Nationales Forschungsprogramm über Nutzen und Risiken der Nanotechnologie
- ShortId
-
06.3363
- Id
-
20063363
- Updated
-
27.07.2023 21:56
- Language
-
de
- Title
-
Nationales Forschungsprogramm über Nutzen und Risiken der Nanotechnologie
- AdditionalIndexing
-
36;Gesundheitsrisiko;Technologiebewertung;Produktesicherheit;Nanotechnologie;NFP
- 1
-
- L05K0706010507, Nanotechnologie
- L06K070601050404, Technologiebewertung
- L04K01050510, Gesundheitsrisiko
- L05K0706010306, Produktesicherheit
- L05K1602020107, NFP
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Auf dem Gebiet der Materialentwicklung oder der Medizin verspricht die Nanotechnologie sensationelle Neuerungen und Milliardenumsätze. Deren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sind aber kaum bekannt.</p><p>Nanotechnologie gilt als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts. Weltweit werden Milliarden von öffentlichen und privaten Forschungsgeldern in Forschung und Entwicklung investiert. Auch in der Schweiz werden bedeutende Mittel in die Erforschung von Anwendungen der Nanotechnologie gesteckt. Der Nationalfonds finanziert beispielsweise mit 30 Millionen Franken einen Forschungsschwerpunkt mit Sitz in Basel.</p><p>Neben dem grossen Potenzial der neuen Technologie werden in letzter Zeit vermehrt auch mögliche Risiken diskutiert. Denn genau die Eigenschaften, welche Nanomaterialien so interessant machen, können sie zum Problem machen. Beim Übergang von Mikro- zu Nanopartikeln durchbrechen Substanzen eine Art Schallmauer. Das Material in der Grösse von Nanopartikeln kann völlig neue Eigenschaften annehmen; es kann z. B. plötzlich leitfähig oder extrem hart werden. Welche Auswirkungen alle diese speziellen Eigenschaften auf Mensch und Umwelt haben, ist noch kaum bekannt.</p><p>Erste wissenschaftliche Abklärungen, u. a. an der Empa, St. Gallen, weisen darauf hin, dass nanotechnologisch bearbeitete Erzeugnisse mit einem erheblichen Gefährdungspotenzial für die Gesundheit, aber auch für die Umwelt verbunden sein könnten. Kanzerogene Effekte in Analogie zur Asbestfaser- oder Feinstaubproblematik sind nicht auszuschliessen. Der Schweizer Forscher Peter Gehr von der Universität Bern hat nachgewiesen, dass 20 bis 30 Nanometer grosse Titandioxid-Nanopartikel über die Lunge ins Blut gelangen. Doch wie gefährlich Nanopartikel dort wirklich sind, weiss man nicht.</p><p>Der Bedarf an solcher Risikoforschung ist enorm, Studien über Folgen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt stehen erst ganz am Anfang. Viele offene Fragen stellen sich: Wie verhalten sich die Nanopartikel in der Umwelt, und wie lassen sie sich dort messen? Welche Eigenschaften bestimmen, ob Nanopartikel vom Menschen aufgenommen werden, und wie giftig sie sind? Über welche Mechanismen entfalten sie ihre Wirkung in Organismen? Können sie sich in den Nahrungsketten anreichern? Risikoforschung, die solche und viele andere Fragen beantwortet, ist in verschiedenen Ländern angelaufen. Dringend brauchen wir daher auch in der Schweiz ein unabhängiges Forschungsprogramm, das Nutzen und Risiken von künstlich erzeugten Nanopartikeln und nanotechnologischen Anwendungen untersucht.</p>
- <p>Der Begriff "Nanotechnologie" umfasst die Gesamtheit aller technischen Anwendungen, die zur Herstellung von Materialstrukturen mit einer Ausdehnung von unter 100 Nanometer (100 millionstel Millimeter) verwendet werden oder die deren spezielle physikalische und chemische Eigenschaften nutzen. Die Nanotechnologie ermöglicht unter anderem verbesserte und effizientere Verfahren bei bestehenden Anwendungen (z. B. Oberflächenveredelungen im Textil-, Bau und industriellen Bereich). Es ist aber auch eine Vielzahl neuer Anwendungen und Produkte in den unterschiedlichsten Technologiebereichen denkbar (Energie, Elektronik, Materialien, Medizin, Industrie usw.). Wegen ihrer Kleinheit haben Nanopartikel spezielle Eigenschaften, die sie für neuartige Anwendungen interessant machen, aber die auch ein Risiko für Mensch und Umwelt bedeuten können. Heute bestehen auf wissenschaftlicher Ebene noch sehr grosse Lücken in Bezug auf Metrologie, Wirkung, Umweltverhalten und Exposition von Nanopartikeln. Erst wenn diese Wissenslücken geschlossen sind, können Risiken für Mensch und Umwelt abgeschätzt und entsprechende Minderungsmassnahmen, wenn möglich bereits bei der Entwicklung der Technologie, getroffen werden.