Ernährungssouveränität durch ökologische Pflanzenzüchtung sicherstellen

ShortId
11.4203
Id
20114203
Updated
27.07.2023 20:52
Language
de
Title
Ernährungssouveränität durch ökologische Pflanzenzüchtung sicherstellen
AdditionalIndexing
55;biologische Landwirtschaft;Saatgut;Unabhängigkeit in der Nahrungsmittelversorgung;Pflanzenzucht
1
  • L05K1401010113, Pflanzenzucht
  • L05K1401020201, biologische Landwirtschaft
  • L04K10010107, Unabhängigkeit in der Nahrungsmittelversorgung
  • L05K1401080205, Saatgut
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Züchtung ist in der Schweiz seit 1878 eine öffentliche Aufgabe. Die eidgenössischen Forschungsanstalten Agroscope sind für Pflanzenarten wie Soja, Futterpflanzen, Weizen, Apfel international führend in der Züchtung von resistenten, standortangepassten Sorten für nachhaltige Anbausysteme. Private Schweizer Saatzuchtunternehmen leisten Pionierarbeit bei der ökologischen Pflanzenzüchtung, in der sämtliche Züchtungsschritte unter ökologischen Anbaubedingungen durchgeführt werden. Einige Schweizer Züchtungen weisen heute punkto Qualitätsmerkmale, Robustheit und Ökologie einen Vorsprung auf, welcher für die angestrebte Qualitätsstrategie und -führerschaft der Schweiz genutzt werden kann. Aktuell werden über 30 Schweizer Züchtungen in 14 Ländern angebaut. 24 Länder prüfen rund 400 Schweizer Neuzüchtungen auf deren Anbaueignung. </p><p>Die genetische Vielfalt verschwindet sehr schnell durch die kostenintensive Entwicklung in der Züchtungstechnik, die Globalisierung der Saatgutmärkte und den Abbau der öffentlichen Züchtungsprogramme. Nur noch zehn Saatgutanbieter stellen weltweit 74 Prozent des kommerziell gehandelten Saatguts her. Bei vielen Gemüsearten sind nur noch Sorten erhältlich, die nicht weiter vermehrt werden können, z. B. weil sie steril sind. Für andere Arten stehen fast nur noch gentechnisch veränderte Sorten zur Verfügung, welche für die Schweiz nicht zugelassen sind. Bei Kartoffel, Gerste und Raps ist die Schweiz vollständig von ausländischen Saatgutproduzenten abhängig. Dieser Verlust der Ernährungssouveränität ist alarmierend.</p><p>Die Kriterien für eine ökologische Pflanzenzüchtung wurden kürzlich unter Schweizer Mitwirkung definiert und dem European Consortium for Organic Plant Breeding (ECO-PB) für die europäische Harmonisierung vorgelegt. Damit ist der optimale Zeitpunkt für die Förderung der ökologischen Pflanzenzüchtung in der Schweiz gekommen. Der Vorsprung der Schweizer Züchtungsbranche soll jetzt genutzt werden, solange noch leistungsstarke, ökologisch unbedenkliche Sorten existieren.</p>
  • <p>Dem Bundesrat ist es ein Anliegen, dass für jedes Anbausystem Sorten zur Verfügung stehen, die Ertrag, Verwendungseignung, Nährstoffausnutzung, Pflanzengesundheit und Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten bestmöglich kombinieren und die den Herausforderungen des Klimawandels wirksam begegnen. Solche Sorten stehen sowohl aus "ökologischer" als auch aus "konventioneller" Züchtung zur Verfügung.</p><p>Schweizer Pflanzenzüchtungen sind Teil eines nachhaltigen Ernährungssystems. Schweizer Sorten werden bei rund 20 landwirtschaftlichen Pflanzenarten gezüchtet. Die Programme des Bundes zur Züchtung neuer Sorten an den Forschungsanstalten von Agroscope konzentrieren sich auf Weizen, Soja, Futterpflanzen (Klee- und Gräserarten), Obst (Apfel, Aprikose), Weinreben sowie Medizinal- und Aromapflanzen. Diese Züchtungsprogramme - teilweise unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus durchgeführt - berücksichtigen bereits heute ökologische Gesichtspunkte und messen dem effizienten, nachhaltigen Umgang mit Rohstoffen und Ressourcen hohe Bedeutung bei. Konkret äussert sich dies in Zuchtzielen wie der Ausnutzung von Resistenzeigenschaften gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Weiter existieren private Zuchtprogramme bei Weizen, Dinkel, Triticale, Mais, Sonnenblumen, Erbsen und Gemüsearten, welche unter ökologischen Anbaubedingungen arbeiten. Der Bund unterstützt die inländische Saatgutproduktion mit Direktzahlungen sowie bei Kartoffeln, Mais und Futterpflanzen zusätzlich mit Anbaubeiträgen.