Bedrohte waldwirtschaftliche Forschung an der WSL
- ShortId
-
06.3382
- Id
-
20063382
- Updated
-
28.07.2023 09:07
- Language
-
de
- Title
-
Bedrohte waldwirtschaftliche Forschung an der WSL
- AdditionalIndexing
-
36;Leistungsauftrag;Leistungsabbau;Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft;Waldwirtschaft;Sparmassnahme;ETH;forstliche Forschung
- 1
-
- L05K1602020201, Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft
- L05K1401070104, forstliche Forschung
- L05K0806010105, Leistungsauftrag
- L05K0806010104, Leistungsabbau
- L05K1302050101, ETH
- L03K140107, Waldwirtschaft
- L04K11080108, Sparmassnahme
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Die Antwort des Bundesrates auf meine Interpellation 06.3133 fiel unbefriedigend aus. Materiell ist er kaum auf mein Anliegen eingegangen. Er hat sich mit dem Hinweis begnügt, die Führungsverantwortung für den ETH-Bereich liege im Rahmen des Leistungsauftrages des Bundesrates beim ETH-Rat.</p><p>Die Frage, ob ein Forschungszweig mit einer grossen Tradition und Bedeutung massiv zurückgestutzt oder mit ausreichender Ressourcenausstattung weitergeführt werden solle, übersteigt die Kompetenzen des ETH-Rates. Strategische Überlegungen mit einer solchen Tragweite gehören auf die Stufe des bundesrätlichen Leistungsauftrages.</p><p>Der Leistungsauftrag 2004-2007 nimmt wohl in allgemeiner Form die Ausrichtung der Forschungsanstalten im ETH-Bereich auf die Praxisbedürfnisse als Zielvorstellung auf (Ziel 6/Unterziel 3). Als entsprechende Indikatoren werden die Zahl der Patente, Lizenzen und Spin-Off-Firmen genannt. Es gibt aber volkswirtschaftlich und gesellschaftlich wichtige Forschungsbereiche, deren tatsächliche Bedeutung die aufgezählten Indikatoren nicht gerecht werden. Die waldwirtschaftliche Forschung ist ein solcher Bereich. Deren Bedeutung und Erfolg messen sich genauso an der Akzeptanz und am Nutzen der betreffenden Branche und darüber hinaus der Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt.</p><p>Der Bundesrat wird deshalb aufgefordert, noch während der Geltungsdauer des Leistungsauftrags 2004-2007 gemäss dessen Ziffer 8 die Indikatoren bezüglich Ziel 6/Unterziel 3 im obengenannten Sinn auszuweiten. Zusätzlich soll er mit anderweitigen Änderungen des Leistungsauftrages dafür sorgen, dass die waldwirtschaftliche Forschung ein zentraler Pfeiler der strategischen Ausrichtung und Forschungsaktivitäten der WSL bleibt, der mit genügend Ressourcen ausgestattet sein wird. Nur so kann auch in Zukunft ein enger Bezug der WSL zu den Praxisbedürfnissen der Schweizer und internationalen Waldwirtschaft gewährleistet werden.</p>
- <p>Der Bundesrat stimmt dem Motionär zu, dass Forschung zum Nutzen der Waldwirtschaft in der Schweiz wichtig ist. Der Wald gilt als Holz-Ressource, Element der Landschaftsgestaltung, Erholungsraum, Wasserspeicher und artenreicher Naturraum, und er schützt an vielen Orten vor Naturgefahren. Innerhalb dieses Gesamtzusammenhangs sind zahlreiche Einzelaspekte zu erforschen, deren Relevanz in der ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Bedeutung des Waldes begründet ist. Diese Forschung muss auch in Zukunft hohe Priorität haben.</p><p>Wie in Artikel 3 der Verordnung des ETH-Rates über die Forschungsanstalten des ETH-Bereiches (SR 414.161) festgehalten, stellt der Wald ein zentrales Forschungsgebiet der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) dar. Der Rohstoff, Baustoff und Energieträger Holz ist indes Gegenstand in Lehre und Forschung des ganzen ETH-Bereiches: Die WSL erforscht die Rohstoffproduktion im Ökosystem Wald (ökologische und ökonomische Aspekte), das PSI erforscht Aspekte der Biomasse/Energie, die Empa beschäftigt sich mit Holz als Werkstoff und Baustoff, und die beiden ETH erforschen Holz als (Verbund-) Baustoff in Konstruktion und Statik (werkstoffübergreifend).