Störungsmanagement der SBB. Wie wichtig sind Ersatzstrecken?
- ShortId
-
09.3513
- Id
-
20093513
- Updated
-
27.07.2023 19:33
- Language
-
de
- Title
-
Störungsmanagement der SBB. Wie wichtig sind Ersatzstrecken?
- AdditionalIndexing
-
48;Durchführung eines Projektes;Verkehrsbeeinflussung;Schienenverkehr;Schienennetz
- 1
-
- L03K180302, Schienenverkehr
- L04K18030207, Schienennetz
- L05K1802020801, Verkehrsbeeinflussung
- L06K070305010102, Durchführung eines Projektes
- PriorityCouncil1
-
Ständerat
- Texts
-
- <p>Die SBB betreiben eines der dichtesten Schienennetze der Welt und nähern sich ihren Kapazitätsgrenzen. Insbesondere zu den Stosszeiten und zwischen den grossen Zentren erwartet man einen kontinuierlichen Anstieg der Nachfrage. Doch je dichter der Verkehr, desto anfälliger ist er auf Störungen, und umso verheerender sind deren Folgen. Hinzu kommt, dass die Zahl der Störfälle infolge von Naturereignissen ansteigt und auch in Zukunft ansteigen wird.</p><p>Zur Erinnerung: Im August 2007 wurde der Bahndamm zwischen Wünnewil und Flamatt, auf der Linie Freiburg-Bern, durch heftige Unwetter stark beschädigt. Trotz Sofortmassnahmen musste der Bahnbetrieb auf dieser Linie für die langfristige Hangsicherung mehrmals eingestellt werden. Da grosse und schwere Geräte eingesetzt werden mussten, war die Strecke auch noch im Jahr 2008 lange unterbrochen. Letztendlich dauerte der Unterbruch zwischen Lausanne und Bern mehrere Wochen.</p><p>Jeden Tag benützen Tausende von Pendlerinnen und Pendlern diese Verbindung, um zur Arbeit zu fahren. Mit dem Unterbruch dieser Bahnlinie wurde eine der Hauptverkehrsachsen des Landes geschwächt. Ohne die Jurasüdfusslinie (Lausanne-Neuenburg-Biel-Bern) als Ersatzstrecke wäre das Schweizer Schienennetz zweigeteilt worden, und dies hätte verheerende Folgen gehabt.</p><p>Die SBB und die anderen Eisenbahnunternehmen müssen also der Vorbereitung auf Störungen und dem Störungsmanagement weiterhin einen hohen Stellenwert einräumen, namentlich indem man die Überlegungen weiterführt, wie die derzeitigen oder zukünftigen Bahnlinien als Ersatzstrecken benützt werden können. Auch wenn sich das obenerwähnte Beispiel auf die Westschweiz bezieht, muss natürlich das ganze Land in die Überlegungen mit einbezogen werden.</p><p>In einer Zeit, in der die Überlastung des Bahnnetzes an kritischen Orten und zu kritischen Zeiten ein akutes Problem darstellt, könnten fehlende Ersatzkapazitäten und Umleitungsmöglichkeiten schwerwiegende Folgen für die Sicherheit und die Wirtschaft haben.</p>
- <p>1. In der Schweiz ist der Fahrplan der Züge vertaktet und in die Anschlussknoten integriert. Bei Verkehrsunterbrechungen werden die Züge grundsätzlich nicht auf eine andere Strecke umgeleitet, sondern fahren in die entgegengesetzte Richtung. Damit können die Kompositionen kontinuierlich im Umlauf bleiben, und die Fahrplanstabilität auf dem ganzen nationalen Streckennetz kann aufrechterhalten werden. Nach diesem Dispositiv werden die Reisenden mit Ersatztransportmitteln (z. B. mit Bussen) zum nächsten Bahnknoten (Grossstädte) gebracht.</p><p>Das Konzept sieht keine Ersatzlinien vor, sondern einen Aktionsplan (mit Checklisten). Im Fall von Verkehrsstörungen können damit sofort nachvollziehbare Entscheide getroffen werden. Die Checklisten bestimmen die Züge, die umkehren müssen oder eventuell umgeleitet werden, und definieren das Vorgehen bei den Ersatzbussen.</p><p>Ausserdem kann ein Teil des Rollmaterials aus technischen oder reglementarischen Gründen nicht auf dem ganzen Streckennetz verkehren, was Umleitungen verunmöglicht.</p><p>Hingegen kann der Grundsatz von Umleitungen im internationalen Verkehr von Fall zu Fall angewendet werden. Bei jedem Fahrplanwechsel werden dafür besondere Massnahmen mit den betroffenen Gesellschaften geplant.</p><p>2. Die Neuinvestitionen in die Bahninfrastrukturen erhöhen die Fahrplanstabilität zusätzlich und ermöglichen ein wirkungsvolleres Störungsmanagement. Auf diese Weise tragen die neuen Infrastrukturen zur Verstärkung des Netzes und zur Verbesserung des Störungsmanagements bei.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Die SBB verfügen über verschiedene Mittel, um Störungen zu analysieren und Verbesserungsmassnahmen zu erarbeiten, damit die Pünktlichkeit der Züge sowie die Qualität des Schienennetzes garantiert werden. So wurde beispielsweise in der Westschweiz im Jahr 2008 nach einer Zunahme der Störfälle eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe eingerichtet.</p><p>Kann der Bundesrat im Zusammenhang mit der Verbesserung des Eisenbahnnetzes sagen, welche Bedeutung den Ersatzstrecken im Störungsmanagement beigemessen wird, und insbesondere folgende Fragen beantworten?</p><p>1. Gibt es einen Plan der bestehenden Bahnlinien, die auch als Ersatzstrecken dienen können, um namentlich die Verbindungen in die Städte und Kantonshauptorte, aber auch den Anschluss an den Hochgeschwindigkeitsverkehr zu garantieren?</p><p>2. Wurde oder wird diesem Umstand in den zukünftigen Investitionen in den Ausbau und die Verstärkung des Bahnnetzes Rechnung getragen?</p>
- Störungsmanagement der SBB. Wie wichtig sind Ersatzstrecken?
