Förderung der Aus- und Weiterbildung in Wirtschaftsethik
- ShortId
-
08.3966
- Id
-
20083966
- Updated
-
28.07.2023 08:08
- Language
-
de
- Title
-
Förderung der Aus- und Weiterbildung in Wirtschaftsethik
- AdditionalIndexing
-
24;15;Weiterbildung;Wirtschaftsethik;Finanzberuf;berufliche Eignung;Führungskraft
- 1
-
- L04K11060108, Finanzberuf
- L05K0702020204, Führungskraft
- L05K1603010402, Wirtschaftsethik
- L04K13030203, Weiterbildung
- L05K0702020106, berufliche Eignung
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Zahlreiche Faktoren haben zu der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise beigetragen. Einer dieser Faktoren ist sicherlich, dass manche Führungspersonen und Fachleute der Wirtschafts- und Finanzwelt zu wenig Kenntnisse in Wirtschaftsethik haben. In der Schweiz, wie anderswo, haben zahlreiche Akteure ihr Handeln nur auf das Nächstliegende ausgerichtet und die langfristigen Folgen für die Gesellschaft und die Wirtschaft nicht berücksichtigt. Manche haben dabei jeden beruflichen Ehrenkodex und jede Moral missachtet oder sogar völlig verantwortungslos gehandelt. Natürlich beruht die Beachtung ethischer Grundsätze wie der Übernahme von Verantwortung in erster Linie auf persönlicher Entscheidung und persönlichem Engagement. Dennoch kann eine geeignete berufliche Ausbildung - besonders in solch heiklen Bereichen - dazu beitragen, dass die jeweiligen Akteure ihre Arbeit verantwortungsbewusster angehen und sie für ethische Fragen sensibilisieren, die von ihren täglichen Entscheidungen betroffen sind.</p><p>In der Schweiz gibt es nur zwei Lehrstühle für Wirtschaftsethik: an der Universität St. Gallen und an der Universität Lausanne. Ausserdem verfügt die Haute école d'ingénierie et de gestion des Kantons Waadt über eine Forschungseinheit in Unternehmensethik. Solche Lehrstühle oder Abteilungen müssten in allen Ausbildungsstätten für künftige Führungspersonen und Fachleute der Wirtschafts- und Finanzwelt geschaffen werden, und die entsprechenden Lehrinhalte sollten zum obligatorischen Programm gehören. Ausserdem sollten die Ausbildungsstätten über die nötigen Mittel für Forschungsaktivitäten verfügen, die den Rahmen einer künftigen verantwortungsvollen Wirtschafts- und Finanztätigkeit abstecken könnten. Zudem ist von zentraler Bedeutung, den bereits berufstätigen Führungspersonen und Fachleuten der Wirtschafts- und Finanzwelt dazu zu verhelfen, ihre Kompetenzen auf den neuesten Stand zu bringen. In diesem Zusammenhang sollte ein attraktives Weiterbildungsangebot in Wirtschafts- und Unternehmensethik bereitgestellt und in den betroffenen Kreisen aktiv propagiert werden.</p>
- <p>Die Finanz- und Wirtschaftskrise stellt in den nächsten Jahren hohe Herausforderungen an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Dabei sind auch die Ausbildungsanbieter im Tertiärbereich als "Kaderschmieden" im Management und Finanzbereich in der Aus- und Weiterbildung gefordert. Der Bundesrat ist überzeugt, dass sich die Anbieter im Bereich der höheren Berufsbildung sowie die Universitäten, einschliesslich der Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH), und die Fachhochschulen eigenverantwortlich und in Absprache mit ihren Trägern dieser Aufgabe bewusst sind. Ethik und nachhaltige Entwicklung sind bereits heute vielfach Teil entsprechender Aus- und Weiterbildungen. Die Anbieter der höheren Berufsbildung und die Hochschulen sind leistungsfähig sowie bereit, veränderte Aufgabenstellungen umgehend aufzugreifen. Sie werden namentlich in Lehre und Forschung gezielte Anstrengungen unternehmen, wirtschaftsethische Fragestellungen unter aktuellen Bedingungen auf betriebs- und volkswirtschaftlicher Ebene noch stärker zu reflektieren und die Sensibilisierung der Studierenden für diese komplexen Zusammenhänge zu erhöhen. Hochschulen und Anbieter der höheren Berufsbildung verfügen bereits heute über den nötigen Spielraum, um ihre Aktivitäten im Rahmen ihrer Autonomie zu verstärken. Der Bundesrat ist der Auffassung, dass es nicht Sache des Bundes sein kann, direkt in Forschung und Entwicklung sowie die Lehre einzelner Disziplinen und Fachbereiche an den Universitäten und Fachhochschulen bzw. in die detaillierten Lerninhalte im Bereich der höheren Berufsbildung einzugreifen.</p><p>Der Bundesrat beantragt aus diesen Gründen die Ablehnung der Motion. Er behält sich vor, bei Annahme der Motion durch den Erstrat, der Kommission des Zweitrates einen Antrag auf Änderung der Motion in einen Prüfungsauftrag zu stellen.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat soll sich zusammen mit den Kantonen dafür einsetzen, dass in die Bildungsgänge künftiger Führungspersonen und Fachleute der Wirtschafts- und Finanzwelt auch Lehrinhalte in Wirtschaftsethik integriert werden. Der Bundesrat soll ausserdem dafür sorgen, dass eine Weiterbildung in diesem Bereich für bereits berufstätige Personen angeboten wird.</p>
