CO2-Quellen und -Senken aus der Bodennutzung

ShortId
10.3802
Id
20103802
Updated
14.11.2025 08:52
Language
de
Title
CO2-Quellen und -Senken aus der Bodennutzung
AdditionalIndexing
55;52;Kohlendioxid;Bodennutzung;Kohlenstoff;landwirtschaftliche Betriebsfläche;Klimapolitik;Verzeichnis;Lagerung
1
  • L06K070501020901, Kohlendioxid
  • L05K0705010404, Kohlenstoff
  • L04K07010502, Lagerung
  • L05K1401050302, landwirtschaftliche Betriebsfläche
  • L04K06010310, Klimapolitik
  • L04K14010201, Bodennutzung
  • L04K02020702, Verzeichnis
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Böden, die langfristig mehr Kohlenstoff aufnehme, als sie abgeben, wirken als sogenannte Senken. Humusaufbau oder der Erhalt der Kohlenstoffspeicher in den Böden ist aus der Sicht des Klimaschutzes positiv. Senkenleistungen können zur Erreichung nationaler Emissionsreduktionsziele angerechnet werden, wenn dies das Land beantragt. Bedingung ist, dass die Senkenleistung nachgewiesen werden kann. Aufgrund der globalen Bedeutung der Senken wird in den internationalen Verhandlungen darüber diskutiert, dass in Zukunft über die Quellen und Senken aus der Bodenbewirtschaftung obligatorisch Bericht erstattet werden soll. Dafür müssen die Staaten ein entsprechendes Inventarisierungssystem entwickeln.</p><p>Böden ausserhalb des Waldes werden grösstenteils von der Landwirtschaft genutzt. In der Schweiz wird davon ausgegangen, dass durch die aktuelle landwirtschaftliche Bewirtschaftung die Kohlenstoffspeicher der Böden eher ab- als aufgebaut werden. Die Datenlage bezüglich der Kohlenstoffgehalte und -flüsse ist jedoch dürftig. Gemäss Botschaft zur Revision des CO2-Gesetzes ist man bestrebt, bis Ende 2012 ein Inventar aufzubauen.</p><p>Ungeachtet der internationalen Verhandlungen tut die Schweiz gut daran, die Datengrundlagen zu verbessern, ein Inventarisierungssystem zu entwickeln und die Anwendung von Humusbilanzen einzuführen. Humusreiche, fruchtbare Böden sind im Klimakontext eine wichtige Voraussetzung für die sichere Produktion von Nahrungsmitteln. Sie weisen ein gutes Wasserrückhaltevermögen auf und sind so besser angepasst bei extremen Wetterereignissen, von denen man davon ausgeht, dass sie unter einem zukünftigen Klima häufiger auftreten.</p>
  • <p>1. Im Rahmen der internationalen Klimaverhandlungen wird diskutiert, inwieweit land- und forstwirtschaftliche Senken und Quellen im nationalen Treibhausgasinventar nach 2012 ausgewiesen werden müssen. Ein obligatorischer Einbezug der landwirtschaftlichen Senken und Quellen ist aufgrund der methodischen Unsicherheiten und der Datenverfügbarkeit erst mittelfristig zu erwarten. Die Anrechnung von Senken und Quellen aus land- und forstwirtschaftlichen Aktivitäten dürfte vorerst weiterhin freiwillig sein, sofern eine Aktivität nicht bereits für die Zielerreichung gemäss Kyoto-Protokoll gewählt worden ist. Die Schweiz hat entschieden, sich die forstwirtschaftlichen Senken und Quellen an das Kyoto-Ziel (minus 8 Prozent bis zum Zeitraum 2008-2012 gegenüber 1990) anzurechnen und die landwirtschaftlichen Senken und Quellen aus der Gras- und Ackerlandbewirtschaftung nicht zu berücksichtigen.</p><p>2./4. Vor dem Hintergrund, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit zukünftig über die Emissionen aus der landwirtschaftlichen Bodenbewirtschaftung obligatorisch Bericht erstattet werden muss, ist es unumgänglich, eine stabile, für die Schweiz spezifische Methodik zu entwickeln und die Datengrundlage zu verbessern.