Früherkennung von Darmkrebs

ShortId
08.3238
Id
20083238
Updated
24.06.2025 23:43
Language
de
Title
Früherkennung von Darmkrebs
AdditionalIndexing
2841;Gesundheitsförderung;medizinische Untersuchung;Gesundheitsüberwachung;Krebs
1
  • L04K01050110, Krebs
  • L04K01050209, medizinische Untersuchung
  • L05K0105050901, Gesundheitsüberwachung
  • L04K01050507, Gesundheitsförderung
PriorityCouncil1
Ständerat
Texts
  • <p>In der Schweiz werden gemäss dem Nationalen Krebsprogramm 2005-2010 jedes Jahr 31 000 neue Krebsfälle diagnostiziert. 15 000 Menschen sterben jährlich an Krebs; das ist ein Viertel aller Todesfälle. Krebs ist damit die zweithäufigste Todesursache in unserem Land. Allerdings könnte ein grosser Teil der Krebserkrankungen verhindert werden, nach den Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation ein Drittel aller Fälle. Gesundheitsförderung, Prävention und vor allem die Früherkennung spielen dabei eine entscheidende Rolle.</p><p>Das Krebsprogramm hält weiter fest, dass bei Frauen Darmkrebs nach Brustkrebs die zweithäufigste Krebsart ist, bei Männern die dritthäufigste nach Prostatakrebs und Lungenkrebs. Jedes Jahr wird bei rund 4300 Personen Darmkrebs diagnostiziert; das sind etwa 14 Prozent der neuen Krebserkrankungen. Trotz besseren Behandlungsmethoden haben sich die Überlebenschancen kaum erhöht. Bei mehr als der Hälfte der Personen wird die Krankheit erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, sodass leider kaum Hoffnung auf Heilung besteht. Wenn der Krebs frühzeitig erkannt und Polypen, Vorstufen des Krebses, entfernt werden, kann die Mortalitätsrate gesenkt werden. Aus diesem Grund ist die Darmkrebsprävention sowohl eine Vorsorgemassnahme als auch eine Form der Früherkennung. Internationale Studien belegen, dass mit einer jährlichen oder zweijährlichen Untersuchung des Stuhls auf Blut (falls im Stuhl Blut festgestellt wird, gefolgt von einer Darmspiegelung) eine wirksame Früherkennung möglich ist.</p><p>Bis jetzt gibt es in keinem europäischen Land ein nationales Programm zur Früherkennung von Darmkrebs. In Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und Schottland gibt es aber bereits heute verschiedene Massnahmen auf regionaler und nationaler Ebene. Das Gesundheitsmagazin "36,9" des Westschweizer Fernsehens TSR hat in seiner Sendung vom 31. Januar 2007 berichtet, dass die französischen Departemente, die bereits Kampagnen zur Früherkennung lanciert haben, mithilfe der Krankenkassen und der Hausärztinnen und Hausärzte 55 Prozent der Bevölkerung, an die sich die Kampagne richtete, erreichten. Auch wenn diese Prozentzahl relativ klein ist, konnte laut diesem Bericht die Zahl der Todesfälle aufgrund von Darmkrebs in der gesamten Bevölkerung um 16 Prozent gesenkt werden.</p><p>In der Schweiz anerkennt die Krankenpflege-Leistungsverordnung bereits heute mehrere Früherkennungsprogramme (Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs). Aufgrund der Erkenntnisse und der Empfehlungen des Nationalen Krebsprogramms 2005-2010 und im Wissen, dass Darmkrebs in der Schweiz eine der drei häufigsten Krebsarten ist, ist es heute dringend nötig, die Massnahmen zur Früherkennung von Darmkrebs und die Mittel, die für die Umsetzung dieser Massnahmen erforderlich sind, zu prüfen.</p>
  • <p>Der Bundesrat anerkennt die Wichtigkeit des im Postulat formulierten Anliegens. Der Bund hat aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt bei der Prävention der nichtübertragbaren Krankheiten keinen gesetzlichen Auftrag. Der Bundesrat hat das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) jedoch am 28. September 2007 beauftragt, einen Vorentwurf für neue gesetzliche Bestimmungen zur Stärkung der Prävention und Gesundheitsförderung zu erarbeiten. Im Rahmen dieses Projektes wird die Schaffung von gesetzlichen Grundlagen für mögliche Früherkennungsmassnahmen bei Krebs geprüft. </p><p>Somit bleibt momentan nur die Möglichkeit, eine Früherkennungsmassnahme zu konzipieren, wenn die Bedingungen zur Kostenübernahme durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) erfüllt sind. Massgebend für die Kostenübernahme ist die Erfüllung der Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit (WZW-Kriterien). Der entsprechende Nachweis ist durch die Leistungsanbieter zu erbringen. Der Entscheid über die Kostenübernahme obliegt dem EDI, welches sich von einer Fachkommission beraten lässt.