Zunahme von Kaiserschnittgeburten

ShortId
08.3935
Id
20083935
Updated
25.06.2025 00:35
Language
de
Title
Zunahme von Kaiserschnittgeburten
AdditionalIndexing
2841;Geburt;Gynäkologie;Bericht;frühe Kindheit;Eltern;Kosten-Nutzen-Analyse
1
  • L06K010703040102, Geburt
  • L04K01050206, Gynäkologie
  • L03K020206, Bericht
  • L05K0107010203, frühe Kindheit
  • L04K01030301, Eltern
  • L06K070302020501, Kosten-Nutzen-Analyse
PriorityCouncil1
Ständerat
Texts
  • <p>Das Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) verpflichtet den Bundesrat dazu, medizinische Interventionen auf ihre Wirtschaftlichkeit, Zweckmässigkeit und Wirksamkeit zu überprüfen. Mehrere Faktoren deuten darauf hin, dass im Bereich der Geburtshilfe medizinische Interventionen gemacht und von der OKP finanziert werden, die diesen Kriterien nicht standhalten:</p><p>- Die Kaiserschnittrate liegt 2007 10 Prozentpunkte höher als noch 1998, ohne dass Verbesserungen beim Gesundheitszustand von Mutter und Kind realisiert werden konnten (Anmerkung: Säuglingssterblichkeit 1998: 4,9 Prozent, 2005: 4,4 Prozent, http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/14/02/03/key/01.Document.21577.xls).</p><p>- Die Kaiserschnittrate liegt bis zu 20 Prozentpunkte höher als in anderen europäischen Ländern, ohne dass der Gesundheitszustand von Mutter und Kind besser wäre als in diesen Ländern (z. B. Frankreich, Holland, Schweden, Norwegen).</p><p>- Die Kaiserschnittrate liegt in Privatkliniken seit Jahren rund 10 Prozentpunkte höher als in den öffentlichen Spitälern, obwohl gerade die öffentlichen Zentrumsspitäler die schwierigen, risikoreichen Geburten durchführen.</p><p>- Die Kaiserschnittraten sind in den Kantonen sehr unterschiedlich, wobei kein Zusammenhang zum Alter der gebärenden Frauen besteht, obwohl dieser Faktor von vielen als Grund des Anstiegs der Rate angeführt wird. Im Kanton Genf z. B. liegt das Durchschnittsalter der gebärenden Frauen bei 34 Jahren, die Kaiserschnittrate ist trotzdem die zweittiefste der Schweiz.</p><p>Problematisch ist die hohe Kaiserschnittrate nicht nur, weil ein wesentlicher Teil der Eingriffe sich bezüglich Wirtschaftlichkeit, Zweckmässigkeit und Wirksamkeit nicht rechtfertigen lassen, sondern umso mehr, weil diverse Studienresultate zeigen, dass der Eingriff für Mutter und Kind nicht ohne Risiko ist.</p><p>- Frauen mit Kaiserschnitt haben doppelt so viele Folgeprobleme und Wiedereintritte in Spitäler. Sie haben Schmerzen, Infektionen, können Alltagsaufgaben nicht bewältigen, können das Kind nicht hochheben und anfangs nur unter erschwerten Umständen stillen.</p><p>- Kaiserschnittkinder müssen doppelt so oft auf die Neugeborenen-Intensivabteilung wegen Atemproblemen überwiesen werden und haben langfristig ein schwächeres Immunsystem.</p><p>- Folgeschwangerschaften stehen unter höherem Risiko schon während der Schwangerschaft.</p><p>Vonseiten derjenigen, die in der steigenden Entwicklung der Kaiserschnittrate kein Problem sehen, wird oft betont, dass einerseits das hohe Alter der Frauen und andererseits der Wunsch der Frauen zu einem Kaiserschnitt führen. Zudem wird angeführt, dass der Kaiserschnitt für die Kinder die sicherere Geburt ist. Der Bundesrat wird beauftragt, im Rahmen seiner Verantwortung für die Einhaltung der im KVG verankerten WZW-Kriterien die Ursachen und Auswirkungen der Kaiserschnitte in Zusammenarbeit mit Fachpersonen zu untersuchen.</p><p>Auf Basis des Berichtes soll der Bundesrat Möglichkeiten aufzeigen, wie in der Geburtshilfe die WZW-Kriterien eingehalten werden können, damit die Gesundheit von Mutter und Kind nicht durch medizinisch nicht gerechtfertigte Eingriffe gefährdet werden muss.</p>
