Euro 2008. Fanprojekte zur Gewaltprävention

ShortId
05.3887
Id
20053887
Updated
27.07.2023 22:06
Language
de
Title
Euro 2008. Fanprojekte zur Gewaltprävention
AdditionalIndexing
28;junger Mensch;Fussball;Jugendarbeit;soziale Integration;Gewalt
1
  • L05K0101010204, Fussball
  • L04K01010207, Gewalt
  • L05K0107010204, junger Mensch
  • L04K01040205, Jugendarbeit
  • L04K01040209, soziale Integration
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Gewalt im Sport ist kein neues Phänomen. Schon in den Achtzigerjahren wurden in ganz Europa zur Vorbeugung der Gewalt Massnahmen entwickelt, die eine gezielte Begleitung durch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter vorsehen, die in direktem Kontakt mit den Fans stehen. Diese Art der offenen Sozialarbeit ermöglicht es, zusammen mit den Jugendlichen Projekte zu entwickeln und ihnen auch eine sozialpädagogische, wenn nötig individuelle Unterstützung und Begleitung anzubieten. Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sind während der als risikoreich eingestuften Sportanlässe vor Ort und auch im Alltag Ansprechpartner der jungen Fans. So bilden sie sowohl während der Spiele als auch im Alltag (Hilfe bei der Suche nach einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz, Unterstützung bei der Organisation von sportlichen oder kulturellen Projekten) eine nützliche Schnittstelle zwischen Fans und Behörden.</p><p>Basel hat mit seinem seit 2003 laufenden Fanprojekt, das von den beiden Halbkantonen und von Fussball- und Eishockeyvereinen unterstützt wird und in dem drei Personen aus dem Sozialbereich beschäftigt sind, positive Erfahrungen gemacht, ebenso verschiedene europäische Länder. In der Stadt Zürich wurden die Beiträge für ein Projekt, das ähnlich angelegt war wie das Basler Fanprojekt und das von einem Verein und der Stadt finanziert worden war, gestrichen mit dem Argument, dass die Fans aus dem ganzen Kanton kommen.</p><p>Während der Euro 2008 sollen in Zusammenarbeit mit der UEFA ähnliche Projekte organisiert werden. Der Bund sieht dafür einen Beitrag von 5 Millionen Franken vor.</p><p>Es ist aber wichtig, dass sich die Projekte nicht auf die Zeit der Euro 2008 beschränken, sondern dass diese Veranstaltung vielmehr zum Anlass genommen wird, um in der Schweiz nachhaltige und umfassende lokale Projekte zur Begleitung und Unterstützung der Fans zu entwickeln.</p><p>Die Entwicklung solcher Projekte im Rahmen der Euro 2008 ist Sache des Bundes, der ein umfassendes Konzept der Präventions- und Repressionsmassnahmen vorlegen muss. Dies geht auch aus einer Antwort der Zürcher Regierung auf ein Postulat vom Februar 2005 im Kantonsrat hervor.</p><p>Die Präventionsmassnahmen müssen im Rahmen der Euro 2008, aber auch darüber hinaus, noch ausgearbeitet werden. Es muss eine globale und langfristige Unterstützung unter der organisatorischen und finanziellen Verantwortung des Bundesamtes für Sport und in Zusammenarbeit mit den Kantonen, den Sportvereinen und den Sportverbänden wie dem SFV entwickelt werden.</p>
  • <p>Der Bundesrat ist der Auffassung, dass Gewaltexzesse anlässlich der Euro 2008 unbedingt zu vermeiden sind. Er ist ebenfalls der Ansicht, dass ausschliesslich repressive Massnahmen (Hooligan-Datenbank, Rayonverbot, Ausreiseverbot, Meldeauflage und Polizeigewahrsam) hierzu nicht genügen. Vielmehr sind anlässlich der Euro 2008 bereits im Vorfeld des Anlasses Aspekte der sozio-pädagogischen Fanarbeit mit den Aspekten der ordnungspolitischen Polizeiarbeit sowie infrastrukturellen Aspekten in den Stadien abzugleichen. Überdies darf die Fanarbeit im Rahmen der Euro 2008 nicht losgelöst von der Fanarbeit im nationalen Meisterschaftsbetrieb betrachtet und umgesetzt werden. Nur so können Synergien genutzt werden und die eingesetzten Mittel nachhaltig Wirkung zeigen.