Auswirkungen von beruflichem Stress auf die Gesundheit am Arbeitsplatz

ShortId
09.4043
Id
20094043
Updated
28.07.2023 11:32
Language
de
Title
Auswirkungen von beruflichem Stress auf die Gesundheit am Arbeitsplatz
AdditionalIndexing
2841;15;Zufriedenheit bei der Arbeit;Gesundheitsrisiko;Stress;Arbeitssicherheit;Arbeitsbedingungen;Freitod
1
  • L07K07020502010104, Stress
  • L04K01050510, Gesundheitsrisiko
  • L04K07020502, Arbeitsbedingungen
  • L05K0702050202, Arbeitssicherheit
  • L07K07020502010105, Zufriedenheit bei der Arbeit
  • L04K01010206, Freitod
PriorityCouncil1
Ständerat
Texts
  • <p>Die jüngste Selbstmordwelle bei France Télécom, die leider vielleicht ihr Ende noch nicht erreicht hat, ist beunruhigend und macht einen nachdenklich über die Funktionsweise unserer Gesellschaft. Die immer grössere Leistungsfähigkeit, die Angestellten abverlangt wird, scheint eine dramatische Wirkung auf die Gesundheit am Arbeitsplatz zu haben. Auch wenn sich dieses Phänomen derzeit auf eine bestimmte Firma zu beschränken scheint, muss es als Alarmzeichen wahrgenommen werden, und es stellt sich die Frage, ob auch bald andere Unternehmen betroffen sein könnten. Für die medizinischen Fachkreise ist klar, dass zahlreiche Krankheiten auf beruflichen Stress zurückgehen. Im schlimmsten Fall kann der berufliche Stress sogar zu Suizid führen. Zu den Stresssymptomen zählen sowohl körperliche und psychische Erschöpfung ebenso wie ein Gefühl der Ohnmacht sowie der Verlust des Selbstwertgefühls angesichts der Schwierigkeit, die geforderten Leistungen zu erbringen. Es ist wichtig, zunächst das Ausmass und die Ursachen dieser Art von Stress genau zu erfassen, bevor der Stress konsequent und umfassend behandelt werden kann. Eine erste Einschätzung auf der Grundlage bereits bestehender Daten ist daher angezeigt. Daneben braucht es bereits jetzt eine Evaluation des Phänomens in der Bundesverwaltung und auch in Unternehmen, an denen der Bund massgeblich beteiligt ist und in denen er eine besondere Verantwortung hat, da er - wenn auch nur sehr generell - die Anforderungen festlegt. In einigen ehemaligen Regiebetrieben gibt es bereits Anzeichen für übermässigen und daher gefährlichen Stress. Am wichtigsten ist natürlich, dass die betroffenen Personen wieder gesund werden oder noch besser gar nicht erst erkranken. Daneben haben auch die Unternehmen ein wirtschaftliches Interesse, dass sie gut funktionieren und nicht Raubbau an ihrem Personal betreiben. Aus der Sicht der Sozialversicherungen geht es auch darum, zusätzliche Kosten zu vermeiden. Es sei zudem darauf hingewiesen, dass Selbstmord in der Altersgruppe der 15- bis 44-Jährigen die häufigste Todesursache ist.</p>
  • <p>1. Der Bundesrat teilt die Auffassung des Interpellanten, dass die gestiegenen Anforderungen der Wirtschaft an die Produktivität und die Einführung neuer Technologien dazu beitragen, dass der Stress am Arbeitsplatz zunimmt. Aus diesem Grund werden die Arbeitsbedingungen in der Schweiz regelmässig untersucht. Die neuesten Zahlen zum Stress am Arbeitsplatz stammen aus der Schweizerischen Gesundheitsbefragung von 2007. Anhand dieser Erhebung lässt sich sagen, dass gut zwei Fünftel der Erwerbstätigen (41 Prozent) einer hohen psychischen Belastung und knapp ein Viertel (23 Prozent) einer grossen körperlichen Belastung ausgesetzt sind. Bei hoher Arbeitsplatzunsicherheit oder wenn die Arbeit unter Zeitdruck erledigt werden muss, treten psychische Belastungen häufiger auf (51 bis 59 Prozent). Ebenso berichten Schichtarbeitende häufiger über grosse physische oder psychische Belastungen als Erwerbstätige mit Regelarbeitszeiten. Stress und Zeitdruck sind mit 62 Prozent das am häufigsten genannte Gesundheitsrisiko. Besonders belastet sind die Mitarbeitenden aus der Kommunikationsbranche, den Banken, den Versicherungen, dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie dem Gastgewerbe.</p><p>Eine 1999 im Auftrag des Seco durchgeführte Studie hat gezeigt, dass 12 Prozent der Erwerbstätigen angeben, sich sehr häufig gestresst zu fühlen, und dass sie nicht in der Lage sind, den Stress zu bewältigen. Diese Leute bewerten ihren Gesundheitszustand dreimal häufiger als schlecht als der Durchschnitt der Bevölkerung. Eine neue Erhebung zu diesem Thema ist in Planung, deren Ergebnisse sollen 2011 veröffentlicht werden.</p><p>2. Bezüglich des Selbstmordrisikos von Kaderleuten stehen keine statistischen Daten zur Verfügung.