Höhere Berufsbildung. Mehr Anerkennung, Koordination und Unterstützung
- ShortId
-
09.3228
- Id
-
20093228
- Updated
-
28.07.2023 05:03
- Language
-
de
- Title
-
Höhere Berufsbildung. Mehr Anerkennung, Koordination und Unterstützung
- AdditionalIndexing
-
32;Studium;Austausch im Bildungswesen;Nachwuchsförderung;Koordination;berufsbildender Unterricht;Fachhochschule;Facharbeiter/in;berufliche Bildung;Anrechnung der Schul- und Studienzeit
- 1
-
- L03K130203, berufsbildender Unterricht
- L05K1302050102, Fachhochschule
- L04K13020110, Studium
- L04K13030105, Austausch im Bildungswesen
- L04K13030114, Nachwuchsförderung
- L04K13030103, Anrechnung der Schul- und Studienzeit
- L03K130202, berufliche Bildung
- L06K070202020102, Facharbeiter/in
- L04K08020314, Koordination
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Die höhere Berufsbildung bietet der dualen Berufsausbildung Spezialisierungsmöglichkeiten auf hohem Niveau ausserhalb der Universität. Die Ausbildungskurse für den eidgenössischen Fachausweis, für eidgenössische Diplome und die höheren Fachschulen sind für die wirtschaftliche Struktur der Schweiz von besonderer Bedeutung, da sie hervorragende Mitarbeiter, Kaderleute sowie Unternehmensführerinnen und Unternehmensführer häufig berufsbegleitend ausbilden. Mit etwa 22 500 vergebenen Titeln pro Jahr leisten die Diplomausbildungen der höheren Berufsbildung einen massgeblichen Beitrag zur Erhöhung der Anzahl qualifizierter Erwerbstätiger mit einem Abschluss der Tertiärstufe. Zum Vergleich: Die Fachhochschulen und Universitäten vergeben lediglich 12 000 beziehungsweise 18 000 Diplome jährlich (Bachelor-, Master- und Lizenziat-Studiengänge).</p><p>Die höhere Berufsbildung ist aus steuerlicher Sicht für die Allgemeinheit weitaus rentabler als Fachhochschulen und Universitäten. Die Kosten der höheren Berufsbildung sind verhältnismässig niedrig, wie man sieht, wenn man die grosse Anzahl junger Leute betrachtet, die eine berufsbegleitende Ausbildung absolvieren. Kandidatinnen und Kandidaten, die zu Fachausweis- und Diplomprüfungen antreten, übernehmen zudem einen höheren Anteil der Finanzierung ihrer Ausbildung als Studierende an Universitäten. In einigen Fällen betragen die Kosten für das eidgenössische Meisterdiplom mehrere Zehntausend Franken - eine untragbare Summe. Die öffentliche Hand investiert jährlich rund 460 Millionen Franken in die höhere Berufsbildung, das sind 16 Prozent des für die Berufsbildung vorgesehenen Budgets. Das System der höheren Berufsbildung ist nach und nach gewachsen, ohne dass seine Finanzierung auf Bundesebene koordiniert worden wäre. Kantonal wird dieser Bereich im Übrigen immer noch sehr unterschiedlich geführt, von Chancengleichheit der Studierenden kann demnach keine Rede sein. In ihrem Bericht informiert die Arbeitsgruppe "Masterplan Höhere Berufsbildung" über folgende Probleme: 1. Die Unterstützung des Bildungsangebots durch die öffentliche Hand ist sehr ungleich. Sie gründet auf keinen klar definierten Regeln und Kriterien. 2. Die Freizügigkeit der Studierenden ist beschränkt. Ausserkantonale Studierende zahlen häufig höhere Studiengebühren. 3. Das Fehlen von interkantonaler Koordination der Bildungsangebote trägt zur Zersplitterung der Anstrengungen bei und lässt Synergien ungenutzt. 4. Die Verwaltungsprozesse gestalten sich in den einzelnen Kantonen sehr unterschiedlich, was die Transparenz der Finanzflüsse behindert.</p><p>Die höhere Berufsbildung verschafft den KMU einen Mehrwert. Wir schulden Kursleiterinnen und -leitern sowie Absolventinnen und Absolventen einer berufsbegleitenden Ausbildung grosse Anerkennung. Dieser hohe Stellenwert der höheren Berufsbildung in unserem Berufsbildungssystem verlangt nach einer besseren Koordination des Bildungsangebots, einer transparenten Steuerung und einer umfassenderen finanziellen Unterstützung durch die öffentliche Hand, besonders durch den Bund.</p>
