Anstieg der Nahrungsmittelpreise. Strategie

ShortId
11.3344
Id
20113344
Updated
27.07.2023 21:18
Language
de
Title
Anstieg der Nahrungsmittelpreise. Strategie
AdditionalIndexing
55;08;Entwicklungsland;Nahrungsmittelknappheit;Preissteigerung;Nahrungsmittelpreis;Ernährungspolitik;Nahrungsmittel;Nord-Süd-Beziehungen;Agrarstrukturpolitik
1
  • L04K11050209, Nahrungsmittelpreis
  • L03K140203, Nahrungsmittel
  • L04K11050502, Preissteigerung
  • L04K14010402, Agrarstrukturpolitik
  • L04K01050605, Nahrungsmittelknappheit
  • L04K01050603, Ernährungspolitik
  • L05K0704020103, Entwicklungsland
  • L04K10020110, Nord-Süd-Beziehungen
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Die Preise für Nahrungsmittel haben in den letzten Jahren weltweit ständig zugenommen. Der Nahrungsmittelindex der Weltbank stieg zwischen Oktober 2010 und Januar 2011 um 15 Prozent und liegt nur noch 3 Prozent unter seinem Höchststand von 2008. Der Preisanstieg betrifft Grundnahrungsmittel wie Weizen, Mais, Zucker, Speiseöle und Reis. Die Lage wird noch verschärft durch die wachsende Weltbevölkerung, die zusätzlichen Druck auf die landwirtschaftliche Produktion erzeugt, sowie durch den Klimawandel, der in verschiedenen Weltgegenden zu Dürren oder Überschwemmungen führt.</p><p>Die Weltbank hat verschiedene Massnahmen getroffen, um die negativen Auswirkungen der hohen Nahrungsmittelpreise auf die ärmsten Länder abzumildern. Dazu gehört auch die Alimentierung des "Global Food Crisis Response Program" (GFRP). Seit September 2010 laufen in 35 Ländern GFRP-Projekte in der Höhe von 1,24 Milliarden US-Dollar. Die Weltbank unterstützt die Länder zwar auch bei der Entwicklung von Risikomanagement-Instrumenten, damit sie besser auf zukünftige Preisanstiege reagieren können. Zur Stabilisierung der Nahrungsmittelpreise setzt sie aber weiterhin darauf, dass der Markt sich selber reguliert. Die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung hingegen sieht durchaus Raum für eine weltweite Lenkung der Nahrungsmittelmärkte, u. a. durch steuerliche Massnahmen zur Verringerung der Spekulation auf den Rohstoffmärkten, durch innovative Mechanismen zur Preisstabilisierung und durch Finanzierungsmechanismen für Krisenfälle, mit denen die Auswirkungen abgefedert werden können, die massive Preisanstiege bei Grundnahrungsmitteln auf arme Länder haben.</p>
  • <p>Unter hohen und volatilen Nahrungsmittelpreisen leiden insbesondere arme Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern. Neben anderen Faktoren waren auch erhöhte Nahrungsmittelpreise Anstoss für die politischen Unruhen in Nordafrika. In Entwicklungsländern könnten erhöhte Nahrungsmittelpreise mittelfristig das Einkommen der Bauernfamilien und Kleinproduzenten in ländlichen Gebieten verbessern.</p><p>Die internationalen Bemühungen im Bereich Ernährungssicherheit weisen bislang geringe Fortschritte auf. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft spielt im Entwicklungsprozess in den ärmsten Ländern eine wichtige Rolle. Sie wurde in der Vergangenheit vernachlässigt, obgleich sie ein grosses Potenzial für höhere Erträge aufweist.</p><p>Die Schweiz hat mit einem 2008 geschaffenen globalen Programm ihren Beitrag im Bereich der Landwirtschaft und der Ernährungssicherheit verstärkt. Ein Schwerpunkt dieses Programms liegt auf der Stärkung der Produktionssysteme der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in Entwicklungsländern.</p><p>Die negativen Effekte der Preisschwankungen sind mit Massnahmen auf unterschiedlichen Ebenen zu bekämpfen. Die Schweiz engagiert sich deshalb in den relevanten internationalen Organisationen sowie in der Stärkung des Landwirtschaftssektors in Entwicklungsländern durch bilaterale und multilaterale Aktivitäten.</p><p>1. Unterstützung des Landwirtschaftssektors: Für eine Verbesserung der Ernährungssicherheit ist es zentral, im Agrarbereich eine nachhaltige Produktion und Produktivität zu sichern sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen, Institutionen und Dienstleistungen auf nationaler und internationaler Ebene zu stärken. Im Gegensatz zu anderen Geberländern hat die Schweiz im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit ihr Engagement in der Landwirtschaft in den letzten zwanzig Jahren stets erhöht.