Warum bekämpft die ETH-Architekturabteilung das innovativste Schweizer Technologiegewerbe?
- ShortId
-
10.4129
- Id
-
20104129
- Updated
-
28.07.2023 09:50
- Language
-
de
- Title
-
Warum bekämpft die ETH-Architekturabteilung das innovativste Schweizer Technologiegewerbe?
- AdditionalIndexing
-
66;32;36;Beziehung Schule-Industrie;Heizung;Energiepolitik (speziell);Kostenrechnung;Energieforschung;neue Technologie;ETH;Minergie;Energieverbrauch;Energieeinsparung
- 1
-
- L05K1701010702, Minergie
- L04K17010107, Energieeinsparung
- L05K1302050101, ETH
- L05K0705030204, Heizung
- L05K0706010508, neue Technologie
- L04K13010203, Beziehung Schule-Industrie
- L03K170101, Energiepolitik (speziell)
- L04K17010108, Energieforschung
- L05K1701010602, Energieverbrauch
- L05K0703020201, Kostenrechnung
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>1. /2. Minergie-, Minergie-P- und Plus-Energie-Bauten zielen auf eine starke Verringerung des Energieverbrauchs, berücksichtigen damit aber den CO2-Ausstoss lediglich indirekt. Da der Schweizer Gebäudepark heute rund die Hälfte der landesweiten CO2-Emissionen verursacht, ist es im Sinne des Klimaschutzes äusserst wichtig, dass die Institutionen des ETH-Bereichs nach Lösungen zur Reduktion dieses Ausstosses suchen. Mit "Towards Zero-Emissions Architecture" zeigt das Departement Architektur der ETH Zürich einen entsprechenden möglichen Lösungsweg auf.</p><p>Die vom ETH-Bereich genutzten Immobilien befinden sich grösstenteils im Eigentum des Bundes. Entsprechend gelten die Zielsetzungen und Vorgaben des Bundes ebenfalls für Neu- und Umbauten im ETH-Bereich. Mit Zustimmung des Eigentümers können einzelne Bauten zu Forschungszwecken andere Zielrichtungen im Energiebereich verfolgen, als dies bei Bauvorhaben im ordentlichen Rahmen, basierend auf den Energiekonzepten und den kantonalen Vorschriften, vorgesehen ist. Das Pilotprojekt HPZ auf dem Science-City-Campus der ETH Zürich auf dem Hönggerberg ist ein Beispiel dafür. Es wird erwartet, dass dieses Forschungsprojekt nach der Sanierung ebenfalls den Minergie-Standard für Neubauten von 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Jahr erreichen wird. Den in der Interpellation genannten Standards für Minergie-P- und Plus-Energie-Bauten wird es dagegen nicht genügen. Hier wurde somit zu Forschungszwecken ein optimales Gleichgewicht zwischen dem Energiesparen und der erwünschten stärkeren Reduktion des CO2-Ausstosses gesucht. Diese Überlegungen können auf den gesamten Schweizer Gebäudepark extrapoliert werden. Die Kommission für öffentliche Bauten des Nationalrates wurde an ihrer Sitzung vom 26. April 2010 über Energiekonzepte und die Erreichung nachhaltiger Ziele im Immobilienmanagement des ETH-Bereichs informiert.</p><p>3. Die genannten 233 Kilowattstunden pro Quadretmeter pro Jahr beschreiben den Gesamtenergiebedarf inkl. aller Energie für Forschungs- und Lehreinrichtungen pro Energiebezugsfläche für Strom und Wärme im Jahr 2009. Forschungsinfrastrukturen sind ausserordentlich energieintensiv, weshalb die Nutzenergieanforderung nach Minergie nicht mit dem Gesamtenergieverbrauch der ETH Zürich verglichen werden kann. Für Neubauten werden die maximalen Energieverbrauchswerte nach Minergie (z. B. 40 Kilowattstunden pro Quadretmeter pro Jahr für Verwaltungsbauten und Schulen) eingehalten oder unterschritten. Auch bei Umbauten oder Gesamtsanierungen werden die Zielwerte nach Minergie (z. B. 55 Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Jahr für Verwaltungsbauten und Schulen), wo baulich, technisch und wirtschaftlich möglich, eingehalten oder unterschritten. </p><p>4. Die Grundfinanzierung (Personal- und Sachmittel) des Departementes Architektur der ETH Zürich betrug 2010 gemäss Auskunft der ETH Zürich 37 Millionen Franken. Diese Mittel werden für eine breit gefächerte