Canupis. Korrektur der Rahmenbedingungen?
- ShortId
-
09.4080
- Id
-
20094080
- Updated
-
28.07.2023 08:17
- Language
-
de
- Title
-
Canupis. Korrektur der Rahmenbedingungen?
- AdditionalIndexing
-
2841;66;radioaktiver Ausstoss;Gesundheitsrisiko;Pädiatrie;frühe Kindheit;nukleare Sicherheit;Kind;Krebs;Evaluationsdesign;Forschungsvorhaben;Kernkraftwerk
- 1
-
- L04K16020206, Forschungsvorhaben
- L04K01050110, Krebs
- L05K0107010205, Kind
- L04K01050510, Gesundheitsrisiko
- L04K17030201, Kernkraftwerk
- L04K17030106, nukleare Sicherheit
- L04K06010110, radioaktiver Ausstoss
- L05K0802030202, Evaluationsdesign
- L04K01050212, Pädiatrie
- L05K0107010203, frühe Kindheit
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Der Bundesrat hat sich in der Antwort auf die mittlerweile vom Parlament überwiesene Motion Rechsteiner-Basel 07.3838, "Krebs durch Atomkraftwerke. Abklärungen", bereiterklärt, gestützt auf Daten des Schweizerischen Kinderkrebsregisters eine Studie über Leukämie bei Kindern, die in der Nähe von Kernkraftwerken wohnen, zu veranlassen. Das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern, wo das Schweizer Kinderkrebsregister angegliedert ist, und die Betreiberin des Kinderkrebsregisters, die Schweizerische pädiatrische Onkologie-Gruppe, haben der Krebsliga Schweiz und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) einen Studienvorschlag eingereicht. Nach einer wissenschaftlichen Begutachtung durch eine Gruppe von international ausgewiesenen Expertinnen und Experten haben die Krebsliga Schweiz und das BAG die Finanzierung zugesichert und den Auftrag erteilt. Das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern geniesst als unabhängige akademische Institution ein hohes wissenschaftliches Ansehen. </p><p>1. Der Bundesrat wird sich in das Auswahlverfahren betreffend wissenschaftliche Expertinnen und Experten nicht einmischen. Sowohl die Studienleitung wie die Mitglieder der Begleitgruppe wurden nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewählt. Die Schweizerische pädiatrische Onkologie-Gruppe ist mit dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten und dem Sekretär vertreten. Die Begleitgruppe setzt sich aus international renommierten Wissenschafterinnen und Wissenschaftern zusammen. Die Haltung dieser Expertinnen und Experten gegenüber der Kernenergie war bei der Wahl nicht relevant. </p><p>2. Die wesentlichen Eigenschaften der Studie sind im Internet publiziert: www.canupis.ch. Die detaillierte technische Beschreibung wird durch das Institut wie üblich im Rahmen der Publikation der Resultate in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht werden. </p><p>3. Mit dieser Studie kann mit den existierenden Daten die pränatale Phase nicht berücksichtigt werden. Für die Kontrollen, das heisst für Kinder ohne Krebserkrankung, können diese Daten nicht erhoben werden. Hingegen berücksichtigt die Studie den Wohnort der Kinder sehr präzise. Im Gegensatz zu früheren Studien werden die Wohnorte der untersuchten Kinder vom Zeitpunkt der Krebs-Diagnose zurück bis zur Geburt des Kindes untersucht. So kann auch ein möglicher Einfluss des Wohnortes während der ersten Lebensmonate und -jahre berücksichtigt werden.</p><p>4. Die Studienleitung ist bereit, in einer Zusatzanalyse auch Windverhältnisse und allenfalls Gewässer mitzuberücksichtigen.