Erklärung zum 70. Jahrestag des Attentats von Maurice Bavaud auf Adolf Hitler

ShortId
08.3663
Id
20083663
Updated
01.07.2023 10:13
Language
de
Title
Erklärung zum 70. Jahrestag des Attentats von Maurice Bavaud auf Adolf Hitler
AdditionalIndexing
04
1
  • L05K0807010203, Diktatur
  • L04K08020418, Nationalsozialismus
  • L04K04030101, Attentat
  • L03K020101, Vergangenheit
  • L05K0201010409, Zweiter Weltkrieg
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Der Neuenburger Theologiestudent Maurice Bavaud unternahm am 9. November 1938 in München einen Attentatsversuch auf Hitler. Als Motiv nannte Bavaud im Prozess, er betrachte den deutschen Führer als Gefahr für die Menschheit und für die Unabhängigkeit der Schweiz. Er habe mit seiner Tat der Menschheit "und der gesamten Christenheit" einen Dienst erweisen wollen. Bavaud wurde zum Tod verurteilt und am 14. Mai 1941 guillotiniert. </p><p>Der Schweizer Gesandte in Berlin hatte das Attentat als "verabscheuungswürdige Tat" abgestempelt und sich geweigert, Bavaud zu besuchen oder sich für ihn einzusetzen. Gegen den Vorschlag, Bavaud gegen einen der im Sommer 1940 auf Schweizer Boden verhafteten deutschen Saboteure auszutauschen, hatte das Militärdepartement das Veto eingelegt. Wäre das Attentat erfolgreich gewesen, hätte Hitler weder den Angriffskrieg auslösen noch die Ermordung von Millionen von Juden anordnen können. </p><p>Eine eigentliche Rehabilitierung Bavauds ist bis heute nicht erfolgt. Kürzlich ist in Deutschland dem anderen gescheiterten frühen Hitler-Attentäter, dem Schreiner Georg Elser, ein Denkmal errichtet worden. </p><p>Mit einer Erklärung des Bundesrates kann der Respekt und die Anerkennung für die Tat von Maurice Bavaud ausgedrückt werden. Sie kann gleichzeitig dem Bedauern darüber Ausdruck geben, dass die Bundesbehörden damals nicht mehr zu seiner Rettung unternommen haben.</p>
  • <p>Die Bundeskanzlei hat am 7. November 2008 eine Erklärung des Bundespräsidenten veröffentlicht:</p><p>In memoriam Maurice Bavaud</p><p>Vor 70 Jahren, am 9. November 1938, unmittelbar vor Beginn der Reichskristallnacht, versuchte der Schweizer Maurice Bavaud vergeblich, Adolf Hitler in München anlässlich eines Aufmarsches der Nazis vor der Feldherrenhalle zu töten. Eine Woche später wurde er verhaftet, von der Gestapo verhört und ins Gefängnis Augsburg verbracht. Am 18. Dezember 1938 wurde er vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und am 14. Mai 1941 im Gefängnis Berlin-Plötzensee enthauptet. </p><p>Aus heutiger Sicht hatten sich die Schweizer Behörden damals zu wenig für den Verurteilten eingesetzt und sahen von einer Intervention gegenüber den deutschen Behörden ab.</p><p>Maurice Bavaud gab als Grund für seine gescheiterte Tat an, Hitler sei eine Gefahr für die Menschheit, für die Unabhängigkeit der Schweiz und für die christlichen Kirchen in Deutschland. Er hatte wohl das Verhängnis, das Hitler über die ganze Welt brachte, vorausgeahnt, und er verdient damit unsere Erinnerung und Anerkennung.</p>
  • <p>Der Bundesrat wird eingeladen, aus Anlass des 70. Jahrestages des gescheiterten Attentats des Schweizers Maurice Bavaud auf Adolf Hitler eine Erklärung abzugeben.</p>
  • Erklärung zum 70. Jahrestag des Attentats von Maurice Bavaud auf Adolf Hitler
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Der Neuenburger Theologiestudent Maurice Bavaud unternahm am 9. November 1938 in München einen Attentatsversuch auf Hitler. Als Motiv nannte Bavaud im Prozess, er betrachte den deutschen Führer als Gefahr für die Menschheit und für die Unabhängigkeit der Schweiz. Er habe mit seiner Tat der Menschheit "und der gesamten Christenheit" einen Dienst erweisen wollen. Bavaud wurde zum Tod verurteilt und am 14. Mai 1941 guillotiniert. </p><p>Der Schweizer Gesandte in Berlin hatte das Attentat als "verabscheuungswürdige Tat" abgestempelt und sich geweigert, Bavaud zu besuchen oder sich für ihn einzusetzen. Gegen den Vorschlag, Bavaud gegen einen der im Sommer 1940 auf Schweizer Boden verhafteten deutschen Saboteure auszutauschen, hatte das Militärdepartement das Veto eingelegt. Wäre das Attentat erfolgreich gewesen, hätte Hitler weder den Angriffskrieg auslösen noch die Ermordung von Millionen von Juden anordnen können. </p><p>Eine eigentliche Rehabilitierung Bavauds ist bis heute nicht erfolgt. Kürzlich ist in Deutschland dem anderen gescheiterten frühen Hitler-Attentäter, dem Schreiner Georg Elser, ein Denkmal errichtet worden. </p><p>Mit einer Erklärung des Bundesrates kann der Respekt und die Anerkennung für die Tat von Maurice Bavaud ausgedrückt werden. Sie kann gleichzeitig dem Bedauern darüber Ausdruck geben, dass die Bundesbehörden damals nicht mehr zu seiner Rettung unternommen haben.</p>
    • <p>Die Bundeskanzlei hat am 7. November 2008 eine Erklärung des Bundespräsidenten veröffentlicht:</p><p>In memoriam Maurice Bavaud</p><p>Vor 70 Jahren, am 9. November 1938, unmittelbar vor Beginn der Reichskristallnacht, versuchte der Schweizer Maurice Bavaud vergeblich, Adolf Hitler in München anlässlich eines Aufmarsches der Nazis vor der Feldherrenhalle zu töten. Eine Woche später wurde er verhaftet, von der Gestapo verhört und ins Gefängnis Augsburg verbracht. Am 18. Dezember 1938 wurde er vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und am 14. Mai 1941 im Gefängnis Berlin-Plötzensee enthauptet. </p><p>Aus heutiger Sicht hatten sich die Schweizer Behörden damals zu wenig für den Verurteilten eingesetzt und sahen von einer Intervention gegenüber den deutschen Behörden ab.</p><p>Maurice Bavaud gab als Grund für seine gescheiterte Tat an, Hitler sei eine Gefahr für die Menschheit, für die Unabhängigkeit der Schweiz und für die christlichen Kirchen in Deutschland. Er hatte wohl das Verhängnis, das Hitler über die ganze Welt brachte, vorausgeahnt, und er verdient damit unsere Erinnerung und Anerkennung.</p>
    • <p>Der Bundesrat wird eingeladen, aus Anlass des 70. Jahrestages des gescheiterten Attentats des Schweizers Maurice Bavaud auf Adolf Hitler eine Erklärung abzugeben.</p>
    • Erklärung zum 70. Jahrestag des Attentats von Maurice Bavaud auf Adolf Hitler

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