</p><p>Wie bereits in der Antwort auf die Motion der grünen Fraktion 06.3210, "Gesetzliche Regelungen für Nanotechnologie", dargelegt, unterstützt der Bund bereits Aktivitäten und Abklärungen im Hinblick auf den Schutz von Gesundheit und Umwelt vor synthetischen Nanopartikeln und nanotechnologischen Anwendungen. Das Bundesamt für Gesundheit und das Bundesamt für Umwelt haben ein Projekt zur Ausarbeitung eines Aktionsplanes "Risikobeurteilung und Risikomanagement synthetischer Nanopartikel in der Schweiz (2006-2009)" lanciert, welches hinsichtlich der Regulierung des Arbeitnehmer-, Verbraucher- und Umweltschutzes voraussichtlich bis Ende 2006/Anfang 2007 Massnahmen erarbeiten und Handlungsbedarf eruieren soll. Dabei sollen auch laufende und geplante Aktivitäten im Ausland mit einbezogen werden (z. B. Aktionsplan der EU vom Juni 2005). Auch dem Dialog mit der Öffentlichkeit wird bereits heute grosse Bedeutung beigemessen. So wird das Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung beispielsweise im Herbst dieses Jahres mehrere Diskussionsveranstaltungen mit der Bevölkerung (Publifocus) zum Thema "Nanotechnologie - Bedeutung für Gesundheit und Umwelt" durchführen.</p><p>Vor diesem Hintergrund ist der Bundesrat bereit, die Anliegen der Motion im Rahmen der anstehenden Prüfrunde für neue Nationale Forschungsprogramme zu berücksichtigen. Er ist aber der Meinung, dass die voraussichtlich Ende 2006/Anfang 2007 vorliegenden Ergebnisse des erwähnten Projektes zur Risikobeurteilung und zum Risikomanagement synthetischer Nanopartikel abgewartet werden müssen.</p><p>Der Bundesrat beantragt, von einem verbindlichen Antrag im Sinne der Motion abzusehen. Sollte die vorliegende Motion im Erstrat dennoch angenommen werden, würde der Bundesrat im Zweitrat den Antrag stellen, die Motion in einen Prüfauftrag abzuändern.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, ein nationales Forschungsprogramm über Nutzen und Risiken von künstlich erzeugten Nanopartikeln und nanotechnologischen Anwendungen durchzuführen.</p>
- Nationales Forschungsprogramm über Nutzen und Risiken der Nanotechnologie
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Auf dem Gebiet der Materialentwicklung oder der Medizin verspricht die Nanotechnologie sensationelle Neuerungen und Milliardenumsätze. Deren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sind aber kaum bekannt.</p><p>Nanotechnologie gilt als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts. Weltweit werden Milliarden von öffentlichen und privaten Forschungsgeldern in Forschung und Entwicklung investiert. Auch in der Schweiz werden bedeutende Mittel in die Erforschung von Anwendungen der Nanotechnologie gesteckt. Der Nationalfonds finanziert beispielsweise mit 30 Millionen Franken einen Forschungsschwerpunkt mit Sitz in Basel.</p><p>Neben dem grossen Potenzial der neuen Technologie werden in letzter Zeit vermehrt auch mögliche Risiken diskutiert. Denn genau die Eigenschaften, welche Nanomaterialien so interessant machen, können sie zum Problem machen. Beim Übergang von Mikro- zu Nanopartikeln durchbrechen Substanzen eine Art Schallmauer. Das Material in der Grösse von Nanopartikeln kann völlig neue Eigenschaften annehmen; es kann z. B. plötzlich leitfähig oder extrem hart werden. Welche Auswirkungen alle diese speziellen Eigenschaften auf Mensch und Umwelt haben, ist noch kaum bekannt.</p><p>Erste wissenschaftliche Abklärungen, u. a. an der Empa, St. Gallen, weisen darauf hin, dass nanotechnologisch bearbeitete Erzeugnisse mit einem erheblichen Gefährdungspotenzial für die Gesundheit, aber auch für die Umwelt verbunden sein könnten. Kanzerogene Effekte in Analogie zur Asbestfaser- oder Feinstaubproblematik sind nicht auszuschliessen. Der Schweizer Forscher Peter Gehr von der Universität Bern hat nachgewiesen, dass 20 bis 30 Nanometer grosse Titandioxid-Nanopartikel über die Lunge ins Blut gelangen. Doch wie gefährlich Nanopartikel dort wirklich sind, weiss man nicht.