Bioprodukte. Zu teuer für die Allgemeinheit
- ShortId
-
09.1001
- Id
-
20091001
- Updated
-
24.06.2025 23:07
- Language
-
de
- Title
-
Bioprodukte. Zu teuer für die Allgemeinheit
- AdditionalIndexing
-
55;15;Preisüberwachung;biologische Landwirtschaft;Nahrungsmittelpreis;Preisunterschied;Einzelhandelspreis;landwirtschaftliche Produkte
- 1
-
- L05K1401020201, biologische Landwirtschaft
- L02K1402, landwirtschaftliche Produkte
- L04K11050209, Nahrungsmittelpreis
- L04K11050205, Einzelhandelspreis
- L04K11050309, Preisüberwachung
- L04K11050311, Preisunterschied
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>1. Die Produktion aus biologischem Landbau fördert eine nachhaltige und naturnahe Landwirtschaft. Die Auswirkungen auf die Gesundheit von Bioprodukten sind Gegenstand von zahlreichen wissenschaftlichen Studien. Es konnte jedoch noch nicht nachgewiesen werden, ob sich Produkte aus biologischem Landbau aus der Sicht der Gesundheit (Gehalt an Mikronährstoffen, sekundären Pflanzeninhaltstoffen, Rückständen usw.) von konventionell produzierten Lebensmitteln unterscheiden. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt, sich ausgewogen und abwechslungsreich zu ernähren - so, wie es auch in der Lebensmittelpyramide der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung dargestellt wird. Dabei wird nicht zwischen konventionell und biologisch angebauten Produkten unterschieden. Die Ernährung mit biologisch erzeugten Lebensmitteln ist kein Gesundheitsziel des Bundesrates.</p><p>2. Der Fachbereich Marktbeobachtung des Bundesamtes für Landwirtschaft betreibt ein langfristiges Preis- und Bruttomargenmonitoring im Agrarbereich. Er publiziert regelmässig die Ergebnisse und stellt diese kostenfrei zur Verfügung. Für Schweizer Bioeier z. B. wird die Bruttomarge "Abpackung - Handel" berechnet. Eine Analyse zeigt, dass die Bruttomarge für Bioeier im Zeitraum Januar 2001 bis August 2008 relativ stabil, um etwa 58 Prozent, höher lag als für Bodenhaltungseier. Bruttomargen anderer Bioproduktegruppen werden zurzeit nicht systematisch analysiert. Eine Ausweitung der heutigen Beobachtungsaktivitäten wäre denkbar. Die Lancierung spezifischer Studien ist im Moment nicht vorgesehen.</p><p>3. Die Ansprüche der Konsumentinnen und Konsumenten sind vielfältig und ihre Bedürfnisse unterschiedlich. Für den Bundesrat ist entscheidend, dass die in der Schweiz in Verkehr gebrachten Lebensmittel sicher sind und die Verbraucher korrekt informiert werden. Damit lässt sich bei einem angemessenen Essverhalten eine gesunde Ernährung sicherstellen. Bieten die Hard-Discounter, wie in Deutschland, auch in der Schweiz Bioprodukte an, dürfte der Preisdruck auch auf die Bioprodukte tendenziell zunehmen. Zudem gilt es festzuhalten, dass die Biolebensmittel in der Schweiz stetig Marktanteile gewinnen und der Anteil der Konsumentinnen und Konsumenten von Bioprodukten zwischen den unterschiedlichen Einkommensgruppen nicht stark differiert. Um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Bioproduktion zu stärken, fördert der Bundesrat verschiedene Forschungsanstrengungen, welche eine Effizienzsteigerung im Anbau von Bioprodukten anstreben.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Die ökologische Landwirtschaft ist für die Gesundheit der Bevölkerung, die Erhaltung der Umwelt und des Lebensraumes sowie das Weiterbestehen der landwirtschaftlichen Tätigkeit, vor allem in den Randregionen, unverzichtbar. Obschon sich der Markt für biologische Produkte rasch entwickelt, sind Bioprodukte laut neuesten Umfragen in der Westschweiz ("Bon à savoir") und in der Deutschschweiz ("K-Tipp") bei Weitem nicht für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich.</p><p>Die besonderen Anforderungen bei der Produktion von Bioprodukten verursachen zusätzliche Kosten. Bio Suisse schätzt, dass ein Preisunterschied zwischen biologischen und konventionellen Produkten von etwa 30 Prozent gerechtfertigt wäre. Der Preisvergleich zwischen den Produkten der beiden wichtigsten Grossverteiler des Landes (Migros und Coop) ergibt jedoch preisliche Unterschiede von über 40 Prozent (ohne Aktionen und spezielle Preissenkungen zu berücksichtigen). Beim Vergleich mit Produkten der unteren Preisklasse liegt der Preisunterschied sogar bei bis zu 75 Prozent. Indessen zeichnet sich bei den Grossverteilern Frankreichs die klare Tendenz ab, biologische Lebensmittel dank einem umfangreichen Angebot an erschwinglichen Bioprodukten für eine immer breitere Konsumentengruppe zugänglich zu machen (vgl. "Le Monde" vom 13. Februar 2009).</p><p>Vor diesem Hintergrund stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>1. Verfolgt der Bundesrat das gesundheitspolitische Ziel, biologische Produkte für alle Gesellschaftsschichten zugänglich zu machen?</p><p>2. Gedenkt der Bundesrat, den Preisüberwacher mit einer Studie zum Gewinn der Verteilerunternehmen aus dem Verkauf von Bioprodukten zu beauftragen?</p><p>3. Ist nicht zu befürchten, dass der Preisunterschied zwischen konventionellen und biologischen Produkten durch die Ausbreitung von Hard-Discountern in der Schweiz weiter steigen wird und diese Entwicklung einkommensschwache Bevölkerungsschichten davon abbringen wird, qualitätsbewusst zu kaufen?</p>