  • <p>Der Bundesrat hat in seiner Antwort auf die Frage Fehr Jacqueline 08.5392 bereits zur Entwicklung der Kaiserschnittraten Stellung genommen. Demnach ist deren Ansteigen ein in allen industrialisierten Ländern zu beobachtendes Phänomen, das gesellschaftliche und juristische Ursachen hat. Möglicherweise spielen auch wirtschaftliche Faktoren eine Rolle. Die Indikation zum Kaiserschnitt wird im Einzelfall durch den Arzt bzw. die Ärztin gemeinsam mit der Gebärenden gestellt. Dabei findet eine Risikoabwägung statt, die sich nach der möglichen Beeinträchtigung des Kindeswohles und des Wohles der Mutter zu richten hat. Der Qualität der Indikationsstellung kommt deshalb eine entscheidende Bedeutung zu.</p><p>Angesichts der Auswirkungen sowohl in gesundheitlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht, die mit einer inadäquaten Qualität der Indikationsstellung einhergehen können, wäre eine wissenschaftliche Untersuchung über die Gründe und Auswirkungen der unterschiedlichen Kaiserschnittraten sicherlich sinnvoll. Es ist aber primär die Aufgabe der ärztlichen Fachgesellschaften, Untersuchungen über die Unterschiede in der Indikationsstellung und deren Gründe und Auswirkungen durchzuführen. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass ärztliche Leitlinien, die auf den Ergebnissen solcher Untersuchungen basieren, eine gängige Möglichkeit darstellen, die Qualität der Indikationsstellung zu verbessern und auf diesem Weg die Angemessenheit der Leistungen im Einzelfall sicherzustellen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat bereits vor zwei Jahren der zuständigen Fachgesellschaft vorgeschlagen, Leitlinien für verschiedene geburtshilfliche Leistungen zu erarbeiten. Es wird diesem Anliegen gegenüber der Fachgesellschaft nochmals Nachdruck verleihen. Das Eidgenössische Departement des Innern bzw. das BAG wird zudem die Frage der Angemessenheit von medizinischen Leistungen im Allgemeinen und von Kaiserschnitten im Besonderen mit den Partnern angehen und gegebenenfalls in der zuständigen Fachkommission aufnehmen. Der Bundesrat sieht keinen weiter gehenden Handlungsbedarf und lehnt daher das Postulat ab.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
  • <p>Der Bundesrat wird aufgefordert, Ursachen und Wirkungen der hohen Kaiserschnittrate in der Schweiz zu untersuchen sowie Möglichkeiten zu identifizieren, um den negativen Auswirkungen sowohl für Mutter und Kind als auch für das Gesundheitswesen entgegenzuwirken.</p>
  • Zunahme von Kaiserschnittgeburten
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Das Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) verpflichtet den Bundesrat dazu, medizinische Interventionen auf ihre Wirtschaftlichkeit, Zweckmässigkeit und Wirksamkeit zu überprüfen. Mehrere Faktoren deuten darauf hin, dass im Bereich der Geburtshilfe medizinische Interventionen gemacht und von der OKP finanziert werden, die diesen Kriterien nicht standhalten:</p><p>- Die Kaiserschnittrate liegt 2007 10 Prozentpunkte höher als noch 1998, ohne dass Verbesserungen beim Gesundheitszustand von Mutter und Kind realisiert werden konnten (Anmerkung: Säuglingssterblichkeit 1998: 4,9 Prozent, 2005: 4,4 Prozent, http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/14/02/03/key/01.Document.21577.xls).</p><p>- Die Kaiserschnittrate liegt bis zu 20 Prozentpunkte höher als in anderen europäischen Ländern, ohne dass der Gesundheitszustand von Mutter und Kind besser wäre als in diesen Ländern (z. B. Frankreich, Holland, Schweden, Norwegen).</p><p>- Die Kaiserschnittrate liegt in Privatkliniken seit Jahren rund 10 Prozentpunkte höher als in den öffentlichen Spitälern, obwohl gerade die öffentlichen Zentrumsspitäler die schwierigen, risikoreichen Geburten durchführen.</p><p>- Die Kaiserschnittraten sind in den Kantonen sehr unterschiedlich, wobei kein Zusammenhang zum Alter der gebärenden Frauen besteht, obwohl dieser Faktor von vielen als Grund des Anstiegs der Rate angeführt wird. Im Kanton Genf z. B. liegt das Durchschnittsalter der gebärenden Frauen bei 34 Jahren, die Kaiserschnittrate ist trotzdem die zweittiefste der Schweiz.</p><p>Problematisch ist die hohe Kaiserschnittrate nicht nur, weil ein wesentlicher Teil der Eingriffe sich bezüglich Wirtschaftlichkeit, Zweckmässigkeit und Wirksamkeit nicht rechtfertigen lassen, sondern umso mehr, weil diverse Studienresultate zeigen, dass der Eingriff für Mutter und Kind nicht ohne Risiko ist.