Soziale Ungleichheit und Gesundheit. Was tut der Bund?

ShortId
10.3805
Id
20103805
Updated
28.07.2023 08:05
Language
de
Title
Soziale Ungleichheit und Gesundheit. Was tut der Bund?
AdditionalIndexing
2841;28;Gesundheitsrisiko;Ernährungsgewohnheit;Gesundheitszustand;soziale Ungleichheit;Lebensbedingungen;soziale Schicht
1
  • L04K01090106, soziale Ungleichheit
  • L04K01050523, Gesundheitszustand
  • L04K01050510, Gesundheitsrisiko
  • L04K01090101, soziale Schicht
  • L05K0109040201, Lebensbedingungen
  • L04K01050601, Ernährungsgewohnheit
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Der individuelle Gesundheitszustand hängt von einer Vielzahl von Einflussfaktoren ab, unter anderem von persönlichen Verhaltensmustern wie beispielsweise der Ernährung und der körperlichen Aktivität. Neuere Erkenntnisse werden im Nationalen Gesundheitsbericht 2008 und im vierten Gesundheitsbericht des Kantons Bern dargestellt und zeigen, wie stark Schulbildung, Berufsbildung, berufliche Stellung, Wohlstand oder soziale Stellung die Chance auf ein langes, gesundes und produktives Leben beeinflussen. Die Chancen sind dabei sehr ungleich verteilt: Personen in einer tiefen sozialen Position haben ein deutlich höheres Risiko, zu erkranken und früher zu sterben. Beide Berichte sind auf das sogenannte Gesundheitsdeterminantenmodell ausgerichtet. Dieses zeigt auf, dass sich gesellschaftliche Einflüsse auch auf die Gesundheit auswirken. In beiden Berichten wird denn auch aufgezeigt, durch welche Faktoren der Gesundheitszustand beispielsweise von Alleinerziehenden, Migrantinnen und Migranten und älteren Arbeitnehmenden beeinflusst wird.</p>
  • <p>1. In der Antwort auf die Interpellation Hêche 09.3031, "Nationaler Gesundheitsbericht 2008. Wie geht es weiter?", hat der Bundesrat zu den Ergebnissen und zu den Empfehlungen des Berichts Stellung genommen. Die Massnahmen, die der Bundesrat bereits ergriffen hat und die er noch ergreifen will, sind darin zusammengefasst. </p><p>2. Der Bundesrat verfolgt die Entwicklung sozialer Ungleichheit und Gesundheit seit Längerem. Im Jahr 2010 hat das Bundesamt für Statistik (BFS) folgende zwei Berichte zur Thematik publiziert: "Arbeit und Gesundheit" und "Soziale Determinanten der Gesundheit und des Gesundheitsverhaltens". Letzterer ist im Portal des BFS aufgeschaltet. Das BFS ist bestrebt, die Datenqualität in Zusammenarbeit mit den Partnern (Swiss National Cohort, Eurostat usw.) laufend zu verbessern. Die Überwachung und internationale Vergleiche sind jedoch mit Schwierigkeiten verbunden: Sozial Benachteiligte sind in Statistiken und Befragungen oft untervertreten, da sie schwierig zu erreichen sind. Teilweise fehlen in Gesundheitsstatistiken geeignete Indikatoren (z. B. Migrationskontext: andere Kulturen, anderes Gesundheitsverständnis und -verhalten). Deshalb sind gewisse Erhebungen und Auswertungen notwendig. Im Rahmen der bundesrätlichen Strategie Migration und Gesundheit 2008-2013 führt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Anlehnung an die Schweizerische Gesundheitsbefragung zurzeit ein zweites Gesundheitsmonitoring der Migrationsbevölkerung (GMM II) durch. </p><p>3. Der Bundesrat ist im Rahmen seiner Zuständigkeit bestrebt, der gesamten Wohnbevölkerung die gleiche Chance zu geben, in der Schweiz gesund leben zu können. Dafür steht ihm eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung: </p><p>a) Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen: Im Entwurf zum Bundesgesetz über Prävention und Gesundheitsförderung (PrävG), welchen der Bundesrat am 30. September 2009 ans Parlament überwiesen hat, wird insbesondere im Zweckartikel (Art. 2c EPrävG) der Abbau von gesundheitlichen Ungleichheiten explizit erwähnt. Im Rahmen des Vollzugs des PrävG soll diesem Artikel Rechnung getragen werden.