</p><p>Bei Kartoffeln, Gerste, Hafer, Roggen, Raps und Zuckerrüben gibt es keine Züchtung in der Schweiz. Mit dem freien Zugang zu den Sorten des gemeinsamen Sortenkatalogs der EU steht heute - neben den Sorten aus der Schweiz - eine grosse Auswahl von geeigneten Sorten aus dem EU-Raum direkt zur Verfügung. So sind bei Kartoffeln rund 1300 ausländische Sorten handelbar. Davon werden momentan 28 geeignete Sorten nach sorgfältiger Prüfung ihrer Anbau- und Verwendungseignung in der Schweiz von der Branchenorganisation Swisspatat empfohlen. Bei Winterweizen, der mit grossem Abstand wichtigsten Getreideart, ist eine steigende genetische Diversifizierung feststellbar: Laut dem Saatgutproduzentenverband Swisssem war im Jahr 2000 der Marktanteil von 4 Sorten über 80 Prozent, insgesamt wurde Saatgut von 14 Sorten verkauft. Im Jahr 2010 teilten sich 14 Sorten 80 Prozent des Marktes auf, bei insgesamt 40 verkauften Sorten. Hinsichtlich der Saatgutverfügbarkeit ist die Schweiz Selbstversorgerin bei Getreide und Kartoffeln. Bei Arten ohne schweizerische Saatgutproduktion (z. B. Raps, Sonnenblumen, Zuckerrüben, Gemüsearten) sind keine Probleme in der Saatgutversorgung aus dem EU-Raum absehbar.</p><p>Der Bundesrat hat die Botschaft zur Agrarpolitik 2014-2017 verabschiedet. Er zeigt darin auf, wie der Beitrag der Landwirtschaft zur Versorgungssicherheit und die Ernährungssouveränität der Schweiz weiterhin gewährleistet und umgesetzt werden sollen. Im Rahmen der Vernehmlassung zur Agrarpolitik 2014-2017 wurden keine gewichtigen Forderungen nach einer zusätzlichen Unterstützung der Pflanzenzüchtung und Saatgutproduktion eingebracht.</p><p>Der Bundesrat verfolgt den nationalen und internationalen Saatgutmarkt. Mittelfristig sind für ihn in Europa kaum Risiken in der Sortenverfügbarkeit und Saatgutversorgung absehbar, die die Ernährungssouveränität gefährden würden.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
  • <p>Der Bundesrat wird gebeten aufzuzeigen, wie der aktuelle internationale Vorsprung der Schweiz bezüglich ökologischer Saatgutzüchtung für die bei uns gebräuchlichen Nutzpflanzenarten sichergestellt und somit die Ernährungssouveränität gewährleistet werden kann. Zudem ist er gebeten aufzuzeigen, wie dieses Anliegen in die Agrarpolitik 2014-2017 integriert werden kann.</p>
  • Ernährungssouveränität durch ökologische Pflanzenzüchtung sicherstellen
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Züchtung ist in der Schweiz seit 1878 eine öffentliche Aufgabe. Die eidgenössischen Forschungsanstalten Agroscope sind für Pflanzenarten wie Soja, Futterpflanzen, Weizen, Apfel international führend in der Züchtung von resistenten, standortangepassten Sorten für nachhaltige Anbausysteme. Private Schweizer Saatzuchtunternehmen leisten Pionierarbeit bei der ökologischen Pflanzenzüchtung, in der sämtliche Züchtungsschritte unter ökologischen Anbaubedingungen durchgeführt werden. Einige Schweizer Züchtungen weisen heute punkto Qualitätsmerkmale, Robustheit und Ökologie einen Vorsprung auf, welcher für die angestrebte Qualitätsstrategie und -führerschaft der Schweiz genutzt werden kann. Aktuell werden über 30 Schweizer Züchtungen in 14 Ländern angebaut. 24 Länder prüfen rund 400 Schweizer Neuzüchtungen auf deren Anbaueignung. </p><p>Die genetische Vielfalt verschwindet sehr schnell durch die kostenintensive Entwicklung in der Züchtungstechnik, die Globalisierung der Saatgutmärkte und den Abbau der öffentlichen Züchtungsprogramme. Nur noch zehn Saatgutanbieter stellen weltweit 74 Prozent des kommerziell gehandelten Saatguts her. Bei vielen Gemüsearten sind nur noch Sorten erhältlich, die nicht weiter vermehrt werden können, z. B. weil sie steril sind. Für andere Arten stehen fast nur noch gentechnisch veränderte Sorten zur Verfügung, welche für die Schweiz nicht zugelassen sind. Bei Kartoffel, Gerste und Raps ist die Schweiz vollständig von ausländischen Saatgutproduzenten abhängig. Dieser Verlust der Ernährungssouveränität ist alarmierend.</p><p>Die Kriterien für eine ökologische Pflanzenzüchtung wurden kürzlich unter Schweizer Mitwirkung definiert und dem European Consortium for Organic Plant Breeding (ECO-PB) für die europäische Harmonisierung vorgelegt. Damit ist der optimale Zeitpunkt für die Förderung der ökologischen Pflanzenzüchtung in der Schweiz gekommen. Der Vorsprung der Schweizer Züchtungsbranche soll jetzt genutzt werden, solange noch leistungsstarke, ökologisch unbedenkliche Sorten existieren.</p>
