Förderung moderner Züchtungsmethoden zur Vermeidung von Feuerbrand an Obstbäumen
- ShortId
-
07.3362
- Id
-
20073362
- Updated
-
24.06.2025 23:44
- Language
-
de
- Title
-
Förderung moderner Züchtungsmethoden zur Vermeidung von Feuerbrand an Obstbäumen
- AdditionalIndexing
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55;2841;Pflanzenschutzmittel;Agrarforschung;Obstbau;Pflanzenschutzverfahren;Kernobst;gentechnisch veränderte Organismen;Pflanzenzucht;Pflanzenkrankheit
- 1
-
- L05K1401010112, Pflanzenkrankheit
- L05K1401020309, Pflanzenschutzverfahren
- L05K1401080203, Pflanzenschutzmittel
- L05K1401010110, Obstbau
- L05K1401030201, Agrarforschung
- L05K1401010113, Pflanzenzucht
- L08K0706010501040202, gentechnisch veränderte Organismen
- L05K1402020403, Kernobst
- PriorityCouncil1
-
Ständerat
- Texts
-
- <p>Die grassierende Feuerbrandkrankheit bei Kernobstbäumen fügt der Schweizer Landwirtschaft Schäden in Millionenhöhe zu. Viele Obstbauern fühlen sich in ihrer Existenz bedroht. Es ist deshalb verständlich, dass der Ruf nach umfassenden kurativen Behandlungsmethoden (z. B. der grossflächige Einsatz von Antibiotika) laut wird.</p><p>Mit der Motion von Hermann Bürgi 07.3302, "Effiziente Bekämpfung des Feuerbrandes", wird vom Bundesrat ein Bericht verlangt über die frühzeitige Erkennung und Bekämpfung des Feuerbrandes bei Obstbäumen; diese Motion bezieht sich aber nur auf die möglichen "kurativen Massnahmen" zur Behandlung des Problems.</p><p>Soll das Problem des Feuerbrandes langfristig bekämpft werden, müssen jetzt aber auch präventive Massnahmen wie die Züchtung von resistenten Sorten geprüft werden. Nur so wird langfristig der Obstbaumbestand überleben können.</p><p>Mit der sehr zeitaufwendigen klassischen Züchtung ist es zwar möglich, gegen Feuerbrand resistente Sorten zu züchten. Dabei ist es jedoch oft von Nachteil, dass die neugezüchteten Sorten wohl resistent sind, aber die Früchte bei den Konsumenten unbekannt sind, den Kaufgewohnheiten nicht entsprechen und daher schwer abzusetzen sind. Mit der modernen Gentechnik besteht die Möglichkeit, eine bei Konsumenten bekannte und beliebte Sorte (z. B. Gala, Golden Delicious usw.) direkt mit einem Resistenzgen zu versehen. Forschungsresultate aus dem Ausland zeigen, dass dies möglich ist und zu erhöhter Feuerbrandresistenz führt.</p>
- <p>Die Ressortforschung beteiligt sich intensiv mit Vollzugsaufgaben und Forschung an der Prävention und Bekämpfung des Feuerbrandes. Im Rahmen der Vollzugsaufgaben diagnostiziert die Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil (ACW) den Feuerbranderreger in Verdachtsproben aus der ganzen Schweiz und erstellt täglich aktualisierte regionale Prognosen für das Infektionsrisiko. Zudem berät sie die Praxis mit wöchentlichen Empfehlungen, begleitet die Kantone beim Vollzug und unterstützt den Eidgenössischen Pflanzenschutzdienst (EPSD) bei der Ausarbeitung von Strategien und Richtlinien.</p><p>Die Forschung an der ACW zielt auf:</p><p>- die Weiterentwicklung der Feuerbranddiagnostik auf immunologischer und molekularbiologischer Basis;</p><p>- die Entwicklung alternativer Bekämpfungsmassnahmen auf der Basis der biologischen Bekämpfung mit Antagonisten bzw. synthetischen und natürlicher Substanzen;</p><p>- die Entwicklung genetischer Identifikationsmethoden für potenzielle Antagonisten;</p><p>- ein vertieftes Verständnis der Pathogenvirulenz und der Abwehrmechanismen der Wirtspflanze aufgrund der Genetik und Genomik als Grundlage für die Züchtung; und</p><p>- die Züchtung und Prüfung neuer feuerbrandresistenter bzw. -toleranter Sorten mittels moderner molekulargenetischer Methoden (MAS: marker assisted breeding).