Krankenversicherung. Franchisen und Solidarität
- ShortId
-
08.3736
- Id
-
20083736
- Updated
-
27.07.2023 21:26
- Language
-
de
- Title
-
Krankenversicherung. Franchisen und Solidarität
- AdditionalIndexing
-
2841;Solidarität;Krankenversicherung;sozio-ökonomische Verhältnisse;Selbstbehalt;Statistik
- 1
-
- L04K01040109, Krankenversicherung
- L05K1110011303, Selbstbehalt
- L04K01090402, sozio-ökonomische Verhältnisse
- L04K08020226, Solidarität
- L03K020218, Statistik
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>1. Gemäss den derzeit verfügbaren Daten belaufen sich die Anteile der Versicherten, die eine Franchise von 2000 oder 2500 Franken gewählt haben, nach Alter, sozioprofessioneller Kategorie sowie Einkommen auf folgende Werte (Versicherte mit Franchisen von 2000 oder 2500 Franken; 2007; Anteil an allen Versicherten ab 19 Jahren):</p><p>a. Nach Alter (Quelle: Datenpool Santésuisse): 19-25 Jahre: 11 Prozent; 26-40 Jahre: 19 Prozent; 41-65 Jahre: 11 Prozent; 66 Jahre und älter: 3 Prozent; alle ab 19 Jahren: 11 Prozent.</p><p>b. Nach Äquivalenzeinkommen pro Monat (Haushaltseinkommen pro Person unter Berücksichtigung der tieferen Pro-Kopf-Ausgaben grösserer Haushalte. Quelle: Gesundheitsbefragung 2007; prov. Auswertung): 3000 Franken oder weniger:10 Prozent; 3001-4000 Franken: 15 Prozent; 4001-5000 Franken: 19 Prozent; 5001-6000 Franken: 21 Prozent; über 6000 Franken: 25 Prozent.</p><p>c. Nach sozioprofessioneller Kategorie (Quelle: Gesundheitsbefragung 2002; Anteil der Personen mit höchster Franchise; damals 1500 Franken. Die Auswertung der Gesundheitsbefragung 2007 nach sozioprofessionellen Kategorien ist erst Ende 2008 möglich): höhere Führungskräfte, freie Berufe: 29 Prozent; höherqualifizierte nicht-manuelle Berufe: 21 Prozent; Büroangestellte, andere nichtmanuelle Berufe: 14 Prozent; Kleinunternehmer, selbstständige Handwerker: 21 Prozent; Vorarbeiter, qualifizierte manuelle Berufe: 11 Prozent; an- und ungelernte manuelle Berufe: 12 Prozent.</p><p>d. Nach Gesundheitszustand (eigene Einschätzung der Befragten; Quelle: Gesundheitsbefragung 2007): sehr gut: 22 Prozent; gut: 16 Prozent; mittelmässig: 3 Prozent; schlecht/sehr schlecht: 3 Prozent.</p><p>2. Die ausgewiesenen Kosten der Versicherten sind tiefer, je höher die gewählte Franchisestufe ist. Versicherte mit Franchisen von 2000 und 2500 Franken verursachen jährliche Gesundheitskosten von durchschnittlich 759 Franken, die Kosten jener mit ordentlicher Franchise belaufen sich auf 4679 Franken. Allerdings werden in den höheren Franchisestufen die Kosten nicht vollständig erfasst, denn der Versicherte meldet seiner Versicherung die Kosten in der Regel nicht, solange diese unterhalb der Franchise liegen, weshalb sie nicht in der Statistik erscheinen.</p><p>Nach der Gesundheitsbefragung des Bundesamtes für Statistik hängt die Wahl der Franchise vom Gesundheitszustand ab: Während 22 Prozent der Befragten, die ihren Gesundheitszustand als sehr gut einschätzen, eine hohe Franchise wählen, sind es bei Personen mit schlechtem Gesundheitszustand bloss 3 Prozent (vgl. Tabelle hievor).</p><p>3. Eine exakte Antwort auf die Frage der totalen Einsparungen an Prämien, die die Personen mit den beiden höchsten Wahlfranchisen machen, ist mit den vorhandenen Daten nicht möglich. Eine auf Durchschnittsprämien basierende Schätzung ergibt ein eingespartes Prämienvolumen von rund 900 Millionen Franken. Bei der Interpretation ist wiederum zu berücksichtigen, dass den Einsparungen ein Mehraufwand der Versicherten in Form der Kostenbeteiligung gegenübersteht, der mit den verfügbaren Daten nicht gemessen werden kann.