</p><p>b) Massnahmen zur Sensibilisierung in Sachen gesundheitliche Ungleichheiten: Noch in diesem Jahr wird das BAG die Kantone über die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und der Europäischen Kommission informieren und mit ihnen Möglichkeiten zum Abbau von gesundheitlicher Ungleichheit diskutieren. </p><p>c) Massnahmen zur Förderung der Chancengleichheit: Seit 2001 unterstützt das BAG die Koordination, Information und Wissensgenerierung und -vermittlung zu Fragen einer geschlechtsgerechten und -sensiblen Gesundheitspolitik (Gender Health). Weiter lancierte der Bundesrat 2002 die Bundesstrategie Migration und Gesundheit, welche in dieser Legislaturperiode eine zweite Phase (2008-2013) durchläuft. Sie ist Teil der Integrationspolitik des Bundes. Schliesslich will der Bundesrat die Integration von Armutsbetroffenen in den Arbeitsmarkt fördern. Dies ist ein Schwerpunkt in der gesamtschweizerischen Strategie zur Armutsbekämpfung.</p><p>d) Solidarität durch Umverteilung: Als soziales Korrektiv wurde mit Inkrafttreten der obligatorischen Krankenversicherung zugunsten der Versicherten in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen die individuelle Prämienverbilligung eingeführt, welche durch Bund und Kantone gemeinsam finanziert wird.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>- Welche Schlussfolgerungen zieht der Bundesrat aus dem Gesundheitsbericht 2008?</p><p>- Ist er bereit, die Entwicklung betreffendgesundheitliche Ungleichgewichte besser zu überwachen und die sektorübergreifende Zusammenarbeit zu stärken, wie es die WHO und die EU empfehlen?</p><p>- Ist er bereit, Verantwortung zu übernehmen und sektorübergreifende Massnahmen zu ergreifen, um die gesundheitliche Kluft innerhalb der Gesellschaft zu verringern?</p>
  • Soziale Ungleichheit und Gesundheit. Was tut der Bund?
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Der individuelle Gesundheitszustand hängt von einer Vielzahl von Einflussfaktoren ab, unter anderem von persönlichen Verhaltensmustern wie beispielsweise der Ernährung und der körperlichen Aktivität. Neuere Erkenntnisse werden im Nationalen Gesundheitsbericht 2008 und im vierten Gesundheitsbericht des Kantons Bern dargestellt und zeigen, wie stark Schulbildung, Berufsbildung, berufliche Stellung, Wohlstand oder soziale Stellung die Chance auf ein langes, gesundes und produktives Leben beeinflussen. Die Chancen sind dabei sehr ungleich verteilt: Personen in einer tiefen sozialen Position haben ein deutlich höheres Risiko, zu erkranken und früher zu sterben. Beide Berichte sind auf das sogenannte Gesundheitsdeterminantenmodell ausgerichtet. Dieses zeigt auf, dass sich gesellschaftliche Einflüsse auch auf die Gesundheit auswirken. In beiden Berichten wird denn auch aufgezeigt, durch welche Faktoren der Gesundheitszustand beispielsweise von Alleinerziehenden, Migrantinnen und Migranten und älteren Arbeitnehmenden beeinflusst wird.</p>
