.</p><p>Die Möblierungskonzepte der beiden Räume werden zur Genehmigung der Verwaltungsdelegation vorgelegt. Der Betreiber wird im Rahmen eines öffentlichen Ausschreibungsverfahrens ausgewählt.</p><p>Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Anliegen des Motionärs nach Sitzgelegenheiten im bisherigen sogenannten Café Vallotton im Zeitungszimmer auch im neuen Gastronomiekonzept erfüllt sein wird. Hingegen kann dort kein Restaurantbetrieb realisiert werden, wie dies im Übrigen auch bisher nicht der Fall war.</p><p>Die Verwaltungsdelegation beantragt, die Motion abzulehnen.</p>
- <p>Das Café Vallotton (Zeitungszimmer) ist als Restaurant mit Sitzgelegenheiten weiterzuführen und nicht als Café-Bar bzw. Café-Stehbar einzurichten.</p>
- Café Vallotton. Besser sitzen als stehen
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
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- Index
- 0
- Texts
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- <p>"Wie Sie wissen, wird im nächsten Jahr das Parlamentsgebäude saniert. Die Verwaltungsdelegation hat dem Umbaukonzept am vergangenen Donnerstag zugestimmt. Mit diesem Entscheid hält nach 103 Jahren, das Parlamentsgebäude wurde am 1. April 1902 eingeweiht, auch in der Gastronomie das Zweikammersystem Einzug. Das Konzept sieht nämlich die Umnutzung der Galerie des Alpes in ein sogenanntes 'Grand Café' vor. Auch der Wunsch vieler Ratsmitglieder, eine Verpflegungsmöglichkeit in der unmittelbaren Nähe der Ratssäle beizubehalten, wurde in die Überlegungen mit einbezogen. Deshalb wird das heutige Café Vallotton zu einer 'Café-Bar' mit Stehtischen umgestaltet. Henry Vallotton war 1938/39 Präsident des Nationalrates und kehrte mit der Idee aus London und Paris zurück, auch hier in Bern eine Cafeteria einzurichten. Wenn schon Churchill in Westminster mit Chamberlain einen Whisky oder Paul Reynaud im Palais-Bourbon mit Léon Blum im Parlamentsgebäude einen Apéritif trinken konnten, dann sollten doch auch Jean Studer und Yvan Perrin die Gelegenheit haben, mit einem Absinthe anzustossen."</p><p>Dies ein Zitat aus einer Rede des Ständeratspräsidenten Bruno Frick anlässlich des Treffens der ehemaligen Ratspräsidenten vom 9. März 2005.</p><p>Das war eine weise Sicht von alt Nationalratspräsident Henry Vallotton, und er hat mit seiner Initiative kaum die Idee einer Stehbar gemeint. Damals galt für Essen und Trinken eine minimale Kultur. So, wie Churchill aus der Geschichte bekannt ist ("no sports"), wird er kaum mit Chamberlain im Stehen Whisky getrunken haben, und ebenso haben kaum Reynaud und Blum, von einem Bein auf das andere tretend, sich einen Apéritif genehmigt, und auch Jean Studer wird es kaum schätzen, mit Yvan Perrin einen Steh-Absinthe zu konsumieren. Das alles wäre ein Verlust an Qualität, ja ein Frevel an diesen edlen Getränken.</p><p>Und so soll es auch in Zukunft sein. Es geht nicht in erster Linie um den Erhalt einer alten Tradition, nein, es geht um eine gesellschaftliche statt rationale Komponente im Zusammenhang mit der Praktikabilität des Ratsgeschehens. Von der Verwaltungsdelegation wurde richtig erkannt, dass es - z. B. während stundenlangen Detailberatungen in der Gesetzgebung - dringend notwendig ist, auf dem gleichen Stock wie die Ratssäle eine Verpflegungsmöglichkeit zu haben. Weshalb die Idee einer Stehbar, einer Erfindung des modern-gestressten Menschen, aufgekommen ist, ist unklar, aber sicher unpraktisch. Wenn schon die Anwesenheit der Ratsmitglieder auf dem gleichen Stock erforderlich ist, dann sind Diskussionen, ein wenig Erholung, ein Treffen mit einem Gast usw. sitzend sicher angenehmer als stehend. Kaffee zu trinken, andere Getränke oder Speisen zu geniessen ist sitzend genussvoller als stehend. Das Moderne ist nicht immer das Bessere. Effizienz in Ehren, aber nicht auf Kosten sozialer Komponenten. Nur weil das vorgesehene Restaurant in der Galerie des Alpes Sitzplätze und wohl auch mehr Ruhe anbietet, ist das noch lange kein Grund, das Vallotton zu einem "Fast-drink/Fast-food-Tempel" zu degradieren und aus den Parlamentsmitgliedern Schnellkonsumentinnen und -konsumenten zu machen.</p>
- <p>Die Planung der zukünftigen Verpflegung im Parlamentsgebäude sieht zwei verschieden genutzte Lokalitäten vor: In der Galerie des Alpes soll ein sogenanntes "Grand Café" betrieben werden, und im sogenannten Café Vallotton wird im Rahmen einer sanften Aufwertung eine "Cafébar" eingerichtet.</p><p>Die Cafébar wird mit Bartheke, einigen Stehtischen und mehrheitlich mit Sitzgelegenheiten möbliert. Sie dient als Verpflegungsmöglichkeit in unmittelbarer Nähe der Ratssäle und liegt auch in Bezug auf die Kommissionssitzungszimmer sehr zentral. Während den Sessionen wird die Cafébar durch Servicepersonal bedient und verfügt über ein Angebot an Getränken und einigen Snacks. In der Zeit zwischen den Sessionen ist die Cafébar - dank Selbstbedienungsmöglichkeit - rund um die Uhr geöffnet; das Rauchen soll erlaubt sein. Während der Auswärtssession im Jahr 2001 wurde in Lugano das "Parlaments-Bistro" mit einem ähnlichen Konzept betrieben und hat bei den Ratsmitgliedern grossen Anklang gefunden. Zwei überwiesene Vorstösse verlangten die Einrichtung einer Cafébar bzw. von Kaffeeautomaten in der Nähe der Ratssäle.</p><p>Das Grand Café des Alpes wird während und ausserhalb der Sessionen bedient sein. Es wird über eine gemütliche Atmosphäre mit bequemen Sitzgelegenheiten und über ein grösseres Angebot an Getränken und Speisen verfügen. Dieser Raum soll auch für Apéros genutzt werden und ist als rauchfreie Zone vorgesehen.</p><p>Die Möblierungskonzepte der beiden Räume werden zur Genehmigung der Verwaltungsdelegation vorgelegt. Der Betreiber wird im Rahmen eines öffentlichen Ausschreibungsverfahrens ausgewählt.</p><p>Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Anliegen des Motionärs nach Sitzgelegenheiten im bisherigen sogenannten Café Vallotton im Zeitungszimmer auch im neuen Gastronomiekonzept erfüllt sein wird. Hingegen kann dort kein Restaurantbetrieb realisiert werden, wie dies im Übrigen auch bisher nicht der Fall war.</p><p>Die Verwaltungsdelegation beantragt, die Motion abzulehnen.</p>
- <p>Das Café Vallotton (Zeitungszimmer) ist als Restaurant mit Sitzgelegenheiten weiterzuführen und nicht als Café-Bar bzw. Café-Stehbar einzurichten.</p>
- Café Vallotton. Besser sitzen als stehen
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