Lehre und Forschung eingesetzt. Im Rahmen der Forschungstätigkeit des Departementes Architektur wurde das Konzept "Towards Zero-Emissions Architecture" erarbeitet, das von allen Professorinnen und Professoren des Departementes unterstützt wird. Daher erscheint es nicht sinnvoll, gesonderte Mittel für einzelne Vertreter des Departementes auszuweisen. Die Ausrichtung der Forschungstätigkeit des genannten Departementes liegt grundsätzlich im Ermessen der ETH Zürich, die ihre Entscheidungen im Rahmen ihrer vom ETH-Gesetz gewährten Autonomie und dem Leistungsauftrag des Bundesrates an den ETH-Bereich trifft.</p><p>5. Im Leistungsauftrag hat der Bundesrat dem ETH-Bereich ausdrücklich den Auftrag erteilt, Grundlagenforschung mit ausreichendem Raum für risikoreiche und unkonventionelle Forschungsansätze zu betreiben. Zudem solle er angewandte und themenorientierte Forschung im Dienste der Gesellschaft betreiben. Mit dem Konzept "Towards Zero-Emissions Architecture" bereichert die ETH Zürich die Diskussion über die Ausgestaltung einer nachhaltigen Energiepolitik.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Wie den Medien zu entnehmen ist, kritisieren einige ETH-Architekturvertreter die in Zusammenarbeit mit den Kantonen und Fachhochschulen seit 1996 erfolgreich erarbeiteten Minergie/Minergie-P-Baustandards. Ihre Stossrichtung ist offenbar ein Paradigmenwechsel von Minergie-P hin zu "Towards Zero-Emissions Architecture". Dieser ist aber mit massiven Energieverlusten im Vergleich zum heutigen Stand der Technik zu verbinden. Diesbezügliche Fragen bleiben bis heute ohne qualifizierte Antwort. Im Vergleich zum heutigen Stand der Gebäudetechnik von Minergie-P/Passivhaus oder Plus-Energie-Bauten (PEB) mit einem Gesamtenergieverbrauch von 25 bis 45 Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Jahr (Energiekennzahl, EKZ) für Neubauten und Bausanierungen, ist der ETH-Energieverbrauch der ETH-Liegenschaften von 233 Kilowattstunden pro Quadretmeter pro Jahr (ETH-Jahresbericht 2009, S. 47) gut 5- bis 9-mal höher als der heutige Stand der Gebäudetechnik.</p><p>Gewerbliche Energieeffizienzverbesserungen sind erfolgreich: Obwohl der Wohnraum pro Person in den letzten Jahren stieg, musste - dank rationeller Energienutzung - die Energieversorgung zur Beheizung der Raumtemperatur nicht erhöht werden. </p><p>In diesem Zusammenhang frage ich den Bundesrat:</p><p>1. Wie viel Energie benötigen die "Paradigma-Bauten" im Vergleich zum heutigen Stand der Technik von:</p><p>a. Minergie-P/Passivhaus-Bauten mit einem Gesamtenergieverbrauch von 25 bis 32 Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Jahr? </p><p>b. PEB, die mehr Solarstrom ins öffentliche Netz verkaufen als die PEB im Jahresdurchschnitt für Heizung, Warmwasser inklusive gesamte Haushalt- und/oder Betriebsstrom benötigen? </p><p>2. Wie sieht das Gesamtergebnis aus bei einer gesamtschweizerischen Umsetzung von "Paradigma-Bauten" im Vergleich zur flächendeckenden Umsetzung von erstens Minergie-P/Passivhaus-Bauten und zweitens PEB? </p><p>3. Ist es ihm bekannt, dass die 2009 und 2010 mit dem Schweizer und europäischen Solarpreis ausgezeichneten Minergie-P-Bauten dem Stand der Technik entsprechen und bei vollem Komfort mit rund 30 bis 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter rund 6- bis 8-mal weniger Energie konsumieren als die (geplanten) ETH-Bauten mit 233 Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Jahr? </p><p>4. Wie hoch sind die jährlichen Aufwendungen der ETH-Architekturabteilung insgesamt? Welche Mittel davon beanspruchen die ETH-Vertreter des "Paradigmenwechsels" jährlich?</p><p>5. Teilt er die Meinung der ETH, dass depropagierte Paradigmenwechsel zukunftsweisend und nachhaltig sind?</p>
- Warum bekämpft die ETH-Architekturabteilung das innovativste Schweizer Technologiegewerbe?