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Am 26. November 2009 war in der Ausgabe Nr. 4/2009 des "Schweizer Krebsbulletins" ein Beitrag von Claudio Knüsli, Hagen Scherb und Martin Walter zu lesen, in dem sie die Validität der derzeit laufenden Canupis-Studie infrage stellen. Auslöser für diese Studie waren die in Deutschland durchgeführte epidemiologische Studie über Krebserkrankungen bei Kindern, die in der Nähe von Kernkraftwerken wohnen (KiKK-Studie "zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken"), und die Besorgnis, die diese Studie erregt hat. Canupis wird notabene direkt oder indirekt auch aus öffentlichen Geldern finanziert. </p><p>An Canupis kritisiert wird sowohl die geringe Anzahl der in die Studie einbezogenen Kernkraftwerke und der damit betroffenen Kohorten als auch die Voreingenommenheit einiger Personen, die bei der Studie mitwirken. Zu diesen Personen gehört Maria Blettner, die Mitglied der wissenschaftlichen Begleitgruppe ist. Zahlreiche Fachleute sagen von ihr, sie habe die deutsche KiKK-Studie nicht wissenschaftlich interpretiert, als sie behauptete, dass die Strahlenemissionen nicht die Ursache für die Zunahme der Krebs- und Leukämie-Erkrankungen in der Umgebung der Kernkraftwerke seien. </p><p>Dann ist da noch Felix Niggli. Er ist als Mitglied der Schweizerischen pädiatrischen Onkologie-Gruppe (Spog) in der Studiengruppe von Canupis tätig; gleichzeitig ist er Aktivmitglied des pronuklearen Forums Medizin und Energie. Seine Unparteilichkeit darf bezweifelt werden. Ausserdem habe ich erfahren, dass die Unterlagen zum Studiendesign sowie die Protokolle der Studie nicht frei zugänglich sind. Ich frage mich auch, ob der Einfluss der Strahlenemissionen auf den Fötus in die Studie mit einbezogen wird und ob man die herrschenden Winde sowie den Verlauf der Gewässer in der Umgebung der Kernkraftwerke berücksichtigt.</p><p>Wenn verhindert werden soll, dass die Ergebnisse der Studie dereinst infrage gestellt werden, </p><p>1. sollte der Bundesrat nicht fordern, dass sich sowohl in der Studiengruppe als auch in der wissenschaftlichen Begleitgruppe Epidemiologinnen und Epidemiologen beteiligen, die Kernenergie kritischer gegenüberstehen, damit von Anfang an verschiedene Ansichten vertreten sind?</p><p>2. sollten das Studiendesign und die Protokolle nicht frei zugänglich sein und auf Nachfrage an interessierte medizinische Vereinigungen weitergeleitet werden?</p><p>3. sollte nicht auch die pränatale Phase berücksichtigt werden, während der der Fötus besonders empfindlich für Strahlung ist?</p><p>4. sollten nicht die herrschenden Winde ebenso wie der Verlauf der Gewässer in der Umgebung der Kraftwerke Berücksichtigung finden?</p>
- Canupis. Korrektur der Rahmenbedingungen?
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Der Bundesrat hat sich in der Antwort auf die mittlerweile vom Parlament überwiesene Motion Rechsteiner-Basel 07.3838, "Krebs durch Atomkraftwerke. Abklärungen", bereiterklärt, gestützt auf Daten des Schweizerischen Kinderkrebsregisters eine Studie über Leukämie bei Kindern, die in der Nähe von Kernkraftwerken wohnen, zu veranlassen. Das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern, wo das Schweizer Kinderkrebsregister angegliedert ist, und die Betreiberin des Kinderkrebsregisters, die Schweizerische pädiatrische Onkologie-Gruppe, haben der Krebsliga Schweiz und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) einen Studienvorschlag eingereicht. Nach einer wissenschaftlichen Begutachtung durch eine Gruppe von international ausgewiesenen Expertinnen und Experten haben die Krebsliga Schweiz und das BAG die Finanzierung zugesichert und den Auftrag erteilt. Das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern geniesst als unabhängige akademische Institution ein hohes wissenschaftliches Ansehen. </p><p>1. Der Bundesrat wird sich in das Auswahlverfahren betreffend wissenschaftliche Expertinnen und Experten nicht einmischen. Sowohl die Studienleitung wie die Mitglieder der Begleitgruppe wurden nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewählt. Die Schweizerische pädiatrische Onkologie-Gruppe ist mit dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten und dem Sekretär vertreten. Die Begleitgruppe setzt sich aus international renommierten Wissenschafterinnen und Wissenschaftern zusammen. Die Haltung dieser