</p><p>Im Kontext von generellen Früherkennungsuntersuchungen, die als Programme konzipiert sind, beinhaltet der WZW-Nachweis den wissenschaftlichen Nachweis, dass der potenzielle Nutzen die möglichen Risiken klar überwiegt, sowie den Nachweis, dass die Information der Zielgruppen, die Qualitätssicherung, das Monitoring und die längerfristige Evaluation sichergestellt sind. Zudem ist Transparenz über die voraussichtlichen Kosten der Untersuchungen und über Einsparungen dank verhinderter Krankheitsfälle erforderlich. Der WZW-Nachweis und die anschliessende Umsetzung in die Praxis erfordern in der Regel eine aktive Mitwirkung von Nichtregierungsorganisationen und/oder der Kantone. </p><p>Da einerseits der Bund keinen gesetzlichen Auftrag zur Prävention von nichtübertragbaren Krankheiten hat und andererseits ein klar definiertes Verfahren zur Prüfung der Früherkennung von Darmkrebs im Hinblick auf eine allfällige Finanzierung durch die OKP zur Verfügung steht, erachtet es der Bundesrat nicht für sachgerecht, zum jetzigen Zeitpunkt eine Prüfung vorzunehmen, wie sie im Postulat vorgeschlagen wird.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
  • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, die Massnahmen zur Früherkennung von Darmkrebs (Test auf verstecktes Blut im Stuhl, Darmspiegelung) zu prüfen, die im schweizerischen Kontext in Bezug auf Wirksamkeit, Machbarkeit und Finanzierung am besten geeignet sind, und zu prüfen, wie diese Massnahmen im Rahmen eines landesweiten Früherkennungsprogramms umgesetzt werden können.</p>
  • Früherkennung von Darmkrebs
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>In der Schweiz werden gemäss dem Nationalen Krebsprogramm 2005-2010 jedes Jahr 31 000 neue Krebsfälle diagnostiziert. 15 000 Menschen sterben jährlich an Krebs; das ist ein Viertel aller Todesfälle. Krebs ist damit die zweithäufigste Todesursache in unserem Land. Allerdings könnte ein grosser Teil der Krebserkrankungen verhindert werden, nach den Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation ein Drittel aller Fälle. Gesundheitsförderung, Prävention und vor allem die Früherkennung spielen dabei eine entscheidende Rolle.</p><p>Das Krebsprogramm hält weiter fest, dass bei Frauen Darmkrebs nach Brustkrebs die zweithäufigste Krebsart ist, bei Männern die dritthäufigste nach Prostatakrebs und Lungenkrebs. Jedes Jahr wird bei rund 4300 Personen Darmkrebs diagnostiziert; das sind etwa 14 Prozent der neuen Krebserkrankungen. Trotz besseren Behandlungsmethoden haben sich die Überlebenschancen kaum erhöht. Bei mehr als der Hälfte der Personen wird die Krankheit erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, sodass leider kaum Hoffnung auf Heilung besteht. Wenn der Krebs frühzeitig erkannt und Polypen, Vorstufen des Krebses, entfernt werden, kann die Mortalitätsrate gesenkt werden. Aus diesem Grund ist die Darmkrebsprävention sowohl eine Vorsorgemassnahme als auch eine Form der Früherkennung. Internationale Studien belegen, dass mit einer jährlichen oder zweijährlichen Untersuchung des Stuhls auf Blut (falls im Stuhl Blut festgestellt wird, gefolgt von einer Darmspiegelung) eine wirksame Früherkennung möglich ist.