Eine Männer- und Väterpolitik für den Bund
- ShortId
-
10.4155
- Id
-
20104155
- Updated
-
28.07.2023 07:52
- Language
-
de
- Title
-
Eine Männer- und Väterpolitik für den Bund
- AdditionalIndexing
-
28;Gleichstellung von Mann und Frau;Geschlechterforschung;Mann;Eltern;Stellung der Frau;ausserparlamentarische Kommission
- 1
-
- L05K0107010302, Mann
- L04K01030301, Eltern
- L04K16030107, Geschlechterforschung
- L05K0806020201, ausserparlamentarische Kommission
- L03K010104, Stellung der Frau
- L04K05020305, Gleichstellung von Mann und Frau
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Während Gleichstellungspolitik in den vergangenen vierzig Jahren primär als Frauenförderung verstanden wurde, hat sich in Wissenschaft und Praxis international die Erkenntnis durchgesetzt, dass Gleichstellungspolitik neben der weiterhin notwendigen Frauenförderung auch spezifische Ansätze in Bezug auf Buben und Männer erfordert. Diese zielen u. a. auf die Verringerung männerspezifischer Gesundheitsrisiken, die Gewährleistung eines bubengerechten Bildungswesens, die Förderung des Engagements der Männer in der Familie und in der unbezahlten Care-Arbeit und die Minimierung männerspezifischen Risikoverhaltens. </p><p>In der Schweiz sind diesbezügliche Bemühungen zivilgesellschaftlich in schneller Entwicklung begriffen. In den letzten zehn Jahren haben sich die Schweizer Männer- und Väterorganisationen in zwei Dachverbänden organisiert (männer.ch und GeCoBi), die Zahl der Fachleute in der Männer- und Väterarbeit, der Täterberatung sowie der Jugendarbeit wächst. Institutionell sind Buben-, Männer- und Väterfragen in der Schweiz, im Gegensatz zum benachbarten Ausland, jedoch noch nicht verankert. Die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen ist gemäss ihrem Auftrag auch für Geschlechterfragen verantwortlich. In diesem Gremium sind die Männer jedoch nur mit 14 Prozent vertreten (gemäss dem RVOG sollten in allen ausserparlamentarischen Kommissionen beide Geschlechter mit mindestens 30 Prozent vertreten sein). Damit hinkt die Schweiz dem Ausland hinterher. So hat sich die deutsche Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag das Ziel gesetzt, "eine eigenständige Jungen- und Männerpolitik zu entwickeln". In Österreich existiert auf Bundesebene eine Männerpolitische Grundsatzabteilung. Für die Implementierung einer zukunftsorientierten Geschlechterpolitik müssen sowohl Frauen- wie Männerperspektiven berücksichtigt werden. Dieser Anforderung kann der Bund nachkommen, wenn er eine Fachstelle für Männer-, Väter- und Bubenfragen einsetzt. Notfalls kann auch die EKF umbenannt werden und mit dem neuen, zusätzlichen Auftrag betraut werden. Allerdings dürfte die Kommission selber mit dieser Ausdehnung des Auftrags nicht einverstanden sein.</p>
- <p>Der Bundesrat misst der Gleichstellung von Frau und Mann in allen Lebensbereichen grosse Bedeutung bei. Er geht mit dem Motionär einig, dass eine zukunftsgerichtete Gleichstellungspolitik sich auch mit männerspezifischen Fragen befassen muss. Dazu gehören namentlich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie das Familien- und Scheidungsrecht. Der Bundesrat anerkennt denn auch die Wichtigkeit des diesbezüglichen zivilgesellschaftlichen Engagements vieler Männer und Frauen.</p><p>Die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen (EKF) hat als ausserparlamentarische Verwaltungskommission die Aufgabe, den Bundesrat in Fragen zu beraten, welche die Stellung der Frau in der Schweiz betreffen. Die EKF ist das einzige nationale Gremium, welches sich gemäss ihrem Mandat aus einer frauenpolitischen Sichtweise heraus mit allen Fragen befasst, welche frauenspezifische Anliegen sowie die Gleichstellung der Geschlechter betreffen. Die Zusammensetzung und das Mandat der EKF garantieren dabei, dass die Kommission bei ihrer Arbeit auch die männliche Perspektive mitberücksichtigt. Zurzeit sind die Männer mit drei Mitgliedern in der 20-köpfigen Kommission vertreten. Die Kommission hat bereits verschiedentlich Schritte unternommen mit dem Ziel, den Männeranteil zu erhöhen. Allerdings hat sich bei diesen Bemühungen gezeigt, dass es schwierig ist, Männer für eine Mitarbeit in der Kommission zu gewinnen. Die Kommission wird ihre Bemühungen in dieser Sache weiterführen. Eine Umbenennung der EKF in Eidgenössische Kommission für Geschlechterfragen verbunden mit der Betrauung mit einem zusätzlichen Auftrag lehnt der Bundesrat sowohl aus sachlichen als auch aus finanziellen Gründen ab.