Steigerung der Wertschöpfung in der Landwirtschaft durch Förderung des Biolandbaus

ShortId
09.3309
Id
20093309
Updated
28.07.2023 12:33
Language
de
Title
Steigerung der Wertschöpfung in der Landwirtschaft durch Förderung des Biolandbaus
AdditionalIndexing
55;landwirtschaftliche Produktionsumstellung;biologische Landwirtschaft;Wertschöpfung;Umstellungsbeihilfe;Antikrisenplan
1
  • L05K1401020201, biologische Landwirtschaft
  • L06K070302010107, Wertschöpfung
  • L05K0704010110, Umstellungsbeihilfe
  • L05K1401040104, landwirtschaftliche Produktionsumstellung
  • L06K070401020201, Antikrisenplan
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Die Schweiz hat im Mai 2001 mitgeholfen, den Europäischen Aktionsplan für die Entwicklung der Biolandwirtschaft zu initieren. Während Europa seit 2004 entsprechende Direktiven kennt, ist von einem nationalen Aktionsplan, wie sie in Europa laufen, leider in der Schweiz keine Spur zu sehen. Höchste Zeit, die Wertschöpfung in der Landwirtschaft durch die Förderung des biologischen Landbaus zu steigern. </p><p>Das Forschungsinstitut für den biologischen Landbau in Frick beziffert die Kosten für die Umstellung von 15 bis 20 Prozent der Betriebe im Mittelland auf etwa 50 Millionen Franken pro Jahr. Damit den Landwirten und Landwirtinnen, ihren Organisationen, den Verarbeitern und dem Handel genügend Zeit für die Umstellung und den Ausbau des Marktes eingeräumt werden kann, soll die Umstellung kontinuierlich über fünf bis sechs Jahre erfolgen. Die jährlichen Kosten betragen somit weniger als die einmalige Bereinigungsaktion im Milchmarkt im Winter 2008/09. </p><p>Die Vorteile für die ganze Gesellschaft liegen auf der Hand. Mit der Förderung des Biolandbaus</p><p>- wird die grosse Nachfrage nach Bioprodukten der Grossverteiler und des Detailhandels mit Inlandprodukten gedeckt;</p><p>- bleiben die Wertschöpfung und damit die Arbeitsplätze über die ganze Kette (Produktion, Verarbeitung und Handel) in der Schweiz;</p><p>- werden durch die geringen Transportwege nichterneuerbare Energieträger gespart.</p><p>Die Biolandwirtschaft liefert dazu eine Reihe von positiven Externalitäten: </p><p>- Kantone wie Graubünden (56 Prozent Bio-Anteil) prägen das Image der Schweiz und tragen damit viel zur touristischen Wertschöpfung bei.</p><p>- In biologisch bewirtschafteten Ackerböden werden bis zu 3 Tonnen CO2/Hektar und Jahr gebunden. </p><p>Biolandwirtschaft vermeidet negative Externalitäten - und somit Kosten für die öffentliche Hand - wie: </p><p>- Pestizidrückstände in Nahrungsmitteln;</p><p>- Nitrat und andere Schadstoffe im Trinkwasser.</p><p>Dazu kommt die Verminderung der Luftbelastung durch kurze Transportwege.</p><p>Die Schweiz soll sich im internationalen Umfeld behaupten können. So strebt Österreich mit einem Aktionsplan bis 2010 einen Biolandbauanteil von 20 Prozent an. In Deutschland läuft mit dem "Bundesprogramm Ökologischer Landbau" seit Jahren ein Förderprogramm zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für den ökologischen Landbau. Für das Jahr 2009 stehen in Deutschland dazu wiederum 16 Millionen Euro zur Verfügung.</p>
  • <p>Gemäss Artikel 76 des Landwirtschaftsgesetzes (LwG) fördert der Bund besonders naturnahe und umweltfreundliche Produktionsformen und deren Ausdehnung mit Ökobeiträgen. Er bemisst die Beiträge so, dass sich die besondere ökologische Leistung wirtschaftlich lohnt und die am Markt erzielbaren Mehrerlöse dabei berücksichtigt werden.</p><p>Von 2000 bis 2007 hat sich die biologisch bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzfläche (LN) von 82 822 Hektar auf 113 531 Hektar erhöht, was 10,7 Prozent der gesamten LN entspricht. Von der biologisch bewirtschafteten LN befinden sich 60 Prozent in der Berg-, 21 Prozent in der Hügel- und 19 Prozent in der Talregion. Die Zahl der Biobetriebe nahm im gleichen Zeitraum von 4904 auf 6082 zu. Die auf Artikel 76 LwG basierenden Bundesbeiträge für den biologischen Landbau stiegen von 12,2 Millionen auf 28,1 Millionen Franken. Der Biobeitrag pro Hektar beträgt zurzeit 200 Franken für Grünland, 800 Franken für offenes Ackerland und 1200 Franken für Spezialkulturen.