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>1. /2. Minergie-, Minergie-P- und Plus-Energie-Bauten zielen auf eine starke Verringerung des Energieverbrauchs, berücksichtigen damit aber den CO2-Ausstoss lediglich indirekt. Da der Schweizer Gebäudepark heute rund die Hälfte der landesweiten CO2-Emissionen verursacht, ist es im Sinne des Klimaschutzes äusserst wichtig, dass die Institutionen des ETH-Bereichs nach Lösungen zur Reduktion dieses Ausstosses suchen. Mit "Towards Zero-Emissions Architecture" zeigt das Departement Architektur der ETH Zürich einen entsprechenden möglichen Lösungsweg auf.</p><p>Die vom ETH-Bereich genutzten Immobilien befinden sich grösstenteils im Eigentum des Bundes. Entsprechend gelten die Zielsetzungen und Vorgaben des Bundes ebenfalls für Neu- und Umbauten im ETH-Bereich. Mit Zustimmung des Eigentümers können einzelne Bauten zu Forschungszwecken andere Zielrichtungen im Energiebereich verfolgen, als dies bei Bauvorhaben im ordentlichen Rahmen, basierend auf den Energiekonzepten und den kantonalen Vorschriften, vorgesehen ist. Das Pilotprojekt HPZ auf dem Science-City-Campus der ETH Zürich auf dem Hönggerberg ist ein Beispiel dafür. Es wird erwartet, dass dieses Forschungsprojekt nach der Sanierung ebenfalls den Minergie-Standard für Neubauten von 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Jahr erreichen wird. Den in der Interpellation genannten Standards für Minergie-P- und Plus-Energie-Bauten wird es dagegen nicht genügen. Hier wurde somit zu Forschungszwecken ein optimales Gleichgewicht zwischen dem Energiesparen und der erwünschten stärkeren Reduktion des CO2-Ausstosses gesucht. Diese Überlegungen können auf den gesamten Schweizer Gebäudepark extrapoliert werden. Die Kommission für öffentliche Bauten des Nationalrates wurde an ihrer Sitzung vom 26. April 2010 über Energiekonzepte und die Erreichung nachhaltiger Ziele im Immobilienmanagement des ETH-Bereichs informiert.</p><p>3. Die genannten 233 Kilowattstunden pro Quadretmeter pro Jahr beschreiben den Gesamtenergiebedarf inkl. aller Energie für Forschungs- und Lehreinrichtungen pro Energiebezugsfläche für Strom und Wärme im Jahr 2009. Forschungsinfrastrukturen sind ausserordentlich energieintensiv, weshalb die Nutzenergieanforderung nach Minergie nicht mit dem Gesamtenergieverbrauch der ETH Zürich verglichen werden kann. Für Neubauten werden die maximalen Energieverbrauchswerte nach Minergie (z. B. 40 Kilowattstunden pro Quadretmeter pro Jahr für Verwaltungsbauten und Schulen) eingehalten oder unterschritten. Auch bei Umbauten oder Gesamtsanierungen werden die Zielwerte nach Minergie (z. B. 55 Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Jahr für Verwaltungsbauten und Schulen), wo baulich, technisch und wirtschaftlich möglich, eingehalten oder unterschritten. </p><p>4. Die Grundfinanzierung (Personal- und Sachmittel) des Departementes Architektur der ETH Zürich betrug 2010 gemäss Auskunft der ETH Zürich 37 Millionen Franken. Diese Mittel werden für eine breit gefächerte Lehre und Forschung eingesetzt. Im Rahmen der Forschungstätigkeit des Departementes Architektur wurde das Konzept "Towards Zero-Emissions Architecture" erarbeitet, das von allen Professorinnen und Professoren des Departementes unterstützt wird. Daher erscheint es nicht sinnvoll, gesonderte Mittel für einzelne Vertreter des Departementes auszuweisen. Die Ausrichtung der Forschungstätigkeit des genannten Departementes liegt grundsätzlich im Ermessen der ETH Zürich, die ihre Entscheidungen im Rahmen ihrer vom ETH-Gesetz gewährten Autonomie und dem Leistungsauftrag des Bundesrates an den ETH-Bereich trifft.