Reduktion synthetischer Chemikalien in der Muttermilch. Prävention
- ShortId
-
08.3676
- Id
-
20083676
- Updated
-
28.07.2023 08:35
- Language
-
de
- Title
-
Reduktion synthetischer Chemikalien in der Muttermilch. Prävention
- AdditionalIndexing
-
2841;gefährlicher Stoff;Deklarationspflicht;Gesundheitsrisiko;Giftstoff;Konsumenteninformation;Hormonpräparat;Muttermilch
- 1
-
- L06K140203030801, Muttermilch
- L04K06020104, gefährlicher Stoff
- L04K01050510, Gesundheitsrisiko
- L06K070106030101, Konsumenteninformation
- L07K07010603010101, Deklarationspflicht
- L05K0602010402, Giftstoff
- L05K0105030103, Hormonpräparat
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Die steigenden Zahlen synthetischer Chemikalien, teils mit hormonartigen Wirkungen, geben weltweit Anlass zu Besorgnis. In der Interpellation 08.3030 wurde der Bundesrat gebeten, zu dieser Problematik Stellung zu nehmen. Zahlreiche nationale (NFP50) und europäische Forschungsprogramme (Credo Cluster) befassen sich mit hormonartig wirksamen Chemikalien als Verursacher von Störungen der Entwicklung und Fortpflanzung und als Ursache beeinträchtigter Funktionen des Nerven- und Immunsystems. Besonders empfindlich ist die Zeit vor und nach der Geburt. In dieser Phase können minimale Veränderungen von Konzentrationen natürlicher Hormone oder die Anwesenheit hormonähnlich wirksamer Fremdstoffe Entwicklungsprozesse nachhaltig stören. Das Resultat kann bereits bei Geburt in Form einer Lage-Anomalie der Hoden (Risikofaktor für Hodenkrebs) oder als Harnröhren-Fehlbildung auftreten, oder es kann mit Verzögerung erst im Erwachsenenalter als verringerte Geschlechtsfunktion, reduzierte Fruchtbarkeit oder als Erkrankung der Fortpflanzungsorgane beobachtet werden. </p><p>Die Muttermilchstudie (NFP50) zeigte, dass das Neugeborene mit der Muttermilch längst verbotene Substanzen wie DDT, PCB oder chlorierte Pestizide aufnimmt, neu aber auch verschiedene synthetische Parfümstoffe oder UV-Filter aus Kosmetika. Einige dieser Stoffe sind als hormonaktiv identifiziert. </p><p>Der zunehmende Eintrag von Chemikalien in die Muttermilch muss überwacht und reduziert werden. Zudem zeigen neue Studien, dass Stoffgemische stärkere Wirkungen als Einzelsubstanzen entfalten.</p><p>Die Vorteile der Muttermilch (Immunabwehr) liegen auf der Hand. Ziel ist nicht der Ersatz der Muttermilch, sondern die Reduktion der synthetischen Chemikalien in ihr.</p><p>Die wissenschaftlichen Erkenntisse sind deutlich genug, um aktiver zu werden. Die Bevölkerung ist heute kaum informiert, weil die Materie zu komplex ist, sodass sie sich nicht eigenständig vorsorglich verhalten kann. Es drängt sich eine Präventionsstrategie des Bundes auf, insbesondere für Frauen im gebärfähigen Alter und für Kinder.</p>
- <p>Die Reduktion von Fremdstoffen in der Muttermilch ist ein wichtiges Thema, und der Bundesrat setzt sich seit Jahren in verschiedenen Bereichen ein, um das Vorkommen von Umweltkontaminanten zu verringern. Im Konnex mit den kantonalen Umweltschutzmassnahmen (in diesem Kontext weniger belastende Kehrichtverbrennungsanlagen; Kläranlagen) bestehen heute griffige Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung und der Umwelt (z. B. Verbot von PCBs). Sie haben dazu geführt, dass die Belastung durch schädliche Stoffe in den letzten Jahrzehnten massiv abgenommen hat. </p><p>Die Schweiz hat