Grundlagen für ein Screening zu innerfamiliärer Gewalt bei Kindern durch Gesundheitsfachpersonen
- ShortId
-
12.3206
- Id
-
20123206
- Updated
-
25.06.2025 00:14
- Language
-
de
- Title
-
Grundlagen für ein Screening zu innerfamiliärer Gewalt bei Kindern durch Gesundheitsfachpersonen
- AdditionalIndexing
-
28;2841;medizinische Diagnose;häusliche Gewalt;Kind;Forschungsvorhaben
- 1
-
- L05K0101020701, häusliche Gewalt
- L05K0107010205, Kind
- L04K01050208, medizinische Diagnose
- L04K16020206, Forschungsvorhaben
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Es ist davon auszugehen, dass 10 bis 30 Prozent aller Kinder im Verlauf ihrer Kindheit häusliche Gewalt miterleben, wobei 30 bis 60 Prozent dieser Kinder auch selbst misshandelt werden. Gemäss wissenschaftlichen Studien gefährdet die innerfamiliäre Gewalt die gesunde Entwicklung von Kindern und kann ohne Intervention zu Langzeitschädigungen führen. </p><p>Mit der Aufnahme von Screeningfragen zu innerfamiliärer Gewalt in die Anamnese der bei der Mehrheit der Kinder regelmässig durchgeführten ärztlichen Entwicklungskontrollen können die von häuslicher Gewalt betroffenen Kinder frühzeitig erfasst und gemäss ihren individuellen Bedürfnissen unterstützt werden. Ziel eines solchen Screenings ist auch, den Kindern zu vermitteln, dass Gesundheitsfachpersonen das Thema kennen, und ihnen die Möglichkeit zu geben, über ihre Gewalterfahrungen zu sprechen.</p><p>Bis jetzt fehlen jedoch wissenschaftliche Grundlagen für ein Screening zu innerfamiliärer Gewalt bei Kindern. Die bestehende wissenschaftliche Literatur legt den Fokus auf das Screening zu innerfamiliärer Gewalt bei Erwachsenen. Um die Kinder mit den Screeningfragen nicht zu schädigen, ist ein evidenzbasierter Fragebogen, der festlegt, was, wie, wann, wo und in welchem Alter gefragt werden soll, unabdingbar. </p><p>Gemäss des Berichts "Gewalt in Paarbeziehungen - Bericht zum Forschungsbedarf" vom Oktober 2011 sollte der Bereich "Paargewalt im Familiensystem: Paare und mitbetroffene Kinder" ein Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit der nächsten Jahre sein. Mit der Untersuchung zum Screening bei Kindern kann eine wichtige Forschungslücke dieses Bereichs geschlossen werden.</p>
- <p>Der Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Gewalt in der Familie ist für den Bundesrat ein wichtiges Anliegen. In einem Bericht in Erfüllung des Postulates Fehr Jacqueline 07.3725 vom 5. Oktober 2007 wird sich der Bundesrat demnächst mit dieser Thematik befassen.</p><p>Für den Bundesrat ist unbestritten, dass die Früherkennung von Kindern, welche von innerfamiliärer Gewalt wie Misshandlung und Miterleben von Gewalt in der elterlichen Paarbeziehung betroffen sind, wichtig ist und dass dabei den Gesundheitsfachpersonen eine wichtige Rolle zukommt. In der Schweiz werden seit den frühen 1990er-Jahren durch Kinder- und Hausärzte und -ärztinnen systematisch Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt. Die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie gibt ein Vorsorgemanual und eine Checkliste für diese Vorsorgeuntersuchungen heraus. Die Checklisten wurden im Jahr 2011 im Hinblick auf die Früherfassung von Kindsmisshandlung inklusive häuslicher Gewalt revidiert. Zudem hat die Stiftung Kinderschutz Schweiz im selben Jahr zum Thema Kindsmisshandlung einen "Leitfaden zu Früherfassung und Vorgehen in der ärztlichen Praxis" herausgegeben.</p><p>Zur Frage, inwieweit das im Rahmen der kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen bereits vorgesehene Screening zu innerfamiliärer Gewalt auch angewendet wird und ob diesbezüglich ein weiterer Handlungsbedarf besteht, liegen noch keine Auswertungen vor. Zur Umsetzung von Screeningverfahren gehört zudem der professionelle Umgang der Gesundheitsfachpersonen mit wahrscheinlichen Gefährdungssituationen: Sie müssen wissen, wie sie bei Anzeichen von innerfamiliärer Gewalt bei Kindern zu reagieren haben und welche Stelle sie dabei beraten kann.</p><p>Der Bundesrat ist bereit, einen Bericht über den Stand der Umsetzung von Screenings zu innerfamiliärer Gewalt bei Kindern im schweizerischen Gesundheitswesen zu verfassen und basierend darauf bei Bedarf Empfehlungen zur Umsetzung zu entwickeln.</p> Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht über die Möglichkeiten von Screenings zu innerfamiliärer Gewalt bei Kindern zu verfassen und Empfehlungen zur Umsetzung zu entwickeln.</p>
