Importierte Inflation. Was meint der Bundesrat dazu?
- ShortId
-
08.3273
- Id
-
20083273
- Updated
-
28.07.2023 07:08
- Language
-
de
- Title
-
Importierte Inflation. Was meint der Bundesrat dazu?
- AdditionalIndexing
-
15;Inflation;Energiepreis;Preissteigerung;Geldpolitik;Erdöl;Einfuhr;Schweizerische Nationalbank
- 1
-
- L05K0704020302, Inflation
- L04K11050502, Preissteigerung
- L05K0701020303, Einfuhr
- L04K17040202, Erdöl
- L05K1701010605, Energiepreis
- L03K110301, Geldpolitik
- L05K1103010301, Schweizerische Nationalbank
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Seit einigen Monaten klettert der Ölpreis ins Unermessliche. In einem Jahr hat sich der Preis für ein Fass praktisch verdoppelt. Er steht heute bei 130 Dollar. Auch die Preise für Landwirtschaftserzeugnisse aus dem Ausland steigen stark, wenn auch in geringerem Mass. Diese Entwicklungen schlagen sich stark in der importierten Inflation nieder. Diese nahm denn auch während den letzten zwölf Monaten um ganze 6 Prozent zu, während der Konsumentenpreisindex in der Schweiz nur um 1,4 Prozent stieg. Der Anstieg der Inflationsrate - sie liegt neu bei 2,5 Prozent - bei uns geht also praktisch allein auf die importierte Inflation zurück. Dieser Wert liegt über demjenigen, der Massnahmen zur Bremsung der Inflation gebietet. Die importierte Inflation weist zwar gewisse Merkmale auf, die ihr und anderen Inflationsgründen gemeinsam sind. Der grosse Unterschied liegt aber darin, dass sie unausweichlich zu einer Verringerung der Kaufkraft führt, wenn sie die endogene Inflation übersteigt. Diese Verringerung wie auch die damit einhergehenden schmaleren Gewinnmargen bei den Unternehmen könnten zu einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums oder gar zu einer Rezession führen; dies umso mehr, als zu diesen Phänomenen die noch unbekannten negativen Langzeitwirkungen der Finanzkrise, die im vergangenen Sommer begann, hinzukommen. Die gesellschaftliche Kohäsion könnte unter dieser Situation leiden. Kurzfristig profitiert die öffentliche Hand von den hohen Treibstoffpreisen: Die Einnahmen aus der Treibstoffsteuer steigen. Dies sollte aber den Bundesrat nicht davon abhalten, über die hohe importierte Inflation nachzudenken und - im Rahmen seines bescheidenen Handlungsspielraums - die richtigen Massnahmen zu treffen.</p>
- <p>Die Schweizerische Nationalbank (SNB) führt als unabhängige Zentralbank eine Geld- und Währungspolitik, die dem Gesamtinteresse des Landes dient (Art. 99 Abs. 2 der Bundesverfassung). Das Nationalbankgesetz präzisiert diesen Auftrag (Art. 5) und hält fest, dass die SNB die Preisstabilität gewährleistet. Es ist deshalb die Aufgabe der SNB, die Inflation zu bekämpfen.</p><p>Ein wesentlicher Grund für den massiven Anstieg der Rohstoffpreise und damit auch der in der Schweiz verzeichneten Importpreise ist die Zunahme der Nachfrage nach Rohstoffen durch die Schwellenländer. Diese grössere Nachfrage führte zu einer Erhöhung der Rohstoffpreise im Vergleich zum Niveau der Preise der anderen Güter, welche sich indirekt auf die Konsumentenpreise auswirkte. Es wäre jedoch nicht angebracht, diese mit dem Phänomen einer Inflationsspirale gleichzusetzen. Ein Merkmal der jüngsten Entwicklung in der Schweiz ist nämlich auch, dass für mehrere Produkte und Dienstleistungen die Preise sinken oder sehr geringfügig steigen.</p><p>Veränderungen der Preisverhältnisse sind wichtige Signale der Märkte. So wäre es falsch, zu glauben, dass es die Aufgabe der Regierungen oder der Nationalbanken ist, zu versuchen, diese relativen Preise zu beeinflussen. Dass die Rohstoffnachfrage durch die Schwellenländer in den letzten Jahren so massiv zugenommen hat, liegt am starken Wirtschaftswachstum dieser Länder, von dem die Industrieländer wie die Schweiz sowie ihre Arbeitsmärkte profitieren konnten.