spezifisch das Stockholmer Übereinkommen vom 22. Mai 2001 über persistente organische Schadstoffe (POP-Konvention; SR 0.814.03) im Juli 2003 ratifiziert, und dieses ist im Mai 2004 in Kraft getreten. Damit ist die Schweiz verpflichtet, die Produktion und die Verwendung dieser Stoffe zu verbieten bzw. Massnahmen zu treffen, um deren unbeabsichtigte Freisetzung zu verringern oder zu verhindern. Der Bundesrat hat im April 2006 den nationalen Durchführungsplan zum Stockholmer Übereinkommen verabschiedet und dort Massnahmen aufgelistet, um die Belastung der Bevölkerung mit diesen langlebigen und global transportierten Stoffen zu minimieren. Es wird aber noch Jahre dauern, bis die Belastungen nicht mehr signifikant sind. Der Bericht des Bundesamtes für Gesundheit "Dioxine und PCB in Schweizer Lebensmitteln" (BAG, Januar 2008; Quelle: www.bag.admin.ch; Stichwort Dioxine) zeigt konkret auf, dass die Fremdstoffbelastung von Muttermilch in den vergangenen Jahrzehnten massiv und stetig zurückgegangen ist. </p><p>Angesichts dieser hoffnungsvollen Entwicklung erachtet der Bundesrat die Erarbeitung einer zusätzlichen, spezifischen Präventionsstrategie zur Reduktion von synthetischen Chemikalien, namentlich von hormonaktiven Stoffen, als nicht sinnvoll. Die bereits heute bestehenden Grundlagen im Chemikalienrecht erlauben es unter Berücksichtigung der internationalen Entwicklung, kritische Anwendungen (z. B. bestimmte Flammschutzmittel) zu untersagen bzw. ein Totalverbot auszusprechen.</p><p>Der Bundesrat geht mit der Motionärin einig, dass die Aufklärung der Konsumentinnen und Konsumenten, insbesondere von Frauen im gebärfähigen Alter, wichtig ist. Er verweist auf die bestehenden breiten Informationsangebote von verschiedenen Trägern auf nationaler, kantonaler und Gemeindeebene. Das BAG bereitet gegenwärtig Informationsmaterial zum Thema "Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit" auf, welches Ende 2008 lanciert wird. Eine Broschüre und ein dazugehörender Informationsflyer werden wichtige Informationen und umsetzbare Massnahmen für eine Minimierung der Schadstoffaufnahme vermitteln. Die Broschüren und Flyer werden via Gynäkologinnen und Gynäkologen sowie Pädiaterinnen und Pädiater verteilt und können auch direkt beim BAG bezogen werden.</p><p>Die Sicht- und Lesbarkeit der Deklaration für Chemikalien und Kosmetika ist nach Ansicht des Bundesrates genügend und bedarf keiner Überarbeitung.</p><p>Wie der Bundesrat in seiner Stellungnahme zum Postulat Moser 08.3223, "Einführung einer Belastungsanalyse chemischer Stoffklassen", ausgeführt hat, ist er bereit abzuklären, wie bereits bestehende, punktuell durchgeführte Forschungsaktivitäten auf kantonaler und nationaler Ebene koordiniert und eventuell ausgedehnt werden könnten.</p><p>Der Bundesrat ist überzeugt, dass er mit der geforderten Strategie nicht mehr erreichen könnte als mit den heute bereits existierenden, zielorientierten Massnahmen, und sieht daher keinen zusätzlichen Handlungsbedarf.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, Präventionsstrategien zur Reduktion von synthetischen Chemikalien, namentlich auch von hormonaktiven Stoffen, in der Muttermilch zu erarbeiten. Diese sollen insbesondere umfassen: </p><p>- bessere Aufklärung der Konsumenten, besonders der Frauen im gebärfähigen Alter;</p><p>- gut sichtbare und lesbare Deklarationen für Kosmetika;</p><p>- Weiterführung und Vertiefung der Grundlagenforschung mit dem Ziel der Risikoevaluation.</p>
