Gefährdung der CO2-Reduktionsziele durch die Umsetzung der Energiestrategie
- ShortId
-
09.3214
- Id
-
20093214
- Updated
-
27.07.2023 21:05
- Language
-
de
- Title
-
Gefährdung der CO2-Reduktionsziele durch die Umsetzung der Energiestrategie
- AdditionalIndexing
-
66;Kohlendioxid;fossile Energie;elektrische Energie;Prognose;Energieverbrauch;Energieprogramm;Ersetzung von Ressourcen;Energieeinsparung
- 1
-
- L04K17010107, Energieeinsparung
- L06K070501020901, Kohlendioxid
- L05K1701010602, Energieverbrauch
- L04K17030301, elektrische Energie
- L05K1602010701, Prognose
- L04K17010110, Energieprogramm
- L05K0601030102, Ersetzung von Ressourcen
- L05K1701020101, fossile Energie
- PriorityCouncil1
-
Ständerat
- Texts
-
- <p>Verschiedene Studien, darunter der Bericht von Lord Nicholas Stern oder die Arbeiten des UN-Klimarates (IPCC), weisen darauf hin, dass eine der grössten Herausforderungen dieses Jahrhunderts die Lösung der Klimaproblematik, insbesondere die massive Reduktion des weltweiten CO2-Ausstosses, darstellt. In Anbetracht dieses Umstandes will sich die EU denn auch ein ehrgeiziges Reduktionsziel von mindestens 20 Prozent bis 2020 setzen. Die Staatengemeinschaft ist darüber hinaus sogar bereit, dieses Ziel auf 30 Prozent zu erhöhen, wenn sich andere namhafte CO2-Emittenten der Vorgabe anschliessen. In der Schweiz fordert namentlich die OcCC ein Mindestreduktionsziel in der gleichen Grössenordnung sowie eine Reduktion der CO2-Emissionen bis 2050 um 60 Prozent. Vor diesem Hintergrund hat der Bundesrat die Zielformulierung der EU aufgenommen und als eine von zwei Varianten für eine Revision des CO2-Gesetzes in die Vernehmlassung gegeben.</p><p>Die Erreichung dieser ehrgeizigen Ziele hängt allerdings wesentlich davon ab, ob es gelingt, den Verbrauch von fossilen Energieträgern markant zu senken. Da die Schweiz im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern über eine sehr CO2-arme Stromproduktion verfügt, liegt hierzulande das grösste Potenzial im Gebäudebereich. Mittel- bis längerfristig dürfte erhebliches Reduktionspotenzial auch im Mobilitätsbereich bestehen, wenn die entsprechenden Technologien marktfähig sind. Allerdings führen der Ersatz von ÖI- und Gasheizungen durch Wärmepumpen, die Umsetzung des Minergie-Standards, der Einsatz von strombetriebenen Heiz- und Lüftungssystemen sowie Verkehrsverlagerung und Hybridisierung bzw. Elektrifizierung des Verkehrs zu einem nicht unerheblichen Anstieg des Strombedarfs. Nicht zuletzt mit Blick auf diese Tatsache relativiert die ETH heute das von ihr früher deklarierte Ziel einer 2000-Watt-Gesellschaft als Metapher und ersetzt es durch das Ziel einer 1-Tonnen-CO2-Gesellschaft. Die Strategie, welche die Hochschule zur Erreichung dieses Ziels vorzeichnet, umfasst neben der Steigerung der Gesamtenergieeffizienz und dem Ausbau von erneuerbaren Energien auch die konsequente Elektrifizierung. Entscheidend in diesem Zusammenhang ist eine CO2-freie oder -arme Stromproduktion, wie sie die Schweiz heute schon kennt.</p><p>Im Gegensatz zur ETH formuliert der Bundesrat in seinem Aktionsplan Energieeffizienz nicht nur die Zielvorgabe einer 20-prozentigen Reduktion des Verbrauchs fossiler Energieträger, sondern darüber hinaus auch eine Begrenzung des zusätzlichen Stromverbrauchs auf maximal 5 Prozent zwischen 2010 und 2020 sowie dessen Stabilisierung ab 2020. Diese beiden Ziele stehen ganz offensichtlich in einem Widerspruch zueinander. Schliesslich scheinen im Aktionsplan Energieeffizienz auch die Auswirkungen gesellschaftlicher Entwicklungen und ökonomischer Effekte, wie die Markteinführung neuer Geräte und Anwendungen, die Anschaffung zusätzlicher Geräte mit steigendem Wohlstand oder das Auftreten von Rebound-Effekten, und nicht zuletzt das Bevölkerungswachstum gänzlich unberücksichtigt zu bleiben.</p>