</p><p>5. Im Leistungsauftrag hat der Bundesrat dem ETH-Bereich ausdrücklich den Auftrag erteilt, Grundlagenforschung mit ausreichendem Raum für risikoreiche und unkonventionelle Forschungsansätze zu betreiben. Zudem solle er angewandte und themenorientierte Forschung im Dienste der Gesellschaft betreiben. Mit dem Konzept "Towards Zero-Emissions Architecture" bereichert die ETH Zürich die Diskussion über die Ausgestaltung einer nachhaltigen Energiepolitik.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Wie den Medien zu entnehmen ist, kritisieren einige ETH-Architekturvertreter die in Zusammenarbeit mit den Kantonen und Fachhochschulen seit 1996 erfolgreich erarbeiteten Minergie/Minergie-P-Baustandards. Ihre Stossrichtung ist offenbar ein Paradigmenwechsel von Minergie-P hin zu "Towards Zero-Emissions Architecture". Dieser ist aber mit massiven Energieverlusten im Vergleich zum heutigen Stand der Technik zu verbinden. Diesbezügliche Fragen bleiben bis heute ohne qualifizierte Antwort. Im Vergleich zum heutigen Stand der Gebäudetechnik von Minergie-P/Passivhaus oder Plus-Energie-Bauten (PEB) mit einem Gesamtenergieverbrauch von 25 bis 45 Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Jahr (Energiekennzahl, EKZ) für Neubauten und Bausanierungen, ist der ETH-Energieverbrauch der ETH-Liegenschaften von 233 Kilowattstunden pro Quadretmeter pro Jahr (ETH-Jahresbericht 2009, S. 47) gut 5- bis 9-mal höher als der heutige Stand der Gebäudetechnik.</p><p>Gewerbliche Energieeffizienzverbesserungen sind erfolgreich: Obwohl der Wohnraum pro Person in den letzten Jahren stieg, musste - dank rationeller Energienutzung - die Energieversorgung zur Beheizung der Raumtemperatur nicht erhöht werden. </p><p>In diesem Zusammenhang frage ich den Bundesrat:</p><p>1. Wie viel Energie benötigen die "Paradigma-Bauten" im Vergleich zum heutigen Stand der Technik von:</p><p>a. Minergie-P/Passivhaus-Bauten mit einem Gesamtenergieverbrauch von 25 bis 32 Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Jahr? </p><p>b. PEB, die mehr Solarstrom ins öffentliche Netz verkaufen als die PEB im Jahresdurchschnitt für Heizung, Warmwasser inklusive gesamte Haushalt- und/oder Betriebsstrom benötigen? </p><p>2. Wie sieht das Gesamtergebnis aus bei einer gesamtschweizerischen Umsetzung von "Paradigma-Bauten" im Vergleich zur flächendeckenden Umsetzung von erstens Minergie-P/Passivhaus-Bauten und zweitens PEB? </p><p>3. Ist es ihm bekannt, dass die 2009 und 2010 mit dem Schweizer und europäischen Solarpreis ausgezeichneten Minergie-P-Bauten dem Stand der Technik entsprechen und bei vollem Komfort mit rund 30 bis 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter rund 6- bis 8-mal weniger Energie konsumieren als die (geplanten) ETH-Bauten mit 233 Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Jahr? </p><p>4. Wie hoch sind die jährlichen Aufwendungen der ETH-Architekturabteilung insgesamt? Welche Mittel davon beanspruchen die ETH-Vertreter des "Paradigmenwechsels" jährlich?</p><p>5. Teilt er die Meinung der ETH, dass depropagierte Paradigmenwechsel zukunftsweisend und nachhaltig sind?</p>
- Warum bekämpft die ETH-Architekturabteilung das innovativste Schweizer Technologiegewerbe?
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