Einführung einer Belastungsanalyse chemischer Stoffklassen
- ShortId
-
08.3223
- Id
-
20083223
- Updated
-
14.11.2025 07:53
- Language
-
de
- Title
-
Einführung einer Belastungsanalyse chemischer Stoffklassen
- AdditionalIndexing
-
52;2841;Pestizid;Gesundheitsrisiko;Giftstoff;chemische Verunreinigung;Hormonpräparat;Grenzwert;Umweltverträglichkeit
- 1
-
- L04K06020303, chemische Verunreinigung
- L05K0601040402, Grenzwert
- L04K06010401, Umweltverträglichkeit
- L04K01050510, Gesundheitsrisiko
- L05K0602010402, Giftstoff
- L06K140108020303, Pestizid
- L05K0105030103, Hormonpräparat
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Der Mensch und seine Umwelt ist heute zahlreichen chemischen Stoffen ausgesetzt (chemische UV-Filter, Pestizide, Blei, Hormone usw.). Meist kennen wir heute weder die langfristige Wirkung auf Mensch und Umwelt einzelner Substanzen noch deren Wirkung in der Kombination. Basis für das Verständnis möglicher Auswirkungen dieser Stoffe auf Mensch und Umwelt ist die Kenntnis ihrer Verbreitung und ihrer Fluktuation. In der Schweiz fehlen national vergleichbare Daten über die Belastung der Schweizerinnen und Schweizer mit verschiedenen Chemikalien. Daten werden lediglich punktuell und projektbezogen und meist auf Kantonsebene erfasst und können somit weder für einen regionalen Vergleich noch für einen Zeitvergleich, geschweige denn für die Untersuchung von Zusammenhängen verwendet werden. Denkbar sind sowohl invasive Proben über Blutentnahmen sowie nichtinvasive Urin- oder Muttermilchproben. Die Auswahl der zu erfassenden Substanzen ist in Zusammenarbeit mit den toxikologischen Instituten an den Universitäten und den kantonalen und nationalen Umwelt- und Gesundheitsfachstellen festzulegen. Im Gegensatz zu Deutschland verfügt die Schweiz über keine umfassende Belastungsanalyse von verschiedenen Stoffklassen. Deutschland verfügt seit 1985/1986 über den Umwelt-Survey. Mit diesem werden repräsentative Daten für eine gesundheitsbezogene Umweltbeobachtung auf nationaler Ebene erfasst. Dazu werden bis zu 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hinsichtlich ihrer Umweltbelastung untersucht (Urin- und Blutproben) und befragt. Dank dem Umwelt-Survey werden Referenzwerte als Basis für eine landesweite einheitliche Bewertung von Umweltbelastungen des Menschen erfasst, es können zeitliche Trends und regionale Unterschiede von Belastungen beobachtet und Belastungspfade identifiziert und quantifiziert werden. </p><p>Für ein umfassendes Verständnis der Folgen der Belastung der Bevölkerung mit chemischen Substanzen und somit deren Schutz ist es unerlässlich, die Verteilung und Veränderung der chemischen Substanzen in der Bevölkerung zu kennen. Nur so können auch Zusammenhänge zwischen Veränderungen der Gesundheit der Bevölkerung analysiert, erklärt und hoffentlich behoben werden.</p>
- <p>Der Bundesrat ist sich der durch die heutige Lebensweise bedingten Exposition der Bevölkerung gegenüber chemischen Stoffen bewusst. Er anerkennt deshalb das Anliegen, frühzeitig auf Veränderungen in der Belastungs- und Gesundheitssituation spezifischer Bevölkerungsgruppen reagieren zu können. Verschiedene Erlasse enthalten bereits heute Regelungen zum Schutz der menschlichen Gesundheit vor negativen Wirkungen chemischer Stoffe, so z. B. das Chemikalien-, das Lebensmittel- und das Umweltrecht. Der Bund erhält mit Artikel 37 des Chemikaliengesetzes (SR 813.1), mit Artikel 34 des