</p><p>2. Multilaterale Massnahmen: Auf multilateraler Ebene unterstützt die Schweiz weiterhin die Umsetzung der kurz- und langfristigen Massnahmen der Weltbankgruppe und der UN-Agenturen, einschliesslich der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen und der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung. Die Massnahmen zielen darauf, die negativen Folgen der Preisschwankungen einzudämmen und die landwirtschaftliche Produktion zu stärken, namentlich durch Investitionen und mit einer stärkeren Unterstützung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft und der landwirtschaftlichen Produktionskette.</p><p>3. Internationale Agrarmärkte: Die Stärkung von gut funktionierenden internationalen Agrarmärkten und die Verbesserung von Markttransparenz und -informationen sind hierfür wichtige Voraussetzungen. Die Schweiz ist diesbezüglich im Internationalen Getreiderat aktiv, der sich für transparente Märkte einsetzt. Ebenso engagiert sich die Schweiz für einen Abschluss der WTO-Verhandlungen. Damit würde auch für die ärmsten Länder die Teilhabe am Welthandel verbessert.</p><p>Folgende Massnahmen greifen auf unterschiedlichen Ebenen ein und haben einen positiven Effekt auf die Nahrungsmittelsicherheit:</p><p>a. Förderung von multifunktionalen Familienbetrieben, die Nahrungsmittel für die Deckung des Eigenbedarfs produzieren sowie die lokalen und regionalen, aber auch internationalen Märkte beliefern;</p><p>b. Unterstützung sozial und ökologisch nachhaltiger landwirtschaftlicher Produktionssysteme und Wertschöpfungsketten mit produktivitätssteigernden und einkommensfördernden Massnahmen;</p><p>c. Zugang zu Finanzdienstleistungen und Technologien, um Ernteverluste klein zu halten;</p><p>d. Schutz der Nahrungsmittelproduktion gegenüber der Biotreibstoffproduktion.</p><p>Diese Massnahmen steigern das ländliche Einkommen, bremsen die Landflucht und ermöglichen eine gezielte Diversifizierung, die insbesondere für die Ernährungssicherheit wichtig ist. Die handels- und entwicklungspolitischen Massnahmen der Schweiz helfen in diesem Sinne mit, Nahrungsmittelkrisen und einem Anstieg von Nahrungsmittelpreisen vorzubeugen und die negativen Auswirkungen dieser Krisen auf die notleidende Bevölkerung abzumildern.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>1. Was gedenkt der Bundesrat gegen den weltweiten Anstieg der Nahrungsmittelpreise zu unternehmen?</p><p>2. Welche Massnahmen sind - in Zusammenarbeit mit den internationalen Finanzinstitutionen - geplant, um Investitionen in die Landwirtschaft zu fördern und so die chronische Ernährungsunsicherheit zu bekämpfen, insbesondere in den am wenigsten entwickelten Ländern?</p><p>P.S.: Diese Frage wird in verschiedenen Ländern in einer vom Parlamentariernetzwerk "Parliamentary Network on the World Bank" koordinierten Aktion eingereicht.</p>
  • Anstieg der Nahrungsmittelpreise. Strategie
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Die Preise für Nahrungsmittel haben in den letzten Jahren weltweit ständig zugenommen. Der Nahrungsmittelindex der Weltbank stieg zwischen Oktober 2010 und Januar 2011 um 15 Prozent und liegt nur noch 3 Prozent unter seinem Höchststand von 2008. Der Preisanstieg betrifft Grundnahrungsmittel wie Weizen, Mais, Zucker, Speiseöle und Reis. Die Lage wird noch verschärft durch die wachsende Weltbevölkerung, die zusätzlichen Druck auf die landwirtschaftliche Produktion erzeugt, sowie durch den Klimawandel, der in verschiedenen Weltgegenden zu Dürren oder Überschwemmungen führt.</p><p>Die Weltbank hat verschiedene Massnahmen getroffen, um die negativen Auswirkungen der hohen Nahrungsmittelpreise auf die ärmsten Länder abzumildern. Dazu gehört auch die Alimentierung des "Global Food Crisis Response Program" (GFRP). Seit September 2010 laufen in 35 Ländern GFRP-Projekte in der Höhe von 1,24 Milliarden US-Dollar. Die Weltbank unterstützt die Länder zwar auch bei der Entwicklung von Risikomanagement-Instrumenten, damit sie besser auf zukünftige Preisanstiege reagieren können. Zur Stabilisierung der Nahrungsmittelpreise setzt sie aber weiterhin darauf, dass der Markt sich selber reguliert. Die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung hingegen sieht durchaus Raum für eine weltweite Lenkung der Nahrungsmittelmärkte, u. a. durch steuerliche Massnahmen zur Verringerung der Spekulation auf den Rohstoffmärkten, durch innovative Mechanismen zur Preisstabilisierung und durch Finanzierungsmechanismen für Krisenfälle, mit denen die Auswirkungen abgefedert werden können, die massive Preisanstiege bei Grundnahrungsmitteln auf arme Länder haben.</p>
