Eindämmung der Verschreibung von Psychopharmaka an Kinder

ShortId
10.3380
Id
20103380
Updated
14.11.2025 08:09
Language
de
Title
Eindämmung der Verschreibung von Psychopharmaka an Kinder
AdditionalIndexing
2841;Betäubungsmittel;Neurologie;Kind;Informationskampagne;Therapeutik;Medikament
1
  • L06K010102010201, Betäubungsmittel
  • L05K0105030102, Medikament
  • L05K0107010205, Kind
  • L04K01050214, Therapeutik
  • L05K1201020301, Informationskampagne
  • L04K01050210, Neurologie
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>1. Die Steigerung der Stigmatisierung unserer Kinder mit ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit, Hyperaktivitäts-Störung) oder ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Störung) hat in den letzten Jahren rasant zugenommen. Und interessanterweise hat mit dieser Stigmatisierung auch im gleichen Masse die Verschreibung von psychopharmazeutischen Stimulanzien zugenommen, welche diese sogenannte Krankheit heilen sollen.</p><p>2. Der UN-Bericht weist ausserdem darauf hin, dass ADHS und ADS häufig fälschlicherweise diagnostiziert werden und deshalb psychostimulante Medikamente übermässig verschrieben werden.</p><p>3. Das Bundesamt für Gesundheit gibt als Information über ADHS die Dokumentation "ADHS - Empfehlungen" an, welche vom deutschen Professor Dr. Hans Christoph Steinhausen verfasst wurde. Diese Dokumentation kann allerdings keineswegs als neutral akzeptiert werden, ist der Verfasser doch ein vehementer Verfechter vom Einsatz von psychopharmakalogischen Therapien, wie denn auch im Abschnitt "Wie wird die ADHS behandelt" klar zum Vorschein kommt: "Einen wichtigen Baustein der Behandlung des Kindes mit ADHS stellt die Medikation dar." </p><p>Auch die Beratertätigkeit von Prof. Dr. Steinhausen für diverse Pharmakonzerne wie Novartis, Ely Lilly, Janssen-Cilag weist nicht gerade auf einen neutralen Gesichtspunkt hin. </p><p>4. Es müssen Massnahmen ergriffen werden, die dieser Überverschreibung von Psychostimulanzien Einhalt gebieten und das Wohl und die Gesundheit des Kindes in den Vordergrund stellen.</p>
  • <p>Der Bundesrat hat in der Vergangenheit regelmässig und ausführlich zum Thema Verschreibung von Ritalin an Kinder und Jugendliche Stellung bezogen. Er verweist insbesondere auf die Antworten zur Anfrage Guisan 02.1079, "Verschreibung von Ritalin", zur Interpellation Brunner Christiane 02.3243, "Verschreibung von Ritalin", zur Interpellation Bortoluzzi 02.3775, "Gesundheit für Kinder und Jugendliche", zur Anfrage Müller Walter 04.1179, "Ritalinmissbrauch", und zur Interpellation von Siebenthal 08.3914, "Ritalin. Negative Folgen der Verabreichung an Kinder".</p><p>Zur medikamentösen Behandlung von Patienten mit ADHS (Attention Deficit Hyperactivity Syndrome) sind in der Schweiz mehrere Präparate mit dem Wirkstoff Methylphenidat (Ritalin, Concerta, Medikinet) erhältlich.</p><p>Das Nutzen-Risiko-Verhältnis des Wirkstoffes Methylphenidat ist gut bekannt. Das älteste Medikament, Ritalin, ist seit 1954 in der Schweiz zugelassen, und die jeder Packung beiliegende Patienteninformation wird regelmässig den aktuellen Erkenntnissen angepasst, sodass eine objektive Information gewährleistet ist. Die Fachinformation von Ritalin weist im Übrigen darauf hin, dass Ritalin zusammen mit weiteren therapeutischen Massnahmen einzusetzen ist. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist bei der Wahl von beratenden Expertinnen und Experten zudem bestrebt, so objektiv wie möglich vorzugehen. Beratertätigkeiten bei der Pharmaindustrie können nicht immer automatisch einen Grund für eine Nichtberücksichtigung darstellen, vor allem wenn eine spezielle Fachkompetenz verlangt wird, über die nicht viele andere Personen verfügen.