</p><p>4. Tatsächlich gibt es bei der Franchisewahl Unterschiede zwischen den Einkommensklassen und sozioprofessionellen Kategorien. Es ist aber zu beachten, dass höhere Franchisen grössere Risiken für die Versicherten implizieren, die im Krankheitsfall eine höhere Kostenbeteiligung gewärtigen. Wie sich die Verteilungseffekte unter Berücksichtigung der Leistungsinanspruchnahme und der individuell getragenen Kosten im Einzelnen auswirken, ist aufgrund der verfügbaren Daten nicht abzuschätzen. </p><p>Der Bund hat aber die notwendigen gesetzlichen Vorkehrungen getroffen, um einer Entsolidarisierung entgegenzuwirken: Gemäss Artikel 95 Absatz 2bis der Verordnung vom 27. Juni 1995 über die Krankenversicherung (KVV; SR 832.10) darf nämlich die Prämienreduktion je Kalenderjahr nicht höher sein als 80 Prozent des von den Versicherten mit der Wahl der höheren Franchise übernommenen Risikos, sich an den Kosten zu beteiligen. Ferner beträgt gemäss Artikel 90c KVV die Prämie der besonderen Versicherungsformen nach den Artikeln 93-101 KVV mindestens 50 Prozent der Prämie der ordentlichen Versicherung mit Unfalldeckung für die Prämienregion und Altersgruppe des Versicherten. Es ist folglich gewährleistet, dass die Versicherer von allen Versicherten ausreichend hohe Prämien einnehmen.</p><p>Die Vorstösse mit Tabellen und Grafiken können heruntergeladen werden unter: Ratsbetrieb / Curia Vista / Vorstösse mit Tabellen und Grafiken, die in der Geschäftsdatenbank nicht abgebildet werden können.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>2008 haben relativ viele Versicherte mit ihrer Krankenkasse einen Vertrag mit einer höheren Franchise abgeschlossen, wobei laut Santésuisse bei den Erwachsenen eine ausgesprochen starke Zunahme der beiden höchsten Franchisen zu verzeichnen war (plus 30 Prozent bei der Franchise von 2000 Franken, plus 14 Prozent bei der Franchise von 2500 Franken). </p><p>Ich bitte deshalb den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Welche Alters-, Berufs- und Einkommenskategorien haben die beiden höchsten Franchisen gewählt?</p><p>2. Wie sieht die Kostenverteilung nach versicherten Personen und nach Franchisenhöhe aus? Stimmt es, dass der Gesundheitszustand der Personen, die die höchsten Franchisen gewählt haben, besser ist als der durchschnittliche Gesundheitszustand der Versicherten und dass diese Personen folglich in der obligatorischen Grundversicherung am wenigsten Kosten verursachen?</p><p>3. Wie hoch ist - im Vergleich zur Mindestfranchise - die totale Prämieneinsparung aufgrund der beiden höchsten Franchisen?</p><p>4. Kann man davon ausgehen, dass die höheren Franchisen zu einer Entsolidarisierung zwischen den Berufskategorien und zwischen den Einkommensklassen führen, und dies auf Kosten der Personen mit unteren und mittleren Einkommen, die sich eine höhere Franchise nicht leisten können?</p>
- Krankenversicherung. Franchisen und Solidarität
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>1. Gemäss den derzeit verfügbaren Daten belaufen sich die Anteile der Versicherten, die eine Franchise von 2000 oder 2500 Franken gewählt haben, nach Alter, sozioprofessioneller Kategorie sowie Einkommen auf folgende Werte (Versicherte mit Franchisen von 2000 oder 2500 Franken; 2007; Anteil an allen Versicherten ab 19 Jahren):</p><p>a. Nach Alter (Quelle: Datenpool Santésuisse): 19-25 Jahre: 11 Prozent; 26-40 Jahre: 19 Prozent; 41-65 Jahre: 11 Prozent; 66 Jahre und älter: 3 Prozent; alle ab 19 Jahren: 11 Prozent.</p><p>b. Nach Äquivalenzeinkommen pro Monat (Haushaltseinkommen pro Person unter Berücksichtigung der tieferen Pro-Kopf-Ausgaben grösserer Haushalte. Quelle: Gesundheitsbefragung 2007; prov. Auswertung): 3000 Franken oder weniger:10 Prozent; 3001-4000 Franken: 15 Prozent; 4001-5000 Franken: 19 Prozent; 5001-6000 Franken: 21 Prozent; über 6000 Franken: 25 Prozent.</p><p>c. Nach sozioprofessioneller Kategorie (Quelle: Gesundheitsbefragung 2002; Anteil der Personen mit höchster Franchise; damals 1500 Franken. Die Auswertung der Gesundheitsbefragung 2007 nach sozioprofessionellen Kategorien ist erst Ende 2008 möglich): höhere Führungskräfte, freie Berufe: 29 Prozent; höherqualifizierte nicht-manuelle Berufe: 21 Prozent; Büroangestellte, andere nichtmanuelle Berufe: 14 Prozent; Kleinunternehmer, selbstständige Handwerker: 21 Prozent; Vorarbeiter, qualifizierte manuelle Berufe: 11 Prozent; an- und ungelernte manuelle Berufe: 12 Prozent.</p><p>d. Nach Gesundheitszustand (eigene Einschätzung der Befragten; Quelle: Gesundheitsbefragung 2007): sehr gut: 22 Prozent; gut: 16 Prozent; mittelmässig: 3 Prozent; schlecht/sehr schlecht: 3 Prozent.