Ausbildung von Imamen in der Schweiz

ShortId
09.3189
Id
20093189
Updated
28.07.2023 08:30
Language
de
Title
Ausbildung von Imamen in der Schweiz
AdditionalIndexing
2831;Studium;Geistliche/r;Theologie;Islam;Erwachsenenbildung
1
  • L04K01060202, Islam
  • L04K01060205, Geistliche/r
  • L04K13030202, Erwachsenenbildung
  • L04K01060211, Theologie
  • L04K13020110, Studium
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Die Schaffung eines Ausbildungsgangs für Imame würde in mehrfacher Hinsicht einen Fortschritt darstellen. Zunächst einmal würde ein Beitrag zur besseren Integration des Islams in unserer Gesellschaft geleistet: Den Gläubigen in den Moscheen unseres Landes würde ein Islam "aus der Schweiz" und nicht nur ein Islam "in der Schweiz" vermittelt. Unter Islam "aus der Schweiz" ist ein Islam zu verstehen, der sich mit den demokratischen Werten, der Rechtsordnung und dem Geist der Toleranz verträgt, von denen unser Land geprägt ist. Ein solcher Islam hätte auch den Vorteil, dass die politischen Kreise, die nur allzu gern mit den Ängsten der Schweizerinnen und Schweizer spielen, das Schreckgespenst des islamischen Fundamentalismus nicht mehr ins Feld führen könnten. So hätten Initiativen von der Art der Minarett-Initiative keine Chance mehr. Wenn in schweizerischen Moscheen künftig in unserem Land ausgebildete Imame amtieren würden, so würde dies die Integration muslimischer Neuankömmlinge, die sich auf der Suche nach Auskunft und Beratung an ihren Imam wenden, verbessern.</p>
  • <p>Das Postulat nimmt eine wichtige und seit Längerem breit debattierte Frage auf, zu der indes eine wissenschaftliche Diskussionsbasis bisher fehlte. </p><p>Im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms (NFP) 58 "Religionen in der Schweiz" wird im Modul "Muslime in der Schweiz" seit Juni 2007 in einem Projekt der Frage nachgegangen, ob Imame und islamische Religionslehrer in der Schweiz ausgebildet werden sollen. Das Projekt will zum einen die eigentlichen Bedürfnisse und Vorstellungen in der Schweiz lebender Muslime klären. Zum andern findet eine breitangelegte Erhebung der diesbezüglichen Einschätzungen in politischen und religiösen Kreisen sowie unter Bildungsinstitutionen und Rechtsexperten statt. Ein dritter Teil des Projekts geht bestehenden Ausbildungsmodellen für Imame im nahen Ausland nach. Dieses Projekt mit dem Titel "Sollen Imame und islamische Religionslehrer in der Schweiz ausgebildet werden?" steht kurz vor dem Abschluss: Bis in diesem Sommer werden die Resultate der Untersuchung vorliegen. </p><p>Damit werden zum ersten Mal die Bedürfnisse, Positionen und Ansichten sowohl der muslimischen Bevölkerung als auch der Verantwortlichen aus Religion, Bildung, Politik und Recht erhoben und so eine wissenschaftlich breitabgestützte Diskussionsbasis für das weitere Vorgehen geliefert. </p><p>Ob der vom Postulanten geforderte Machbarkeitsbericht und die Frage einer islamischen theologischen Ausbildung oder auch eines Ausbildungsgangs für Imame in der Schweiz ins Auge gefasst werden sollen, muss auf der Basis der erwähnten Studie und in Kooperation mit den einschlägigen Bildungsgremien eruiert werden. Die Studie wird auch als Basis für die Beantwortung der Frage dienen, wer für eine solche Ausbildung zuständig bzw. in welcher Institution diese angesiedelt werden könnte.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
  • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht vorzulegen, in dem geprüft wird, ob in der Schweiz ein vollständiger Ausbildungsgang für Imame geschaffen werden kann.</p><p>Der Bericht soll ein realistisches Modell eines solchen Ausbildungsgangs erarbeiten. Er soll einen Studienplan festlegen, der ein qualitativ hochstehendes Lehrangebot in islamischer Theologie - unter Berücksichtigung der Hauptrichtungen des Islams, die in der Schweiz vertreten sind - umfasst und dieses gleichzeitig mit Lehrinhalten zur Stellung der Religion in der Schweiz (Geschichte, Rechtsordnung, Zivilgesellschaft) verbindet. Sprachkurse könnten den Studienplan ergänzen.</p><p>Im Bericht soll auch dargelegt werden, welche Strukturen für die Vermittlung einer solchen Ausbildung infrage kämen, namentlich ein neu zu schaffendes Institut des Bundes, und wie ein solcher Ausbildungsgang finanziert werden könnte. Zu prüfen ist ferner, ob es zweckmässig wäre, einen Teil der Ausbildung für aus dem Ausland stammende Imame obligatorisch zu erklären.</p><p>Selbstverständlich wird der Bundesrat bei der Erarbeitung des Berichts eng mit der muslimischen Gemeinschaft in der Schweiz zusammenarbeiten müssen, damit Probleme, welche die allfällige Einführung eines solchen Ausbildungsgangs verursachen könnte, identifiziert und vermieden werden können.</p>