- Bioprodukte. Zu teuer für die Allgemeinheit
- State
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Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
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- Index
- 0
- Texts
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- <p>1. Die Produktion aus biologischem Landbau fördert eine nachhaltige und naturnahe Landwirtschaft. Die Auswirkungen auf die Gesundheit von Bioprodukten sind Gegenstand von zahlreichen wissenschaftlichen Studien. Es konnte jedoch noch nicht nachgewiesen werden, ob sich Produkte aus biologischem Landbau aus der Sicht der Gesundheit (Gehalt an Mikronährstoffen, sekundären Pflanzeninhaltstoffen, Rückständen usw.) von konventionell produzierten Lebensmitteln unterscheiden. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt, sich ausgewogen und abwechslungsreich zu ernähren - so, wie es auch in der Lebensmittelpyramide der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung dargestellt wird. Dabei wird nicht zwischen konventionell und biologisch angebauten Produkten unterschieden. Die Ernährung mit biologisch erzeugten Lebensmitteln ist kein Gesundheitsziel des Bundesrates.</p><p>2. Der Fachbereich Marktbeobachtung des Bundesamtes für Landwirtschaft betreibt ein langfristiges Preis- und Bruttomargenmonitoring im Agrarbereich. Er publiziert regelmässig die Ergebnisse und stellt diese kostenfrei zur Verfügung. Für Schweizer Bioeier z. B. wird die Bruttomarge "Abpackung - Handel" berechnet. Eine Analyse zeigt, dass die Bruttomarge für Bioeier im Zeitraum Januar 2001 bis August 2008 relativ stabil, um etwa 58 Prozent, höher lag als für Bodenhaltungseier. Bruttomargen anderer Bioproduktegruppen werden zurzeit nicht systematisch analysiert. Eine Ausweitung der heutigen Beobachtungsaktivitäten wäre denkbar. Die Lancierung spezifischer Studien ist im Moment nicht vorgesehen.</p><p>3. Die Ansprüche der Konsumentinnen und Konsumenten sind vielfältig und ihre Bedürfnisse unterschiedlich. Für den Bundesrat ist entscheidend, dass die in der Schweiz in Verkehr gebrachten Lebensmittel sicher sind und die Verbraucher korrekt informiert werden. Damit lässt sich bei einem angemessenen Essverhalten eine gesunde Ernährung sicherstellen. Bieten die Hard-Discounter, wie in Deutschland, auch in der Schweiz Bioprodukte an, dürfte der Preisdruck auch auf die Bioprodukte tendenziell zunehmen. Zudem gilt es festzuhalten, dass die Biolebensmittel in der Schweiz stetig Marktanteile gewinnen und der Anteil der Konsumentinnen und Konsumenten von Bioprodukten zwischen den unterschiedlichen Einkommensgruppen nicht stark differiert. Um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Bioproduktion zu stärken, fördert der Bundesrat verschiedene Forschungsanstrengungen, welche eine Effizienzsteigerung im Anbau von Bioprodukten anstreben.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Die ökologische Landwirtschaft ist für die Gesundheit der Bevölkerung, die Erhaltung der Umwelt und des Lebensraumes sowie das Weiterbestehen der landwirtschaftlichen Tätigkeit, vor allem in den Randregionen, unverzichtbar. Obschon sich der Markt für biologische Produkte rasch entwickelt, sind Bioprodukte laut neuesten Umfragen in der Westschweiz ("Bon à savoir") und in der Deutschschweiz ("K-Tipp") bei Weitem nicht für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich.</p><p>Die besonderen Anforderungen bei der Produktion von Bioprodukten verursachen zusätzliche Kosten. Bio Suisse schätzt, dass ein Preisunterschied zwischen biologischen und konventionellen Produkten von etwa 30 Prozent gerechtfertigt wäre. Der Preisvergleich zwischen den Produkten der beiden wichtigsten Grossverteiler des Landes (Migros und Coop) ergibt jedoch preisliche Unterschiede von über 40 Prozent (ohne Aktionen und spezielle Preissenkungen zu berücksichtigen). Beim Vergleich mit Produkten der unteren Preisklasse liegt der Preisunterschied sogar bei bis zu 75 Prozent. Indessen zeichnet sich bei den Grossverteilern Frankreichs die klare Tendenz ab, biologische Lebensmittel dank einem umfangreichen Angebot an erschwinglichen Bioprodukten für eine immer breitere Konsumentengruppe zugänglich zu machen (vgl. "Le Monde" vom 13. Februar 2009).</p><p>Vor diesem Hintergrund stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>1. Verfolgt der Bundesrat das gesundheitspolitische Ziel, biologische Produkte für alle Gesellschaftsschichten zugänglich zu machen?</p><p>2. Gedenkt der Bundesrat, den Preisüberwacher mit einer Studie zum Gewinn der Verteilerunternehmen aus dem Verkauf von Bioprodukten zu beauftragen?</p><p>3. Ist nicht zu befürchten, dass der Preisunterschied zwischen konventionellen und biologischen Produkten durch die Ausbreitung von Hard-Discountern in der Schweiz weiter steigen wird und diese Entwicklung einkommensschwache Bevölkerungsschichten davon abbringen wird, qualitätsbewusst zu kaufen?</p>
- Bioprodukte. Zu teuer für die Allgemeinheit
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