</p><p>Das Themenfeld "fairer und sicherer Sport" bildet einen der strategischen Schwerpunkte des Baspo. In diesen Zusammenhang gehört auch die Fanarbeit. Das Baspo plant in diesem Bereich u. a. einen "runden Tisch" mit sämtlichen betroffenen und interessierten Kreisen, namentlich aus den Sportarten Fussball und Eishockey. Der "runde Tisch" soll dazu dienen, Massnahmen zu harmonisieren und Konzepte abzusprechen.</p><p>In Bezug auf die Euro 2008 sollen mit dem für Massnahmen in der Schweiz beantragten Kredit von 5 Millionen Franken auch Projekte unterstützt werden, die die Fanbetreuung fördern und präventiv gegen Gewalt in den und um die Stadien wirken.</p><p>Es ist jedoch nicht Aufgabe des Baspo bzw. der öffentlichen Hand, Programme zur Entwicklung einer schweizerischen Fankultur auszuarbeiten und zu lancieren. Dies ist primär Sache der betroffenen Sportverbände, d. h. in erster Linie des Schweizerischen Fussballverbandes und des Schweizerischen Eishockeyverbandes. Diese sind im Übrigen bereits an der Arbeit und entwickeln, gemeinsam mit den jeweiligen Fachorganisationen (Football Supporters International FSI, Football against Racism in Europe Fare, Fanarbeit Schweiz Fach) und der Zentralstelle für Hooliganismus, längerfristige Programme, um der Gewalt inner- und ausserhalb der Stadien entgegenzuwirken.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
  • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, aus Anlass der Euro 2008 ein globales Konzept für nachhaltige Präventionsprojekte zu erarbeiten, die sich an junge Fans richten. Diese Fanprojekte sollen in der Verantwortung des Bundesamtes für Sport stehen und in Zusammenarbeit mit den Kantonen, den Fussballvereinen und dem Schweizerischen Fussballverband durchgeführt werden.</p>
  • Euro 2008. Fanprojekte zur Gewaltprävention
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Gewalt im Sport ist kein neues Phänomen. Schon in den Achtzigerjahren wurden in ganz Europa zur Vorbeugung der Gewalt Massnahmen entwickelt, die eine gezielte Begleitung durch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter vorsehen, die in direktem Kontakt mit den Fans stehen. Diese Art der offenen Sozialarbeit ermöglicht es, zusammen mit den Jugendlichen Projekte zu entwickeln und ihnen auch eine sozialpädagogische, wenn nötig individuelle Unterstützung und Begleitung anzubieten. Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sind während der als risikoreich eingestuften Sportanlässe vor Ort und auch im Alltag Ansprechpartner der jungen Fans. So bilden sie sowohl während der Spiele als auch im Alltag (Hilfe bei der Suche nach einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz, Unterstützung bei der Organisation von sportlichen oder kulturellen Projekten) eine nützliche Schnittstelle zwischen Fans und Behörden.</p><p>Basel hat mit seinem seit 2003 laufenden Fanprojekt, das von den beiden Halbkantonen und von Fussball- und Eishockeyvereinen unterstützt wird und in dem drei Personen aus dem Sozialbereich beschäftigt sind, positive Erfahrungen gemacht, ebenso verschiedene europäische Länder. In der Stadt Zürich wurden die Beiträge für ein Projekt, das ähnlich angelegt war wie das Basler Fanprojekt und das von einem Verein und der Stadt finanziert worden war, gestrichen mit dem Argument, dass die Fans aus dem ganzen Kanton kommen.</p><p>Während der Euro 2008 sollen in Zusammenarbeit mit der UEFA ähnliche Projekte organisiert werden. Der Bund sieht dafür einen Beitrag von 5 Millionen Franken vor.