  • Ausbildung von Imamen in der Schweiz
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Die Schaffung eines Ausbildungsgangs für Imame würde in mehrfacher Hinsicht einen Fortschritt darstellen. Zunächst einmal würde ein Beitrag zur besseren Integration des Islams in unserer Gesellschaft geleistet: Den Gläubigen in den Moscheen unseres Landes würde ein Islam "aus der Schweiz" und nicht nur ein Islam "in der Schweiz" vermittelt. Unter Islam "aus der Schweiz" ist ein Islam zu verstehen, der sich mit den demokratischen Werten, der Rechtsordnung und dem Geist der Toleranz verträgt, von denen unser Land geprägt ist. Ein solcher Islam hätte auch den Vorteil, dass die politischen Kreise, die nur allzu gern mit den Ängsten der Schweizerinnen und Schweizer spielen, das Schreckgespenst des islamischen Fundamentalismus nicht mehr ins Feld führen könnten. So hätten Initiativen von der Art der Minarett-Initiative keine Chance mehr. Wenn in schweizerischen Moscheen künftig in unserem Land ausgebildete Imame amtieren würden, so würde dies die Integration muslimischer Neuankömmlinge, die sich auf der Suche nach Auskunft und Beratung an ihren Imam wenden, verbessern.</p>
    • <p>Das Postulat nimmt eine wichtige und seit Längerem breit debattierte Frage auf, zu der indes eine wissenschaftliche Diskussionsbasis bisher fehlte. </p><p>Im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms (NFP) 58 "Religionen in der Schweiz" wird im Modul "Muslime in der Schweiz" seit Juni 2007 in einem Projekt der Frage nachgegangen, ob Imame und islamische Religionslehrer in der Schweiz ausgebildet werden sollen. Das Projekt will zum einen die eigentlichen Bedürfnisse und Vorstellungen in der Schweiz lebender Muslime klären. Zum andern findet eine breitangelegte Erhebung der diesbezüglichen Einschätzungen in politischen und religiösen Kreisen sowie unter Bildungsinstitutionen und Rechtsexperten statt. Ein dritter Teil des Projekts geht bestehenden Ausbildungsmodellen für Imame im nahen Ausland nach. Dieses Projekt mit dem Titel "Sollen Imame und islamische Religionslehrer in der Schweiz ausgebildet werden?" steht kurz vor dem Abschluss: Bis in diesem Sommer werden die Resultate der Untersuchung vorliegen. </p><p>Damit werden zum ersten Mal die Bedürfnisse, Positionen und Ansichten sowohl der muslimischen Bevölkerung als auch der Verantwortlichen aus Religion, Bildung, Politik und Recht erhoben und so eine wissenschaftlich breitabgestützte Diskussionsbasis für das weitere Vorgehen geliefert. </p><p>Ob der vom Postulanten geforderte Machbarkeitsbericht und die Frage einer islamischen theologischen Ausbildung oder auch eines Ausbildungsgangs für Imame in der Schweiz ins Auge gefasst werden sollen, muss auf der Basis der erwähnten Studie und in Kooperation mit den einschlägigen Bildungsgremien eruiert werden. Die Studie wird auch als Basis für die Beantwortung der Frage dienen, wer für eine solche Ausbildung zuständig bzw. in welcher Institution diese angesiedelt werden könnte.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
    • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht vorzulegen, in dem geprüft wird, ob in der Schweiz ein vollständiger Ausbildungsgang für Imame geschaffen werden kann.</p><p>Der Bericht soll ein realistisches Modell eines solchen Ausbildungsgangs erarbeiten. Er soll einen Studienplan festlegen, der ein qualitativ hochstehendes Lehrangebot in islamischer Theologie - unter Berücksichtigung der Hauptrichtungen des Islams, die in der Schweiz vertreten sind - umfasst und dieses gleichzeitig mit Lehrinhalten zur Stellung der Religion in der Schweiz (Geschichte, Rechtsordnung, Zivilgesellschaft) verbindet. Sprachkurse könnten den Studienplan ergänzen.</p><p>Im Bericht soll auch dargelegt werden, welche Strukturen für die Vermittlung einer solchen Ausbildung infrage kämen, namentlich ein neu zu schaffendes Institut des Bundes, und wie ein solcher Ausbildungsgang finanziert werden könnte. Zu prüfen ist ferner, ob es zweckmässig wäre, einen Teil der Ausbildung für aus dem Ausland stammende Imame obligatorisch zu erklären.</p><p>Selbstverständlich wird der Bundesrat bei der Erarbeitung des Berichts eng mit der muslimischen Gemeinschaft in der Schweiz zusammenarbeiten müssen, damit Probleme, welche die allfällige Einführung eines solchen Ausbildungsgangs verursachen könnte, identifiziert und vermieden werden können.</p>
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