Schwere Auseinandersetzungen in der Westsahara

ShortId
10.3976
Id
20103976
Updated
27.07.2023 19:46
Language
de
Title
Schwere Auseinandersetzungen in der Westsahara
AdditionalIndexing
08;multinationale Truppe;internationaler Konflikt;Selbstbestimmung;Westsahara;nationale Unabhängigkeit;Menschenrechte
1
  • L04K03040514, Westsahara
  • L03K050202, Menschenrechte
  • L03K040102, internationaler Konflikt
  • L03K100101, nationale Unabhängigkeit
  • L05K0401030301, multinationale Truppe
  • L04K10010105, Selbstbestimmung
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p></p><p>Da die Verhandlungen zwischen Marokko und der Frente Polisario über eine Volksabstimmung über die Selbstbestimmung des saharauischen Volkes in einer Sackgasse stecken, kommt es zu immer grösseren Spannungen in der Region. Der Baker-Plan, der unter der Leitung der Uno erstellt wurde, bleibt seit mehreren Jahren unbeachtet. Die natürlichen Ressourcen der Westsahara werden weiterhin genutzt, ohne dass die saharauischen Bevölkerungsgruppen davon einen Nutzen haben. In letzter Zeit hat sich die Situation dermassen verschlechtert, dass es am 8. November 2010 zu schweren Ausschreitungen kam, bei denen mehrere Personen getötet wurden. </p><p>Am 21. November 2010 hat das Europäische Parlament eine Entschliessung verabschiedet, in der es die Vereinten Nationen auffordert, eine unabhängige Untersuchungskommission zur Klärung der Fakten zu schaffen.</p><p>Der Bericht der Organisation Human Rights Watch vom 26. November 2010 ist das einzige Dokument, das über die Situation berichtet, da das Gebiet für die Medien und für unabhängige Beobachter, beispielsweise Mitglieder des Europaparlamentes, gesperrt war.</p>
  • <p>1. Der Bundesrat nimmt Kenntnis von der an verschiedene Stellen wie die Europäische Kommission gerichteten Entschliessung des Europäischen Parlamentes, welche die Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission verlangt, die die schweren Unruhen, die sich am 8. November in der Westsahara zugetragen haben, untersuchen soll. Er hält fest, dass zum heutigen Zeitpunkt weder im Sicherheitsrat noch in der Generalversammlung der Uno ein entsprechendes Gesuch zur Einsetzung einer solchen Kommission hängig ist.</p><p>2. Für die Erweiterung und die Modalitäten des Minurso-Mandats ist der Uno-Sicherheitsrat zuständig. Da die Schweiz dem Sicherheitsrat nicht angehört, hat sie keinen direkten Einfluss auf die konkrete Ausgestaltung des Mandats. Sie setzt sich jedoch in anderer Weise für einen besseren Schutz der Zivilbevölkerung bei Friedenssicherungseinsätzen der Uno ein, unter anderem indem sie sich aktiv an der Arbeit des Uno-Sonderausschusses für Friedenssicherungseinsätze und an den Aktivitäten der "Gruppe der Freunde" für den Schutz von Zivilpersonen beteiligt.</p><p>3. Angesichts des speziellen Status der Westsahara werden die Grundrechte und die Menschenrechte zugunsten der Bevölkerung der Westsahara durch die Uno-Charta und das humanitäre Völkerrecht garantiert. Die Schweiz setzt sich im Rahmen der Uno für die Einhaltung des Völkerrechts ein, welches unter anderem sowohl den Schutz vor Ausbeutung der Ressourcen unter Artikel 73 der Uno-Charta als auch die Einhaltung der durch das humanitäre Völkerrecht gewährten Garantien zugunsten der Bevölkerung der Westsahara umfasst.</p><p>4. Im Januar 2009 hat der Uno-Generalsekretär den amerikanischen Botschafter Christopher Ross zum Sondergesandten für die Westsahara ernannt. Seitdem haben sich die hochrangigen Delegationen der beiden Konfliktparteien unter seiner Ägide viermal zu informellen Gesprächen getroffen. Die beiden letzten Treffen fanden im November und Dezember 2010 statt, und das nächste Treffen ist bereits wieder für Ende Januar 2011 geplant. Die bedauerlichen Ereignisse in El-Layoun haben den Rhythmus der Gespräche bisher nicht beeinflusst. Die Parteien haben sich auf strukturierte, umfassende und langfristige Gespräche geeinigt, die verschiedene Themen des Konfliktes aufgreifen sollen. Zudem werden die Parteien Anfang Februar mit dem UNHCR in Genf die Verstärkung von vertrauensbildenden Massnahmen besprechen.</p><p>Die Schweiz unterstützt diesen Prozess, indem sie dem Sondergesandten Christopher Ross einen erfahrenen Schweizer Mediationsexperten zur Verfügung stellt; ein weiterer Schweizer Mediationsexperte arbeitet als Konsulent der Uno im Prozess mit.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>Der Bundesrat wird aufgefordert, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Unterstützt der Bundesrat angesichts der widersprüchlichen Informationen die Forderungen des EU-Parlaments an die Uno nach einer unabhängigen Untersuchungskommission über die schweren Auseinandersetzungen vom 8. November 2010 in der Westsahara im Zeltlager Gdaim Izik, welches sich unweit der Stadt Laayoune in der ehemaligen Spanisch-Sahara befindet?</p><p>2. Gedenkt der Bundesrat, sich bei der Uno für eine Verlängerung des Minurso-Mandats einzusetzen, damit dieses dahingehend erweitert werden kann, dass die Einhaltung der Menschenrechte überwacht wird?</p><p>3. Welche Massnahmen gedenkt der Bundesrat zu ergreifen, damit die Phosphat- und Fischvorkommen der Westsahara gemäss den Genfer Konventionen, also zum Gewinn für die einheimische Bevölkerung, genutzt werden?</p><p>4. Wie ist der Stand der Verhandlungen zwischen Marokko und der Polisario bezüglich des geplanten Projekts, das eine Selbstbestimmung vorsieht?</p>
