Qualität an schweizerischen Universitäten und Ausbildung von Spitzenkräften

ShortId
08.4017
Id
20084017
Updated
27.07.2023 21:39
Language
de
Title
Qualität an schweizerischen Universitäten und Ausbildung von Spitzenkräften
AdditionalIndexing
32;15;Studium;Universität;Arbeitskräftebedarf;Wissenschaft und Forschung;Qualitätssicherung;Fremdarbeiter/in;Berufsgruppe;Brain Drain;berufliche Eignung
1
  • L05K1302050105, Universität
  • L06K070305020401, Qualitätssicherung
  • L04K13020110, Studium
  • L05K0108030101, Brain Drain
  • L05K0702020109, Fremdarbeiter/in
  • L05K0702020106, berufliche Eignung
  • L05K0702020302, Arbeitskräftebedarf
  • L05K0702020107, Berufsgruppe
  • L01K16, Wissenschaft und Forschung
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>In der Botschaft zur Förderung der Hochschulen 2007-2011 hielt der Bundesrat fest, dass die Sicherung des wissenschaftlichen Nachwuchses und damit die Ausbildung der benötigten Spitzenkräfte eine zentrale Zielsetzung seiner Politik sei. "Das Fördersystem ist auf allen Stufen dem Kriterium der höchstmöglichen Qualität der heranwachsenden Schweizer Dozierenden- und Forschendengeneration verpflichtet, die sich von Beginn ihrer Karriere weg in den besten Forschungsnetzwerken, -programmen und -organisationen der internationalen Konkurrenz stellen." (S. 1251) </p><p>In der gleichen Botschaft musste der Bundesrat zugeben, dass das Verhältnis Studierende pro Professur an Universitäten nur unwesentlich (auf 61:1) verbessert worden war, und hielt fest: "Die Qualität der Lehre und Forschung an den Schweizer Universitäten ist in einer Reihe von Fächern der Geistes- und Sozialwissenschaften (wie etwa in Germanistik, Anglistik, Geschichte oder Soziologie) unter diesen Bedingungen nicht mehr gewährleistet." (S. 1281) Trotzdem wurden keine zusätzlichen Massnahmen zur Verbesserung der Betreuungsverhältnisse beschlossen. </p><p>Dass hochqualifizierte Arbeitskräfte in der Schweiz fehlen, zeigt sich vor allem am Ausbildungsniveau der Zuwandernden. Die Untersuchung von Werner Haug und Daniel Müller-Jentsch stellt fest: "Die Akademikerquote unter den Neuzuwanderern hat sich in nur 15 Jahren verdreifacht und liegt inzwischen bei knapp 60 Prozent. ... Ein solcher Zustrom von Hochqualifizierten stellt ökonomisch betrachtet einen massiven Import von Humankapital dar. Die Schweiz profitiert von den im Ausland getätigten Bildungsinvestitionen." (Die neue Zuwanderung in Zahlen, Kurzfassung S. 11)</p>
  • <p>1. Zwischen mangelndem schweizerischem Nachwuchs für hochqualifizierte Stellen und der Qualität an den Schweizer Universitäten besteht nicht gezwungenermassen ein Zusammenhang. So ist beispielsweise der Fachkräftemangel vor allem in Ingenieur- und Naturwissenschaften hoch, in denen das in der Interpellation angesprochene Betreuungsverhältnis sehr gut ist. Der Mangel an Hochqualifizierten hängt von verschiedenen Faktoren ab und kann von den Hochschulen und vom Bund nur bedingt beeinflusst werden. Die Vorbildung auf Primarschul- und Gymnasialstufe spielt beispielsweise eine Rolle, aber auch das zu erwartende Lohnniveau in den betroffenen Branchen sowie persönliche Neigungen. Es sei aber trotzdem auf die Bemühungen von Bund und Kantonen hingewiesen, welche die Qualität der neuen Matura evaluieren (Evamar II) und allenfalls geeignete Anpassungen vornehmen werden.</p><p>2. Es ist das erklärte Ziel des Bundes und der Kantone, die Qualität in allen universitären Fächern zu garantieren. Zu diesem Zweck wurde 1999 das Organ für Akkreditierung und Qualitätssicherung (OAQ) geschaffen und mit der Sicherung und Förderung der Qualität von Lehre und Forschung an den schweizerischen Hochschulen beauftragt. Gemäss den gesetzlichen Grundlagen (Universitätsförderungsgesetz vom 8. Oktober 1999 (UFG), Interkantonales Konkordat über die universitäre Koordination vom 9. Dezember 1999 und Vereinbarung zwischen dem Bund und den Universitätskantonen über die Zusammenarbeit im universitären Hochschulbereich vom 14. Dezember 2000) führt das OAQ Qualitätsprüfungen durch und erarbeitet Richtlinien für die interne Qualitätssicherung von Hochschulen. Auch im neuen Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz (HFKG), welches derzeit erarbeitet wird, nehmen Qualitätssicherung und Akkreditierung im Hochschulbereich eine zentrale Stelle ein.