- <p>Der Bundesrat misst der höheren Berufsbildung grosse Bedeutung zu. Die eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen und die Bildungsgänge der höheren Fachschulen sind wichtige Mittel für eine aktuelle, praxis- und arbeitsmarktbezogene Weiterqualifikation der Arbeitskräfte.</p><p>Die Steuerung und Finanzierung der höheren Berufsbildung wird gegenwärtig überprüft. Ausgangspunkt der Überprüfung ist die Revision der interkantonalen Fachschulvereinbarung (FSV) vom 27. August 1998 durch die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK). </p><p>Es handelt sich darum, heutige Mängel im Finanzierungssystem der höheren Berufsbildung zu beheben. Insbesondere soll die bisherige, im Belieben des einzelnen Kantons stehende "A la carte"-Regelung durch eine gesamtschweizerische Lösung des Zugangs und der Mitfinanzierung der Wohnsitzkantone von ausserkantonal Studierenden im Bereich der höheren Berufsbildung ersetzt werden. Die aktuellen Vorarbeiten für eine neue interkantonale Vereinbarung berücksichtigen die Vorstellungen des Motionärs weitestgehend (Punkte 2 bis 5 des Motionstextes).</p><p>Die inhaltlichen Anforderungen an die Abschlüsse der höheren Berufsbildung sind eidgenössisch geregelt. Das heutige System der Finanzierung der Angebote hingegen ist historisch gewachsen. Entsprechend uneinheitlich sind sowohl das Engagement als auch die Beiträge der Kantone in Bezug auf die einzelnen Angebote einer Branche. Insbesondere im Bereich der nichtreglementierten vorbereitenden Kurse für die eidgenössischen Prüfungen reicht das Spektrum von rein privaten bis zu öffentlichen Kursanbietern.</p><p>Zurzeit werden verschiedene Steuerungs- und Finanzierungsmodelle geprüft. Ihre Auswirkungen auf die künftige Finanzierung der eidgenössischen Prüfungen und der entsprechenden Vorbereitungskurse sind noch unklar. Die Arbeiten der EDK für eine neue interkantonale Vereinbarung im Bereich der höheren Berufsbildung werden nähere Aufschlüsse erlauben. Das weitere Vorgehen im Hinblick auf rechtliche Regelungen hängt davon ab, welche mehrheitsfähigen Lösungen gefunden werden. </p><p>Für die Übergangszeit gilt der allgemein anerkannte Grundsatz des Festhaltens am Status quo, bis eine neue Regelung gefunden worden ist. Das BBT hat zusammen mit dem Gewerbeverband und der EDK eine "Clearingstelle" eingerichtet. Diese hat bis heute ein Dutzend Fälle gemeldet erhalten. Sie konnten einvernehmlich geklärt werden.</p><p>Aus diesen Gründen beantragt der Bundesrat die Ablehnung der Motion. Er behält sich vor, im Falle einer Annahme im Erstrat der Kommission des Zweitrates einen Antrag auf Abänderung der Motion in einen Prüfungsauftrag zu stellen.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, die nötigen Massnahmen zu ergreifen, um:</p><p>- die Anstrengungen der Kantone bei der Definition von Regeln und Kriterien zur Steuerung der höheren Berufsbildung zu koordinieren;</p><p>- die interkantonale Freizügigkeit der Studierenden und ein gleiches Kostenniveau in den Kantonen zu gewährleisten;</p><p>- das Bildungsangebot zu koordinieren und somit Synergien zu nutzen;</p><p>- Transparenz in die Finanzflüsse zu bringen;</p><p>- die höhere Berufsbildung durch eine gesetzliche Verankerung der Subventionierung und durch Bundesmittel - mindestens in der Höhe der vorgesehenen Verpflichtungen - zu unterstützen, damit die Studierenden in der höheren Berufsbildung mit ihren Kolleginnen und Kollegen an akademischen Studiengängen gleichgestellt werden. Besonders berufsbegleitende Ausbildungskurse (eidgenössische Fachausweise und Diplome) müssen verstärkt unterstützt werden.</p>