- Reduktion synthetischer Chemikalien in der Muttermilch. Prävention
- State
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Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
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- Index
- 0
- Texts
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- <p>Die steigenden Zahlen synthetischer Chemikalien, teils mit hormonartigen Wirkungen, geben weltweit Anlass zu Besorgnis. In der Interpellation 08.3030 wurde der Bundesrat gebeten, zu dieser Problematik Stellung zu nehmen. Zahlreiche nationale (NFP50) und europäische Forschungsprogramme (Credo Cluster) befassen sich mit hormonartig wirksamen Chemikalien als Verursacher von Störungen der Entwicklung und Fortpflanzung und als Ursache beeinträchtigter Funktionen des Nerven- und Immunsystems. Besonders empfindlich ist die Zeit vor und nach der Geburt. In dieser Phase können minimale Veränderungen von Konzentrationen natürlicher Hormone oder die Anwesenheit hormonähnlich wirksamer Fremdstoffe Entwicklungsprozesse nachhaltig stören. Das Resultat kann bereits bei Geburt in Form einer Lage-Anomalie der Hoden (Risikofaktor für Hodenkrebs) oder als Harnröhren-Fehlbildung auftreten, oder es kann mit Verzögerung erst im Erwachsenenalter als verringerte Geschlechtsfunktion, reduzierte Fruchtbarkeit oder als Erkrankung der Fortpflanzungsorgane beobachtet werden. </p><p>Die Muttermilchstudie (NFP50) zeigte, dass das Neugeborene mit der Muttermilch längst verbotene Substanzen wie DDT, PCB oder chlorierte Pestizide aufnimmt, neu aber auch verschiedene synthetische Parfümstoffe oder UV-Filter aus Kosmetika. Einige dieser Stoffe sind als hormonaktiv identifiziert. </p><p>Der zunehmende Eintrag von Chemikalien in die Muttermilch muss überwacht und reduziert werden. Zudem zeigen neue Studien, dass Stoffgemische stärkere Wirkungen als Einzelsubstanzen entfalten.</p><p>Die Vorteile der Muttermilch (Immunabwehr) liegen auf der Hand. Ziel ist nicht der Ersatz der Muttermilch, sondern die Reduktion der synthetischen Chemikalien in ihr.</p><p>Die wissenschaftlichen Erkenntisse sind deutlich genug, um aktiver zu werden. Die Bevölkerung ist heute kaum informiert, weil die Materie zu komplex ist, sodass sie sich nicht eigenständig vorsorglich verhalten kann. Es drängt sich eine Präventionsstrategie des Bundes auf, insbesondere für Frauen im gebärfähigen Alter und für Kinder.</p>
- <p>Die Reduktion von Fremdstoffen in der Muttermilch ist ein wichtiges Thema, und der Bundesrat setzt sich seit Jahren in verschiedenen Bereichen ein, um das Vorkommen von Umweltkontaminanten zu verringern. Im Konnex mit den kantonalen Umweltschutzmassnahmen (in diesem Kontext weniger belastende Kehrichtverbrennungsanlagen; Kläranlagen) bestehen heute griffige Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung und der Umwelt (z. B. Verbot von PCBs). Sie haben dazu geführt, dass die Belastung durch schädliche Stoffe in den letzten Jahrzehnten massiv abgenommen hat. </p><p>Die Schweiz hat spezifisch das Stockholmer Übereinkommen vom 22. Mai 2001 über persistente organische Schadstoffe (POP-Konvention; SR 0.814.03) im Juli 2003 ratifiziert, und dieses ist im Mai 2004 in Kraft getreten. Damit ist die Schweiz verpflichtet, die