    • <p>Unter hohen und volatilen Nahrungsmittelpreisen leiden insbesondere arme Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern. Neben anderen Faktoren waren auch erhöhte Nahrungsmittelpreise Anstoss für die politischen Unruhen in Nordafrika. In Entwicklungsländern könnten erhöhte Nahrungsmittelpreise mittelfristig das Einkommen der Bauernfamilien und Kleinproduzenten in ländlichen Gebieten verbessern.</p><p>Die internationalen Bemühungen im Bereich Ernährungssicherheit weisen bislang geringe Fortschritte auf. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft spielt im Entwicklungsprozess in den ärmsten Ländern eine wichtige Rolle. Sie wurde in der Vergangenheit vernachlässigt, obgleich sie ein grosses Potenzial für höhere Erträge aufweist.</p><p>Die Schweiz hat mit einem 2008 geschaffenen globalen Programm ihren Beitrag im Bereich der Landwirtschaft und der Ernährungssicherheit verstärkt. Ein Schwerpunkt dieses Programms liegt auf der Stärkung der Produktionssysteme der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in Entwicklungsländern.</p><p>Die negativen Effekte der Preisschwankungen sind mit Massnahmen auf unterschiedlichen Ebenen zu bekämpfen. Die Schweiz engagiert sich deshalb in den relevanten internationalen Organisationen sowie in der Stärkung des Landwirtschaftssektors in Entwicklungsländern durch bilaterale und multilaterale Aktivitäten.</p><p>1. Unterstützung des Landwirtschaftssektors: Für eine Verbesserung der Ernährungssicherheit ist es zentral, im Agrarbereich eine nachhaltige Produktion und Produktivität zu sichern sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen, Institutionen und Dienstleistungen auf nationaler und internationaler Ebene zu stärken. Im Gegensatz zu anderen Geberländern hat die Schweiz im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit ihr Engagement in der Landwirtschaft in den letzten zwanzig Jahren stets erhöht.</p><p>2. Multilaterale Massnahmen: Auf multilateraler Ebene unterstützt die Schweiz weiterhin die Umsetzung der kurz- und langfristigen Massnahmen der Weltbankgruppe und der UN-Agenturen, einschliesslich der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen und der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung. Die Massnahmen zielen darauf, die negativen Folgen der Preisschwankungen einzudämmen und die landwirtschaftliche Produktion zu stärken, namentlich durch Investitionen und mit einer stärkeren Unterstützung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft und der landwirtschaftlichen Produktionskette.</p><p>3. Internationale Agrarmärkte: Die Stärkung von gut funktionierenden internationalen Agrarmärkten und die Verbesserung von Markttransparenz und -informationen sind hierfür wichtige Voraussetzungen. Die Schweiz ist diesbezüglich im Internationalen Getreiderat aktiv, der sich für transparente Märkte einsetzt. Ebenso engagiert sich die Schweiz für einen Abschluss der WTO-Verhandlungen. Damit würde auch für die ärmsten Länder die Teilhabe am Welthandel verbessert.</p><p>Folgende Massnahmen greifen auf unterschiedlichen Ebenen ein und haben einen positiven Effekt auf die Nahrungsmittelsicherheit:</p><p>a. Förderung von multifunktionalen Familienbetrieben, die Nahrungsmittel für die Deckung des Eigenbedarfs produzieren sowie die lokalen und regionalen, aber auch internationalen Märkte beliefern;</p><p>b. Unterstützung sozial und ökologisch nachhaltiger landwirtschaftlicher Produktionssysteme und Wertschöpfungsketten mit produktivitätssteigernden und einkommensfördernden Massnahmen;</p><p>c. Zugang zu Finanzdienstleistungen und Technologien, um Ernteverluste klein zu halten;</p><p>d. Schutz der Nahrungsmittelproduktion gegenüber der Biotreibstoffproduktion.</p><p>Diese Massnahmen steigern das ländliche Einkommen, bremsen die Landflucht und ermöglichen eine gezielte Diversifizierung, die insbesondere für die Ernährungssicherheit wichtig ist. Die handels- und entwicklungspolitischen Massnahmen der Schweiz helfen in diesem Sinne mit, Nahrungsmittelkrisen und einem Anstieg von Nahrungsmittelpreisen vorzubeugen und die negativen Auswirkungen dieser Krisen auf die notleidende Bevölkerung abzumildern.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>1. Was gedenkt der Bundesrat gegen den weltweiten Anstieg der Nahrungsmittelpreise zu unternehmen?</p><p>2. Welche Massnahmen sind - in Zusammenarbeit mit den internationalen Finanzinstitutionen - geplant, um Investitionen in die Landwirtschaft zu fördern und so die chronische Ernährungsunsicherheit zu bekämpfen, insbesondere in den am wenigsten entwickelten Ländern?</p><p>P.S.: Diese Frage wird in verschiedenen Ländern in einer vom Parlamentariernetzwerk "Parliamentary Network on the World Bank" koordinierten Aktion eingereicht.</p>
    • Anstieg der Nahrungsmittelpreise. Strategie

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