</p><p>Die Behandlung von Patienten mit ADHS obliegt Fachärzten, die mit der Diagnose und Therapie von ADHS vertraut sind. Die Behandlung mit dem Wirkstoff Methylphenidat ist Teil eines umfassenden Therapieprogramms, welches auch nichtpharmakologische Methoden wie psychologische, schulische und soziale Massnahmen beinhaltet. Eine Stigmatisierung von Kindern, die so behandelt werden, findet nicht statt. Das Gegenteil ist der Fall: Kindern, welche die diagnostischen Kriterien zur Verordnung von diesen Medikamenten erfüllen, werden durch die Therapie ein erfolgreicherer Schulbesuch sowie ein verbesserter Sozialkontakt im Vergleich zu unbehandelten Kindern ermöglicht. </p><p>Methylphenidat untersteht der Betäubungsmittelverordnung; die Abgabe von Arzneimitteln mit dem Wirkstoff Methylphenidat ist an strenge Kriterien gebunden, und es ist Aufgabe des behandelnden Arztes resp. der behandelnden Ärztin, die Indikation zur Verordnung von Ritalin sorgfältig zu stellen und die Patienten resp. gegebenenfalls die Eltern über unerwünschte Nebenwirkungen und Alternativen aufzuklären. Dabei stehen in erster Linie das Wohl und die Gesundheit des Kindes im Vordergrund.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
  • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, konkrete Massnahmen zu ergreifen, um Eltern, Lehrer und allgemein die Öffentlichkeit in neutraler Weise über die schädlichen Nebenwirkungen von psychopharmazeutischen Produkten, welche in steigendem Mass an Kinder, welche als hyperaktiv klassifiziert wurden, verabreicht werden, zu informieren. </p><p>Weiter sind nichtpharmakologische Methoden, die bereits in vielen Fällen zum Erfolg führten, auf breiter Basis bekanntzumachen, und die Verschreibung von Psychopharmaka an Kinder soll nur als letzte Zuflucht eingesetzt werden dürfen, wenn andere Methoden nachweislich nicht zum Erfolg führten.</p>
  • Eindämmung der Verschreibung von Psychopharmaka an Kinder
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>1. Die Steigerung der Stigmatisierung unserer Kinder mit ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit, Hyperaktivitäts-Störung) oder ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Störung) hat in den letzten Jahren rasant zugenommen. Und interessanterweise hat mit dieser Stigmatisierung auch im gleichen Masse die Verschreibung von psychopharmazeutischen Stimulanzien zugenommen, welche diese sogenannte Krankheit heilen sollen.</p><p>2. Der UN-Bericht weist ausserdem darauf hin, dass ADHS und ADS häufig fälschlicherweise diagnostiziert werden und deshalb psychostimulante Medikamente übermässig verschrieben werden.</p><p>3. Das Bundesamt für Gesundheit gibt als Information über ADHS die Dokumentation "ADHS - Empfehlungen" an, welche vom deutschen Professor Dr. Hans Christoph Steinhausen verfasst wurde. Diese Dokumentation kann allerdings keineswegs als neutral akzeptiert werden, ist der Verfasser doch ein vehementer Verfechter vom Einsatz von psychopharmakalogischen Therapien, wie denn auch im Abschnitt "Wie wird die ADHS behandelt" klar zum Vorschein kommt: "Einen wichtigen Baustein der Behandlung des Kindes mit ADHS stellt die Medikation dar." </p><p>Auch die Beratertätigkeit von Prof. Dr. Steinhausen für diverse Pharmakonzerne wie Novartis, Ely Lilly, Janssen-Cilag weist nicht gerade auf einen neutralen Gesichtspunkt hin. </p><p>4. Es müssen Massnahmen ergriffen werden, die dieser Überverschreibung von Psychostimulanzien Einhalt gebieten und das Wohl und die Gesundheit des Kindes in den Vordergrund stellen.</p>