  • Schwere Auseinandersetzungen in der Westsahara
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p></p><p>Da die Verhandlungen zwischen Marokko und der Frente Polisario über eine Volksabstimmung über die Selbstbestimmung des saharauischen Volkes in einer Sackgasse stecken, kommt es zu immer grösseren Spannungen in der Region. Der Baker-Plan, der unter der Leitung der Uno erstellt wurde, bleibt seit mehreren Jahren unbeachtet. Die natürlichen Ressourcen der Westsahara werden weiterhin genutzt, ohne dass die saharauischen Bevölkerungsgruppen davon einen Nutzen haben. In letzter Zeit hat sich die Situation dermassen verschlechtert, dass es am 8. November 2010 zu schweren Ausschreitungen kam, bei denen mehrere Personen getötet wurden. </p><p>Am 21. November 2010 hat das Europäische Parlament eine Entschliessung verabschiedet, in der es die Vereinten Nationen auffordert, eine unabhängige Untersuchungskommission zur Klärung der Fakten zu schaffen.</p><p>Der Bericht der Organisation Human Rights Watch vom 26. November 2010 ist das einzige Dokument, das über die Situation berichtet, da das Gebiet für die Medien und für unabhängige Beobachter, beispielsweise Mitglieder des Europaparlamentes, gesperrt war.</p>
    • <p>1. Der Bundesrat nimmt Kenntnis von der an verschiedene Stellen wie die Europäische Kommission gerichteten Entschliessung des Europäischen Parlamentes, welche die Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission verlangt, die die schweren Unruhen, die sich am 8. November in der Westsahara zugetragen haben, untersuchen soll. Er hält fest, dass zum heutigen Zeitpunkt weder im Sicherheitsrat noch in der Generalversammlung der Uno ein entsprechendes Gesuch zur Einsetzung einer solchen Kommission hängig ist.</p><p>2. Für die Erweiterung und die Modalitäten des Minurso-Mandats ist der Uno-Sicherheitsrat zuständig. Da die Schweiz dem Sicherheitsrat nicht angehört, hat sie keinen direkten Einfluss auf die konkrete Ausgestaltung des Mandats. Sie setzt sich jedoch in anderer Weise für einen besseren Schutz der Zivilbevölkerung bei Friedenssicherungseinsätzen der Uno ein, unter anderem indem sie sich aktiv an der Arbeit des Uno-Sonderausschusses für Friedenssicherungseinsätze und an den Aktivitäten der "Gruppe der Freunde" für den Schutz von Zivilpersonen beteiligt.</p><p>3. Angesichts des speziellen Status der Westsahara werden die Grundrechte und die Menschenrechte zugunsten der Bevölkerung der Westsahara durch die Uno-Charta und das humanitäre Völkerrecht garantiert. Die Schweiz setzt sich im Rahmen der Uno für die Einhaltung des Völkerrechts ein, welches unter anderem sowohl den Schutz vor Ausbeutung der Ressourcen unter Artikel 73 der Uno-Charta als auch die Einhaltung der durch das humanitäre Völkerrecht gewährten Garantien zugunsten der Bevölkerung der Westsahara umfasst.</p><p>4. Im Januar 2009 hat der Uno-Generalsekretär den amerikanischen Botschafter Christopher Ross zum Sondergesandten für die Westsahara ernannt. Seitdem haben sich die hochrangigen Delegationen der beiden Konfliktparteien unter seiner Ägide viermal zu informellen Gesprächen getroffen. Die beiden letzten Treffen fanden im November und Dezember 2010 statt, und das nächste Treffen ist bereits wieder für Ende Januar 2011 geplant. Die bedauerlichen Ereignisse in El-Layoun haben den Rhythmus der Gespräche bisher nicht beeinflusst. Die Parteien haben sich auf strukturierte, umfassende und langfristige Gespräche geeinigt, die verschiedene Themen des Konfliktes aufgreifen sollen. Zudem werden die Parteien Anfang Februar mit dem UNHCR in Genf die Verstärkung von vertrauensbildenden Massnahmen besprechen.</p><p>Die Schweiz unterstützt diesen Prozess, indem sie dem Sondergesandten Christopher Ross einen erfahrenen Schweizer Mediationsexperten zur Verfügung stellt; ein weiterer Schweizer Mediationsexperte arbeitet als Konsulent der Uno im Prozess mit.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>Der Bundesrat wird aufgefordert, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Unterstützt der Bundesrat angesichts der widersprüchlichen Informationen die Forderungen des EU-Parlaments an die Uno nach einer unabhängigen Untersuchungskommission über die schweren Auseinandersetzungen vom 8. November 2010 in der Westsahara im Zeltlager Gdaim Izik, welches sich unweit der Stadt Laayoune in der ehemaligen Spanisch-Sahara befindet?</p><p>2. Gedenkt der Bundesrat, sich bei der Uno für eine Verlängerung des Minurso-Mandats einzusetzen, damit dieses dahingehend erweitert werden kann, dass die Einhaltung der Menschenrechte überwacht wird?</p><p>3. Welche Massnahmen gedenkt der Bundesrat zu ergreifen, damit die Phosphat- und Fischvorkommen der Westsahara gemäss den Genfer Konventionen, also zum Gewinn für die einheimische Bevölkerung, genutzt werden?</p><p>4. Wie ist der Stand der Verhandlungen zwischen Marokko und der Polisario bezüglich des geplanten Projekts, das eine Selbstbestimmung vorsieht?</p>
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