</p><p>- Frauen mit Kaiserschnitt haben doppelt so viele Folgeprobleme und Wiedereintritte in Spitäler. Sie haben Schmerzen, Infektionen, können Alltagsaufgaben nicht bewältigen, können das Kind nicht hochheben und anfangs nur unter erschwerten Umständen stillen.</p><p>- Kaiserschnittkinder müssen doppelt so oft auf die Neugeborenen-Intensivabteilung wegen Atemproblemen überwiesen werden und haben langfristig ein schwächeres Immunsystem.</p><p>- Folgeschwangerschaften stehen unter höherem Risiko schon während der Schwangerschaft.</p><p>Vonseiten derjenigen, die in der steigenden Entwicklung der Kaiserschnittrate kein Problem sehen, wird oft betont, dass einerseits das hohe Alter der Frauen und andererseits der Wunsch der Frauen zu einem Kaiserschnitt führen. Zudem wird angeführt, dass der Kaiserschnitt für die Kinder die sicherere Geburt ist. Der Bundesrat wird beauftragt, im Rahmen seiner Verantwortung für die Einhaltung der im KVG verankerten WZW-Kriterien die Ursachen und Auswirkungen der Kaiserschnitte in Zusammenarbeit mit Fachpersonen zu untersuchen.</p><p>Auf Basis des Berichtes soll der Bundesrat Möglichkeiten aufzeigen, wie in der Geburtshilfe die WZW-Kriterien eingehalten werden können, damit die Gesundheit von Mutter und Kind nicht durch medizinisch nicht gerechtfertigte Eingriffe gefährdet werden muss.</p>
    • <p>Der Bundesrat hat in seiner Antwort auf die Frage Fehr Jacqueline 08.5392 bereits zur Entwicklung der Kaiserschnittraten Stellung genommen. Demnach ist deren Ansteigen ein in allen industrialisierten Ländern zu beobachtendes Phänomen, das gesellschaftliche und juristische Ursachen hat. Möglicherweise spielen auch wirtschaftliche Faktoren eine Rolle. Die Indikation zum Kaiserschnitt wird im Einzelfall durch den Arzt bzw. die Ärztin gemeinsam mit der Gebärenden gestellt. Dabei findet eine Risikoabwägung statt, die sich nach der möglichen Beeinträchtigung des Kindeswohles und des Wohles der Mutter zu richten hat. Der Qualität der Indikationsstellung kommt deshalb eine entscheidende Bedeutung zu.</p><p>Angesichts der Auswirkungen sowohl in gesundheitlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht, die mit einer inadäquaten Qualität der Indikationsstellung einhergehen können, wäre eine wissenschaftliche Untersuchung über die Gründe und Auswirkungen der unterschiedlichen Kaiserschnittraten sicherlich sinnvoll. Es ist aber primär die Aufgabe der ärztlichen Fachgesellschaften, Untersuchungen über die Unterschiede in der Indikationsstellung und deren Gründe und Auswirkungen durchzuführen. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass ärztliche Leitlinien, die auf den Ergebnissen solcher Untersuchungen basieren, eine gängige Möglichkeit darstellen, die Qualität der Indikationsstellung zu verbessern und auf diesem Weg die Angemessenheit der Leistungen im Einzelfall sicherzustellen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat bereits vor zwei Jahren der zuständigen Fachgesellschaft vorgeschlagen, Leitlinien für verschiedene geburtshilfliche Leistungen zu erarbeiten. Es wird diesem Anliegen gegenüber der Fachgesellschaft nochmals Nachdruck verleihen. Das Eidgenössische Departement des Innern bzw. das BAG wird zudem die Frage der Angemessenheit von medizinischen Leistungen im Allgemeinen und von Kaiserschnitten im Besonderen mit den Partnern angehen und gegebenenfalls in der zuständigen Fachkommission aufnehmen. Der Bundesrat sieht keinen weiter gehenden Handlungsbedarf und lehnt daher das Postulat ab.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
    • <p>Der Bundesrat wird aufgefordert, Ursachen und Wirkungen der hohen Kaiserschnittrate in der Schweiz zu untersuchen sowie Möglichkeiten zu identifizieren, um den negativen Auswirkungen sowohl für Mutter und Kind als auch für das Gesundheitswesen entgegenzuwirken.</p>
    • Zunahme von Kaiserschnittgeburten

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