- Grundlagen für ein Screening zu innerfamiliärer Gewalt bei Kindern durch Gesundheitsfachpersonen
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Es ist davon auszugehen, dass 10 bis 30 Prozent aller Kinder im Verlauf ihrer Kindheit häusliche Gewalt miterleben, wobei 30 bis 60 Prozent dieser Kinder auch selbst misshandelt werden. Gemäss wissenschaftlichen Studien gefährdet die innerfamiliäre Gewalt die gesunde Entwicklung von Kindern und kann ohne Intervention zu Langzeitschädigungen führen. </p><p>Mit der Aufnahme von Screeningfragen zu innerfamiliärer Gewalt in die Anamnese der bei der Mehrheit der Kinder regelmässig durchgeführten ärztlichen Entwicklungskontrollen können die von häuslicher Gewalt betroffenen Kinder frühzeitig erfasst und gemäss ihren individuellen Bedürfnissen unterstützt werden. Ziel eines solchen Screenings ist auch, den Kindern zu vermitteln, dass Gesundheitsfachpersonen das Thema kennen, und ihnen die Möglichkeit zu geben, über ihre Gewalterfahrungen zu sprechen.</p><p>Bis jetzt fehlen jedoch wissenschaftliche Grundlagen für ein Screening zu innerfamiliärer Gewalt bei Kindern. Die bestehende wissenschaftliche Literatur legt den Fokus auf das Screening zu innerfamiliärer Gewalt bei Erwachsenen. Um die Kinder mit den Screeningfragen nicht zu schädigen, ist ein evidenzbasierter Fragebogen, der festlegt, was, wie, wann, wo und in welchem Alter gefragt werden soll, unabdingbar. </p><p>Gemäss des Berichts "Gewalt in Paarbeziehungen - Bericht zum Forschungsbedarf" vom Oktober 2011 sollte der Bereich "Paargewalt im Familiensystem: Paare und mitbetroffene Kinder" ein Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit der nächsten Jahre sein. Mit der Untersuchung zum Screening bei Kindern kann eine wichtige Forschungslücke dieses Bereichs geschlossen werden.</p>
- <p>Der Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Gewalt in der Familie ist für den Bundesrat ein wichtiges Anliegen. In einem Bericht in Erfüllung des Postulates Fehr Jacqueline 07.3725 vom 5. Oktober 2007 wird sich der Bundesrat demnächst mit dieser Thematik befassen.</p><p>Für den Bundesrat ist unbestritten, dass die Früherkennung von Kindern, welche von innerfamiliärer Gewalt wie Misshandlung und Miterleben von Gewalt in der elterlichen Paarbeziehung betroffen sind, wichtig ist und dass dabei den Gesundheitsfachpersonen eine wichtige Rolle zukommt. In der Schweiz werden seit den frühen 1990er-Jahren durch Kinder- und Hausärzte und -ärztinnen systematisch Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt. Die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie gibt ein Vorsorgemanual und eine Checkliste für diese Vorsorgeuntersuchungen heraus. Die Checklisten wurden im Jahr 2011 im Hinblick auf die Früherfassung von Kindsmisshandlung inklusive häuslicher Gewalt revidiert. Zudem hat die Stiftung Kinderschutz Schweiz im selben Jahr zum Thema Kindsmisshandlung einen "Leitfaden zu Früherfassung und Vorgehen in der ärztlichen Praxis" herausgegeben.</p><p>Zur Frage, inwieweit das im Rahmen der kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen bereits vorgesehene Screening zu innerfamiliärer Gewalt auch angewendet wird und ob diesbezüglich ein weiterer Handlungsbedarf besteht, liegen noch keine Auswertungen vor. Zur Umsetzung von Screeningverfahren gehört zudem der professionelle Umgang der Gesundheitsfachpersonen mit wahrscheinlichen Gefährdungssituationen: Sie müssen wissen, wie sie bei Anzeichen von innerfamiliärer Gewalt bei Kindern zu reagieren haben und welche Stelle sie dabei beraten kann.</p><p>Der Bundesrat ist bereit, einen Bericht über den Stand der Umsetzung von Screenings zu innerfamiliärer Gewalt bei Kindern im schweizerischen Gesundheitswesen zu verfassen und basierend darauf bei Bedarf Empfehlungen zur Umsetzung zu entwickeln.</p> Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht über die Möglichkeiten von Screenings zu innerfamiliärer Gewalt bei Kindern zu verfassen und Empfehlungen zur Umsetzung zu entwickeln.</p>
- Grundlagen für ein Screening zu innerfamiliärer Gewalt bei Kindern durch Gesundheitsfachpersonen
Back to List