</p><p>Im Unterschied zur EKF hat das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) als Bundesamt den gesetzlichen Auftrag, die Gleichstellung beider Geschlechter in allen Lebensbereichen zu fördern. Konkret heisst dies, dass das EBG bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben in den beiden Schwerpunktbereichen Gleichstellung im Erwerbsleben und Gleichstellung in der Familie auch die Perspektiven und Anliegen von Männern und Vätern mit einbezieht. Das EBG führt seit mehreren Jahren im Rahmen eines Geschlechterdialogs einen regelmässigen Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern von Frauen- und Männerorganisationen. 2009 hat es hierzu gemeinsam mit den Dachorganisationen eine "Tagung zur Förderung des Dialoges und der Zusammenarbeit zwischen Frauenorganisationen, Männerorganisationen und Gleichstellungsbüros" durchgeführt. Bei der Vergabe von Finanzhilfen für mehr Gleichstellung im Erwerbsleben unterstützt das EBG regelmässig auch Projekte, die sich gezielt an Männer richten. So wird beispielsweise seit 2004 ein Projekt mitfinanziert, welches die Berufe des Unterstufenlehrers bzw. des Kindergärtners bei Männern bekanntmachen und die Erhöhung des Männeranteils in den Schulen erreichen will. In Anerkennung der Tatsache, dass immer mehr Väter Kinderbetreuungsaufgaben übernehmen, hat das EBG zusammen mit dem VBS 2008 eine Informationsbroschüre zu Leistungen der Erwerbsersatzordnung herausgegeben, welche sich an Männer und Frauen richtet, die Kinder betreuen und zeitweise Militär-, Zivil- oder Schutzdienst leisten. Die Fachstelle gegen Gewalt des EBG wiederum konzentriert sich in ihrer Arbeit auf die Problematik der Gewalt gegen Frauen und Männer in Paarbeziehungen und Trennungssituationen. Angesichts dieser breiten, beide Geschlechter umfassenden Haltung, die das EBG bei der Ausübung seiner Aufgaben einnimmt, sieht der Bundesrat keine Notwendigkeit zur zusätzlichen Schaffung einer Fachstelle für Männer-, Väter- und Bubenfragen.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen in eine Kommission für Geschlechterfragen umzuwandeln respektive eine Kompetenzstelle innerhalb der Bundesverwaltung zu bezeichnen, welche sich spezifischer Buben-, Männer- und Väterfragen und entsprechender Probleme annimmt.</p>
- Eine Männer- und Väterpolitik für den Bund
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Während Gleichstellungspolitik in den vergangenen vierzig Jahren primär als Frauenförderung verstanden wurde, hat sich in Wissenschaft und Praxis international die Erkenntnis durchgesetzt, dass Gleichstellungspolitik neben der weiterhin notwendigen Frauenförderung auch spezifische Ansätze in Bezug auf Buben und Männer erfordert. Diese zielen u. a. auf die Verringerung männerspezifischer Gesundheitsrisiken, die Gewährleistung eines bubengerechten Bildungswesens, die Förderung des Engagements der Männer in der Familie und in der unbezahlten Care-Arbeit und die Minimierung männerspezifischen Risikoverhaltens. </p><p>In der Schweiz sind diesbezügliche Bemühungen zivilgesellschaftlich in schneller Entwicklung begriffen. In den letzten zehn Jahren haben sich die Schweizer Männer- und Väterorganisationen in zwei Dachverbänden organisiert (männer.ch und GeCoBi), die Zahl der Fachleute in der Männer- und Väterarbeit, der Täterberatung sowie der Jugendarbeit wächst. Institutionell sind Buben-, Männer- und Väterfragen in der Schweiz, im Gegensatz zum benachbarten Ausland, jedoch noch nicht verankert. Die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen ist gemäss ihrem Auftrag auch für Geschlechterfragen verantwortlich. In diesem Gremium sind die Männer jedoch nur mit 14 Prozent vertreten (gemäss dem RVOG sollten in allen ausserparlamentarischen Kommissionen beide Geschlechter mit mindestens 30 Prozent vertreten sein). Damit hinkt die Schweiz dem Ausland hinterher. So hat sich die deutsche Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag das Ziel gesetzt, "eine eigenständige Jungen- und Männerpolitik zu entwickeln". In Österreich existiert auf Bundesebene eine Männerpolitische Grundsatzabteilung. Für die Implementierung einer zukunftsorientierten Geschlechterpolitik müssen sowohl Frauen- wie Männerperspektiven berücksichtigt werden. Dieser Anforderung kann der Bund nachkommen, wenn er eine Fachstelle für Männer-, Väter- und Bubenfragen einsetzt. Notfalls kann auch die EKF umbenannt werden und mit dem neuen, zusätzlichen Auftrag betraut werden. Allerdings dürfte die Kommission selber mit dieser Ausdehnung des Auftrags nicht einverstanden sein.</p>