- Höhere Berufsbildung. Mehr Anerkennung, Koordination und Unterstützung
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Die höhere Berufsbildung bietet der dualen Berufsausbildung Spezialisierungsmöglichkeiten auf hohem Niveau ausserhalb der Universität. Die Ausbildungskurse für den eidgenössischen Fachausweis, für eidgenössische Diplome und die höheren Fachschulen sind für die wirtschaftliche Struktur der Schweiz von besonderer Bedeutung, da sie hervorragende Mitarbeiter, Kaderleute sowie Unternehmensführerinnen und Unternehmensführer häufig berufsbegleitend ausbilden. Mit etwa 22 500 vergebenen Titeln pro Jahr leisten die Diplomausbildungen der höheren Berufsbildung einen massgeblichen Beitrag zur Erhöhung der Anzahl qualifizierter Erwerbstätiger mit einem Abschluss der Tertiärstufe. Zum Vergleich: Die Fachhochschulen und Universitäten vergeben lediglich 12 000 beziehungsweise 18 000 Diplome jährlich (Bachelor-, Master- und Lizenziat-Studiengänge).</p><p>Die höhere Berufsbildung ist aus steuerlicher Sicht für die Allgemeinheit weitaus rentabler als Fachhochschulen und Universitäten. Die Kosten der höheren Berufsbildung sind verhältnismässig niedrig, wie man sieht, wenn man die grosse Anzahl junger Leute betrachtet, die eine berufsbegleitende Ausbildung absolvieren. Kandidatinnen und Kandidaten, die zu Fachausweis- und Diplomprüfungen antreten, übernehmen zudem einen höheren Anteil der Finanzierung ihrer Ausbildung als Studierende an Universitäten. In einigen Fällen betragen die Kosten für das eidgenössische Meisterdiplom mehrere Zehntausend Franken - eine untragbare Summe. Die öffentliche Hand investiert jährlich rund 460 Millionen Franken in die höhere Berufsbildung, das sind 16 Prozent des für die Berufsbildung vorgesehenen Budgets. Das System der höheren Berufsbildung ist nach und nach gewachsen, ohne dass seine Finanzierung auf Bundesebene koordiniert worden wäre. Kantonal wird dieser Bereich im Übrigen immer noch sehr unterschiedlich geführt, von Chancengleichheit der Studierenden kann demnach keine Rede sein. In ihrem Bericht informiert die Arbeitsgruppe "Masterplan Höhere Berufsbildung" über folgende Probleme: 1. Die Unterstützung des Bildungsangebots durch die öffentliche Hand ist sehr ungleich. Sie gründet auf keinen klar definierten Regeln und Kriterien. 2. Die Freizügigkeit der Studierenden ist beschränkt. Ausserkantonale Studierende zahlen häufig höhere Studiengebühren. 3. Das Fehlen von interkantonaler Koordination der Bildungsangebote trägt zur Zersplitterung der Anstrengungen bei und lässt Synergien ungenutzt. 4. Die Verwaltungsprozesse gestalten sich in den einzelnen Kantonen sehr unterschiedlich, was die Transparenz der Finanzflüsse behindert.</p><p>Die höhere Berufsbildung verschafft den KMU einen Mehrwert. Wir schulden Kursleiterinnen und -leitern sowie Absolventinnen und Absolventen einer berufsbegleitenden Ausbildung grosse Anerkennung. Dieser hohe Stellenwert der höheren Berufsbildung in unserem Berufsbildungssystem verlangt nach einer besseren Koordination des Bildungsangebots, einer transparenten Steuerung und einer umfassenderen finanziellen Unterstützung durch die öffentliche Hand, besonders durch den Bund.</p>