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Die SBB betreiben eines der dichtesten Schienennetze der Welt und nähern sich ihren Kapazitätsgrenzen. Insbesondere zu den Stosszeiten und zwischen den grossen Zentren erwartet man einen kontinuierlichen Anstieg der Nachfrage. Doch je dichter der Verkehr, desto anfälliger ist er auf Störungen, und umso verheerender sind deren Folgen. Hinzu kommt, dass die Zahl der Störfälle infolge von Naturereignissen ansteigt und auch in Zukunft ansteigen wird.</p><p>Zur Erinnerung: Im August 2007 wurde der Bahndamm zwischen Wünnewil und Flamatt, auf der Linie Freiburg-Bern, durch heftige Unwetter stark beschädigt. Trotz Sofortmassnahmen musste der Bahnbetrieb auf dieser Linie für die langfristige Hangsicherung mehrmals eingestellt werden. Da grosse und schwere Geräte eingesetzt werden mussten, war die Strecke auch noch im Jahr 2008 lange unterbrochen. Letztendlich dauerte der Unterbruch zwischen Lausanne und Bern mehrere Wochen.</p><p>Jeden Tag benützen Tausende von Pendlerinnen und Pendlern diese Verbindung, um zur Arbeit zu fahren. Mit dem Unterbruch dieser Bahnlinie wurde eine der Hauptverkehrsachsen des Landes geschwächt. Ohne die Jurasüdfusslinie (Lausanne-Neuenburg-Biel-Bern) als Ersatzstrecke wäre das Schweizer Schienennetz zweigeteilt worden, und dies hätte verheerende Folgen gehabt.</p><p>Die SBB und die anderen Eisenbahnunternehmen müssen also der Vorbereitung auf Störungen und dem Störungsmanagement weiterhin einen hohen Stellenwert einräumen, namentlich indem man die Überlegungen weiterführt, wie die derzeitigen oder zukünftigen Bahnlinien als Ersatzstrecken benützt werden können. Auch wenn sich das obenerwähnte Beispiel auf die Westschweiz bezieht, muss natürlich das ganze Land in die Überlegungen mit einbezogen werden.</p><p>In einer Zeit, in der die Überlastung des Bahnnetzes an kritischen Orten und zu kritischen Zeiten ein akutes Problem darstellt, könnten fehlende Ersatzkapazitäten und Umleitungsmöglichkeiten schwerwiegende Folgen für die Sicherheit und die Wirtschaft haben.</p>
- <p>1. In der Schweiz ist der Fahrplan der Züge vertaktet und in die Anschlussknoten integriert. Bei Verkehrsunterbrechungen werden die Züge grundsätzlich nicht auf eine andere Strecke umgeleitet, sondern fahren in die entgegengesetzte Richtung. Damit können die Kompositionen kontinuierlich im Umlauf bleiben, und die Fahrplanstabilität auf dem ganzen nationalen Streckennetz kann aufrechterhalten werden. Nach diesem Dispositiv werden die Reisenden mit Ersatztransportmitteln (z. B. mit Bussen) zum nächsten Bahnknoten (Grossstädte) gebracht.</p><p>Das Konzept sieht keine Ersatzlinien vor, sondern einen Aktionsplan (mit Checklisten). Im Fall von Verkehrsstörungen können damit sofort nachvollziehbare Entscheide getroffen werden. Die Checklisten bestimmen die Züge, die umkehren müssen oder eventuell umgeleitet werden, und definieren das Vorgehen bei den Ersatzbussen.</p><p>Ausserdem kann ein Teil des Rollmaterials aus technischen oder reglementarischen Gründen nicht auf dem ganzen Streckennetz verkehren, was Umleitungen verunmöglicht.</p><p>Hingegen kann der Grundsatz von Umleitungen im internationalen Verkehr von Fall zu Fall angewendet werden. Bei jedem Fahrplanwechsel werden dafür besondere Massnahmen mit den betroffenen Gesellschaften geplant.</p><p>2. Die Neuinvestitionen in die Bahninfrastrukturen erhöhen die Fahrplanstabilität zusätzlich und ermöglichen ein wirkungsvolleres Störungsmanagement. Auf diese Weise tragen die neuen Infrastrukturen zur Verstärkung des Netzes und zur Verbesserung des Störungsmanagements bei.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Die SBB verfügen über verschiedene Mittel, um Störungen zu analysieren und Verbesserungsmassnahmen zu erarbeiten, damit die Pünktlichkeit der Züge sowie die Qualität des Schienennetzes garantiert werden. So wurde beispielsweise in der Westschweiz im Jahr 2008 nach einer Zunahme der Störfälle eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe eingerichtet.</p><p>Kann der Bundesrat im Zusammenhang mit der Verbesserung des Eisenbahnnetzes sagen, welche Bedeutung den Ersatzstrecken im Störungsmanagement beigemessen wird, und insbesondere folgende Fragen beantworten?</p><p>1. Gibt es einen Plan der bestehenden Bahnlinien, die auch als Ersatzstrecken dienen können, um namentlich die Verbindungen in die Städte und Kantonshauptorte, aber auch den Anschluss an den Hochgeschwindigkeitsverkehr zu garantieren?</p><p>2. Wurde oder wird diesem Umstand in den zukünftigen Investitionen in den Ausbau und die Verstärkung des Bahnnetzes Rechnung getragen?</p>
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