</p><p>Das Bundesamt für Umwelt betreibt gemeinsam mit dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) das Nationale Bodenbeobachtungsnetz, das an über hundert unterschiedlich genutzten Standorten alle fünf Jahre Bodenproben untersucht. Da die Böden jedoch sehr heterogen sind, genügen diese Daten zurzeit nicht, um flächendeckende Aussagen zur Entwicklung der Kohlenstoffgehalte der Böden machen zu können. Die Datengrundlage wird in den kommenden Jahren in Zusammenarbeit mit Kantonen und Institutionen schrittweise verbessert. Erst gestützt auf diese zusätzlichen Daten kann das Potenzial der Böden als Kohlenstoffquelle oder -senke dargestellt werden. Gemäss dem bisherigen Wissensstand ist das Potenzial in der Schweizer Landwirtschaft jedoch sehr gering. Die für ein Inventarisierungssystem notwendigen Bodendaten dürften frühestens in fünf Jahren vorliegen.</p><p>Mit einem solchen Inventarisierungssystem ist jedoch das eigentliche System zur flächendeckenden Bestimmung der Kohlenstoffgehalte der landwirtschaftlichen Böden noch nicht erstellt. Zusätzlich zur Aufarbeitung der Bodendaten muss ein umfassendes System zur kontinuierlichen Inventarisierung entwickelt werden, um ausgehend von den punktuellen Messungen den gesamtschweizerischen Kohlenstoffgehalt zu schätzen. Dieses System soll weitgehend auf bestehenden Methoden aufbauen, muss aber zwischen dem anthropogenen Einfluss durch die Bewirtschaftungspraxis und natürlichen Einflüssen unterscheiden, die Unsicherheit der Schätzung quantifizieren, die Ergebnisse transparent darstellen und die Qualität überprüfen können.</p><p>3. Mit der Verabschiedung der Botschaft über die Schweizer Klimapolitik nach 2012 hat der Bundesrat den personellen Mehrbedarf, der u. a. aufgrund der gestiegenen Anforderungen an die internationale Berichterstattung über die Treibhausgasemissionen anfällt, zur Kenntnis genommen und die zusätzlichen personellen Ressourcen im Voranschlag 2011 eingestellt. So wurde dem BLW eine halbe Stelle und der Forschungsanstalt Agroscope eine Stelle für die Entwicklung und den Betrieb des Inventarisierungssystems zur Beobachtung der Kohlenstoffgehalte der Böden zugesprochen. Zusätzlich wurde zur Ermittlung des zusätzlichen Reduktionspotenzials und des Anpassungsbedarfs in der Landwirtschaft und der späteren Übertragung in die Agrarpolitik bei der Forschungsanstalt Agroscope eine weitere halbe und beim BLW eine Stelle eingeplant. Das Parlament muss diese Aufstockung des Personalkredits im Rahmen der Budgetdebatte noch genehmigen.</p><p>5. Das BLW erarbeitet zurzeit eine Klimastrategie für die Landwirtschaft. Die Strategie wird 2011 in Form eines Berichts veröffentlicht und soll eine Grundlage für eine weitere Präzisierung von möglichen Anpassungs- und Reduktionsmassnahmen sowie deren Umsetzung im Rahmen der Weiterentwicklung der Agrarpolitik schaffen. In wenigen Jahren wird die Datenbasis für die Abschätzung der Böden als Kohlenstoffquelle bzw. -senke verfügbar sein. Mit dieser neuen Datenbasis wird die Grundlage geschaffen, um die nachhaltige Bodenbewirtschaftung im Rahmen der Agrarpolitik künftig stärker auf die Verbesserung der landwirtschaftlichen Senkenleistungen und auf die Reduktion von Emissionen aus den landwirtschaftlich genutzten Böden auszurichten. Aufgrund des auch zukünftig zu erwartenden geringen Senkenpotenzials ist daher nicht davon auszugehen, dass Massnahmen zur Förderung der Senkenleistungen aus agrarpolitischer Sicht eine besondere Relevanz erlangen könnten.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>Der Bundesrat wird ersucht, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Was ist der Stand der internationalen Verhandlungen bezüglich der landwirtschaftlichen Senkenleistung?</p><p>2. Wo steht man bezüglich des Aufbaus des in der Botschaft zur Revision des CO2-Gesetzes erwähnten Inventarisierungssystems?</p><p>3. Sind die nötigen finanziellen und personellen Ressourcen bereitgestellt?</p><p>4. Wann sind fundierte flächendeckende Aussagen über die Quellen oder Senken landwirtschaftlich genutzter Böden zu erwarten?</p><p>5. Inwiefern gedenkt der Bundesrat die Erkenntnisse zu den Quellen und Senken aus den landwirtschaftlich genutzten Böden in der Weiterentwicklung der Agrarpolitik zu berücksichtigen?</p>
