Formulierung einer Strategie für Chancengerechtigkeit im Bildungswesen

ShortId
08.3552
Id
20083552
Updated
28.07.2023 08:30
Language
de
Title
Formulierung einer Strategie für Chancengerechtigkeit im Bildungswesen
AdditionalIndexing
32;Gleichbehandlung;Zugang zur Bildung;soziale Ungleichheit;Bildungspolitik
1
  • L04K05020303, Gleichbehandlung
  • L04K13030117, Zugang zur Bildung
  • L03K130301, Bildungspolitik
  • L04K01090106, soziale Ungleichheit
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Die ungleichen Chancen im Bildungswesen sind ein ernstes Problem und eine grosse Herausforderung der Zukunft. Sowohl die Daten von Pisa wie auch anderer Untersuchungen belegen, dass die Schweiz ein Bildungssystem hat, das die ungleichen Chancen von Herkunft und Geschlecht nicht zu korrigieren vermag, sondern noch verstärkt. Der Bildungsökonom Stefan Wolter hat dies ebenfalls sowohl in seinem umfassenden Bildungsbericht für den Bund wie auch in seiner Untersuchung zur Chancengerechtigkeit im schweizerischen Bildungswesen festgestellt und empfiehlt eine nationale Strategie des Bundes zur Chancengerechtigkeit. Diese existiert bis jetzt nicht. Pisa zeigt auf, dass Bildungssysteme mit gerechter Chancenverteilung auch leistungsmässig gut abschneiden und umgekehrt chancenungerechte Systeme auch keine guten Gesamtleistungen erbringen. </p><p>Deshalb soll der Bundesrat eine Strategie festlegen, in welcher er aufzeigt, wie er die Chancengerechtigkeit im Bildungswesen verbessern will und was für Massnahmen er dazu vorsieht. Insbesondere gilt es, vier Gruppen von Benachteiligten zu unterscheiden und jeweils einzeln zu berücksichtigen sowie die Kumulation, welche sich in den Gruppen ergeben (Mehrfachbenachteiligung), zu beachten. Die Strategie soll sich erstens insbesondere auf die Ungerechtigkeit in der Bildung der ökonomisch schlechtergestellten und bildungsfernen Schichten beziehen, als zweites auf die Unterschiede der Geschlechter, als drittes auf die Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund und als viertes auf die Kinder mit Behinderungen. Auch Fragen, wie sich die Finanzstärke des Wohnortes auf den Bildungsweg eines Jugendlichen auswirkt oder wie viele Jugendliche auf eine Ausbildung oder den allgemeinbildenden Weg verzichten, weil ihre Eltern wenig finanzielle Ressourcen haben, sollen darin aufgenommen werden. (Dazu existiert eine Studie aus Österreich. In der Schweiz wurde das nie untersucht.)</p>
  • <p>Der Bundesrat ist sich der Problematik der Ungleichheiten im schweizerischen Bildungswesen bewusst. Mangelnde Chancengerechtigkeit hat nicht nur Benachteiligungen einzelner bildungswilliger Individuen zur Folge. Sie kann sich darüber hinaus negativ auf die Leistungsfähigkeit des Bildungssystems und auf die Gesellschaft als Ganzes auswirken. </p><p>Chancengerechtigkeit ist ein Begriff, dessen Verständnis Gegenstand intensiver Diskussionen ist. Dasselbe gilt für die Frage, welche Massnahmen zu ergreifen sind, um das Problem von Benachteiligungen im Bildungswesen anzugehen und zu lösen. Ungleiche Chancen sind ein sehr komplexes Phänomen. Mögliche Ursachen können sozioökonomischer oder geschlechtsspezifischer Natur sein oder auf mangelnde Sprachkompetenzen, kulturelle Unterschiede sowie körperliche und geistige Behinderungen zurückzuführen sein. Die Vorstellungen, wie mit diesen Sachverhalten umgegangen werden soll, sind unterschiedlich und auch kontrovers. </p><p>Die Festlegung einer Strategie für die Verbesserung der Chancengerechtigkeit im Bildungswesen bedarf somit vorgängig einer vertieften Klärung der Frage, was mit Bezug auf Bildung als gerecht zu verstehen ist. Dies bedingt, dass auf gesicherte Fakten und auf ein entsprechendes analytisches Instrumentarium zurückgegriffen werden kann. Wie im 2006 erstmals als Pilotprojekt erschienenen Bildungsbericht Schweiz festgehalten wird, bestehen diesbezüglich mehrfach Lücken. Ihre Behebung wird eines der Hauptthemen des Bildungsberichts sein, der 2010 publiziert werden wird. Damit werden wesentlich bessere Voraussetzungen vorhanden sein, um die Anliegen der Motionärin zu prüfen und gegebenenfalls Massnahmen vorzusehen, zumal bis zu diesem Zeitpunkt auch die Erkenntnisse des Nationalen Forschungsprogramms 51, "Integration und Ausschluss", vorliegen werden. </p><p>Der Bundesrat beantragt aus diesen Gründen die Ablehnung der Motion. Sollte sie im Erstrat angenommen werden, würde der Bundesrat im Zweitrat beantragen, die Motion in einen Prüfungsauftrag abzuändern.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
