Einsatz von Schneekanonen in den Wintersportorten. Kosten-Nutzen-Analyse
- ShortId
-
07.3129
- Id
-
20073129
- Updated
-
27.07.2023 20:58
- Language
-
de
- Title
-
Einsatz von Schneekanonen in den Wintersportorten. Kosten-Nutzen-Analyse
- AdditionalIndexing
-
52;15;Bodennutzung;Wintersport;Fremdenverkehrspolitik;Beschneiungsanlage;Umweltverträglichkeit;Kosten-Nutzen-Analyse
- 1
-
- L05K0101010207, Wintersport
- L06K010101030101, Beschneiungsanlage
- L04K06010401, Umweltverträglichkeit
- L04K14010201, Bodennutzung
- L05K0101010306, Fremdenverkehrspolitik
- L06K070302020501, Kosten-Nutzen-Analyse
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Der extrem milde und schneearme Winter 2006/07 erhöhte den Druck in den Wintersportorten, der Natur weit stärker als bis anhin nachzuhelfen und in den Ausbau von Beschneiungsanlagen zu investieren. So erwarten Expertinnen und Experten mindestens eine Verdoppelung der beschneiten Flächen innert der nächsten zehn Jahre. Der Verband Seilbahnen Schweiz rechnet mit einem Investitionsbedarf von 800 Millionen Franken für die nächsten fünf Jahre.</p><p>Für die künstliche Beschneiung braucht es einen massiven Einsatz von Strom und Wasser, und die Biodiversität leidet enorm. In einer Studie zeigt die Internationale Alpenschutzkommission auf, dass die gut 3000 Schneekanonen in den Alpen pro Saison ungefähr gleich viel Energie benötigen wie eine Stadt in der Grösse von Basel während eines ganzen Jahres. Weiter hat die Alpenschutzkommission ausgerechnet, dass die Schneekanonen jeden Winter deutlich mehr Wasser verspritzen, als von den rund 1,3 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern der grössten zehn Schweizer Städte pro Jahr verbraucht wird. In den Alpen entstehen deswegen reihenweise Speicherseen, aus denen die Schneekanonen gespiesen werden. Es kommt dazu, dass Zusatzstoffe wie etwa Snomax eingesetzt werden, mit denen der Gefrierpunkt heraufgesetzt wird, damit bei noch höheren Temperaturen Kunstschnee produziert werden kann. Die langfristigen Auswirkungen dieser Substanz sind heute nicht abschätzbar.</p><p>Schneekanonen sind also keine nachhaltige Lösung für den Schneemangel, sondern reine Symptombekämpfung der Auswirkungen des Klimawandels.</p><p>Klimaexpertinnen und -experten prognostizieren gravierende Auswirkungen der Klimaerwärmung auf den Wintersport. Die Grenze der Schneesicherheit wird von heute 1200 Metern um mehrere Hundert Meter steigen. Anstatt in einer Art Torschlusspanik ökologisch und ökonomisch unsinnige Investitionen in Kunstschnee zu tätigen, muss die Erstellung zukunftsfähiger Tourismuskonzepte vorangetrieben werden. Ziel muss es sein, in den zu tief liegenden Gebieten in Zukunft ein schneeunabhängiges Wintertourismusangebot bereitstellen zu können und/oder vermehrt auf den Sommertourismus zu fokussieren.</p>
- <p>Der Bundesrat anerkennt, dass der Klimawandel auch für den Wintertourismus weitreichende Folgen hat. Insbesondere Skigebiete in den Voralpen dürften wegen der ansteigenden Schneefallgrenze langfristig kaum mehr rentabel betrieben werden können. Dies gilt umso mehr, als Schneekanonen für einen optimalen Betrieb auf tiefe Temperaturen angewiesen sind. Solche Gebiete sind daher speziell gefordert, sich auf die abnehmende Schneesicherheit einzustellen und ihr Tourismusangebot zu diversifizieren.</p><p>Die von der Postulantin geforderte Erstellung einer Kosten-Nutzen-Analyse unter Berücksichtigung ökologischer Kriterien zum Einsatz von Schneekanonen in den Wintersportorten lehnt der Bundesrat jedoch ab. Die Bewilligung von Beschneiungsanlagen fällt in die Zuständigkeit der Kantone. Zudem sind die Auswirkungen von Kunstschnee und Schneezusätzen auf die Umwelt bereits verschiedentlich wissenschaftlich untersucht worden. In diesem Zusammenhang sei auch auf die laufenden Abklärungen des Eidgenössischen Institutes für Schnee- und Lawinenforschung zur Beurteilung der heutigen Praxis des Hilfsstoffeinsatzes bei der Pistenpräparierung verwiesen.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, eine Kosten-Nutzen-Analyse unter Berücksichtigung ökologischer Kriterien zum Einsatz von Schneekanonen in den Wintersportorten zu erstellen und Massnahmen vorzuschlagen. Zu berücksichtigen sind dabei die Ausbaupläne und Investitionsvorhaben diverser Wintersportregionen.</p><p>Im Bericht ist unter anderem Aufschluss zu geben über:</p><p>a. geplante Investitionen in Beschneiungsanlagen von Gemeinden, Kantonen, Bund und von privater Seite;</p><p>b. die Auswirkungen der Beschneiung und der anschliessenden Freizeitnutzung auf sensible Lebensräume (Wasser- und Energieverbrauch, Moorschutz-Problematik, Fauna/Flora usw.);</p><p>c. die Auswirkungen neuartiger Zusatzstoffe auf die Umwelt;</p><p>d. die Auswirkungen auf die Landwirtschaft in den betroffenen Gebieten.</p>