</p><p>Die ACW setzt bei der Apfelzüchtung molekulargenetische Methoden für die Identifikation von Resistenzgenbereichen, nicht aber für Transformationen ein. Die ACW verfügt über das nötige Know-how und die Infrastruktur, mit gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP) zu arbeiten und um Chancen und Risiken von GVP zu prüfen. Gegenwärtig findet die Gentechnologie in der Schweiz kaum gesellschaftliche Akzeptanz. Sollte die Öffentlichkeit nach GVP-Lösungen verlangen, dann wäre die ACW in der Lage, die Transformationstechnologie in der Entwicklung feuerbrandresistenter Sorten als Ergänzung zur traditionellen Züchtung einzusetzen.</p><p>Weltweit wird seit rund zwanzig Jahren an der Entwicklung feuerbrandresistenter Äpfel gearbeitet. Bisher sind noch keine vermarktbaren Produkte entstanden. Mit neuen Technologien könnte allerdings ein rascher Fortschritt hin zu GVP mit möglicherweise besserer Akzeptanz erfolgen, z. B. mit der cis-Genetik, einem gentechnischen Austausch von DNA zwischen natürlich kreuzbaren Organismen wie beispielsweise Apfel und Wildapfel.</p><p>Der Bundesrat hält es angesichts des Problemdruckes und der volkswirtschaftlichen Bedeutung des Obstbaues für gerechtfertigt, das Engagement der Ressortforschung im Bereich der präventiven Methoden zur Bekämpfung des Feuerbrandes und der Züchtung von resistenten Sorten zu verstärken.</p> Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt zu prüfen, ob:</p><p>- das Engagement der Ressortforschung im Bereich der präventiven Methoden zur Bekämpfung der Feuerbrandkrankheit bei Obstbäumen gefördert werden soll und die Züchtungsanstrengungen zur Bereitstellung von resistenten Sorten verstärkt werden sollen, damit die Schweiz über genügend resistente Kernobstsorten verfügt, welche gegen eine weitere Feuerbrandepidemie gewappnet sein werden;</p><p>- insbesondere der Einsatz moderner Züchtungsmethoden, wie die Gentechnik, welche gezielt und schneller zu neuen Sorten führt, zur langfristigen präventiven Lösung des Feuerbrandproblems in der Schweiz seriös abgeklärt und allenfalls gefördert werden soll.</p>
- Förderung moderner Züchtungsmethoden zur Vermeidung von Feuerbrand an Obstbäumen
- State
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Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
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-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Die grassierende Feuerbrandkrankheit bei Kernobstbäumen fügt der Schweizer Landwirtschaft Schäden in Millionenhöhe zu. Viele Obstbauern fühlen sich in ihrer Existenz bedroht. Es ist deshalb verständlich, dass der Ruf nach umfassenden kurativen Behandlungsmethoden (z. B. der grossflächige Einsatz von Antibiotika) laut wird.</p><p>Mit der Motion von Hermann Bürgi 07.3302, "Effiziente Bekämpfung des Feuerbrandes", wird vom Bundesrat ein Bericht verlangt über die frühzeitige Erkennung und Bekämpfung des Feuerbrandes bei Obstbäumen; diese Motion bezieht sich aber nur auf die möglichen "kurativen Massnahmen" zur Behandlung des Problems.</p><p>Soll das Problem des Feuerbrandes langfristig bekämpft werden, müssen jetzt aber auch präventive Massnahmen wie die Züchtung von resistenten Sorten geprüft werden. Nur so wird langfristig der Obstbaumbestand überleben können.</p><p>Mit der sehr zeitaufwendigen klassischen Züchtung ist es zwar möglich, gegen Feuerbrand resistente Sorten zu züchten. Dabei ist es jedoch oft von Nachteil, dass die neugezüchteten Sorten wohl resistent sind, aber die Früchte bei den Konsumenten unbekannt sind, den Kaufgewohnheiten nicht entsprechen und daher schwer abzusetzen sind. Mit der modernen Gentechnik besteht die Möglichkeit, eine bei Konsumenten bekannte und beliebte Sorte (z. B. Gala, Golden Delicious usw.) direkt mit einem Resistenzgen zu versehen. Forschungsresultate aus dem Ausland zeigen, dass dies möglich ist und zu erhöhter Feuerbrandresistenz führt.</p>