</p><p>Unter Inflation versteht der Bundesrat nicht nur einen einfachen Anstieg des Konsumentenpreisindexes, sondern das sich gegenseitige Hochschaukeln von Preisen, Gewinnen und Löhnen. Solche Preisspiralen waren in der Schweiz zum letzten Mal im Jahr 1991 zu beobachten. Die Ursachen der Inflation sind vielfältig. Hohe Erdöl- oder Agrarpreise können eine solche Spirale auslösen, sind jedoch nicht der einzige Grund dafür. Überschüssige Liquiditäten sind erforderlich, um einen generalisierten Preisanstieg zu ermöglichen; solche Überschüsse sind zurzeit in der Schweiz jedoch nicht festzustellen. Gleichzeitig kann man sich fragen, ob die Rückkoppelungseffekte zwischen Löhnen und Gewinnen in den Industrieländern und im Rahmen des Globalisierungsprozesses nicht zwangsläufig beschränkt sind, da sie unweigerlich gewisse Wettbewerbsverluste hervorrufen.</p><p>Der Bundesrat kann und will sich Änderungen der relativen Preise im Zusammenhang mit strukturellen Veränderungen der weltweiten Nachfrage nicht widersetzen. Er ist hingegen bestrebt, die Flexibilität und die Möglichkeiten der Strukturanpassung der Gesamtwirtschaft zu fördern, namentlich durch verschiedene Politiken und Strategien im Bereich des Wirtschaftswachstums. Der Bundesrat macht sich grundsätzliche Überlegungen zur Zukunft der Energieversorgung in der Schweiz; diese sind jedoch unabhängig vom Anliegen der Inflationsbekämpfung und sollen dadurch auch nicht beeinflusst werden.</p><p>Der Bundesrat sieht somit in der heuten Situation keinen Bedarf für die Entwicklung ergänzender Strategien.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Die importierte Inflation fängt an, sich auf die Unternehmen und die privaten Haushalte und damit auf die gesamte Wirtschaft auszuwirken. Deshalb bitte ich den Bundesrat um Antwort auf folgende Fragen:</p><p>a. Will er einfach abwarten, bis die Reaktion der Nationalbank und die Marktmechanismen greifen?</p><p>b. Wenn nein, welche Strategien will er entwickeln, und welche Massnahmen gedenkt er zu ergreifen, um die Folgen der importierten Inflation mindestens teilweise zu bekämpfen?</p>
- Importierte Inflation. Was meint der Bundesrat dazu?
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Seit einigen Monaten klettert der Ölpreis ins Unermessliche. In einem Jahr hat sich der Preis für ein Fass praktisch verdoppelt. Er steht heute bei 130 Dollar. Auch die Preise für Landwirtschaftserzeugnisse aus dem Ausland steigen stark, wenn auch in geringerem Mass. Diese Entwicklungen schlagen sich stark in der importierten Inflation nieder. Diese nahm denn auch während den letzten zwölf Monaten um ganze 6 Prozent zu, während der Konsumentenpreisindex in der Schweiz nur um 1,4 Prozent stieg. Der Anstieg der Inflationsrate - sie liegt neu bei 2,5 Prozent - bei uns geht also praktisch allein auf die importierte Inflation zurück. Dieser Wert liegt über demjenigen, der Massnahmen zur Bremsung der Inflation gebietet. Die importierte Inflation weist zwar gewisse Merkmale auf, die ihr und anderen Inflationsgründen gemeinsam sind. Der grosse Unterschied liegt aber darin, dass sie unausweichlich zu einer Verringerung der Kaufkraft führt, wenn sie die endogene Inflation übersteigt. Diese Verringerung wie auch die damit einhergehenden schmaleren Gewinnmargen bei den Unternehmen könnten zu einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums oder gar zu einer Rezession führen; dies umso mehr, als zu diesen Phänomenen die noch unbekannten negativen Langzeitwirkungen der Finanzkrise, die im vergangenen Sommer begann, hinzukommen. Die gesellschaftliche Kohäsion könnte unter dieser Situation leiden. Kurzfristig profitiert die öffentliche Hand von den hohen Treibstoffpreisen: Die Einnahmen aus der Treibstoffsteuer steigen. Dies sollte aber den Bundesrat nicht davon abhalten, über die hohe importierte Inflation nachzudenken und - im Rahmen seines bescheidenen Handlungsspielraums - die richtigen Massnahmen zu treffen.</p>