- Einsatz von Schneekanonen in den Wintersportorten. Kosten-Nutzen-Analyse
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Der extrem milde und schneearme Winter 2006/07 erhöhte den Druck in den Wintersportorten, der Natur weit stärker als bis anhin nachzuhelfen und in den Ausbau von Beschneiungsanlagen zu investieren. So erwarten Expertinnen und Experten mindestens eine Verdoppelung der beschneiten Flächen innert der nächsten zehn Jahre. Der Verband Seilbahnen Schweiz rechnet mit einem Investitionsbedarf von 800 Millionen Franken für die nächsten fünf Jahre.</p><p>Für die künstliche Beschneiung braucht es einen massiven Einsatz von Strom und Wasser, und die Biodiversität leidet enorm. In einer Studie zeigt die Internationale Alpenschutzkommission auf, dass die gut 3000 Schneekanonen in den Alpen pro Saison ungefähr gleich viel Energie benötigen wie eine Stadt in der Grösse von Basel während eines ganzen Jahres. Weiter hat die Alpenschutzkommission ausgerechnet, dass die Schneekanonen jeden Winter deutlich mehr Wasser verspritzen, als von den rund 1,3 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern der grössten zehn Schweizer Städte pro Jahr verbraucht wird. In den Alpen entstehen deswegen reihenweise Speicherseen, aus denen die Schneekanonen gespiesen werden. Es kommt dazu, dass Zusatzstoffe wie etwa Snomax eingesetzt werden, mit denen der Gefrierpunkt heraufgesetzt wird, damit bei noch höheren Temperaturen Kunstschnee produziert werden kann. Die langfristigen Auswirkungen dieser Substanz sind heute nicht abschätzbar.</p><p>Schneekanonen sind also keine nachhaltige Lösung für den Schneemangel, sondern reine Symptombekämpfung der Auswirkungen des Klimawandels.</p><p>Klimaexpertinnen und -experten prognostizieren gravierende Auswirkungen der Klimaerwärmung auf den Wintersport. Die Grenze der Schneesicherheit wird von heute 1200 Metern um mehrere Hundert Meter steigen. Anstatt in einer Art Torschlusspanik ökologisch und ökonomisch unsinnige Investitionen in Kunstschnee zu tätigen, muss die Erstellung zukunftsfähiger Tourismuskonzepte vorangetrieben werden. Ziel muss es sein, in den zu tief liegenden Gebieten in Zukunft ein schneeunabhängiges Wintertourismusangebot bereitstellen zu können und/oder vermehrt auf den Sommertourismus zu fokussieren.</p>
- <p>Der Bundesrat anerkennt, dass der Klimawandel auch für den Wintertourismus weitreichende Folgen hat. Insbesondere Skigebiete in den Voralpen dürften wegen der ansteigenden Schneefallgrenze langfristig kaum mehr rentabel betrieben werden können. Dies gilt umso mehr, als Schneekanonen für einen optimalen Betrieb auf tiefe Temperaturen angewiesen sind. Solche Gebiete sind daher speziell gefordert, sich auf die abnehmende Schneesicherheit einzustellen und ihr Tourismusangebot zu diversifizieren.</p><p>Die von der Postulantin geforderte Erstellung einer Kosten-Nutzen-Analyse unter Berücksichtigung ökologischer Kriterien zum Einsatz von Schneekanonen in den Wintersportorten lehnt der Bundesrat jedoch ab. Die Bewilligung von Beschneiungsanlagen fällt in die Zuständigkeit der Kantone. Zudem sind die Auswirkungen von Kunstschnee und Schneezusätzen auf die Umwelt bereits verschiedentlich wissenschaftlich untersucht worden. In diesem Zusammenhang sei auch auf die laufenden Abklärungen des Eidgenössischen Institutes für Schnee- und Lawinenforschung zur Beurteilung der heutigen Praxis des Hilfsstoffeinsatzes bei der Pistenpräparierung verwiesen.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, eine Kosten-Nutzen-Analyse unter Berücksichtigung ökologischer Kriterien zum Einsatz von Schneekanonen in den Wintersportorten zu erstellen und Massnahmen vorzuschlagen. Zu berücksichtigen sind dabei die Ausbaupläne und Investitionsvorhaben diverser Wintersportregionen.</p><p>Im Bericht ist unter anderem Aufschluss zu geben über:</p><p>a. geplante Investitionen in Beschneiungsanlagen von Gemeinden, Kantonen, Bund und von privater Seite;</p><p>b. die Auswirkungen der Beschneiung und der anschliessenden Freizeitnutzung auf sensible Lebensräume (Wasser- und Energieverbrauch, Moorschutz-Problematik, Fauna/Flora usw.);</p><p>c. die Auswirkungen neuartiger Zusatzstoffe auf die Umwelt;</p><p>d. die Auswirkungen auf die Landwirtschaft in den betroffenen Gebieten.</p>
- Einsatz von Schneekanonen in den Wintersportorten. Kosten-Nutzen-Analyse
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