Belastetes symbolisches Geschenk an die Türkei

ShortId
08.3993
Id
20083993
Updated
28.07.2023 11:34
Language
de
Title
Belastetes symbolisches Geschenk an die Türkei
AdditionalIndexing
08;Türkei;diplomatische Beziehungen;Kurdistan-Frage;nationale Unabhängigkeit;Menschenrechte;nationale Minderheit;Armenien-Frage;internationales Vertragswerk
1
  • L04K03010508, Türkei
  • L03K050202, Menschenrechte
  • L04K10020202, internationales Vertragswerk
  • L05K0502040602, nationale Minderheit
  • L05K0401020102, Kurdistan-Frage
  • L05K0401020101, Armenien-Frage
  • L03K100101, nationale Unabhängigkeit
  • L04K10020102, diplomatische Beziehungen
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>1923 wurde in Lausanne ein Vertrag unterzeichnet, der die Bestimmungen des Vertrags von Sèvres über die Gründung eines unabhängigen Armeniens und eines autonomen Kurdistans rückgängig machte. Der Vertrag von Lausanne anerkannte auch die Legitimität des Regimes von Atatürk. Diese Anerkennung und die dabei in Kauf genommenen politischen Entscheidungen können nur schockieren. Denn schliesslich versetzte der Vertrag von Lausanne dem Projekt eines autonomen kurdischen Gebietes den Todesstoss und besiegelte zugleich das Ende eines unabhängigen Armeniens, nachdem mehr als die Hälfte von dessen Bevölkerung einem Völkermord zum Opfer gefallen war.</p>
  • <p>Beim Besuch von Bundespräsident Pascal Couchepin handelte es sich um den ersten offiziellen Besuch eines Schweizer Bundespräsidenten in der Türkei. Die Übergabe des Tisches, auf welchem der Lausanner Vertrag vom 24. Juli 1923 unterzeichnet wurde, war der Bedeutung dieses erstmaligen Besuches angemessen. Lausanne und Montreux (Standort der Unterzeichnung des internationalen Vertrages, welcher seit 1936 den Verkehr durch die Meeresenge regelt) sind Begriffe für das türkische Geschichtsbild. Durch den Lausanner Vertrag konnte die moderne, laizistische Türkei ihre internationale Existenz nach Westen sichern. Später ist die Türkei dem Europarat, noch im Jahre seiner Gründung 1949, und kurz danach, 1952, der Nato beigetreten. Sie steht jetzt bekanntlich mit der EU in Beitrittsverhandlungen. Sie ist zudem bestrebt, ihre Beziehungen zu allen Nachbarn spannungsfrei zu gestalten. Die Schweiz, welche z. B. in den Anfängen der türkischen Republik das Modell für das moderne türkische Zivilgesetz lieferte, möchte ihre Verbindung zur türkischen Geschichte nicht verheimlichen, sondern an die Fakten erinnern. Es ist die an diesem Tisch entstandene, laizistische und demokratische Türkei, die heute, auch mithilfe unterstützender, befreundeter Staaten, den Weg zum Dialog über die eigene Vergangenheit und zur Respektierung von Staatsangehörigen anderer Nationen und von Minderheitenrechten beschreitet. Gleichzeitig erinnert dieser Tisch in der Türkei daran, dass der Vertrag, der in Lausanne abgeschlossen wurde, wie andere internationale Verträge auch, für unzählige Menschen in der damaligen Türkei grosses Leid verursacht hat.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>Bundespräsident Pascal Couchepin hat kürzlich die Türkei besucht und hat dabei seinem türkischen Amtskollegen den Tisch geschenkt, an dem 1923 der Vertrag von Lausanne unterzeichnet worden war. Dieser Vertrag hat zwar die Geburt der modernen Türkei besiegelt, er hat aber auch dazu geführt, dass zahlreiche Minderheiten des Osmanischen Reiches - namentlich die armenische und die kurdische, aber auch die griechische - die Rechte einbüssten, die ihnen noch 1920 im Vertrag von Sèvres zugebilligt worden waren. Ist sich der Bundesrat bewusst, welches symbolische Gewicht ein solches Geschenk für die Minderheiten haben kann, die ihrer Rechte beraubt und/oder Opfer von Massakern wurden?</p>