- <p>Der Bundesrat misst der Gleichstellung von Frau und Mann in allen Lebensbereichen grosse Bedeutung bei. Er geht mit dem Motionär einig, dass eine zukunftsgerichtete Gleichstellungspolitik sich auch mit männerspezifischen Fragen befassen muss. Dazu gehören namentlich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie das Familien- und Scheidungsrecht. Der Bundesrat anerkennt denn auch die Wichtigkeit des diesbezüglichen zivilgesellschaftlichen Engagements vieler Männer und Frauen.</p><p>Die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen (EKF) hat als ausserparlamentarische Verwaltungskommission die Aufgabe, den Bundesrat in Fragen zu beraten, welche die Stellung der Frau in der Schweiz betreffen. Die EKF ist das einzige nationale Gremium, welches sich gemäss ihrem Mandat aus einer frauenpolitischen Sichtweise heraus mit allen Fragen befasst, welche frauenspezifische Anliegen sowie die Gleichstellung der Geschlechter betreffen. Die Zusammensetzung und das Mandat der EKF garantieren dabei, dass die Kommission bei ihrer Arbeit auch die männliche Perspektive mitberücksichtigt. Zurzeit sind die Männer mit drei Mitgliedern in der 20-köpfigen Kommission vertreten. Die Kommission hat bereits verschiedentlich Schritte unternommen mit dem Ziel, den Männeranteil zu erhöhen. Allerdings hat sich bei diesen Bemühungen gezeigt, dass es schwierig ist, Männer für eine Mitarbeit in der Kommission zu gewinnen. Die Kommission wird ihre Bemühungen in dieser Sache weiterführen. Eine Umbenennung der EKF in Eidgenössische Kommission für Geschlechterfragen verbunden mit der Betrauung mit einem zusätzlichen Auftrag lehnt der Bundesrat sowohl aus sachlichen als auch aus finanziellen Gründen ab.</p><p>Im Unterschied zur EKF hat das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) als Bundesamt den gesetzlichen Auftrag, die Gleichstellung beider Geschlechter in allen Lebensbereichen zu fördern. Konkret heisst dies, dass das EBG bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben in den beiden Schwerpunktbereichen Gleichstellung im Erwerbsleben und Gleichstellung in der Familie auch die Perspektiven und Anliegen von Männern und Vätern mit einbezieht. Das EBG führt seit mehreren Jahren im Rahmen eines Geschlechterdialogs einen regelmässigen Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern von Frauen- und Männerorganisationen. 2009 hat es hierzu gemeinsam mit den Dachorganisationen eine "Tagung zur Förderung des Dialoges und der Zusammenarbeit zwischen Frauenorganisationen, Männerorganisationen und Gleichstellungsbüros" durchgeführt. Bei der Vergabe von Finanzhilfen für mehr Gleichstellung im Erwerbsleben unterstützt das EBG regelmässig auch Projekte, die sich gezielt an Männer richten. So wird beispielsweise seit 2004 ein Projekt mitfinanziert, welches die Berufe des Unterstufenlehrers bzw. des Kindergärtners bei Männern bekanntmachen und die Erhöhung des Männeranteils in den Schulen erreichen will. In Anerkennung der Tatsache, dass immer mehr Väter Kinderbetreuungsaufgaben übernehmen, hat das EBG zusammen mit dem VBS 2008 eine Informationsbroschüre zu Leistungen der Erwerbsersatzordnung herausgegeben, welche sich an Männer und Frauen richtet, die Kinder betreuen und zeitweise Militär-, Zivil- oder Schutzdienst leisten. Die Fachstelle gegen Gewalt des EBG wiederum konzentriert sich in ihrer Arbeit auf die Problematik der Gewalt gegen Frauen und Männer in Paarbeziehungen und Trennungssituationen. Angesichts dieser breiten, beide Geschlechter umfassenden Haltung, die das EBG bei der Ausübung seiner Aufgaben einnimmt, sieht der Bundesrat keine Notwendigkeit zur zusätzlichen Schaffung einer Fachstelle für Männer-, Väter- und Bubenfragen.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen in eine Kommission für Geschlechterfragen umzuwandeln respektive eine Kompetenzstelle innerhalb der Bundesverwaltung zu bezeichnen, welche sich spezifischer Buben-, Männer- und Väterfragen und entsprechender Probleme annimmt.</p>
- Eine Männer- und Väterpolitik für den Bund
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