Expertinnen und Experten gegenüber der Kernenergie war bei der Wahl nicht relevant. </p><p>2. Die wesentlichen Eigenschaften der Studie sind im Internet publiziert: www.canupis.ch. Die detaillierte technische Beschreibung wird durch das Institut wie üblich im Rahmen der Publikation der Resultate in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht werden. </p><p>3. Mit dieser Studie kann mit den existierenden Daten die pränatale Phase nicht berücksichtigt werden. Für die Kontrollen, das heisst für Kinder ohne Krebserkrankung, können diese Daten nicht erhoben werden. Hingegen berücksichtigt die Studie den Wohnort der Kinder sehr präzise. Im Gegensatz zu früheren Studien werden die Wohnorte der untersuchten Kinder vom Zeitpunkt der Krebs-Diagnose zurück bis zur Geburt des Kindes untersucht. So kann auch ein möglicher Einfluss des Wohnortes während der ersten Lebensmonate und -jahre berücksichtigt werden.</p><p>4. Die Studienleitung ist bereit, in einer Zusatzanalyse auch Windverhältnisse und allenfalls Gewässer mitzuberücksichtigen.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Am 26. November 2009 war in der Ausgabe Nr. 4/2009 des "Schweizer Krebsbulletins" ein Beitrag von Claudio Knüsli, Hagen Scherb und Martin Walter zu lesen, in dem sie die Validität der derzeit laufenden Canupis-Studie infrage stellen. Auslöser für diese Studie waren die in Deutschland durchgeführte epidemiologische Studie über Krebserkrankungen bei Kindern, die in der Nähe von Kernkraftwerken wohnen (KiKK-Studie "zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken"), und die Besorgnis, die diese Studie erregt hat. Canupis wird notabene direkt oder indirekt auch aus öffentlichen Geldern finanziert. </p><p>An Canupis kritisiert wird sowohl die geringe Anzahl der in die Studie einbezogenen Kernkraftwerke und der damit betroffenen Kohorten als auch die Voreingenommenheit einiger Personen, die bei der Studie mitwirken. Zu diesen Personen gehört Maria Blettner, die Mitglied der wissenschaftlichen Begleitgruppe ist. Zahlreiche Fachleute sagen von ihr, sie habe die deutsche KiKK-Studie nicht wissenschaftlich interpretiert, als sie behauptete, dass die Strahlenemissionen nicht die Ursache für die Zunahme der Krebs- und Leukämie-Erkrankungen in der Umgebung der Kernkraftwerke seien. </p><p>Dann ist da noch Felix Niggli. Er ist als Mitglied der Schweizerischen pädiatrischen Onkologie-Gruppe (Spog) in der Studiengruppe von Canupis tätig; gleichzeitig ist er Aktivmitglied des pronuklearen Forums Medizin und Energie. Seine Unparteilichkeit darf bezweifelt werden. Ausserdem habe ich erfahren, dass die Unterlagen zum Studiendesign sowie die Protokolle der Studie nicht frei zugänglich sind. Ich frage mich auch, ob der Einfluss der Strahlenemissionen auf den Fötus in die Studie mit einbezogen wird und ob man die herrschenden Winde sowie den Verlauf der Gewässer in der Umgebung der Kernkraftwerke berücksichtigt.</p><p>Wenn verhindert werden soll, dass die Ergebnisse der Studie dereinst infrage gestellt werden, </p><p>1. sollte der Bundesrat nicht fordern, dass sich sowohl in der Studiengruppe als auch in der wissenschaftlichen Begleitgruppe Epidemiologinnen und Epidemiologen beteiligen, die Kernenergie kritischer gegenüberstehen, damit von Anfang an verschiedene Ansichten vertreten sind?</p><p>2. sollten das Studiendesign und die Protokolle nicht frei zugänglich sein und auf Nachfrage an interessierte medizinische Vereinigungen weitergeleitet werden?</p><p>3. sollte nicht auch die pränatale Phase berücksichtigt werden, während der der Fötus besonders empfindlich für Strahlung ist?</p><p>4. sollten nicht die herrschenden Winde ebenso wie der Verlauf der Gewässer in der Umgebung der Kraftwerke Berücksichtigung finden?</p>
- Canupis. Korrektur der Rahmenbedingungen?
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