- Förderung der Aus- und Weiterbildung in Wirtschaftsethik
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Zahlreiche Faktoren haben zu der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise beigetragen. Einer dieser Faktoren ist sicherlich, dass manche Führungspersonen und Fachleute der Wirtschafts- und Finanzwelt zu wenig Kenntnisse in Wirtschaftsethik haben. In der Schweiz, wie anderswo, haben zahlreiche Akteure ihr Handeln nur auf das Nächstliegende ausgerichtet und die langfristigen Folgen für die Gesellschaft und die Wirtschaft nicht berücksichtigt. Manche haben dabei jeden beruflichen Ehrenkodex und jede Moral missachtet oder sogar völlig verantwortungslos gehandelt. Natürlich beruht die Beachtung ethischer Grundsätze wie der Übernahme von Verantwortung in erster Linie auf persönlicher Entscheidung und persönlichem Engagement. Dennoch kann eine geeignete berufliche Ausbildung - besonders in solch heiklen Bereichen - dazu beitragen, dass die jeweiligen Akteure ihre Arbeit verantwortungsbewusster angehen und sie für ethische Fragen sensibilisieren, die von ihren täglichen Entscheidungen betroffen sind.</p><p>In der Schweiz gibt es nur zwei Lehrstühle für Wirtschaftsethik: an der Universität St. Gallen und an der Universität Lausanne. Ausserdem verfügt die Haute école d'ingénierie et de gestion des Kantons Waadt über eine Forschungseinheit in Unternehmensethik. Solche Lehrstühle oder Abteilungen müssten in allen Ausbildungsstätten für künftige Führungspersonen und Fachleute der Wirtschafts- und Finanzwelt geschaffen werden, und die entsprechenden Lehrinhalte sollten zum obligatorischen Programm gehören. Ausserdem sollten die Ausbildungsstätten über die nötigen Mittel für Forschungsaktivitäten verfügen, die den Rahmen einer künftigen verantwortungsvollen Wirtschafts- und Finanztätigkeit abstecken könnten. Zudem ist von zentraler Bedeutung, den bereits berufstätigen Führungspersonen und Fachleuten der Wirtschafts- und Finanzwelt dazu zu verhelfen, ihre Kompetenzen auf den neuesten Stand zu bringen. In diesem Zusammenhang sollte ein attraktives Weiterbildungsangebot in Wirtschafts- und Unternehmensethik bereitgestellt und in den betroffenen Kreisen aktiv propagiert werden.</p>
- <p>Die Finanz- und Wirtschaftskrise stellt in den nächsten Jahren hohe Herausforderungen an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Dabei sind auch die Ausbildungsanbieter im Tertiärbereich als "Kaderschmieden" im Management und Finanzbereich in der Aus- und Weiterbildung gefordert. Der Bundesrat ist überzeugt, dass sich die Anbieter im Bereich der höheren Berufsbildung sowie die Universitäten, einschliesslich der Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH), und die Fachhochschulen eigenverantwortlich und in Absprache mit ihren Trägern dieser Aufgabe bewusst sind. Ethik und nachhaltige Entwicklung sind bereits heute vielfach Teil entsprechender Aus- und Weiterbildungen. Die Anbieter der höheren Berufsbildung und die Hochschulen sind leistungsfähig sowie bereit, veränderte Aufgabenstellungen umgehend aufzugreifen. Sie werden namentlich in Lehre und Forschung gezielte Anstrengungen unternehmen, wirtschaftsethische Fragestellungen unter aktuellen Bedingungen auf betriebs- und volkswirtschaftlicher Ebene noch stärker zu reflektieren und die Sensibilisierung der Studierenden für diese komplexen Zusammenhänge zu erhöhen. Hochschulen und Anbieter der höheren Berufsbildung verfügen bereits heute über den nötigen Spielraum, um ihre Aktivitäten im Rahmen ihrer Autonomie zu verstärken. Der Bundesrat ist der Auffassung, dass es nicht Sache des Bundes sein kann, direkt in Forschung und Entwicklung sowie die Lehre einzelner Disziplinen und Fachbereiche an den Universitäten und Fachhochschulen bzw. in die detaillierten Lerninhalte im Bereich der höheren Berufsbildung einzugreifen.</p><p>Der Bundesrat beantragt aus diesen Gründen die Ablehnung der Motion. Er behält sich vor, bei Annahme der Motion durch den Erstrat, der Kommission des Zweitrates einen Antrag auf Änderung der Motion in einen Prüfungsauftrag zu stellen.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat soll sich zusammen mit den Kantonen dafür einsetzen, dass in die Bildungsgänge künftiger Führungspersonen und Fachleute der Wirtschafts- und Finanzwelt auch Lehrinhalte in Wirtschaftsethik integriert werden. Der Bundesrat soll ausserdem dafür sorgen, dass eine Weiterbildung in diesem Bereich für bereits berufstätige Personen angeboten wird.</p>
- Förderung der Aus- und Weiterbildung in Wirtschaftsethik
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