Lebensmittelgesetzes (SR 817.0) und mit Artikel 44 des Umweltschutzgesetzes (SR 814.01) die Möglichkeit, Erhebungen zur Beschaffung der notwendigen Grundlagen zum Schutz der Gesundheit durchzuführen. </p><p>Repräsentative Belastungsdaten der Schweizer Bevölkerung und verschiedener Umweltmedien wurden in der Vergangenheit für spezifische Substanzen erhoben. Regelmässig werden z. B. Muttermilchproben auf deren Belastung mit schwer abbaubaren, fettlöslichen Substanzen wie Dioxine oder PCB überprüft. Weitere Untersuchungen sind denkbar und könnten unter Berücksichtigung neuer internationaler Erkenntnisse und Entwicklungen geplant werden. Ausserdem trat die Schweiz am 1. April 2006 der Europäischen Umweltagentur (EUA) bei und erhielt damit vollen Zugang zum Netzwerk der EU für Umweltinformation und Umweltbeobachtung. </p><p>Der Bundesrat ist bereit, in einem ersten Schritt abzuklären, wie die bereits bestehenden, punktuell durchgeführten Forschungsaktivitäten auf kantonaler und nationaler Ebene koordiniert und im Sinne der Postulantin ausgedehnt werden könnten. Dazu wird eine interdepartementale Arbeitsgruppe, unter Mitwirkung der zuständigen Ämter im Gesundheits-, Umwelt-, Landwirtschafts- und Forschungsbereich, ein Grobkonzept erarbeiten, welches die Möglichkeiten einer umfassenden gesundheitsbezogenen Umweltbeobachtung in der Schweiz aufzeigt. Sowohl die Aktivitäten des Informations- und Koordinationsorgans Umweltbeobachtung als auch die aktuellen, internationalen Bestrebungen z. B. hinsichtlich des möglichen Gesundheitsabkommens mit der Europäischen Gemeinschaft sollen von der Arbeitsgruppe mitberücksichtigt werden.</p> Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, die Einführung einer Belastungsanalyse der Schweizer Bevölkerung auf verschiedene chemische Stoffklassen (Pestizide, PCB, Hormone, chemische UV-Filter usw.) zu prüfen.</p>
- Einführung einer Belastungsanalyse chemischer Stoffklassen
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
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- Index
- 0
- Texts
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- <p>Der Mensch und seine Umwelt ist heute zahlreichen chemischen Stoffen ausgesetzt (chemische UV-Filter, Pestizide, Blei, Hormone usw.). Meist kennen wir heute weder die langfristige Wirkung auf Mensch und Umwelt einzelner Substanzen noch deren Wirkung in der Kombination. Basis für das Verständnis möglicher Auswirkungen dieser Stoffe auf Mensch und Umwelt ist die Kenntnis ihrer Verbreitung und ihrer Fluktuation. In der Schweiz fehlen national vergleichbare Daten über die Belastung der Schweizerinnen und Schweizer mit verschiedenen Chemikalien. Daten werden lediglich punktuell und projektbezogen und meist auf Kantonsebene erfasst und können somit weder für einen regionalen Vergleich noch für einen Zeitvergleich, geschweige denn für die Untersuchung von Zusammenhängen verwendet werden. Denkbar sind sowohl invasive Proben über Blutentnahmen sowie nichtinvasive Urin- oder Muttermilchproben. Die Auswahl der zu erfassenden Substanzen ist in Zusammenarbeit mit den toxikologischen Instituten an den Universitäten und den kantonalen und nationalen Umwelt- und Gesundheitsfachstellen festzulegen. Im Gegensatz zu Deutschland verfügt die Schweiz über keine umfassende Belastungsanalyse von verschiedenen Stoffklassen. Deutschland verfügt seit 1985/1986 über den Umwelt-Survey. Mit diesem werden repräsentative Daten für eine gesundheitsbezogene