</p><p>Es ist aber wichtig, dass sich die Projekte nicht auf die Zeit der Euro 2008 beschränken, sondern dass diese Veranstaltung vielmehr zum Anlass genommen wird, um in der Schweiz nachhaltige und umfassende lokale Projekte zur Begleitung und Unterstützung der Fans zu entwickeln.</p><p>Die Entwicklung solcher Projekte im Rahmen der Euro 2008 ist Sache des Bundes, der ein umfassendes Konzept der Präventions- und Repressionsmassnahmen vorlegen muss. Dies geht auch aus einer Antwort der Zürcher Regierung auf ein Postulat vom Februar 2005 im Kantonsrat hervor.</p><p>Die Präventionsmassnahmen müssen im Rahmen der Euro 2008, aber auch darüber hinaus, noch ausgearbeitet werden. Es muss eine globale und langfristige Unterstützung unter der organisatorischen und finanziellen Verantwortung des Bundesamtes für Sport und in Zusammenarbeit mit den Kantonen, den Sportvereinen und den Sportverbänden wie dem SFV entwickelt werden.</p>
    • <p>Der Bundesrat ist der Auffassung, dass Gewaltexzesse anlässlich der Euro 2008 unbedingt zu vermeiden sind. Er ist ebenfalls der Ansicht, dass ausschliesslich repressive Massnahmen (Hooligan-Datenbank, Rayonverbot, Ausreiseverbot, Meldeauflage und Polizeigewahrsam) hierzu nicht genügen. Vielmehr sind anlässlich der Euro 2008 bereits im Vorfeld des Anlasses Aspekte der sozio-pädagogischen Fanarbeit mit den Aspekten der ordnungspolitischen Polizeiarbeit sowie infrastrukturellen Aspekten in den Stadien abzugleichen. Überdies darf die Fanarbeit im Rahmen der Euro 2008 nicht losgelöst von der Fanarbeit im nationalen Meisterschaftsbetrieb betrachtet und umgesetzt werden. Nur so können Synergien genutzt werden und die eingesetzten Mittel nachhaltig Wirkung zeigen.</p><p>Das Themenfeld "fairer und sicherer Sport" bildet einen der strategischen Schwerpunkte des Baspo. In diesen Zusammenhang gehört auch die Fanarbeit. Das Baspo plant in diesem Bereich u. a. einen "runden Tisch" mit sämtlichen betroffenen und interessierten Kreisen, namentlich aus den Sportarten Fussball und Eishockey. Der "runde Tisch" soll dazu dienen, Massnahmen zu harmonisieren und Konzepte abzusprechen.</p><p>In Bezug auf die Euro 2008 sollen mit dem für Massnahmen in der Schweiz beantragten Kredit von 5 Millionen Franken auch Projekte unterstützt werden, die die Fanbetreuung fördern und präventiv gegen Gewalt in den und um die Stadien wirken.</p><p>Es ist jedoch nicht Aufgabe des Baspo bzw. der öffentlichen Hand, Programme zur Entwicklung einer schweizerischen Fankultur auszuarbeiten und zu lancieren. Dies ist primär Sache der betroffenen Sportverbände, d. h. in erster Linie des Schweizerischen Fussballverbandes und des Schweizerischen Eishockeyverbandes. Diese sind im Übrigen bereits an der Arbeit und entwickeln, gemeinsam mit den jeweiligen Fachorganisationen (Football Supporters International FSI, Football against Racism in Europe Fare, Fanarbeit Schweiz Fach) und der Zentralstelle für Hooliganismus, längerfristige Programme, um der Gewalt inner- und ausserhalb der Stadien entgegenzuwirken.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
    • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, aus Anlass der Euro 2008 ein globales Konzept für nachhaltige Präventionsprojekte zu erarbeiten, die sich an junge Fans richten. Diese Fanprojekte sollen in der Verantwortung des Bundesamtes für Sport stehen und in Zusammenarbeit mit den Kantonen, den Fussballvereinen und dem Schweizerischen Fussballverband durchgeführt werden.</p>
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