    • <p>Dem Bundesrat ist es ein Anliegen, dass für jedes Anbausystem Sorten zur Verfügung stehen, die Ertrag, Verwendungseignung, Nährstoffausnutzung, Pflanzengesundheit und Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten bestmöglich kombinieren und die den Herausforderungen des Klimawandels wirksam begegnen. Solche Sorten stehen sowohl aus "ökologischer" als auch aus "konventioneller" Züchtung zur Verfügung.</p><p>Schweizer Pflanzenzüchtungen sind Teil eines nachhaltigen Ernährungssystems. Schweizer Sorten werden bei rund 20 landwirtschaftlichen Pflanzenarten gezüchtet. Die Programme des Bundes zur Züchtung neuer Sorten an den Forschungsanstalten von Agroscope konzentrieren sich auf Weizen, Soja, Futterpflanzen (Klee- und Gräserarten), Obst (Apfel, Aprikose), Weinreben sowie Medizinal- und Aromapflanzen. Diese Züchtungsprogramme - teilweise unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus durchgeführt - berücksichtigen bereits heute ökologische Gesichtspunkte und messen dem effizienten, nachhaltigen Umgang mit Rohstoffen und Ressourcen hohe Bedeutung bei. Konkret äussert sich dies in Zuchtzielen wie der Ausnutzung von Resistenzeigenschaften gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Weiter existieren private Zuchtprogramme bei Weizen, Dinkel, Triticale, Mais, Sonnenblumen, Erbsen und Gemüsearten, welche unter ökologischen Anbaubedingungen arbeiten. Der Bund unterstützt die inländische Saatgutproduktion mit Direktzahlungen sowie bei Kartoffeln, Mais und Futterpflanzen zusätzlich mit Anbaubeiträgen.</p><p>Bei Kartoffeln, Gerste, Hafer, Roggen, Raps und Zuckerrüben gibt es keine Züchtung in der Schweiz. Mit dem freien Zugang zu den Sorten des gemeinsamen Sortenkatalogs der EU steht heute - neben den Sorten aus der Schweiz - eine grosse Auswahl von geeigneten Sorten aus dem EU-Raum direkt zur Verfügung. So sind bei Kartoffeln rund 1300 ausländische Sorten handelbar. Davon werden momentan 28 geeignete Sorten nach sorgfältiger Prüfung ihrer Anbau- und Verwendungseignung in der Schweiz von der Branchenorganisation Swisspatat empfohlen. Bei Winterweizen, der mit grossem Abstand wichtigsten Getreideart, ist eine steigende genetische Diversifizierung feststellbar: Laut dem Saatgutproduzentenverband Swisssem war im Jahr 2000 der Marktanteil von 4 Sorten über 80 Prozent, insgesamt wurde Saatgut von 14 Sorten verkauft. Im Jahr 2010 teilten sich 14 Sorten 80 Prozent des Marktes auf, bei insgesamt 40 verkauften Sorten. Hinsichtlich der Saatgutverfügbarkeit ist die Schweiz Selbstversorgerin bei Getreide und Kartoffeln. Bei Arten ohne schweizerische Saatgutproduktion (z. B. Raps, Sonnenblumen, Zuckerrüben, Gemüsearten) sind keine Probleme in der Saatgutversorgung aus dem EU-Raum absehbar.</p><p>Der Bundesrat hat die Botschaft zur Agrarpolitik 2014-2017 verabschiedet. Er zeigt darin auf, wie der Beitrag der Landwirtschaft zur Versorgungssicherheit und die Ernährungssouveränität der Schweiz weiterhin gewährleistet und umgesetzt werden sollen. Im Rahmen der Vernehmlassung zur Agrarpolitik 2014-2017 wurden keine gewichtigen Forderungen nach einer zusätzlichen Unterstützung der Pflanzenzüchtung und Saatgutproduktion eingebracht.</p><p>Der Bundesrat verfolgt den nationalen und internationalen Saatgutmarkt. Mittelfristig sind für ihn in Europa kaum Risiken in der Sortenverfügbarkeit und Saatgutversorgung absehbar, die die Ernährungssouveränität gefährden würden.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
    • <p>Der Bundesrat wird gebeten aufzuzeigen, wie der aktuelle internationale Vorsprung der Schweiz bezüglich ökologischer Saatgutzüchtung für die bei uns gebräuchlichen Nutzpflanzenarten sichergestellt und somit die Ernährungssouveränität gewährleistet werden kann. Zudem ist er gebeten aufzuzeigen, wie dieses Anliegen in die Agrarpolitik 2014-2017 integriert werden kann.</p>
    • Ernährungssouveränität durch ökologische Pflanzenzüchtung sicherstellen

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