- <p>Der Bundesrat misst der höheren Berufsbildung grosse Bedeutung zu. Die eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen und die Bildungsgänge der höheren Fachschulen sind wichtige Mittel für eine aktuelle, praxis- und arbeitsmarktbezogene Weiterqualifikation der Arbeitskräfte.</p><p>Die Steuerung und Finanzierung der höheren Berufsbildung wird gegenwärtig überprüft. Ausgangspunkt der Überprüfung ist die Revision der interkantonalen Fachschulvereinbarung (FSV) vom 27. August 1998 durch die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK). </p><p>Es handelt sich darum, heutige Mängel im Finanzierungssystem der höheren Berufsbildung zu beheben. Insbesondere soll die bisherige, im Belieben des einzelnen Kantons stehende "A la carte"-Regelung durch eine gesamtschweizerische Lösung des Zugangs und der Mitfinanzierung der Wohnsitzkantone von ausserkantonal Studierenden im Bereich der höheren Berufsbildung ersetzt werden. Die aktuellen Vorarbeiten für eine neue interkantonale Vereinbarung berücksichtigen die Vorstellungen des Motionärs weitestgehend (Punkte 2 bis 5 des Motionstextes).</p><p>Die inhaltlichen Anforderungen an die Abschlüsse der höheren Berufsbildung sind eidgenössisch geregelt. Das heutige System der Finanzierung der Angebote hingegen ist historisch gewachsen. Entsprechend uneinheitlich sind sowohl das Engagement als auch die Beiträge der Kantone in Bezug auf die einzelnen Angebote einer Branche. Insbesondere im Bereich der nichtreglementierten vorbereitenden Kurse für die eidgenössischen Prüfungen reicht das Spektrum von rein privaten bis zu öffentlichen Kursanbietern.</p><p>Zurzeit werden verschiedene Steuerungs- und Finanzierungsmodelle geprüft. Ihre Auswirkungen auf die künftige Finanzierung der eidgenössischen Prüfungen und der entsprechenden Vorbereitungskurse sind noch unklar. Die Arbeiten der EDK für eine neue interkantonale Vereinbarung im Bereich der höheren Berufsbildung werden nähere Aufschlüsse erlauben. Das weitere Vorgehen im Hinblick auf rechtliche Regelungen hängt davon ab, welche mehrheitsfähigen Lösungen gefunden werden. </p><p>Für die Übergangszeit gilt der allgemein anerkannte Grundsatz des Festhaltens am Status quo, bis eine neue Regelung gefunden worden ist. Das BBT hat zusammen mit dem Gewerbeverband und der EDK eine "Clearingstelle" eingerichtet. Diese hat bis heute ein Dutzend Fälle gemeldet erhalten. Sie konnten einvernehmlich geklärt werden.</p><p>Aus diesen Gründen beantragt der Bundesrat die Ablehnung der Motion. Er behält sich vor, im Falle einer Annahme im Erstrat der Kommission des Zweitrates einen Antrag auf Abänderung der Motion in einen Prüfungsauftrag zu stellen.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, die nötigen Massnahmen zu ergreifen, um:</p><p>- die Anstrengungen der Kantone bei der Definition von Regeln und Kriterien zur Steuerung der höheren Berufsbildung zu koordinieren;</p><p>- die interkantonale Freizügigkeit der Studierenden und ein gleiches Kostenniveau in den Kantonen zu gewährleisten;</p><p>- das Bildungsangebot zu koordinieren und somit Synergien zu nutzen;</p><p>- Transparenz in die Finanzflüsse zu bringen;</p><p>- die höhere Berufsbildung durch eine gesetzliche Verankerung der Subventionierung und durch Bundesmittel - mindestens in der Höhe der vorgesehenen Verpflichtungen - zu unterstützen, damit die Studierenden in der höheren Berufsbildung mit ihren Kolleginnen und Kollegen an akademischen Studiengängen gleichgestellt werden. Besonders berufsbegleitende Ausbildungskurse (eidgenössische Fachausweise und Diplome) müssen verstärkt unterstützt werden.</p>
- Höhere Berufsbildung. Mehr Anerkennung, Koordination und Unterstützung
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