</p><p>Der Markt für Bioprodukte ist in der Vergangenheit stetig gewachsen. Die neuesten Ergebnisse der Bio-Suisse zeigen für 2008 eine Zunahme des Umsatzes um 11,2 Prozent auf 1,44 Milliarden Franken. Aufgrund der zunehmenden Nachfrage besteht ein Bedarf an neuen inländischen Anbietern von biologisch erzeugten Lebensmitteln. Übersteigt die Entwicklung der Nachfrage jene des Angebots, wächst die Preisdifferenz zum entsprechenden normalen Produkt. Dadurch verstärkt sich der Anreiz für die Produzenten, ihren Betrieb auf den biologischen Landbau umzustellen. Andererseits sinken die Marktpreise der Bioprodukte bei einem Überangebot.</p><p>Die Buchhaltungsdaten der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) zeigen, dass in der Periode von 2005 bis 2007 der Arbeitsverdienst bei den biologisch wirtschaftenden Betrieben in der Talregion um 12,4 Prozent, in der Hügelregion um 18,2 Prozent und in der Bergregion um 18,1 Prozent höher lag als bei den landwirtschaftlichen Partnerbetrieben, welche nach den Regeln des ökologischen Leistungsnachweises produzieren. Marktpreise und Biobeiträge machen den biologischen Landbau wirtschaftlich attraktiv.</p><p>Den Ursachen der bisher eher zögernden Umstellung von Landwirtschaftsbetrieben auf Biolandbau wird 2009 durch eine fundierte Befragung von ART im Auftrag der Bio-Suisse auf den Grund gegangen.</p><p>Die in der Motion beantragten jährlichen 50 Millionen Franken liegen rund 22 Millionen Franken über den 2007 jährlich ausbezahlten Bundesbeiträgen von 28 Millionen Franken, was einer Steigerung von 45 Millionen Franken entspricht.</p><p>Solche Eingriffe könnten zu falschen Anreizen und Fehlinvestitionen führen. Der Bundesrat ist der Meinung, dass die heutigen Beiträge als Anreize genügen und kein zusätzliches Förderprogramm notwendig ist.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
  • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, mit einem Aktionsplan sicherzustellen, dass bis 2015 mindestens 20 Prozent der Schweizer Landwirtschaftsfläche biologisch bewirtschaftet werden. Dazu stellt er im Rahmen des dritten Konjukturprogrammes 50 Millionen Franken pro Jahr zur Verfügung.</p>
  • Steigerung der Wertschöpfung in der Landwirtschaft durch Förderung des Biolandbaus
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Die Schweiz hat im Mai 2001 mitgeholfen, den Europäischen Aktionsplan für die Entwicklung der Biolandwirtschaft zu initieren. Während Europa seit 2004 entsprechende Direktiven kennt, ist von einem nationalen Aktionsplan, wie sie in Europa laufen, leider in der Schweiz keine Spur zu sehen. Höchste Zeit, die Wertschöpfung in der Landwirtschaft durch die Förderung des biologischen Landbaus zu steigern. </p><p>Das Forschungsinstitut für den biologischen Landbau in Frick beziffert die Kosten für die Umstellung von 15 bis 20 Prozent der Betriebe im Mittelland auf etwa 50 Millionen Franken pro Jahr. Damit den Landwirten und Landwirtinnen, ihren Organisationen, den Verarbeitern und dem Handel genügend Zeit für die Umstellung und den Ausbau des Marktes eingeräumt werden kann, soll die Umstellung kontinuierlich über fünf bis sechs Jahre erfolgen. Die jährlichen Kosten betragen somit weniger als die einmalige Bereinigungsaktion im Milchmarkt im Winter 2008/09. </p><p>Die Vorteile für die ganze Gesellschaft liegen auf der Hand. Mit der Förderung des Biolandbaus</p><p>- wird die grosse Nachfrage nach Bioprodukten der Grossverteiler und des Detailhandels mit Inlandprodukten gedeckt;</p><p>- bleiben die Wertschöpfung und damit die Arbeitsplätze über die ganze Kette (Produktion, Verarbeitung und Handel) in der Schweiz;</p><p>- werden durch die geringen Transportwege nichterneuerbare Energieträger gespart.</p><p>Die Biolandwirtschaft liefert dazu eine Reihe von positiven Externalitäten: </p><p>- Kantone wie Graubünden (56 Prozent Bio-Anteil) prägen das Image der Schweiz und tragen damit viel zur touristischen Wertschöpfung bei.