Psychopharmaka

ShortId
11.3878
Id
20113878
Updated
28.07.2023 09:44
Language
de
Title
Psychopharmaka
AdditionalIndexing
2841;Pädiatrie;medizinische Diagnose;Betäubungsmittel;Narkotikum;Medikament
1
  • L06K010102010201, Betäubungsmittel
  • L05K0105030105, Narkotikum
  • L05K0105030102, Medikament
  • L04K01050212, Pädiatrie
  • L04K01050208, medizinische Diagnose
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>1. In seiner Stellungnahme vom 23. Februar 2011 zur Motion Freysinger 10.4070, "Missbrauch von Ritalin eindämmen", hat der Bundesrat auf die Empfehlungen der europäischen Heilmittelbehörde (European Medicines Agency) zur sicheren Verschreibung von Ritalin und anderen Präparaten mit dem Wirkstoff Methylphenidat hingewiesen. In der Zwischenzeit hat Swissmedic die Arzneimittelinformation für alle neu zugelassenen Präparate mit Methylphenidat an diesen europäischen Standard angepasst und auf ihrer Homepage über diese Neuerungen informiert. Um sämtliche Arzneimittelinformationen zu harmonisieren, hat Swissmedic im Mai 2011 zudem ein Überprüfungsverfahren für alle bestehenden Präparate mit Methylphenidat eröffnet. In der Folge wurden die Hersteller mit Präparaten, welche schon länger im Markt sind, aufgefordert, die wichtigen Anwendungshinweise und Vorsichtsmassnahmen mit einem vorgegebenen Wortlaut zu ändern. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) wird die Wirkung der von Swissmedic vorgenommenen Massnahmen weiterhin im Auge behalten und erst dann allfällige weitere Massnahmen beschliessen. Zum derzeitigen Zeitpunkt sieht das BAG von einer Limitierung der Verschreibung ab.</p><p>2. Gemäss der im August 2011 in der schweizerischen Ärztezeitung veröffentlichten Resultate der Helsana Studie ("Schweizerische Ärztezeitung" vom 24. August 2011 Nr. 34) können keine plausiblen Gründe für eine tiefere Inzidenz von ADHS oder eine Unterversorgung im Tessin aufgeführt werden. Die Autoren vermuten als Ursache einen kulturell bedingten Hintergrund (mediterrane Gesellschaft) oder eine andere Behandlungsphilosophie im Zusammenhang mit der Erkrankung ADHS. Ausserdem interpretieren sie die für städtische Grossregionen und bevölkerungsdichte Kantone höheren Ergebnisse im Zusammenhang mit stadtähnlichen Lebensweisen. Ebenfalls in Betracht kämen Sozial- und Umweltfaktoren wie allenfalls ein besserer Zugang zur medizinischen Versorgung in Verbindung mit einer höheren Ärztedichte. Das BAG verfügt über keine anderen Daten oder Studien zu diesem Thema. Es kann deshalb weder den Erkenntnissen und Interpretationen aus dieser Studie zustimmen noch diese verneinen.</p><p>3. Zur Diagnosefindung führt ein Kinder- und Jugendpsychiater mit FMH-Titel verschiedene Untersuchungen wie beispielsweise Konzentrations- und psychologische Tests beim Kind (inklusive Kindergartenalter) oder Jugendlichen durch. Daneben erfolgt eine klinische Untersuchung, welche u. a. eine körperliche Untersuchung sowie eine Blutuntersuchung beinhaltet. Diese Untersuchungen werden durchgeführt, um andere Erkrankungen wie Schizophrenie, Entwicklungsstörungen, Störungen des Sozialverhaltens oder körperliche Erkrankungen auszuschliessen.</p><p>Gemäss dem "Diagnostischen und Statistischen Handbuch Psychischer Störungen (DSM IV)", ein Klassifikationssystem der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung, wird ADHS unter den Störungen der Aufmerksamkeit, der Aktivität und des Sozialverhaltens eingeordnet. Im Handbuch werden verschiedene Kriterien aufgelistet, die auf ADHS schliessen lassen.</p><p>Treten mindestens sechs Kriterien der Unaufmerksamkeit oder sechs der Kriterien Hyperaktivität und Impulsivität während sechs Monaten andauernd in einem mit dem Entwicklungsstand des Kindes oder Jugendlichen nicht zu vereinbarenden und unangemessenen Ausmass auf, so wird gemäss DSM IV die Diagnose ADHS gestellt.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>Der Interpellant möchte angesichts der immer grösseren Verbreitung des Gebrauchs von Ritalin folgende Fragen beantwortet haben:</p><p>1. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat vor einigen Monaten angekündigt, restriktive Massnahmen bezüglich der Verschreibung von Ritalin herauszugeben. Wie steht es damit, und welches ist der Status dieser Massnahme?</p><p>2. Im Tessin werden fünfmal weniger Psychopharmaka gegen ADHS verschrieben. Wie erklärt sich das BAG diesen Umstand?</p><p>3. Abklärungen, um ADHS festzustellen, werden nun bereits im Kindergarten gemacht. Wie läuft in diesen Fällen die Prozedur konkret ab?</p>