- <p>Die Perspektivarbeiten des Bundesamtes für Energie ermöglichen eine Gesamtbeurteilung der energiepolitischen Optionen. In diesem Zusammenhang wurde auch die gegenseitige Abhängigkeit der Versorgungssicherheit und der Klimapolitik für den Strombereich analysiert. Der Bundesrat hat seine künftige Energie- und Klimapolitik, die Energiestrategie sowie die Aktionspläne Energieeffizienz und Erneuerbare Energien basierend auf diesen Perspektiven ausgearbeitet. Die Energie- und die Klimapolitik wurden so aufeinander abgestimmt.</p><p>1. Im Gebäudesektor liegt eines der grössten Effizienzpotenziale. Der Nationalrat hat einem nationalen Gebäudeprogramm, wie es im Aktionsplan Energieeffizienz vorgeschlagen wurde, in der Frühjahrssession 2009 zugestimmt. Gleichzeitig mit der Sanierung der Gebäudehülle sollen auch die erneuerbaren Energien Holz und Wärmepumpen vermehrt zum Einsatz kommen. Insbesondere durch den Einsatz von Wärmepumpen kann die Stromnachfrage im Gebäudebereich steigen, falls in energieeffizienten Häusern unter Berücksichtigung des Ersatzes von Elektroheizungen und durch andere Heizungssysteme netto ein Mehrbedarf entsteht. Im Verkehrsbereich spricht die ETH von einer "Elektrifizierung" des Verkehrs. Wird sich die Elektromobilität langfristig durchsetzen, so wird dies zu einem erheblichen Zuwachs des Elektrizitätskonsums führen. Bis 2020 wird aber wohl nur ein bescheidener Anteil am gesamten motorisierten Individualverkehr durch Elektrofahrzeuge ersetzt.</p><p>2. Der Bevölkerungszuwachs und das Wirtschaftswachstum sind zwei der grossen Treiber des Energieverbrauchs. Der Rebound-Effekt beschreibt, dass durch Energieeffizienz eingespartes Einkommen wiederum zu Konsum und damit zu Energieverbrauch führt. Internationale Studien zeigen, dass dieser Effekt existiert, der Energieverbrauch insgesamt aber trotzdem in erheblichem Masse abnimmt. Der Rebound-Effekt unterscheidet sich je nach Anwendung, bei der die Einsparung erzielt wurde. Für die Schweiz existieren keine empirischen Studien zum Rebound-Effekt.</p><p>3./4. Wie bei Frage 1 gezeigt, gibt es durchaus CO2-Reduktionsmassnahmen, die zu mehr Stromverbrauch führen. Darum ist es besonders wichtig, auch die Effizienz in allen Stromanwendungen zu erhöhen. So zeigen die Energieperspektiven, dass mit Ausschöpfung des technischen Potenzials die CO2-Emissionen um rund 20 Prozent reduziert werden können (Szenario III). Die Ziele und Massnahmen der Aktionspläne Energieeffizienz und Erneuerbare Energien orientieren sich an diesem Szenario und sind abgestimmt mit der Vernehmlassungsvorlage zur Revision des CO2-Gesetzes nach 2012.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Gemäss bundesrätlicher Strategie ist das oberste Ziel der Energiepolitik die Steigerung der Energieeffizienz sowie die Reduktion der CO2-Emissionen zur Erreichung der Klimaziele. Ich ersuche den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>1. Welche Auswirkungen haben die geplanten Massnahmen zur Steigerung der Gesamtenergieeffizienz, namentlich im Gebäude- und Verkehrsbereich, auf den künftigen Stromverbrauch?</p><p>2. Welchen Einfluss haben andere Faktoren wie Bevölkerungswachstum, die Marktdurchdringung neuer Geräte und Anwendungen sowie sogenannte Rebound-Effekte auf den künftigen Stromverbrauch?</p><p>3. Besteht zwischen den übergeordneten Zielen des Aktionsplans Energieeffizienz, der Reduktion des Verbrauchs fossiler Energieträger und der Begrenzung des Verbrauchswachstums bzw. der Stabilisierung des Stromverbrauchs nicht ein Widerspruch?</p><p>4. Kann die im Aktionsplan Energieeffizienz vorgesehene Begrenzung des Verbrauchswachstums bzw. Stabilisierung des Stromverbrauchs die Umsetzung der CO2-Reduktionsziele von 20 bzw. 30 Prozent gefährden?</p>