</p><p>3. Der letzten schweizerischen Gesundheitsbefragung ist zu entnehmen, dass die Angestellten der öffentlichen Verwaltungen im Vergleich zu anderen Branchen keine Auffälligkeiten bezüglich psychischer Belastung aufweisen. Der Evaluationsbericht des Eidgenössischen Personalamtes zur Personalbefragung 2009 in der Bundesverwaltung (Juni 2009) bestätigt diese Aussage. Dem Bericht ist zu entnehmen, dass der Gesundheitszustand der Mitarbeitenden recht gut ist: 77,5 Prozent der Befragten stufen ihre körperliche Gesundheit als gut bis sehr gut ein. Beim psychischen Gesundheitszustand sind es 75 Prozent.</p><p>4. Um der Verschlechterung der Arbeitsbedingungen sowohl bei guter als auch bei schlechter Wirtschaftslage vorzubeugen, sind im Arbeitsgesetz Bestimmungen zum Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz vorgesehen. So stellen z. B. die Arbeits- und Ruhezeitbestimmungen sicher, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer genügend Erholung haben.</p><p>Das Seco hat ausserdem ein Angebot zur Information über psychosoziale Risiken entwickelt. Für die kantonalen Vollzugsbehörden wurden zusätzliche Arbeitshilfen für den Einbezug der psychosozialen Risiken im Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz erarbeitet, und es wurde ihnen empfohlen, diese Aspekte vermehrt in den Betrieben anzusprechen. Die Umsetzung dieser Empfehlung in den Kantonen hängt stark von den zur Verfügung stehenden personellen Ressourcen ab. Zur Prävention und zum Abbau von Stress am Arbeitsplatz existiert eine Internetplattform, die wissenschaftlich fundierte Informationen enthält sowie eine rasche Standortbestimmung der persönlichen Stressbelastung ermöglicht (www.stressnostress.ch).</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie schätzt er das Ausmass von Stress in unserer Wirtschaft ein, besonders bei Unternehmen, die erhöhten Produktivitätsanforderungen unterworfen sind? Wie beurteilt er die möglichen Folgen auf die Gesundheit am Arbeitsplatz?</p><p>2. Ist das Selbstmordrisiko in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren gestiegen?</p><p>3. Inwiefern sind Bundesangestellte und Angestellte der bundesnahen Unternehmen in dieser Hinsicht betroffen?</p><p>4. Sind für die Angestellten Erkennungs- und Präventionsmassnahmen getroffen worden, insbesondere Aktionspläne für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz?</p>
  • Auswirkungen von beruflichem Stress auf die Gesundheit am Arbeitsplatz
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Die jüngste Selbstmordwelle bei France Télécom, die leider vielleicht ihr Ende noch nicht erreicht hat, ist beunruhigend und macht einen nachdenklich über die Funktionsweise unserer Gesellschaft. Die immer grössere Leistungsfähigkeit, die Angestellten abverlangt wird, scheint eine dramatische Wirkung auf die Gesundheit am Arbeitsplatz zu haben. Auch wenn sich dieses Phänomen derzeit auf eine bestimmte Firma zu beschränken scheint, muss es als Alarmzeichen wahrgenommen werden, und es stellt sich die Frage, ob auch bald andere Unternehmen betroffen sein könnten. Für die medizinischen Fachkreise ist klar, dass zahlreiche Krankheiten auf beruflichen Stress zurückgehen. Im schlimmsten Fall kann der berufliche Stress sogar zu Suizid führen. Zu den Stresssymptomen zählen sowohl körperliche und psychische Erschöpfung ebenso wie ein Gefühl der Ohnmacht sowie der Verlust des Selbstwertgefühls angesichts der Schwierigkeit, die geforderten Leistungen zu erbringen. Es ist wichtig, zunächst das Ausmass und die Ursachen dieser Art von Stress genau zu erfassen, bevor der Stress konsequent und umfassend behandelt werden kann. Eine erste Einschätzung auf der Grundlage bereits bestehender Daten ist daher angezeigt. Daneben braucht es bereits jetzt eine Evaluation des Phänomens in der Bundesverwaltung und auch in Unternehmen, an denen der Bund massgeblich beteiligt ist und in denen er eine besondere Verantwortung hat, da er - wenn auch nur sehr generell - die Anforderungen festlegt. In einigen ehemaligen Regiebetrieben gibt es bereits Anzeichen für übermässigen und daher gefährlichen Stress. Am wichtigsten ist natürlich, dass die betroffenen Personen wieder gesund werden oder noch besser gar nicht erst erkranken. Daneben haben auch die Unternehmen ein wirtschaftliches Interesse, dass sie gut funktionieren und nicht Raubbau an ihrem Personal betreiben. Aus der Sicht der Sozialversicherungen geht es auch darum, zusätzliche Kosten zu vermeiden. Es sei zudem darauf hingewiesen, dass Selbstmord in der Altersgruppe der 15- bis 44-Jährigen die häufigste Todesursache ist.</p>