</p><p>Im Leistungsauftrag 2004-2007 des Bundesrates an den ETH-Bereich sind Forschung und Dienstleistungen zur Nutzung der erneuerbaren Ressource Holz nicht explizit aufgeführt. Der Bundesrat weist indes darauf hin, dass der ETH-Rat in seiner strategischen Planung im Rahmen der nationalen Schwerpunkte Raumordnung, Infrastruktur und Nachhaltigkeit die Lehre und Forschung im Bereich Holz verankert hat. Entsprechend sieht die Zielvereinbarung 2004-2007 zwischen ETH-Rat und WSL vor, dass die WSL im Handlungsfeld Waldmanagement "Strategien für ein nachhaltiges Waldmanagement" entwickelt sowie die Bedeutung des Waldes "als Rohstoff Holz, als Energieträger und Kohlenstoffspeicher sowie zum Schutz und zur Erholung" untersucht.</p><p>Gemäss Artikel 33 des Bundesgesetzes über die Eidgenössischen Technischen Hochschulen (SR 414.110) kann der Bundesrat aus wichtigen, nicht voraussehbaren Gründen den Leistungsauftrag während der Geltungsdauer ändern. Diesen Sachverhalt sieht er im vorliegenden Fall als nicht gegeben. Der Bundesrat erachtet deshalb die Anpassung des Leistungsauftrages 2004-2007 für ein Jahr als nicht opportun. Stattdessen will er dem Anliegen des Motionärs Rechnung tragen, indem er beabsichtigt, Forschung zur Ressourcennutzung unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von Wirtschaft und Gesellschaft in den Leistungsauftrag 2008-2011 aufzunehmen und den ETH-Rat dazu anzuhalten, für die Leistungsbeurteilung der Forschungsanstalten Indikatoren zu entwickeln, welche darstellen, ob die Forschungsanstalten in ihrer Ausrichtung den Praxisbedürfnissen gerecht werden. Als kurzfristige Massnahme wird der Bundesrat vom ETH-Bereich verlangen, im Rahmen der Rechenschaftsberichte der Jahre 2006 und 2007 ein detailliertes gemeinsames Reporting aller Institutionen zur Waldforschung unter Berücksichtigung waldwirtschaftlicher Aspekte vorzulegen.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat soll dafür sorgen, dass der waldwirtschaftlichen Forschung an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) auch in Zukunft eine zentrale strategische Bedeutung zukommt. Mit der laufenden Restrukturierung an der WSL droht dieser Forschungszweig massiv zurückgestutzt zu werden. Der Bundesrat wird beauftragt, durch Änderungen des Leistungsauftrages 2004-2007 an den ETH-Bereich noch während dessen Geltungsdauer entsprechenden Einfluss zu nehmen.</p>
- Bedrohte waldwirtschaftliche Forschung an der WSL
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Die Antwort des Bundesrates auf meine Interpellation 06.3133 fiel unbefriedigend aus. Materiell ist er kaum auf mein Anliegen eingegangen. Er hat sich mit dem Hinweis begnügt, die Führungsverantwortung für den ETH-Bereich liege im Rahmen des Leistungsauftrages des Bundesrates beim ETH-Rat.</p><p>Die Frage, ob ein Forschungszweig mit einer grossen Tradition und Bedeutung massiv zurückgestutzt oder mit ausreichender Ressourcenausstattung weitergeführt werden solle, übersteigt die Kompetenzen des ETH-Rates. Strategische Überlegungen mit einer solchen Tragweite gehören auf die Stufe des bundesrätlichen Leistungsauftrages.</p><p>Der Leistungsauftrag 2004-2007 nimmt wohl in allgemeiner Form die Ausrichtung der Forschungsanstalten im ETH-Bereich auf die Praxisbedürfnisse als Zielvorstellung auf (Ziel 6/Unterziel 3). Als entsprechende Indikatoren werden die Zahl der Patente, Lizenzen und Spin-Off-Firmen genannt. Es gibt aber volkswirtschaftlich und gesellschaftlich wichtige Forschungsbereiche, deren tatsächliche Bedeutung die aufgezählten Indikatoren nicht gerecht werden. Die waldwirtschaftliche Forschung ist ein solcher Bereich. Deren Bedeutung und Erfolg messen sich genauso an der Akzeptanz und am Nutzen der betreffenden Branche und darüber hinaus der Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt.</p><p>Der Bundesrat wird deshalb aufgefordert, noch während der Geltungsdauer des Leistungsauftrags 2004-2007 gemäss dessen Ziffer 8 die Indikatoren bezüglich Ziel 6/Unterziel 3 im obengenannten Sinn auszuweiten. Zusätzlich soll er mit anderweitigen Änderungen des Leistungsauftrages dafür sorgen, dass die waldwirtschaftliche Forschung ein zentraler Pfeiler der strategischen Ausrichtung und Forschungsaktivitäten der WSL bleibt, der mit genügend Ressourcen ausgestattet sein wird. Nur so kann auch in Zukunft ein enger Bezug der WSL zu den Praxisbedürfnissen der Schweizer und internationalen Waldwirtschaft gewährleistet werden.</p>