</p><p>Der Bedarf an solcher Risikoforschung ist enorm, Studien über Folgen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt stehen erst ganz am Anfang. Viele offene Fragen stellen sich: Wie verhalten sich die Nanopartikel in der Umwelt, und wie lassen sie sich dort messen? Welche Eigenschaften bestimmen, ob Nanopartikel vom Menschen aufgenommen werden, und wie giftig sie sind? Über welche Mechanismen entfalten sie ihre Wirkung in Organismen? Können sie sich in den Nahrungsketten anreichern? Risikoforschung, die solche und viele andere Fragen beantwortet, ist in verschiedenen Ländern angelaufen. Dringend brauchen wir daher auch in der Schweiz ein unabhängiges Forschungsprogramm, das Nutzen und Risiken von künstlich erzeugten Nanopartikeln und nanotechnologischen Anwendungen untersucht.</p>
- <p>Der Begriff "Nanotechnologie" umfasst die Gesamtheit aller technischen Anwendungen, die zur Herstellung von Materialstrukturen mit einer Ausdehnung von unter 100 Nanometer (100 millionstel Millimeter) verwendet werden oder die deren spezielle physikalische und chemische Eigenschaften nutzen. Die Nanotechnologie ermöglicht unter anderem verbesserte und effizientere Verfahren bei bestehenden Anwendungen (z. B. Oberflächenveredelungen im Textil-, Bau und industriellen Bereich). Es ist aber auch eine Vielzahl neuer Anwendungen und Produkte in den unterschiedlichsten Technologiebereichen denkbar (Energie, Elektronik, Materialien, Medizin, Industrie usw.). Wegen ihrer Kleinheit haben Nanopartikel spezielle Eigenschaften, die sie für neuartige Anwendungen interessant machen, aber die auch ein Risiko für Mensch und Umwelt bedeuten können. Heute bestehen auf wissenschaftlicher Ebene noch sehr grosse Lücken in Bezug auf Metrologie, Wirkung, Umweltverhalten und Exposition von Nanopartikeln. Erst wenn diese Wissenslücken geschlossen sind, können Risiken für Mensch und Umwelt abgeschätzt und entsprechende Minderungsmassnahmen, wenn möglich bereits bei der Entwicklung der Technologie, getroffen werden.</p><p>Wie bereits in der Antwort auf die Motion der grünen Fraktion 06.3210, "Gesetzliche Regelungen für Nanotechnologie", dargelegt, unterstützt der Bund bereits Aktivitäten und Abklärungen im Hinblick auf den Schutz von Gesundheit und Umwelt vor synthetischen Nanopartikeln und nanotechnologischen Anwendungen. Das Bundesamt für Gesundheit und das Bundesamt für Umwelt haben ein Projekt zur Ausarbeitung eines Aktionsplanes "Risikobeurteilung und Risikomanagement synthetischer Nanopartikel in der Schweiz (2006-2009)" lanciert, welches hinsichtlich der Regulierung des Arbeitnehmer-, Verbraucher- und Umweltschutzes voraussichtlich bis Ende 2006/Anfang 2007 Massnahmen erarbeiten und Handlungsbedarf eruieren soll. Dabei sollen auch laufende und geplante Aktivitäten im Ausland mit einbezogen werden (z. B. Aktionsplan der EU vom Juni 2005). Auch dem Dialog mit der Öffentlichkeit wird bereits heute grosse Bedeutung beigemessen. So wird das Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung beispielsweise im Herbst dieses Jahres mehrere Diskussionsveranstaltungen mit der Bevölkerung (Publifocus) zum Thema "Nanotechnologie - Bedeutung für Gesundheit und Umwelt" durchführen.</p><p>Vor diesem Hintergrund ist der Bundesrat bereit, die Anliegen der Motion im Rahmen der anstehenden Prüfrunde für neue Nationale Forschungsprogramme zu berücksichtigen. Er ist aber der Meinung, dass die voraussichtlich Ende 2006/Anfang 2007 vorliegenden Ergebnisse des erwähnten Projektes zur Risikobeurteilung und zum Risikomanagement synthetischer Nanopartikel abgewartet werden müssen.</p><p>Der Bundesrat beantragt, von einem verbindlichen Antrag im Sinne der Motion abzusehen. Sollte die vorliegende Motion im Erstrat dennoch angenommen werden, würde der Bundesrat im Zweitrat den Antrag stellen, die Motion in einen Prüfauftrag abzuändern.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, ein nationales Forschungsprogramm über Nutzen und Risiken von künstlich erzeugten Nanopartikeln und nanotechnologischen Anwendungen durchzuführen.</p>
- Nationales Forschungsprogramm über Nutzen und Risiken der Nanotechnologie
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