- <p>Die Schweizerische Nationalbank (SNB) führt als unabhängige Zentralbank eine Geld- und Währungspolitik, die dem Gesamtinteresse des Landes dient (Art. 99 Abs. 2 der Bundesverfassung). Das Nationalbankgesetz präzisiert diesen Auftrag (Art. 5) und hält fest, dass die SNB die Preisstabilität gewährleistet. Es ist deshalb die Aufgabe der SNB, die Inflation zu bekämpfen.</p><p>Ein wesentlicher Grund für den massiven Anstieg der Rohstoffpreise und damit auch der in der Schweiz verzeichneten Importpreise ist die Zunahme der Nachfrage nach Rohstoffen durch die Schwellenländer. Diese grössere Nachfrage führte zu einer Erhöhung der Rohstoffpreise im Vergleich zum Niveau der Preise der anderen Güter, welche sich indirekt auf die Konsumentenpreise auswirkte. Es wäre jedoch nicht angebracht, diese mit dem Phänomen einer Inflationsspirale gleichzusetzen. Ein Merkmal der jüngsten Entwicklung in der Schweiz ist nämlich auch, dass für mehrere Produkte und Dienstleistungen die Preise sinken oder sehr geringfügig steigen.</p><p>Veränderungen der Preisverhältnisse sind wichtige Signale der Märkte. So wäre es falsch, zu glauben, dass es die Aufgabe der Regierungen oder der Nationalbanken ist, zu versuchen, diese relativen Preise zu beeinflussen. Dass die Rohstoffnachfrage durch die Schwellenländer in den letzten Jahren so massiv zugenommen hat, liegt am starken Wirtschaftswachstum dieser Länder, von dem die Industrieländer wie die Schweiz sowie ihre Arbeitsmärkte profitieren konnten.</p><p>Unter Inflation versteht der Bundesrat nicht nur einen einfachen Anstieg des Konsumentenpreisindexes, sondern das sich gegenseitige Hochschaukeln von Preisen, Gewinnen und Löhnen. Solche Preisspiralen waren in der Schweiz zum letzten Mal im Jahr 1991 zu beobachten. Die Ursachen der Inflation sind vielfältig. Hohe Erdöl- oder Agrarpreise können eine solche Spirale auslösen, sind jedoch nicht der einzige Grund dafür. Überschüssige Liquiditäten sind erforderlich, um einen generalisierten Preisanstieg zu ermöglichen; solche Überschüsse sind zurzeit in der Schweiz jedoch nicht festzustellen. Gleichzeitig kann man sich fragen, ob die Rückkoppelungseffekte zwischen Löhnen und Gewinnen in den Industrieländern und im Rahmen des Globalisierungsprozesses nicht zwangsläufig beschränkt sind, da sie unweigerlich gewisse Wettbewerbsverluste hervorrufen.</p><p>Der Bundesrat kann und will sich Änderungen der relativen Preise im Zusammenhang mit strukturellen Veränderungen der weltweiten Nachfrage nicht widersetzen. Er ist hingegen bestrebt, die Flexibilität und die Möglichkeiten der Strukturanpassung der Gesamtwirtschaft zu fördern, namentlich durch verschiedene Politiken und Strategien im Bereich des Wirtschaftswachstums. Der Bundesrat macht sich grundsätzliche Überlegungen zur Zukunft der Energieversorgung in der Schweiz; diese sind jedoch unabhängig vom Anliegen der Inflationsbekämpfung und sollen dadurch auch nicht beeinflusst werden.</p><p>Der Bundesrat sieht somit in der heuten Situation keinen Bedarf für die Entwicklung ergänzender Strategien.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Die importierte Inflation fängt an, sich auf die Unternehmen und die privaten Haushalte und damit auf die gesamte Wirtschaft auszuwirken. Deshalb bitte ich den Bundesrat um Antwort auf folgende Fragen:</p><p>a. Will er einfach abwarten, bis die Reaktion der Nationalbank und die Marktmechanismen greifen?</p><p>b. Wenn nein, welche Strategien will er entwickeln, und welche Massnahmen gedenkt er zu ergreifen, um die Folgen der importierten Inflation mindestens teilweise zu bekämpfen?</p>
- Importierte Inflation. Was meint der Bundesrat dazu?
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