- <p>Der Bundesrat stimmt dem Motionär zu, dass Forschung zum Nutzen der Waldwirtschaft in der Schweiz wichtig ist. Der Wald gilt als Holz-Ressource, Element der Landschaftsgestaltung, Erholungsraum, Wasserspeicher und artenreicher Naturraum, und er schützt an vielen Orten vor Naturgefahren. Innerhalb dieses Gesamtzusammenhangs sind zahlreiche Einzelaspekte zu erforschen, deren Relevanz in der ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Bedeutung des Waldes begründet ist. Diese Forschung muss auch in Zukunft hohe Priorität haben.</p><p>Wie in Artikel 3 der Verordnung des ETH-Rates über die Forschungsanstalten des ETH-Bereiches (SR 414.161) festgehalten, stellt der Wald ein zentrales Forschungsgebiet der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) dar. Der Rohstoff, Baustoff und Energieträger Holz ist indes Gegenstand in Lehre und Forschung des ganzen ETH-Bereiches: Die WSL erforscht die Rohstoffproduktion im Ökosystem Wald (ökologische und ökonomische Aspekte), das PSI erforscht Aspekte der Biomasse/Energie, die Empa beschäftigt sich mit Holz als Werkstoff und Baustoff, und die beiden ETH erforschen Holz als (Verbund-) Baustoff in Konstruktion und Statik (werkstoffübergreifend).</p><p>Im Leistungsauftrag 2004-2007 des Bundesrates an den ETH-Bereich sind Forschung und Dienstleistungen zur Nutzung der erneuerbaren Ressource Holz nicht explizit aufgeführt. Der Bundesrat weist indes darauf hin, dass der ETH-Rat in seiner strategischen Planung im Rahmen der nationalen Schwerpunkte Raumordnung, Infrastruktur und Nachhaltigkeit die Lehre und Forschung im Bereich Holz verankert hat. Entsprechend sieht die Zielvereinbarung 2004-2007 zwischen ETH-Rat und WSL vor, dass die WSL im Handlungsfeld Waldmanagement "Strategien für ein nachhaltiges Waldmanagement" entwickelt sowie die Bedeutung des Waldes "als Rohstoff Holz, als Energieträger und Kohlenstoffspeicher sowie zum Schutz und zur Erholung" untersucht.</p><p>Gemäss Artikel 33 des Bundesgesetzes über die Eidgenössischen Technischen Hochschulen (SR 414.110) kann der Bundesrat aus wichtigen, nicht voraussehbaren Gründen den Leistungsauftrag während der Geltungsdauer ändern. Diesen Sachverhalt sieht er im vorliegenden Fall als nicht gegeben. Der Bundesrat erachtet deshalb die Anpassung des Leistungsauftrages 2004-2007 für ein Jahr als nicht opportun. Stattdessen will er dem Anliegen des Motionärs Rechnung tragen, indem er beabsichtigt, Forschung zur Ressourcennutzung unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von Wirtschaft und Gesellschaft in den Leistungsauftrag 2008-2011 aufzunehmen und den ETH-Rat dazu anzuhalten, für die Leistungsbeurteilung der Forschungsanstalten Indikatoren zu entwickeln, welche darstellen, ob die Forschungsanstalten in ihrer Ausrichtung den Praxisbedürfnissen gerecht werden. Als kurzfristige Massnahme wird der Bundesrat vom ETH-Bereich verlangen, im Rahmen der Rechenschaftsberichte der Jahre 2006 und 2007 ein detailliertes gemeinsames Reporting aller Institutionen zur Waldforschung unter Berücksichtigung waldwirtschaftlicher Aspekte vorzulegen.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat soll dafür sorgen, dass der waldwirtschaftlichen Forschung an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) auch in Zukunft eine zentrale strategische Bedeutung zukommt. Mit der laufenden Restrukturierung an der WSL droht dieser Forschungszweig massiv zurückgestutzt zu werden. Der Bundesrat wird beauftragt, durch Änderungen des Leistungsauftrages 2004-2007 an den ETH-Bereich noch während dessen Geltungsdauer entsprechenden Einfluss zu nehmen.</p>
- Bedrohte waldwirtschaftliche Forschung an der WSL
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