- Gefährdung der CO2-Reduktionsziele durch die Umsetzung der Energiestrategie
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Verschiedene Studien, darunter der Bericht von Lord Nicholas Stern oder die Arbeiten des UN-Klimarates (IPCC), weisen darauf hin, dass eine der grössten Herausforderungen dieses Jahrhunderts die Lösung der Klimaproblematik, insbesondere die massive Reduktion des weltweiten CO2-Ausstosses, darstellt. In Anbetracht dieses Umstandes will sich die EU denn auch ein ehrgeiziges Reduktionsziel von mindestens 20 Prozent bis 2020 setzen. Die Staatengemeinschaft ist darüber hinaus sogar bereit, dieses Ziel auf 30 Prozent zu erhöhen, wenn sich andere namhafte CO2-Emittenten der Vorgabe anschliessen. In der Schweiz fordert namentlich die OcCC ein Mindestreduktionsziel in der gleichen Grössenordnung sowie eine Reduktion der CO2-Emissionen bis 2050 um 60 Prozent. Vor diesem Hintergrund hat der Bundesrat die Zielformulierung der EU aufgenommen und als eine von zwei Varianten für eine Revision des CO2-Gesetzes in die Vernehmlassung gegeben.</p><p>Die Erreichung dieser ehrgeizigen Ziele hängt allerdings wesentlich davon ab, ob es gelingt, den Verbrauch von fossilen Energieträgern markant zu senken. Da die Schweiz im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern über eine sehr CO2-arme Stromproduktion verfügt, liegt hierzulande das grösste Potenzial im Gebäudebereich. Mittel- bis längerfristig dürfte erhebliches Reduktionspotenzial auch im Mobilitätsbereich bestehen, wenn die entsprechenden Technologien marktfähig sind. Allerdings führen der Ersatz von ÖI- und Gasheizungen durch Wärmepumpen, die Umsetzung des Minergie-Standards, der Einsatz von strombetriebenen Heiz- und Lüftungssystemen sowie Verkehrsverlagerung und Hybridisierung bzw. Elektrifizierung des Verkehrs zu einem nicht unerheblichen Anstieg des Strombedarfs. Nicht zuletzt mit Blick auf diese Tatsache relativiert die ETH heute das von ihr früher deklarierte Ziel einer 2000-Watt-Gesellschaft als Metapher und ersetzt es durch das Ziel einer 1-Tonnen-CO2-Gesellschaft. Die Strategie, welche die Hochschule zur Erreichung dieses Ziels vorzeichnet, umfasst neben der Steigerung der Gesamtenergieeffizienz und dem Ausbau von erneuerbaren Energien auch die konsequente Elektrifizierung. Entscheidend in diesem Zusammenhang ist eine CO2-freie oder -arme Stromproduktion, wie sie die Schweiz heute schon kennt.</p><p>Im Gegensatz zur ETH formuliert der Bundesrat in seinem Aktionsplan Energieeffizienz nicht nur die Zielvorgabe einer 20-prozentigen Reduktion des Verbrauchs fossiler Energieträger, sondern darüber hinaus auch eine Begrenzung des zusätzlichen Stromverbrauchs auf maximal 5 Prozent zwischen 2010 und 2020 sowie dessen Stabilisierung ab 2020. Diese beiden Ziele stehen ganz offensichtlich in einem Widerspruch zueinander. Schliesslich scheinen im Aktionsplan Energieeffizienz auch die Auswirkungen gesellschaftlicher Entwicklungen und ökonomischer Effekte, wie die Markteinführung neuer Geräte und Anwendungen, die Anschaffung zusätzlicher Geräte mit steigendem Wohlstand oder das Auftreten von Rebound-Effekten, und nicht zuletzt das Bevölkerungswachstum gänzlich unberücksichtigt zu bleiben.</p>