</p><p>3. Mit Einwanderung wird der Mangel an hochqualifizierten Fachkräften momentan abgeschwächt. Zu diesem Zweck wurde auch das neue Ausländergesetz (Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005) angepasst: Im Rahmen der Teilrevision der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE, 1. Januar 2009) wurde Artikel 47 Buchstabe a VZAE ergänzt. Hochschulabsolventen und -absolventinnen können demnach nicht nur bei einem hohen wissenschaftlichen Interesse, sondern auch bei einem hohen wirtschaftlichen Interesse erleichtert auf dem Schweizer Arbeitsmarkt zugelassen werden. Mit dieser Ergänzung kann den Bedürfnissen der Schweizer Wirtschaft noch besser entsprochen werden. </p><p>Allerdings ist der Bundesrat der Ansicht, dass Einwanderung allein keine längerfristige Lösung ist. Der Bundesrat hat einen Bericht in Aussicht gestellt, der in Beantwortung der Postulate 05.3508 Fetz, 07.3538 Hochreutener, 07.3747 Recordon und 07.3810 Widmer der Frage nach dem Fachkräftemangel in naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen, in denen der Mangel besonders hoch ist, nachgehen wird. Der Bericht wird u. a. den heutigen und künftigen Bedarf der Wirtschaft sowie geplante und denkbare Massnahmen zur Förderung dieser Bildungsbereiche untersuchen. Aber auch hier gilt, dass der Handlungsspielraum des Bundes beschränkt ist, denn auf vor- und ausseruniversitäre Ausbildungen und Entwicklungen der Wirtschaft, z. B. der Löhne, kann der Bund kaum Einfluss nehmen.</p><p>4. In den letzten zehn Jahren befanden sich ein Jahr nach Studienabschluss durchschnittlich nur gerade 2 Prozent der Schweizer Hochschulabsolventinnen und -absolventen im Ausland ("Regionale Abwanderung von jungen Hochqualifizierten in der Schweiz", BFS 2007). Hingegen blieben zwischen 52 Prozent und 78 Prozent der Ausländer und Ausländerinnen, welche für das Studium in die Schweiz gekommen waren, in der Schweiz (Stichtag: ein Jahr nach Studienabschluss). Im gleichen Zeitraum hat die Schweiz damit aufgrund der nach dem Hochschulabschluss in der Schweiz verbleibenden Bildungsausländer und -ausländerinnen hochqualifiziertes Humankapital gewonnen.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen: </p><p>1. Welcher Zusammenhang besteht zwischen schlechter Qualität an den Universitäten und mangelndem schweizerischem Nachwuchs für hochqualifizierte Stellen? </p><p>2. Gedenkt er, die Qualität in allen universitären Fächern in Zukunft zu garantieren? Wenn ja, wie?</p><p>3. Wie gedenkt er in Zukunft die Nachfrage nach hochqualifizierten Fachkräften sicherzustellen? Durch vermehrte Einwanderung? </p><p>4. Wie hoch ist der Export von Humankapital durch ausgewanderte Schweizerinnen und Schweizer?</p>
  • Qualität an schweizerischen Universitäten und Ausbildung von Spitzenkräften
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>In der Botschaft zur Förderung der Hochschulen 2007-2011 hielt der Bundesrat fest, dass die Sicherung des wissenschaftlichen Nachwuchses und damit die Ausbildung der benötigten Spitzenkräfte eine zentrale Zielsetzung seiner Politik sei. "Das Fördersystem ist auf allen Stufen dem Kriterium der höchstmöglichen Qualität der heranwachsenden Schweizer Dozierenden- und Forschendengeneration verpflichtet, die sich von Beginn ihrer Karriere weg in den besten Forschungsnetzwerken, -programmen und -organisationen der internationalen Konkurrenz stellen." (S. 1251) </p><p>In der gleichen Botschaft musste der Bundesrat zugeben, dass das Verhältnis Studierende pro Professur an Universitäten nur unwesentlich (auf 61:1) verbessert worden war, und hielt fest: "Die Qualität der Lehre und Forschung an den Schweizer Universitäten ist in einer Reihe von Fächern der Geistes- und Sozialwissenschaften (wie etwa in Germanistik, Anglistik, Geschichte oder Soziologie) unter diesen Bedingungen nicht mehr gewährleistet." (S. 1281) Trotzdem wurden keine zusätzlichen Massnahmen zur Verbesserung der Betreuungsverhältnisse beschlossen. </p><p>Dass hochqualifizierte Arbeitskräfte in der Schweiz fehlen, zeigt sich vor allem am Ausbildungsniveau der Zuwandernden. Die Untersuchung von Werner Haug und Daniel Müller-Jentsch stellt fest: "Die Akademikerquote unter den Neuzuwanderern hat sich in nur 15 Jahren verdreifacht und liegt inzwischen bei knapp 60 Prozent. ... Ein solcher Zustrom von Hochqualifizierten stellt ökonomisch betrachtet einen massiven Import von Humankapital dar. Die Schweiz profitiert von den im Ausland getätigten Bildungsinvestitionen." (Die neue Zuwanderung in Zahlen, Kurzfassung S. 11)</p>