</p><p>Bis jetzt gibt es in keinem europäischen Land ein nationales Programm zur Früherkennung von Darmkrebs. In Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und Schottland gibt es aber bereits heute verschiedene Massnahmen auf regionaler und nationaler Ebene. Das Gesundheitsmagazin "36,9" des Westschweizer Fernsehens TSR hat in seiner Sendung vom 31. Januar 2007 berichtet, dass die französischen Departemente, die bereits Kampagnen zur Früherkennung lanciert haben, mithilfe der Krankenkassen und der Hausärztinnen und Hausärzte 55 Prozent der Bevölkerung, an die sich die Kampagne richtete, erreichten. Auch wenn diese Prozentzahl relativ klein ist, konnte laut diesem Bericht die Zahl der Todesfälle aufgrund von Darmkrebs in der gesamten Bevölkerung um 16 Prozent gesenkt werden.</p><p>In der Schweiz anerkennt die Krankenpflege-Leistungsverordnung bereits heute mehrere Früherkennungsprogramme (Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs). Aufgrund der Erkenntnisse und der Empfehlungen des Nationalen Krebsprogramms 2005-2010 und im Wissen, dass Darmkrebs in der Schweiz eine der drei häufigsten Krebsarten ist, ist es heute dringend nötig, die Massnahmen zur Früherkennung von Darmkrebs und die Mittel, die für die Umsetzung dieser Massnahmen erforderlich sind, zu prüfen.</p>
    • <p>Der Bundesrat anerkennt die Wichtigkeit des im Postulat formulierten Anliegens. Der Bund hat aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt bei der Prävention der nichtübertragbaren Krankheiten keinen gesetzlichen Auftrag. Der Bundesrat hat das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) jedoch am 28. September 2007 beauftragt, einen Vorentwurf für neue gesetzliche Bestimmungen zur Stärkung der Prävention und Gesundheitsförderung zu erarbeiten. Im Rahmen dieses Projektes wird die Schaffung von gesetzlichen Grundlagen für mögliche Früherkennungsmassnahmen bei Krebs geprüft. </p><p>Somit bleibt momentan nur die Möglichkeit, eine Früherkennungsmassnahme zu konzipieren, wenn die Bedingungen zur Kostenübernahme durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) erfüllt sind. Massgebend für die Kostenübernahme ist die Erfüllung der Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit (WZW-Kriterien). Der entsprechende Nachweis ist durch die Leistungsanbieter zu erbringen. Der Entscheid über die Kostenübernahme obliegt dem EDI, welches sich von einer Fachkommission beraten lässt.</p><p>Im Kontext von generellen Früherkennungsuntersuchungen, die als Programme konzipiert sind, beinhaltet der WZW-Nachweis den wissenschaftlichen Nachweis, dass der potenzielle Nutzen die möglichen Risiken klar überwiegt, sowie den Nachweis, dass die Information der Zielgruppen, die Qualitätssicherung, das Monitoring und die längerfristige Evaluation sichergestellt sind. Zudem ist Transparenz über die voraussichtlichen Kosten der Untersuchungen und über Einsparungen dank verhinderter Krankheitsfälle erforderlich. Der WZW-Nachweis und die anschliessende Umsetzung in die Praxis erfordern in der Regel eine aktive Mitwirkung von Nichtregierungsorganisationen und/oder der Kantone. </p><p>Da einerseits der Bund keinen gesetzlichen Auftrag zur Prävention von nichtübertragbaren Krankheiten hat und andererseits ein klar definiertes Verfahren zur Prüfung der Früherkennung von Darmkrebs im Hinblick auf eine allfällige Finanzierung durch die OKP zur Verfügung steht, erachtet es der Bundesrat nicht für sachgerecht, zum jetzigen Zeitpunkt eine Prüfung vorzunehmen, wie sie im Postulat vorgeschlagen wird.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
    • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, die Massnahmen zur Früherkennung von Darmkrebs (Test auf verstecktes Blut im Stuhl, Darmspiegelung) zu prüfen, die im schweizerischen Kontext in Bezug auf Wirksamkeit, Machbarkeit und Finanzierung am besten geeignet sind, und zu prüfen, wie diese Massnahmen im Rahmen eines landesweiten Früherkennungsprogramms umgesetzt werden können.</p>
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