    • <p>1. Der Bundesrat teilt die Auffassung des Interpellanten, dass die gestiegenen Anforderungen der Wirtschaft an die Produktivität und die Einführung neuer Technologien dazu beitragen, dass der Stress am Arbeitsplatz zunimmt. Aus diesem Grund werden die Arbeitsbedingungen in der Schweiz regelmässig untersucht. Die neuesten Zahlen zum Stress am Arbeitsplatz stammen aus der Schweizerischen Gesundheitsbefragung von 2007. Anhand dieser Erhebung lässt sich sagen, dass gut zwei Fünftel der Erwerbstätigen (41 Prozent) einer hohen psychischen Belastung und knapp ein Viertel (23 Prozent) einer grossen körperlichen Belastung ausgesetzt sind. Bei hoher Arbeitsplatzunsicherheit oder wenn die Arbeit unter Zeitdruck erledigt werden muss, treten psychische Belastungen häufiger auf (51 bis 59 Prozent). Ebenso berichten Schichtarbeitende häufiger über grosse physische oder psychische Belastungen als Erwerbstätige mit Regelarbeitszeiten. Stress und Zeitdruck sind mit 62 Prozent das am häufigsten genannte Gesundheitsrisiko. Besonders belastet sind die Mitarbeitenden aus der Kommunikationsbranche, den Banken, den Versicherungen, dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie dem Gastgewerbe.</p><p>Eine 1999 im Auftrag des Seco durchgeführte Studie hat gezeigt, dass 12 Prozent der Erwerbstätigen angeben, sich sehr häufig gestresst zu fühlen, und dass sie nicht in der Lage sind, den Stress zu bewältigen. Diese Leute bewerten ihren Gesundheitszustand dreimal häufiger als schlecht als der Durchschnitt der Bevölkerung. Eine neue Erhebung zu diesem Thema ist in Planung, deren Ergebnisse sollen 2011 veröffentlicht werden.</p><p>2. Bezüglich des Selbstmordrisikos von Kaderleuten stehen keine statistischen Daten zur Verfügung.</p><p>3. Der letzten schweizerischen Gesundheitsbefragung ist zu entnehmen, dass die Angestellten der öffentlichen Verwaltungen im Vergleich zu anderen Branchen keine Auffälligkeiten bezüglich psychischer Belastung aufweisen. Der Evaluationsbericht des Eidgenössischen Personalamtes zur Personalbefragung 2009 in der Bundesverwaltung (Juni 2009) bestätigt diese Aussage. Dem Bericht ist zu entnehmen, dass der Gesundheitszustand der Mitarbeitenden recht gut ist: 77,5 Prozent der Befragten stufen ihre körperliche Gesundheit als gut bis sehr gut ein. Beim psychischen Gesundheitszustand sind es 75 Prozent.</p><p>4. Um der Verschlechterung der Arbeitsbedingungen sowohl bei guter als auch bei schlechter Wirtschaftslage vorzubeugen, sind im Arbeitsgesetz Bestimmungen zum Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz vorgesehen. So stellen z. B. die Arbeits- und Ruhezeitbestimmungen sicher, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer genügend Erholung haben.</p><p>Das Seco hat ausserdem ein Angebot zur Information über psychosoziale Risiken entwickelt. Für die kantonalen Vollzugsbehörden wurden zusätzliche Arbeitshilfen für den Einbezug der psychosozialen Risiken im Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz erarbeitet, und es wurde ihnen empfohlen, diese Aspekte vermehrt in den Betrieben anzusprechen. Die Umsetzung dieser Empfehlung in den Kantonen hängt stark von den zur Verfügung stehenden personellen Ressourcen ab. Zur Prävention und zum Abbau von Stress am Arbeitsplatz existiert eine Internetplattform, die wissenschaftlich fundierte Informationen enthält sowie eine rasche Standortbestimmung der persönlichen Stressbelastung ermöglicht (www.stressnostress.ch).</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie schätzt er das Ausmass von Stress in unserer Wirtschaft ein, besonders bei Unternehmen, die erhöhten Produktivitätsanforderungen unterworfen sind? Wie beurteilt er die möglichen Folgen auf die Gesundheit am Arbeitsplatz?</p><p>2. Ist das Selbstmordrisiko in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren gestiegen?</p><p>3. Inwiefern sind Bundesangestellte und Angestellte der bundesnahen Unternehmen in dieser Hinsicht betroffen?</p><p>4. Sind für die Angestellten Erkennungs- und Präventionsmassnahmen getroffen worden, insbesondere Aktionspläne für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz?</p>
    • Auswirkungen von beruflichem Stress auf die Gesundheit am Arbeitsplatz

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