</p><p>2. Die ausgewiesenen Kosten der Versicherten sind tiefer, je höher die gewählte Franchisestufe ist. Versicherte mit Franchisen von 2000 und 2500 Franken verursachen jährliche Gesundheitskosten von durchschnittlich 759 Franken, die Kosten jener mit ordentlicher Franchise belaufen sich auf 4679 Franken. Allerdings werden in den höheren Franchisestufen die Kosten nicht vollständig erfasst, denn der Versicherte meldet seiner Versicherung die Kosten in der Regel nicht, solange diese unterhalb der Franchise liegen, weshalb sie nicht in der Statistik erscheinen.</p><p>Nach der Gesundheitsbefragung des Bundesamtes für Statistik hängt die Wahl der Franchise vom Gesundheitszustand ab: Während 22 Prozent der Befragten, die ihren Gesundheitszustand als sehr gut einschätzen, eine hohe Franchise wählen, sind es bei Personen mit schlechtem Gesundheitszustand bloss 3 Prozent (vgl. Tabelle hievor).</p><p>3. Eine exakte Antwort auf die Frage der totalen Einsparungen an Prämien, die die Personen mit den beiden höchsten Wahlfranchisen machen, ist mit den vorhandenen Daten nicht möglich. Eine auf Durchschnittsprämien basierende Schätzung ergibt ein eingespartes Prämienvolumen von rund 900 Millionen Franken. Bei der Interpretation ist wiederum zu berücksichtigen, dass den Einsparungen ein Mehraufwand der Versicherten in Form der Kostenbeteiligung gegenübersteht, der mit den verfügbaren Daten nicht gemessen werden kann.</p><p>4. Tatsächlich gibt es bei der Franchisewahl Unterschiede zwischen den Einkommensklassen und sozioprofessionellen Kategorien. Es ist aber zu beachten, dass höhere Franchisen grössere Risiken für die Versicherten implizieren, die im Krankheitsfall eine höhere Kostenbeteiligung gewärtigen. Wie sich die Verteilungseffekte unter Berücksichtigung der Leistungsinanspruchnahme und der individuell getragenen Kosten im Einzelnen auswirken, ist aufgrund der verfügbaren Daten nicht abzuschätzen. </p><p>Der Bund hat aber die notwendigen gesetzlichen Vorkehrungen getroffen, um einer Entsolidarisierung entgegenzuwirken: Gemäss Artikel 95 Absatz 2bis der Verordnung vom 27. Juni 1995 über die Krankenversicherung (KVV; SR 832.10) darf nämlich die Prämienreduktion je Kalenderjahr nicht höher sein als 80 Prozent des von den Versicherten mit der Wahl der höheren Franchise übernommenen Risikos, sich an den Kosten zu beteiligen. Ferner beträgt gemäss Artikel 90c KVV die Prämie der besonderen Versicherungsformen nach den Artikeln 93-101 KVV mindestens 50 Prozent der Prämie der ordentlichen Versicherung mit Unfalldeckung für die Prämienregion und Altersgruppe des Versicherten. Es ist folglich gewährleistet, dass die Versicherer von allen Versicherten ausreichend hohe Prämien einnehmen.</p><p>Die Vorstösse mit Tabellen und Grafiken können heruntergeladen werden unter: Ratsbetrieb / Curia Vista / Vorstösse mit Tabellen und Grafiken, die in der Geschäftsdatenbank nicht abgebildet werden können.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>2008 haben relativ viele Versicherte mit ihrer Krankenkasse einen Vertrag mit einer höheren Franchise abgeschlossen, wobei laut Santésuisse bei den Erwachsenen eine ausgesprochen starke Zunahme der beiden höchsten Franchisen zu verzeichnen war (plus 30 Prozent bei der Franchise von 2000 Franken, plus 14 Prozent bei der Franchise von 2500 Franken). </p><p>Ich bitte deshalb den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Welche Alters-, Berufs- und Einkommenskategorien haben die beiden höchsten Franchisen gewählt?</p><p>2. Wie sieht die Kostenverteilung nach versicherten Personen und nach Franchisenhöhe aus? Stimmt es, dass der Gesundheitszustand der Personen, die die höchsten Franchisen gewählt haben, besser ist als der durchschnittliche Gesundheitszustand der Versicherten und dass diese Personen folglich in der obligatorischen Grundversicherung am wenigsten Kosten verursachen?</p><p>3. Wie hoch ist - im Vergleich zur Mindestfranchise - die totale Prämieneinsparung aufgrund der beiden höchsten Franchisen?</p><p>4. Kann man davon ausgehen, dass die höheren Franchisen zu einer Entsolidarisierung zwischen den Berufskategorien und zwischen den Einkommensklassen führen, und dies auf Kosten der Personen mit unteren und mittleren Einkommen, die sich eine höhere Franchise nicht leisten können?</p>
- Krankenversicherung. Franchisen und Solidarität
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