  • Belastetes symbolisches Geschenk an die Türkei
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>1923 wurde in Lausanne ein Vertrag unterzeichnet, der die Bestimmungen des Vertrags von Sèvres über die Gründung eines unabhängigen Armeniens und eines autonomen Kurdistans rückgängig machte. Der Vertrag von Lausanne anerkannte auch die Legitimität des Regimes von Atatürk. Diese Anerkennung und die dabei in Kauf genommenen politischen Entscheidungen können nur schockieren. Denn schliesslich versetzte der Vertrag von Lausanne dem Projekt eines autonomen kurdischen Gebietes den Todesstoss und besiegelte zugleich das Ende eines unabhängigen Armeniens, nachdem mehr als die Hälfte von dessen Bevölkerung einem Völkermord zum Opfer gefallen war.</p>
    • <p>Beim Besuch von Bundespräsident Pascal Couchepin handelte es sich um den ersten offiziellen Besuch eines Schweizer Bundespräsidenten in der Türkei. Die Übergabe des Tisches, auf welchem der Lausanner Vertrag vom 24. Juli 1923 unterzeichnet wurde, war der Bedeutung dieses erstmaligen Besuches angemessen. Lausanne und Montreux (Standort der Unterzeichnung des internationalen Vertrages, welcher seit 1936 den Verkehr durch die Meeresenge regelt) sind Begriffe für das türkische Geschichtsbild. Durch den Lausanner Vertrag konnte die moderne, laizistische Türkei ihre internationale Existenz nach Westen sichern. Später ist die Türkei dem Europarat, noch im Jahre seiner Gründung 1949, und kurz danach, 1952, der Nato beigetreten. Sie steht jetzt bekanntlich mit der EU in Beitrittsverhandlungen. Sie ist zudem bestrebt, ihre Beziehungen zu allen Nachbarn spannungsfrei zu gestalten. Die Schweiz, welche z. B. in den Anfängen der türkischen Republik das Modell für das moderne türkische Zivilgesetz lieferte, möchte ihre Verbindung zur türkischen Geschichte nicht verheimlichen, sondern an die Fakten erinnern. Es ist die an diesem Tisch entstandene, laizistische und demokratische Türkei, die heute, auch mithilfe unterstützender, befreundeter Staaten, den Weg zum Dialog über die eigene Vergangenheit und zur Respektierung von Staatsangehörigen anderer Nationen und von Minderheitenrechten beschreitet. Gleichzeitig erinnert dieser Tisch in der Türkei daran, dass der Vertrag, der in Lausanne abgeschlossen wurde, wie andere internationale Verträge auch, für unzählige Menschen in der damaligen Türkei grosses Leid verursacht hat.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>Bundespräsident Pascal Couchepin hat kürzlich die Türkei besucht und hat dabei seinem türkischen Amtskollegen den Tisch geschenkt, an dem 1923 der Vertrag von Lausanne unterzeichnet worden war. Dieser Vertrag hat zwar die Geburt der modernen Türkei besiegelt, er hat aber auch dazu geführt, dass zahlreiche Minderheiten des Osmanischen Reiches - namentlich die armenische und die kurdische, aber auch die griechische - die Rechte einbüssten, die ihnen noch 1920 im Vertrag von Sèvres zugebilligt worden waren. Ist sich der Bundesrat bewusst, welches symbolische Gewicht ein solches Geschenk für die Minderheiten haben kann, die ihrer Rechte beraubt und/oder Opfer von Massakern wurden?</p>
    • Belastetes symbolisches Geschenk an die Türkei

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