  • CO2-Quellen und -Senken aus der Bodennutzung
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Böden, die langfristig mehr Kohlenstoff aufnehme, als sie abgeben, wirken als sogenannte Senken. Humusaufbau oder der Erhalt der Kohlenstoffspeicher in den Böden ist aus der Sicht des Klimaschutzes positiv. Senkenleistungen können zur Erreichung nationaler Emissionsreduktionsziele angerechnet werden, wenn dies das Land beantragt. Bedingung ist, dass die Senkenleistung nachgewiesen werden kann. Aufgrund der globalen Bedeutung der Senken wird in den internationalen Verhandlungen darüber diskutiert, dass in Zukunft über die Quellen und Senken aus der Bodenbewirtschaftung obligatorisch Bericht erstattet werden soll. Dafür müssen die Staaten ein entsprechendes Inventarisierungssystem entwickeln.</p><p>Böden ausserhalb des Waldes werden grösstenteils von der Landwirtschaft genutzt. In der Schweiz wird davon ausgegangen, dass durch die aktuelle landwirtschaftliche Bewirtschaftung die Kohlenstoffspeicher der Böden eher ab- als aufgebaut werden. Die Datenlage bezüglich der Kohlenstoffgehalte und -flüsse ist jedoch dürftig. Gemäss Botschaft zur Revision des CO2-Gesetzes ist man bestrebt, bis Ende 2012 ein Inventar aufzubauen.</p><p>Ungeachtet der internationalen Verhandlungen tut die Schweiz gut daran, die Datengrundlagen zu verbessern, ein Inventarisierungssystem zu entwickeln und die Anwendung von Humusbilanzen einzuführen. Humusreiche, fruchtbare Böden sind im Klimakontext eine wichtige Voraussetzung für die sichere Produktion von Nahrungsmitteln. Sie weisen ein gutes Wasserrückhaltevermögen auf und sind so besser angepasst bei extremen Wetterereignissen, von denen man davon ausgeht, dass sie unter einem zukünftigen Klima häufiger auftreten.</p>
    • <p>1. Im Rahmen der internationalen Klimaverhandlungen wird diskutiert, inwieweit land- und forstwirtschaftliche Senken und Quellen im nationalen Treibhausgasinventar nach 2012 ausgewiesen werden müssen. Ein obligatorischer Einbezug der landwirtschaftlichen Senken und Quellen ist aufgrund der methodischen Unsicherheiten und der Datenverfügbarkeit erst mittelfristig zu erwarten. Die Anrechnung von Senken und Quellen aus land- und forstwirtschaftlichen Aktivitäten dürfte vorerst weiterhin freiwillig sein, sofern eine Aktivität nicht bereits für die Zielerreichung gemäss Kyoto-Protokoll gewählt worden ist. Die Schweiz hat entschieden, sich die forstwirtschaftlichen Senken und Quellen an das Kyoto-Ziel (minus 8 Prozent bis zum Zeitraum 2008-2012 gegenüber 1990) anzurechnen und die landwirtschaftlichen Senken und Quellen aus der Gras- und Ackerlandbewirtschaftung nicht zu berücksichtigen.</p><p>2./4. Vor dem Hintergrund, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit zukünftig über die Emissionen aus der landwirtschaftlichen Bodenbewirtschaftung obligatorisch Bericht erstattet werden muss, ist es unumgänglich, eine stabile, für die Schweiz spezifische Methodik zu entwickeln und die Datengrundlage zu verbessern.</p><p>Das Bundesamt für Umwelt betreibt gemeinsam mit dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) das Nationale Bodenbeobachtungsnetz, das an über hundert unterschiedlich genutzten Standorten alle fünf Jahre Bodenproben untersucht. Da die Böden jedoch sehr heterogen sind, genügen diese Daten zurzeit nicht, um flächendeckende Aussagen zur Entwicklung der Kohlenstoffgehalte der Böden machen zu können. Die Datengrundlage wird in den kommenden Jahren in Zusammenarbeit mit Kantonen und Institutionen schrittweise verbessert. Erst gestützt auf diese zusätzlichen Daten kann das Potenzial der Böden als Kohlenstoffquelle oder -senke dargestellt werden. Gemäss dem bisherigen Wissensstand ist das Potenzial in der Schweizer Landwirtschaft jedoch sehr gering. Die für ein Inventarisierungssystem notwendigen Bodendaten dürften frühestens in fünf Jahren vorliegen.