- <p>Die Perspektivarbeiten des Bundesamtes für Energie ermöglichen eine Gesamtbeurteilung der energiepolitischen Optionen. In diesem Zusammenhang wurde auch die gegenseitige Abhängigkeit der Versorgungssicherheit und der Klimapolitik für den Strombereich analysiert. Der Bundesrat hat seine künftige Energie- und Klimapolitik, die Energiestrategie sowie die Aktionspläne Energieeffizienz und Erneuerbare Energien basierend auf diesen Perspektiven ausgearbeitet. Die Energie- und die Klimapolitik wurden so aufeinander abgestimmt.</p><p>1. Im Gebäudesektor liegt eines der grössten Effizienzpotenziale. Der Nationalrat hat einem nationalen Gebäudeprogramm, wie es im Aktionsplan Energieeffizienz vorgeschlagen wurde, in der Frühjahrssession 2009 zugestimmt. Gleichzeitig mit der Sanierung der Gebäudehülle sollen auch die erneuerbaren Energien Holz und Wärmepumpen vermehrt zum Einsatz kommen. Insbesondere durch den Einsatz von Wärmepumpen kann die Stromnachfrage im Gebäudebereich steigen, falls in energieeffizienten Häusern unter Berücksichtigung des Ersatzes von Elektroheizungen und durch andere Heizungssysteme netto ein Mehrbedarf entsteht. Im Verkehrsbereich spricht die ETH von einer "Elektrifizierung" des Verkehrs. Wird sich die Elektromobilität langfristig durchsetzen, so wird dies zu einem erheblichen Zuwachs des Elektrizitätskonsums führen. Bis 2020 wird aber wohl nur ein bescheidener Anteil am gesamten motorisierten Individualverkehr durch Elektrofahrzeuge ersetzt.</p><p>2. Der Bevölkerungszuwachs und das Wirtschaftswachstum sind zwei der grossen Treiber des Energieverbrauchs. Der Rebound-Effekt beschreibt, dass durch Energieeffizienz eingespartes Einkommen wiederum zu Konsum und damit zu Energieverbrauch führt. Internationale Studien zeigen, dass dieser Effekt existiert, der Energieverbrauch insgesamt aber trotzdem in erheblichem Masse abnimmt. Der Rebound-Effekt unterscheidet sich je nach Anwendung, bei der die Einsparung erzielt wurde. Für die Schweiz existieren keine empirischen Studien zum Rebound-Effekt.</p><p>3./4. Wie bei Frage 1 gezeigt, gibt es durchaus CO2-Reduktionsmassnahmen, die zu mehr Stromverbrauch führen. Darum ist es besonders wichtig, auch die Effizienz in allen Stromanwendungen zu erhöhen. So zeigen die Energieperspektiven, dass mit Ausschöpfung des technischen Potenzials die CO2-Emissionen um rund 20 Prozent reduziert werden können (Szenario III). Die Ziele und Massnahmen der Aktionspläne Energieeffizienz und Erneuerbare Energien orientieren sich an diesem Szenario und sind abgestimmt mit der Vernehmlassungsvorlage zur Revision des CO2-Gesetzes nach 2012.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Gemäss bundesrätlicher Strategie ist das oberste Ziel der Energiepolitik die Steigerung der Energieeffizienz sowie die Reduktion der CO2-Emissionen zur Erreichung der Klimaziele. Ich ersuche den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>1. Welche Auswirkungen haben die geplanten Massnahmen zur Steigerung der Gesamtenergieeffizienz, namentlich im Gebäude- und Verkehrsbereich, auf den künftigen Stromverbrauch?</p><p>2. Welchen Einfluss haben andere Faktoren wie Bevölkerungswachstum, die Marktdurchdringung neuer Geräte und Anwendungen sowie sogenannte Rebound-Effekte auf den künftigen Stromverbrauch?</p><p>3. Besteht zwischen den übergeordneten Zielen des Aktionsplans Energieeffizienz, der Reduktion des Verbrauchs fossiler Energieträger und der Begrenzung des Verbrauchswachstums bzw. der Stabilisierung des Stromverbrauchs nicht ein Widerspruch?</p><p>4. Kann die im Aktionsplan Energieeffizienz vorgesehene Begrenzung des Verbrauchswachstums bzw. Stabilisierung des Stromverbrauchs die Umsetzung der CO2-Reduktionsziele von 20 bzw. 30 Prozent gefährden?</p>
- Gefährdung der CO2-Reduktionsziele durch die Umsetzung der Energiestrategie
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