</p><p>- In biologisch bewirtschafteten Ackerböden werden bis zu 3 Tonnen CO2/Hektar und Jahr gebunden. </p><p>Biolandwirtschaft vermeidet negative Externalitäten - und somit Kosten für die öffentliche Hand - wie: </p><p>- Pestizidrückstände in Nahrungsmitteln;</p><p>- Nitrat und andere Schadstoffe im Trinkwasser.</p><p>Dazu kommt die Verminderung der Luftbelastung durch kurze Transportwege.</p><p>Die Schweiz soll sich im internationalen Umfeld behaupten können. So strebt Österreich mit einem Aktionsplan bis 2010 einen Biolandbauanteil von 20 Prozent an. In Deutschland läuft mit dem "Bundesprogramm Ökologischer Landbau" seit Jahren ein Förderprogramm zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für den ökologischen Landbau. Für das Jahr 2009 stehen in Deutschland dazu wiederum 16 Millionen Euro zur Verfügung.</p>
    • <p>Gemäss Artikel 76 des Landwirtschaftsgesetzes (LwG) fördert der Bund besonders naturnahe und umweltfreundliche Produktionsformen und deren Ausdehnung mit Ökobeiträgen. Er bemisst die Beiträge so, dass sich die besondere ökologische Leistung wirtschaftlich lohnt und die am Markt erzielbaren Mehrerlöse dabei berücksichtigt werden.</p><p>Von 2000 bis 2007 hat sich die biologisch bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzfläche (LN) von 82 822 Hektar auf 113 531 Hektar erhöht, was 10,7 Prozent der gesamten LN entspricht. Von der biologisch bewirtschafteten LN befinden sich 60 Prozent in der Berg-, 21 Prozent in der Hügel- und 19 Prozent in der Talregion. Die Zahl der Biobetriebe nahm im gleichen Zeitraum von 4904 auf 6082 zu. Die auf Artikel 76 LwG basierenden Bundesbeiträge für den biologischen Landbau stiegen von 12,2 Millionen auf 28,1 Millionen Franken. Der Biobeitrag pro Hektar beträgt zurzeit 200 Franken für Grünland, 800 Franken für offenes Ackerland und 1200 Franken für Spezialkulturen.</p><p>Der Markt für Bioprodukte ist in der Vergangenheit stetig gewachsen. Die neuesten Ergebnisse der Bio-Suisse zeigen für 2008 eine Zunahme des Umsatzes um 11,2 Prozent auf 1,44 Milliarden Franken. Aufgrund der zunehmenden Nachfrage besteht ein Bedarf an neuen inländischen Anbietern von biologisch erzeugten Lebensmitteln. Übersteigt die Entwicklung der Nachfrage jene des Angebots, wächst die Preisdifferenz zum entsprechenden normalen Produkt. Dadurch verstärkt sich der Anreiz für die Produzenten, ihren Betrieb auf den biologischen Landbau umzustellen. Andererseits sinken die Marktpreise der Bioprodukte bei einem Überangebot.</p><p>Die Buchhaltungsdaten der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) zeigen, dass in der Periode von 2005 bis 2007 der Arbeitsverdienst bei den biologisch wirtschaftenden Betrieben in der Talregion um 12,4 Prozent, in der Hügelregion um 18,2 Prozent und in der Bergregion um 18,1 Prozent höher lag als bei den landwirtschaftlichen Partnerbetrieben, welche nach den Regeln des ökologischen Leistungsnachweises produzieren. Marktpreise und Biobeiträge machen den biologischen Landbau wirtschaftlich attraktiv.</p><p>Den Ursachen der bisher eher zögernden Umstellung von Landwirtschaftsbetrieben auf Biolandbau wird 2009 durch eine fundierte Befragung von ART im Auftrag der Bio-Suisse auf den Grund gegangen.</p><p>Die in der Motion beantragten jährlichen 50 Millionen Franken liegen rund 22 Millionen Franken über den 2007 jährlich ausbezahlten Bundesbeiträgen von 28 Millionen Franken, was einer Steigerung von 45 Millionen Franken entspricht.</p><p>Solche Eingriffe könnten zu falschen Anreizen und Fehlinvestitionen führen. Der Bundesrat ist der Meinung, dass die heutigen Beiträge als Anreize genügen und kein zusätzliches Förderprogramm notwendig ist.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
    • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, mit einem Aktionsplan sicherzustellen, dass bis 2015 mindestens 20 Prozent der Schweizer Landwirtschaftsfläche biologisch bewirtschaftet werden. Dazu stellt er im Rahmen des dritten Konjukturprogrammes 50 Millionen Franken pro Jahr zur Verfügung.</p>
    • Steigerung der Wertschöpfung in der Landwirtschaft durch Förderung des Biolandbaus

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