</p><p>Mit einem solchen Inventarisierungssystem ist jedoch das eigentliche System zur flächendeckenden Bestimmung der Kohlenstoffgehalte der landwirtschaftlichen Böden noch nicht erstellt. Zusätzlich zur Aufarbeitung der Bodendaten muss ein umfassendes System zur kontinuierlichen Inventarisierung entwickelt werden, um ausgehend von den punktuellen Messungen den gesamtschweizerischen Kohlenstoffgehalt zu schätzen. Dieses System soll weitgehend auf bestehenden Methoden aufbauen, muss aber zwischen dem anthropogenen Einfluss durch die Bewirtschaftungspraxis und natürlichen Einflüssen unterscheiden, die Unsicherheit der Schätzung quantifizieren, die Ergebnisse transparent darstellen und die Qualität überprüfen können.</p><p>3. Mit der Verabschiedung der Botschaft über die Schweizer Klimapolitik nach 2012 hat der Bundesrat den personellen Mehrbedarf, der u. a. aufgrund der gestiegenen Anforderungen an die internationale Berichterstattung über die Treibhausgasemissionen anfällt, zur Kenntnis genommen und die zusätzlichen personellen Ressourcen im Voranschlag 2011 eingestellt. So wurde dem BLW eine halbe Stelle und der Forschungsanstalt Agroscope eine Stelle für die Entwicklung und den Betrieb des Inventarisierungssystems zur Beobachtung der Kohlenstoffgehalte der Böden zugesprochen. Zusätzlich wurde zur Ermittlung des zusätzlichen Reduktionspotenzials und des Anpassungsbedarfs in der Landwirtschaft und der späteren Übertragung in die Agrarpolitik bei der Forschungsanstalt Agroscope eine weitere halbe und beim BLW eine Stelle eingeplant. Das Parlament muss diese Aufstockung des Personalkredits im Rahmen der Budgetdebatte noch genehmigen.</p><p>5. Das BLW erarbeitet zurzeit eine Klimastrategie für die Landwirtschaft. Die Strategie wird 2011 in Form eines Berichts veröffentlicht und soll eine Grundlage für eine weitere Präzisierung von möglichen Anpassungs- und Reduktionsmassnahmen sowie deren Umsetzung im Rahmen der Weiterentwicklung der Agrarpolitik schaffen. In wenigen Jahren wird die Datenbasis für die Abschätzung der Böden als Kohlenstoffquelle bzw. -senke verfügbar sein. Mit dieser neuen Datenbasis wird die Grundlage geschaffen, um die nachhaltige Bodenbewirtschaftung im Rahmen der Agrarpolitik künftig stärker auf die Verbesserung der landwirtschaftlichen Senkenleistungen und auf die Reduktion von Emissionen aus den landwirtschaftlich genutzten Böden auszurichten. Aufgrund des auch zukünftig zu erwartenden geringen Senkenpotenzials ist daher nicht davon auszugehen, dass Massnahmen zur Förderung der Senkenleistungen aus agrarpolitischer Sicht eine besondere Relevanz erlangen könnten.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>Der Bundesrat wird ersucht, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Was ist der Stand der internationalen Verhandlungen bezüglich der landwirtschaftlichen Senkenleistung?</p><p>2. Wo steht man bezüglich des Aufbaus des in der Botschaft zur Revision des CO2-Gesetzes erwähnten Inventarisierungssystems?</p><p>3. Sind die nötigen finanziellen und personellen Ressourcen bereitgestellt?</p><p>4. Wann sind fundierte flächendeckende Aussagen über die Quellen oder Senken landwirtschaftlich genutzter Böden zu erwarten?</p><p>5. Inwiefern gedenkt der Bundesrat die Erkenntnisse zu den Quellen und Senken aus den landwirtschaftlich genutzten Böden in der Weiterentwicklung der Agrarpolitik zu berücksichtigen?</p>
    • CO2-Quellen und -Senken aus der Bodennutzung

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