- <p>Die Ressortforschung beteiligt sich intensiv mit Vollzugsaufgaben und Forschung an der Prävention und Bekämpfung des Feuerbrandes. Im Rahmen der Vollzugsaufgaben diagnostiziert die Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil (ACW) den Feuerbranderreger in Verdachtsproben aus der ganzen Schweiz und erstellt täglich aktualisierte regionale Prognosen für das Infektionsrisiko. Zudem berät sie die Praxis mit wöchentlichen Empfehlungen, begleitet die Kantone beim Vollzug und unterstützt den Eidgenössischen Pflanzenschutzdienst (EPSD) bei der Ausarbeitung von Strategien und Richtlinien.</p><p>Die Forschung an der ACW zielt auf:</p><p>- die Weiterentwicklung der Feuerbranddiagnostik auf immunologischer und molekularbiologischer Basis;</p><p>- die Entwicklung alternativer Bekämpfungsmassnahmen auf der Basis der biologischen Bekämpfung mit Antagonisten bzw. synthetischen und natürlicher Substanzen;</p><p>- die Entwicklung genetischer Identifikationsmethoden für potenzielle Antagonisten;</p><p>- ein vertieftes Verständnis der Pathogenvirulenz und der Abwehrmechanismen der Wirtspflanze aufgrund der Genetik und Genomik als Grundlage für die Züchtung; und</p><p>- die Züchtung und Prüfung neuer feuerbrandresistenter bzw. -toleranter Sorten mittels moderner molekulargenetischer Methoden (MAS: marker assisted breeding).</p><p>Die ACW setzt bei der Apfelzüchtung molekulargenetische Methoden für die Identifikation von Resistenzgenbereichen, nicht aber für Transformationen ein. Die ACW verfügt über das nötige Know-how und die Infrastruktur, mit gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP) zu arbeiten und um Chancen und Risiken von GVP zu prüfen. Gegenwärtig findet die Gentechnologie in der Schweiz kaum gesellschaftliche Akzeptanz. Sollte die Öffentlichkeit nach GVP-Lösungen verlangen, dann wäre die ACW in der Lage, die Transformationstechnologie in der Entwicklung feuerbrandresistenter Sorten als Ergänzung zur traditionellen Züchtung einzusetzen.</p><p>Weltweit wird seit rund zwanzig Jahren an der Entwicklung feuerbrandresistenter Äpfel gearbeitet. Bisher sind noch keine vermarktbaren Produkte entstanden. Mit neuen Technologien könnte allerdings ein rascher Fortschritt hin zu GVP mit möglicherweise besserer Akzeptanz erfolgen, z. B. mit der cis-Genetik, einem gentechnischen Austausch von DNA zwischen natürlich kreuzbaren Organismen wie beispielsweise Apfel und Wildapfel.</p><p>Der Bundesrat hält es angesichts des Problemdruckes und der volkswirtschaftlichen Bedeutung des Obstbaues für gerechtfertigt, das Engagement der Ressortforschung im Bereich der präventiven Methoden zur Bekämpfung des Feuerbrandes und der Züchtung von resistenten Sorten zu verstärken.</p> Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt zu prüfen, ob:</p><p>- das Engagement der Ressortforschung im Bereich der präventiven Methoden zur Bekämpfung der Feuerbrandkrankheit bei Obstbäumen gefördert werden soll und die Züchtungsanstrengungen zur Bereitstellung von resistenten Sorten verstärkt werden sollen, damit die Schweiz über genügend resistente Kernobstsorten verfügt, welche gegen eine weitere Feuerbrandepidemie gewappnet sein werden;</p><p>- insbesondere der Einsatz moderner Züchtungsmethoden, wie die Gentechnik, welche gezielt und schneller zu neuen Sorten führt, zur langfristigen präventiven Lösung des Feuerbrandproblems in der Schweiz seriös abgeklärt und allenfalls gefördert werden soll.</p>
- Förderung moderner Züchtungsmethoden zur Vermeidung von Feuerbrand an Obstbäumen
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