Produktion und die Verwendung dieser Stoffe zu verbieten bzw. Massnahmen zu treffen, um deren unbeabsichtigte Freisetzung zu verringern oder zu verhindern. Der Bundesrat hat im April 2006 den nationalen Durchführungsplan zum Stockholmer Übereinkommen verabschiedet und dort Massnahmen aufgelistet, um die Belastung der Bevölkerung mit diesen langlebigen und global transportierten Stoffen zu minimieren. Es wird aber noch Jahre dauern, bis die Belastungen nicht mehr signifikant sind. Der Bericht des Bundesamtes für Gesundheit "Dioxine und PCB in Schweizer Lebensmitteln" (BAG, Januar 2008; Quelle: www.bag.admin.ch; Stichwort Dioxine) zeigt konkret auf, dass die Fremdstoffbelastung von Muttermilch in den vergangenen Jahrzehnten massiv und stetig zurückgegangen ist. </p><p>Angesichts dieser hoffnungsvollen Entwicklung erachtet der Bundesrat die Erarbeitung einer zusätzlichen, spezifischen Präventionsstrategie zur Reduktion von synthetischen Chemikalien, namentlich von hormonaktiven Stoffen, als nicht sinnvoll. Die bereits heute bestehenden Grundlagen im Chemikalienrecht erlauben es unter Berücksichtigung der internationalen Entwicklung, kritische Anwendungen (z. B. bestimmte Flammschutzmittel) zu untersagen bzw. ein Totalverbot auszusprechen.</p><p>Der Bundesrat geht mit der Motionärin einig, dass die Aufklärung der Konsumentinnen und Konsumenten, insbesondere von Frauen im gebärfähigen Alter, wichtig ist. Er verweist auf die bestehenden breiten Informationsangebote von verschiedenen Trägern auf nationaler, kantonaler und Gemeindeebene. Das BAG bereitet gegenwärtig Informationsmaterial zum Thema "Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit" auf, welches Ende 2008 lanciert wird. Eine Broschüre und ein dazugehörender Informationsflyer werden wichtige Informationen und umsetzbare Massnahmen für eine Minimierung der Schadstoffaufnahme vermitteln. Die Broschüren und Flyer werden via Gynäkologinnen und Gynäkologen sowie Pädiaterinnen und Pädiater verteilt und können auch direkt beim BAG bezogen werden.</p><p>Die Sicht- und Lesbarkeit der Deklaration für Chemikalien und Kosmetika ist nach Ansicht des Bundesrates genügend und bedarf keiner Überarbeitung.</p><p>Wie der Bundesrat in seiner Stellungnahme zum Postulat Moser 08.3223, "Einführung einer Belastungsanalyse chemischer Stoffklassen", ausgeführt hat, ist er bereit abzuklären, wie bereits bestehende, punktuell durchgeführte Forschungsaktivitäten auf kantonaler und nationaler Ebene koordiniert und eventuell ausgedehnt werden könnten.</p><p>Der Bundesrat ist überzeugt, dass er mit der geforderten Strategie nicht mehr erreichen könnte als mit den heute bereits existierenden, zielorientierten Massnahmen, und sieht daher keinen zusätzlichen Handlungsbedarf.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, Präventionsstrategien zur Reduktion von synthetischen Chemikalien, namentlich auch von hormonaktiven Stoffen, in der Muttermilch zu erarbeiten. Diese sollen insbesondere umfassen: </p><p>- bessere Aufklärung der Konsumenten, besonders der Frauen im gebärfähigen Alter;</p><p>- gut sichtbare und lesbare Deklarationen für Kosmetika;</p><p>- Weiterführung und Vertiefung der Grundlagenforschung mit dem Ziel der Risikoevaluation.</p>
- Reduktion synthetischer Chemikalien in der Muttermilch. Prävention
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