  • <p>Der Bund soll unter Einbezug der Kantone eine Strategie festlegen, in welcher er aufzeigt, wie er die Chancengerechtigkeit im Bildungswesen verbessern will.</p>
  • Formulierung einer Strategie für Chancengerechtigkeit im Bildungswesen
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Die ungleichen Chancen im Bildungswesen sind ein ernstes Problem und eine grosse Herausforderung der Zukunft. Sowohl die Daten von Pisa wie auch anderer Untersuchungen belegen, dass die Schweiz ein Bildungssystem hat, das die ungleichen Chancen von Herkunft und Geschlecht nicht zu korrigieren vermag, sondern noch verstärkt. Der Bildungsökonom Stefan Wolter hat dies ebenfalls sowohl in seinem umfassenden Bildungsbericht für den Bund wie auch in seiner Untersuchung zur Chancengerechtigkeit im schweizerischen Bildungswesen festgestellt und empfiehlt eine nationale Strategie des Bundes zur Chancengerechtigkeit. Diese existiert bis jetzt nicht. Pisa zeigt auf, dass Bildungssysteme mit gerechter Chancenverteilung auch leistungsmässig gut abschneiden und umgekehrt chancenungerechte Systeme auch keine guten Gesamtleistungen erbringen. </p><p>Deshalb soll der Bundesrat eine Strategie festlegen, in welcher er aufzeigt, wie er die Chancengerechtigkeit im Bildungswesen verbessern will und was für Massnahmen er dazu vorsieht. Insbesondere gilt es, vier Gruppen von Benachteiligten zu unterscheiden und jeweils einzeln zu berücksichtigen sowie die Kumulation, welche sich in den Gruppen ergeben (Mehrfachbenachteiligung), zu beachten. Die Strategie soll sich erstens insbesondere auf die Ungerechtigkeit in der Bildung der ökonomisch schlechtergestellten und bildungsfernen Schichten beziehen, als zweites auf die Unterschiede der Geschlechter, als drittes auf die Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund und als viertes auf die Kinder mit Behinderungen. Auch Fragen, wie sich die Finanzstärke des Wohnortes auf den Bildungsweg eines Jugendlichen auswirkt oder wie viele Jugendliche auf eine Ausbildung oder den allgemeinbildenden Weg verzichten, weil ihre Eltern wenig finanzielle Ressourcen haben, sollen darin aufgenommen werden. (Dazu existiert eine Studie aus Österreich. In der Schweiz wurde das nie untersucht.)</p>
    • <p>Der Bundesrat ist sich der Problematik der Ungleichheiten im schweizerischen Bildungswesen bewusst. Mangelnde Chancengerechtigkeit hat nicht nur Benachteiligungen einzelner bildungswilliger Individuen zur Folge. Sie kann sich darüber hinaus negativ auf die Leistungsfähigkeit des Bildungssystems und auf die Gesellschaft als Ganzes auswirken. </p><p>Chancengerechtigkeit ist ein Begriff, dessen Verständnis Gegenstand intensiver Diskussionen ist. Dasselbe gilt für die Frage, welche Massnahmen zu ergreifen sind, um das Problem von Benachteiligungen im Bildungswesen anzugehen und zu lösen. Ungleiche Chancen sind ein sehr komplexes Phänomen. Mögliche Ursachen können sozioökonomischer oder geschlechtsspezifischer Natur sein oder auf mangelnde Sprachkompetenzen, kulturelle Unterschiede sowie körperliche und geistige Behinderungen zurückzuführen sein. Die Vorstellungen, wie mit diesen Sachverhalten umgegangen werden soll, sind unterschiedlich und auch kontrovers. </p><p>Die Festlegung einer Strategie für die Verbesserung der Chancengerechtigkeit im Bildungswesen bedarf somit vorgängig einer vertieften Klärung der Frage, was mit Bezug auf Bildung als gerecht zu verstehen ist. Dies bedingt, dass auf gesicherte Fakten und auf ein entsprechendes analytisches Instrumentarium zurückgegriffen werden kann. Wie im 2006 erstmals als Pilotprojekt erschienenen Bildungsbericht Schweiz festgehalten wird, bestehen diesbezüglich mehrfach Lücken. Ihre Behebung wird eines der Hauptthemen des Bildungsberichts sein, der 2010 publiziert werden wird. Damit werden wesentlich bessere Voraussetzungen vorhanden sein, um die Anliegen der Motionärin zu prüfen und gegebenenfalls Massnahmen vorzusehen, zumal bis zu diesem Zeitpunkt auch die Erkenntnisse des Nationalen Forschungsprogramms 51, "Integration und Ausschluss", vorliegen werden. </p><p>Der Bundesrat beantragt aus diesen Gründen die Ablehnung der Motion. Sollte sie im Erstrat angenommen werden, würde der Bundesrat im Zweitrat beantragen, die Motion in einen Prüfungsauftrag abzuändern.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
    • <p>Der Bund soll unter Einbezug der Kantone eine Strategie festlegen, in welcher er aufzeigt, wie er die Chancengerechtigkeit im Bildungswesen verbessern will.</p>
    • Formulierung einer Strategie für Chancengerechtigkeit im Bildungswesen

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