Umweltbeobachtung auf nationaler Ebene erfasst. Dazu werden bis zu 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hinsichtlich ihrer Umweltbelastung untersucht (Urin- und Blutproben) und befragt. Dank dem Umwelt-Survey werden Referenzwerte als Basis für eine landesweite einheitliche Bewertung von Umweltbelastungen des Menschen erfasst, es können zeitliche Trends und regionale Unterschiede von Belastungen beobachtet und Belastungspfade identifiziert und quantifiziert werden. </p><p>Für ein umfassendes Verständnis der Folgen der Belastung der Bevölkerung mit chemischen Substanzen und somit deren Schutz ist es unerlässlich, die Verteilung und Veränderung der chemischen Substanzen in der Bevölkerung zu kennen. Nur so können auch Zusammenhänge zwischen Veränderungen der Gesundheit der Bevölkerung analysiert, erklärt und hoffentlich behoben werden.</p>
- <p>Der Bundesrat ist sich der durch die heutige Lebensweise bedingten Exposition der Bevölkerung gegenüber chemischen Stoffen bewusst. Er anerkennt deshalb das Anliegen, frühzeitig auf Veränderungen in der Belastungs- und Gesundheitssituation spezifischer Bevölkerungsgruppen reagieren zu können. Verschiedene Erlasse enthalten bereits heute Regelungen zum Schutz der menschlichen Gesundheit vor negativen Wirkungen chemischer Stoffe, so z. B. das Chemikalien-, das Lebensmittel- und das Umweltrecht. Der Bund erhält mit Artikel 37 des Chemikaliengesetzes (SR 813.1), mit Artikel 34 des Lebensmittelgesetzes (SR 817.0) und mit Artikel 44 des Umweltschutzgesetzes (SR 814.01) die Möglichkeit, Erhebungen zur Beschaffung der notwendigen Grundlagen zum Schutz der Gesundheit durchzuführen. </p><p>Repräsentative Belastungsdaten der Schweizer Bevölkerung und verschiedener Umweltmedien wurden in der Vergangenheit für spezifische Substanzen erhoben. Regelmässig werden z. B. Muttermilchproben auf deren Belastung mit schwer abbaubaren, fettlöslichen Substanzen wie Dioxine oder PCB überprüft. Weitere Untersuchungen sind denkbar und könnten unter Berücksichtigung neuer internationaler Erkenntnisse und Entwicklungen geplant werden. Ausserdem trat die Schweiz am 1. April 2006 der Europäischen Umweltagentur (EUA) bei und erhielt damit vollen Zugang zum Netzwerk der EU für Umweltinformation und Umweltbeobachtung. </p><p>Der Bundesrat ist bereit, in einem ersten Schritt abzuklären, wie die bereits bestehenden, punktuell durchgeführten Forschungsaktivitäten auf kantonaler und nationaler Ebene koordiniert und im Sinne der Postulantin ausgedehnt werden könnten. Dazu wird eine interdepartementale Arbeitsgruppe, unter Mitwirkung der zuständigen Ämter im Gesundheits-, Umwelt-, Landwirtschafts- und Forschungsbereich, ein Grobkonzept erarbeiten, welches die Möglichkeiten einer umfassenden gesundheitsbezogenen Umweltbeobachtung in der Schweiz aufzeigt. Sowohl die Aktivitäten des Informations- und Koordinationsorgans Umweltbeobachtung als auch die aktuellen, internationalen Bestrebungen z. B. hinsichtlich des möglichen Gesundheitsabkommens mit der Europäischen Gemeinschaft sollen von der Arbeitsgruppe mitberücksichtigt werden.</p> Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, die Einführung einer Belastungsanalyse der Schweizer Bevölkerung auf verschiedene chemische Stoffklassen (Pestizide, PCB, Hormone, chemische UV-Filter usw.) zu prüfen.</p>
- Einführung einer Belastungsanalyse chemischer Stoffklassen
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