    • <p>1. Zwischen mangelndem schweizerischem Nachwuchs für hochqualifizierte Stellen und der Qualität an den Schweizer Universitäten besteht nicht gezwungenermassen ein Zusammenhang. So ist beispielsweise der Fachkräftemangel vor allem in Ingenieur- und Naturwissenschaften hoch, in denen das in der Interpellation angesprochene Betreuungsverhältnis sehr gut ist. Der Mangel an Hochqualifizierten hängt von verschiedenen Faktoren ab und kann von den Hochschulen und vom Bund nur bedingt beeinflusst werden. Die Vorbildung auf Primarschul- und Gymnasialstufe spielt beispielsweise eine Rolle, aber auch das zu erwartende Lohnniveau in den betroffenen Branchen sowie persönliche Neigungen. Es sei aber trotzdem auf die Bemühungen von Bund und Kantonen hingewiesen, welche die Qualität der neuen Matura evaluieren (Evamar II) und allenfalls geeignete Anpassungen vornehmen werden.</p><p>2. Es ist das erklärte Ziel des Bundes und der Kantone, die Qualität in allen universitären Fächern zu garantieren. Zu diesem Zweck wurde 1999 das Organ für Akkreditierung und Qualitätssicherung (OAQ) geschaffen und mit der Sicherung und Förderung der Qualität von Lehre und Forschung an den schweizerischen Hochschulen beauftragt. Gemäss den gesetzlichen Grundlagen (Universitätsförderungsgesetz vom 8. Oktober 1999 (UFG), Interkantonales Konkordat über die universitäre Koordination vom 9. Dezember 1999 und Vereinbarung zwischen dem Bund und den Universitätskantonen über die Zusammenarbeit im universitären Hochschulbereich vom 14. Dezember 2000) führt das OAQ Qualitätsprüfungen durch und erarbeitet Richtlinien für die interne Qualitätssicherung von Hochschulen. Auch im neuen Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz (HFKG), welches derzeit erarbeitet wird, nehmen Qualitätssicherung und Akkreditierung im Hochschulbereich eine zentrale Stelle ein.</p><p>3. Mit Einwanderung wird der Mangel an hochqualifizierten Fachkräften momentan abgeschwächt. Zu diesem Zweck wurde auch das neue Ausländergesetz (Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005) angepasst: Im Rahmen der Teilrevision der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE, 1. Januar 2009) wurde Artikel 47 Buchstabe a VZAE ergänzt. Hochschulabsolventen und -absolventinnen können demnach nicht nur bei einem hohen wissenschaftlichen Interesse, sondern auch bei einem hohen wirtschaftlichen Interesse erleichtert auf dem Schweizer Arbeitsmarkt zugelassen werden. Mit dieser Ergänzung kann den Bedürfnissen der Schweizer Wirtschaft noch besser entsprochen werden. </p><p>Allerdings ist der Bundesrat der Ansicht, dass Einwanderung allein keine längerfristige Lösung ist. Der Bundesrat hat einen Bericht in Aussicht gestellt, der in Beantwortung der Postulate 05.3508 Fetz, 07.3538 Hochreutener, 07.3747 Recordon und 07.3810 Widmer der Frage nach dem Fachkräftemangel in naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen, in denen der Mangel besonders hoch ist, nachgehen wird. Der Bericht wird u. a. den heutigen und künftigen Bedarf der Wirtschaft sowie geplante und denkbare Massnahmen zur Förderung dieser Bildungsbereiche untersuchen. Aber auch hier gilt, dass der Handlungsspielraum des Bundes beschränkt ist, denn auf vor- und ausseruniversitäre Ausbildungen und Entwicklungen der Wirtschaft, z. B. der Löhne, kann der Bund kaum Einfluss nehmen.</p><p>4. In den letzten zehn Jahren befanden sich ein Jahr nach Studienabschluss durchschnittlich nur gerade 2 Prozent der Schweizer Hochschulabsolventinnen und -absolventen im Ausland ("Regionale Abwanderung von jungen Hochqualifizierten in der Schweiz", BFS 2007). Hingegen blieben zwischen 52 Prozent und 78 Prozent der Ausländer und Ausländerinnen, welche für das Studium in die Schweiz gekommen waren, in der Schweiz (Stichtag: ein Jahr nach Studienabschluss). Im gleichen Zeitraum hat die Schweiz damit aufgrund der nach dem Hochschulabschluss in der Schweiz verbleibenden Bildungsausländer und -ausländerinnen hochqualifiziertes Humankapital gewonnen.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen: </p><p>1. Welcher Zusammenhang besteht zwischen schlechter Qualität an den Universitäten und mangelndem schweizerischem Nachwuchs für hochqualifizierte Stellen? </p><p>2. Gedenkt er, die Qualität in allen universitären Fächern in Zukunft zu garantieren? Wenn ja, wie?</p><p>3. Wie gedenkt er in Zukunft die Nachfrage nach hochqualifizierten Fachkräften sicherzustellen? Durch vermehrte Einwanderung? </p><p>4. Wie hoch ist der Export von Humankapital durch ausgewanderte Schweizerinnen und Schweizer?</p>
    • Qualität an schweizerischen Universitäten und Ausbildung von Spitzenkräften

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