    • <p>1. In der Antwort auf die Interpellation Hêche 09.3031, "Nationaler Gesundheitsbericht 2008. Wie geht es weiter?", hat der Bundesrat zu den Ergebnissen und zu den Empfehlungen des Berichts Stellung genommen. Die Massnahmen, die der Bundesrat bereits ergriffen hat und die er noch ergreifen will, sind darin zusammengefasst. </p><p>2. Der Bundesrat verfolgt die Entwicklung sozialer Ungleichheit und Gesundheit seit Längerem. Im Jahr 2010 hat das Bundesamt für Statistik (BFS) folgende zwei Berichte zur Thematik publiziert: "Arbeit und Gesundheit" und "Soziale Determinanten der Gesundheit und des Gesundheitsverhaltens". Letzterer ist im Portal des BFS aufgeschaltet. Das BFS ist bestrebt, die Datenqualität in Zusammenarbeit mit den Partnern (Swiss National Cohort, Eurostat usw.) laufend zu verbessern. Die Überwachung und internationale Vergleiche sind jedoch mit Schwierigkeiten verbunden: Sozial Benachteiligte sind in Statistiken und Befragungen oft untervertreten, da sie schwierig zu erreichen sind. Teilweise fehlen in Gesundheitsstatistiken geeignete Indikatoren (z. B. Migrationskontext: andere Kulturen, anderes Gesundheitsverständnis und -verhalten). Deshalb sind gewisse Erhebungen und Auswertungen notwendig. Im Rahmen der bundesrätlichen Strategie Migration und Gesundheit 2008-2013 führt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Anlehnung an die Schweizerische Gesundheitsbefragung zurzeit ein zweites Gesundheitsmonitoring der Migrationsbevölkerung (GMM II) durch. </p><p>3. Der Bundesrat ist im Rahmen seiner Zuständigkeit bestrebt, der gesamten Wohnbevölkerung die gleiche Chance zu geben, in der Schweiz gesund leben zu können. Dafür steht ihm eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung: </p><p>a) Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen: Im Entwurf zum Bundesgesetz über Prävention und Gesundheitsförderung (PrävG), welchen der Bundesrat am 30. September 2009 ans Parlament überwiesen hat, wird insbesondere im Zweckartikel (Art. 2c EPrävG) der Abbau von gesundheitlichen Ungleichheiten explizit erwähnt. Im Rahmen des Vollzugs des PrävG soll diesem Artikel Rechnung getragen werden.</p><p>b) Massnahmen zur Sensibilisierung in Sachen gesundheitliche Ungleichheiten: Noch in diesem Jahr wird das BAG die Kantone über die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und der Europäischen Kommission informieren und mit ihnen Möglichkeiten zum Abbau von gesundheitlicher Ungleichheit diskutieren. </p><p>c) Massnahmen zur Förderung der Chancengleichheit: Seit 2001 unterstützt das BAG die Koordination, Information und Wissensgenerierung und -vermittlung zu Fragen einer geschlechtsgerechten und -sensiblen Gesundheitspolitik (Gender Health). Weiter lancierte der Bundesrat 2002 die Bundesstrategie Migration und Gesundheit, welche in dieser Legislaturperiode eine zweite Phase (2008-2013) durchläuft. Sie ist Teil der Integrationspolitik des Bundes. Schliesslich will der Bundesrat die Integration von Armutsbetroffenen in den Arbeitsmarkt fördern. Dies ist ein Schwerpunkt in der gesamtschweizerischen Strategie zur Armutsbekämpfung.</p><p>d) Solidarität durch Umverteilung: Als soziales Korrektiv wurde mit Inkrafttreten der obligatorischen Krankenversicherung zugunsten der Versicherten in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen die individuelle Prämienverbilligung eingeführt, welche durch Bund und Kantone gemeinsam finanziert wird.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>- Welche Schlussfolgerungen zieht der Bundesrat aus dem Gesundheitsbericht 2008?</p><p>- Ist er bereit, die Entwicklung betreffendgesundheitliche Ungleichgewichte besser zu überwachen und die sektorübergreifende Zusammenarbeit zu stärken, wie es die WHO und die EU empfehlen?</p><p>- Ist er bereit, Verantwortung zu übernehmen und sektorübergreifende Massnahmen zu ergreifen, um die gesundheitliche Kluft innerhalb der Gesellschaft zu verringern?</p>
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