Schaffung einer eidgenössischen Stelle zur Beobachtung von Entstehung und Entwicklung von Berufen

ShortId
07.3593
Id
20073593
Updated
27.07.2023 21:00
Language
de
Title
Schaffung einer eidgenössischen Stelle zur Beobachtung von Entstehung und Entwicklung von Berufen
AdditionalIndexing
15;Gewerbe;Handwerk;Arbeitsmarkt (speziell);Erwerbsleben;Lehre;Monitoring;berufliche Mobilität;Stellenbeschreibung;Berufsaussichten
1
  • L05K0705070202, Gewerbe
  • L05K0702010211, Stellenbeschreibung
  • L05K0705070203, Handwerk
  • L06K070202010402, Erwerbsleben
  • L04K13020204, Lehre
  • L05K0702020305, berufliche Mobilität
  • L05K0702020306, Berufsaussichten
  • L04K07020203, Arbeitsmarkt (speziell)
  • L05K0802030209, Monitoring
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Die Arbeitswelt hat sich stark verändert. Die Berufswelt befindet sich in stetem Wandel, und es ist für junge Leute nicht einfach, beim Einstieg ins Berufsleben die richtigen Entscheidungen zu treffen und dabei auch ihre Wünsche und Fähigkeiten zu berücksichtigen. Die Globalisierung der Wirtschaft und die unvermeidliche Verlagerung von Arbeitsplätzen, die diese mit sich bringt, machen die Berufswahl für Jugendliche im Vergleich zu früher ungleich schwieriger.</p><p>Vor fünfzig Jahren konnten Lehrlinge nach der Ausbildung oft ihr ganzes Arbeitsleben lang im selben Unternehmen bleiben und hatten dabei Aussicht auf eine Beförderung.</p><p>Heute wechseln Frauen und Männer angeblich dreimal in ihrem Leben den Beruf. Mit den neuen Technologien verändern und entwickeln sich die Berufe ständig. Deshalb ist eine stetige Weiterbildung unerlässlich, damit sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf den Wandel einstellen und sich anpassen können. Aber das reicht nicht aus.</p><p>Mit dieser Motion beauftrage ich den Bundesrat, eine Beobachtungsstelle zu schaffen, damit diese Veränderungen und Entwicklungen vorausgesehen werden können, die typisch sind für einen Arbeitsmarkt in stetigem Wandel. Durch die neuen Technologien, den Umweltschutz, die erneuerbaren Energien sowie durch die Verwertung von Abfällen aus den Haushalten, der Industrie und der elektronischen Datenverarbeitung sind neue Berufsgattungen und damit auch neue Berufsausbildungen erforderlich. Die Beobachtungsstelle, in der alle betroffenen Parteien (Gewerkschaften, Arbeitgeber, Lehr- und Ausbildungskräfte, Gemeinwesen usw.) vertreten sein müssten, hätte zur Aufgabe, die Entwicklung der Berufe zu verfolgen und neu entstehende Berufe zu identifizieren. Sie könnte Vorschläge für die Anpassung von bestehenden Berufsausbildungen machen und auch neue Ausbildungsgänge empfehlen, die den Anforderungen der sich verändernden Wirtschaft entsprechen.</p><p>So könnte diese Beobachtungsstelle die Orientierung der Jugendlichen in Ausbildung verbessern. Sie würde ausserdem den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle erleichtern und Arbeitslosen bei der beruflichen Wiedereingliederung helfen.</p>
  • <p>Berufsbildung ist eine längerfristige Aufgabe. Sie baut auf grundlegenden Handlungskompetenzen auf, setzt eine umfassende Infrastruktur der Vermittlung von Kompetenzen voraus und führt zu Qualifikationen, die am Markt bekannt und nachgefragt sind. Dies ist mit dem bestehenden System der Verbundpartnerschaft zwischen Bund, Kantonen und Wirtschaft und ihren erprobten Mechanismen garantiert.</p><p>Das neue Berufsbildungsgesetz hält in Artikel 1 Absatz 1 fest: "Die Berufsbildung ist eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt (Sozialpartner, Berufsverbände, andere zuständige Organisationen und andere Anbieter der Berufsbildung). Sie streben ein genügendes Angebot im Bereich der Berufsbildung, insbesondere in zukunftsfähigen Berufsfeldern an."</p><p>Die Partner nehmen dabei spezifische Aufgaben wahr: Der Bund sorgt für gesamtschweizerisch geltende Regelungen und die Qualitätssicherung des Systems, die Kantone sind für den Vollzug vor Ort zuständig, die Organisationen der Arbeitswelt entwickeln Bildungsangebote, definieren die Inhalte und stellen Ausbildungsplätze zur Verfügung, die einen Anschluss an Arbeitsplätze haben. Jeder der drei Verbundpartner kann jederzeit Reformen anregen. Dieses System garantiert arbeitsmarktnahe Qualifikationen und eine ständige Anpassung an die Erfordernisse der Wirtschaft.</p><p>Eine Ergänzung dieser bewährten Struktur durch ein "Observatorium" würde lediglich zu Doppelspurigkeiten führen und keinen zusätzlichen Nutzen bringen. Ein allgemeines, national angesiedeltes Gremium kann angesichts der Vielfalt der Branchen und Berufe die Praxisfähigkeit und die Praxistauglichkeit einer Reform oder eines neuen Berufes nicht beurteilen. Es braucht die Nähe zur einzelnen Branche, um die Entwicklungen in ihrer Tragweite, in ihren Auswirkungen auf die Ausbildungsbereitschaft und die Arbeitsplätze abzuschätzen und um die entsprechenden Qualifikationen zu bestimmen.</p><p>Die Orientierung der in Ausbildung befindlichen Jugendlichen, Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz und die Wiedereingliederung von Menschen ohne Arbeit ist Aufgabe von Institutionen wie Berufsberatung, Arbeitsmarkt- und Sozialversicherungsbehörden.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
  • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, nach Anhörung der betroffenen Kreise eine eidgenössische Stelle zur Beobachtung der Entstehung und der Entwicklung von Berufen zu schaffen.</p>
  • Schaffung einer eidgenössischen Stelle zur Beobachtung von Entstehung und Entwicklung von Berufen
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Die Arbeitswelt hat sich stark verändert. Die Berufswelt befindet sich in stetem Wandel, und es ist für junge Leute nicht einfach, beim Einstieg ins Berufsleben die richtigen Entscheidungen zu treffen und dabei auch ihre Wünsche und Fähigkeiten zu berücksichtigen. Die Globalisierung der Wirtschaft und die unvermeidliche Verlagerung von Arbeitsplätzen, die diese mit sich bringt, machen die Berufswahl für Jugendliche im Vergleich zu früher ungleich schwieriger.</p><p>Vor fünfzig Jahren konnten Lehrlinge nach der Ausbildung oft ihr ganzes Arbeitsleben lang im selben Unternehmen bleiben und hatten dabei Aussicht auf eine Beförderung.</p><p>Heute wechseln Frauen und Männer angeblich dreimal in ihrem Leben den Beruf. Mit den neuen Technologien verändern und entwickeln sich die Berufe ständig. Deshalb ist eine stetige Weiterbildung unerlässlich, damit sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf den Wandel einstellen und sich anpassen können. Aber das reicht nicht aus.</p><p>Mit dieser Motion beauftrage ich den Bundesrat, eine Beobachtungsstelle zu schaffen, damit diese Veränderungen und Entwicklungen vorausgesehen werden können, die typisch sind für einen Arbeitsmarkt in stetigem Wandel. Durch die neuen Technologien, den Umweltschutz, die erneuerbaren Energien sowie durch die Verwertung von Abfällen aus den Haushalten, der Industrie und der elektronischen Datenverarbeitung sind neue Berufsgattungen und damit auch neue Berufsausbildungen erforderlich. Die Beobachtungsstelle, in der alle betroffenen Parteien (Gewerkschaften, Arbeitgeber, Lehr- und Ausbildungskräfte, Gemeinwesen usw.) vertreten sein müssten, hätte zur Aufgabe, die Entwicklung der Berufe zu verfolgen und neu entstehende Berufe zu identifizieren. Sie könnte Vorschläge für die Anpassung von bestehenden Berufsausbildungen machen und auch neue Ausbildungsgänge empfehlen, die den Anforderungen der sich verändernden Wirtschaft entsprechen.</p><p>So könnte diese Beobachtungsstelle die Orientierung der Jugendlichen in Ausbildung verbessern. Sie würde ausserdem den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle erleichtern und Arbeitslosen bei der beruflichen Wiedereingliederung helfen.</p>
    • <p>Berufsbildung ist eine längerfristige Aufgabe. Sie baut auf grundlegenden Handlungskompetenzen auf, setzt eine umfassende Infrastruktur der Vermittlung von Kompetenzen voraus und führt zu Qualifikationen, die am Markt bekannt und nachgefragt sind. Dies ist mit dem bestehenden System der Verbundpartnerschaft zwischen Bund, Kantonen und Wirtschaft und ihren erprobten Mechanismen garantiert.</p><p>Das neue Berufsbildungsgesetz hält in Artikel 1 Absatz 1 fest: "Die Berufsbildung ist eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt (Sozialpartner, Berufsverbände, andere zuständige Organisationen und andere Anbieter der Berufsbildung). Sie streben ein genügendes Angebot im Bereich der Berufsbildung, insbesondere in zukunftsfähigen Berufsfeldern an."</p><p>Die Partner nehmen dabei spezifische Aufgaben wahr: Der Bund sorgt für gesamtschweizerisch geltende Regelungen und die Qualitätssicherung des Systems, die Kantone sind für den Vollzug vor Ort zuständig, die Organisationen der Arbeitswelt entwickeln Bildungsangebote, definieren die Inhalte und stellen Ausbildungsplätze zur Verfügung, die einen Anschluss an Arbeitsplätze haben. Jeder der drei Verbundpartner kann jederzeit Reformen anregen. Dieses System garantiert arbeitsmarktnahe Qualifikationen und eine ständige Anpassung an die Erfordernisse der Wirtschaft.</p><p>Eine Ergänzung dieser bewährten Struktur durch ein "Observatorium" würde lediglich zu Doppelspurigkeiten führen und keinen zusätzlichen Nutzen bringen. Ein allgemeines, national angesiedeltes Gremium kann angesichts der Vielfalt der Branchen und Berufe die Praxisfähigkeit und die Praxistauglichkeit einer Reform oder eines neuen Berufes nicht beurteilen. Es braucht die Nähe zur einzelnen Branche, um die Entwicklungen in ihrer Tragweite, in ihren Auswirkungen auf die Ausbildungsbereitschaft und die Arbeitsplätze abzuschätzen und um die entsprechenden Qualifikationen zu bestimmen.</p><p>Die Orientierung der in Ausbildung befindlichen Jugendlichen, Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz und die Wiedereingliederung von Menschen ohne Arbeit ist Aufgabe von Institutionen wie Berufsberatung, Arbeitsmarkt- und Sozialversicherungsbehörden.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
    • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, nach Anhörung der betroffenen Kreise eine eidgenössische Stelle zur Beobachtung der Entstehung und der Entwicklung von Berufen zu schaffen.</p>
    • Schaffung einer eidgenössischen Stelle zur Beobachtung von Entstehung und Entwicklung von Berufen

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