  • Psychopharmaka
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>1. In seiner Stellungnahme vom 23. Februar 2011 zur Motion Freysinger 10.4070, "Missbrauch von Ritalin eindämmen", hat der Bundesrat auf die Empfehlungen der europäischen Heilmittelbehörde (European Medicines Agency) zur sicheren Verschreibung von Ritalin und anderen Präparaten mit dem Wirkstoff Methylphenidat hingewiesen. In der Zwischenzeit hat Swissmedic die Arzneimittelinformation für alle neu zugelassenen Präparate mit Methylphenidat an diesen europäischen Standard angepasst und auf ihrer Homepage über diese Neuerungen informiert. Um sämtliche Arzneimittelinformationen zu harmonisieren, hat Swissmedic im Mai 2011 zudem ein Überprüfungsverfahren für alle bestehenden Präparate mit Methylphenidat eröffnet. In der Folge wurden die Hersteller mit Präparaten, welche schon länger im Markt sind, aufgefordert, die wichtigen Anwendungshinweise und Vorsichtsmassnahmen mit einem vorgegebenen Wortlaut zu ändern. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) wird die Wirkung der von Swissmedic vorgenommenen Massnahmen weiterhin im Auge behalten und erst dann allfällige weitere Massnahmen beschliessen. Zum derzeitigen Zeitpunkt sieht das BAG von einer Limitierung der Verschreibung ab.</p><p>2. Gemäss der im August 2011 in der schweizerischen Ärztezeitung veröffentlichten Resultate der Helsana Studie ("Schweizerische Ärztezeitung" vom 24. August 2011 Nr. 34) können keine plausiblen Gründe für eine tiefere Inzidenz von ADHS oder eine Unterversorgung im Tessin aufgeführt werden. Die Autoren vermuten als Ursache einen kulturell bedingten Hintergrund (mediterrane Gesellschaft) oder eine andere Behandlungsphilosophie im Zusammenhang mit der Erkrankung ADHS. Ausserdem interpretieren sie die für städtische Grossregionen und bevölkerungsdichte Kantone höheren Ergebnisse im Zusammenhang mit stadtähnlichen Lebensweisen. Ebenfalls in Betracht kämen Sozial- und Umweltfaktoren wie allenfalls ein besserer Zugang zur medizinischen Versorgung in Verbindung mit einer höheren Ärztedichte. Das BAG verfügt über keine anderen Daten oder Studien zu diesem Thema. Es kann deshalb weder den Erkenntnissen und Interpretationen aus dieser Studie zustimmen noch diese verneinen.</p><p>3. Zur Diagnosefindung führt ein Kinder- und Jugendpsychiater mit FMH-Titel verschiedene Untersuchungen wie beispielsweise Konzentrations- und psychologische Tests beim Kind (inklusive Kindergartenalter) oder Jugendlichen durch. Daneben erfolgt eine klinische Untersuchung, welche u. a. eine körperliche Untersuchung sowie eine Blutuntersuchung beinhaltet. Diese Untersuchungen werden durchgeführt, um andere Erkrankungen wie Schizophrenie, Entwicklungsstörungen, Störungen des Sozialverhaltens oder körperliche Erkrankungen auszuschliessen.</p><p>Gemäss dem "Diagnostischen und Statistischen Handbuch Psychischer Störungen (DSM IV)", ein Klassifikationssystem der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung, wird ADHS unter den Störungen der Aufmerksamkeit, der Aktivität und des Sozialverhaltens eingeordnet. Im Handbuch werden verschiedene Kriterien aufgelistet, die auf ADHS schliessen lassen.</p><p>Treten mindestens sechs Kriterien der Unaufmerksamkeit oder sechs der Kriterien Hyperaktivität und Impulsivität während sechs Monaten andauernd in einem mit dem Entwicklungsstand des Kindes oder Jugendlichen nicht zu vereinbarenden und unangemessenen Ausmass auf, so wird gemäss DSM IV die Diagnose ADHS gestellt.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>Der Interpellant möchte angesichts der immer grösseren Verbreitung des Gebrauchs von Ritalin folgende Fragen beantwortet haben:</p><p>1. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat vor einigen Monaten angekündigt, restriktive Massnahmen bezüglich der Verschreibung von Ritalin herauszugeben. Wie steht es damit, und welches ist der Status dieser Massnahme?</p><p>2. Im Tessin werden fünfmal weniger Psychopharmaka gegen ADHS verschrieben. Wie erklärt sich das BAG diesen Umstand?</p><p>3. Abklärungen, um ADHS festzustellen, werden nun bereits im Kindergarten gemacht. Wie läuft in diesen Fällen die Prozedur konkret ab?</p>
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