    • <p>Der Bundesrat hat in der Vergangenheit regelmässig und ausführlich zum Thema Verschreibung von Ritalin an Kinder und Jugendliche Stellung bezogen. Er verweist insbesondere auf die Antworten zur Anfrage Guisan 02.1079, "Verschreibung von Ritalin", zur Interpellation Brunner Christiane 02.3243, "Verschreibung von Ritalin", zur Interpellation Bortoluzzi 02.3775, "Gesundheit für Kinder und Jugendliche", zur Anfrage Müller Walter 04.1179, "Ritalinmissbrauch", und zur Interpellation von Siebenthal 08.3914, "Ritalin. Negative Folgen der Verabreichung an Kinder".</p><p>Zur medikamentösen Behandlung von Patienten mit ADHS (Attention Deficit Hyperactivity Syndrome) sind in der Schweiz mehrere Präparate mit dem Wirkstoff Methylphenidat (Ritalin, Concerta, Medikinet) erhältlich.</p><p>Das Nutzen-Risiko-Verhältnis des Wirkstoffes Methylphenidat ist gut bekannt. Das älteste Medikament, Ritalin, ist seit 1954 in der Schweiz zugelassen, und die jeder Packung beiliegende Patienteninformation wird regelmässig den aktuellen Erkenntnissen angepasst, sodass eine objektive Information gewährleistet ist. Die Fachinformation von Ritalin weist im Übrigen darauf hin, dass Ritalin zusammen mit weiteren therapeutischen Massnahmen einzusetzen ist. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist bei der Wahl von beratenden Expertinnen und Experten zudem bestrebt, so objektiv wie möglich vorzugehen. Beratertätigkeiten bei der Pharmaindustrie können nicht immer automatisch einen Grund für eine Nichtberücksichtigung darstellen, vor allem wenn eine spezielle Fachkompetenz verlangt wird, über die nicht viele andere Personen verfügen.</p><p>Die Behandlung von Patienten mit ADHS obliegt Fachärzten, die mit der Diagnose und Therapie von ADHS vertraut sind. Die Behandlung mit dem Wirkstoff Methylphenidat ist Teil eines umfassenden Therapieprogramms, welches auch nichtpharmakologische Methoden wie psychologische, schulische und soziale Massnahmen beinhaltet. Eine Stigmatisierung von Kindern, die so behandelt werden, findet nicht statt. Das Gegenteil ist der Fall: Kindern, welche die diagnostischen Kriterien zur Verordnung von diesen Medikamenten erfüllen, werden durch die Therapie ein erfolgreicherer Schulbesuch sowie ein verbesserter Sozialkontakt im Vergleich zu unbehandelten Kindern ermöglicht. </p><p>Methylphenidat untersteht der Betäubungsmittelverordnung; die Abgabe von Arzneimitteln mit dem Wirkstoff Methylphenidat ist an strenge Kriterien gebunden, und es ist Aufgabe des behandelnden Arztes resp. der behandelnden Ärztin, die Indikation zur Verordnung von Ritalin sorgfältig zu stellen und die Patienten resp. gegebenenfalls die Eltern über unerwünschte Nebenwirkungen und Alternativen aufzuklären. Dabei stehen in erster Linie das Wohl und die Gesundheit des Kindes im Vordergrund.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
    • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, konkrete Massnahmen zu ergreifen, um Eltern, Lehrer und allgemein die Öffentlichkeit in neutraler Weise über die schädlichen Nebenwirkungen von psychopharmazeutischen Produkten, welche in steigendem Mass an Kinder, welche als hyperaktiv klassifiziert wurden, verabreicht werden, zu informieren. </p><p>Weiter sind nichtpharmakologische Methoden, die bereits in vielen Fällen zum Erfolg führten, auf breiter Basis bekanntzumachen, und die Verschreibung von Psychopharmaka an Kinder soll nur als letzte Zuflucht eingesetzt werden dürfen, wenn andere Methoden nachweislich nicht zum Erfolg führten.</p>
    • Eindämmung der Verschreibung von Psychopharmaka an Kinder

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