Strategie zur Bekämpfung der Verbreitung von PET-Flaschen

ShortId
12.3422
Id
20123422
Updated
28.07.2023 13:18
Language
de
Title
Strategie zur Bekämpfung der Verbreitung von PET-Flaschen
AdditionalIndexing
52;steuerähnliche Abgabe;Bericht;Reduktion;Getränkeverpackung;Trinkwasser;Umweltverschlechterung;Kunststoff;Umweltverträglichkeit
1
  • L06K070101010202, Getränkeverpackung
  • L07K07050103020401, Kunststoff
  • L04K08020224, Reduktion
  • L03K060202, Umweltverschlechterung
  • L04K06010401, Umweltverträglichkeit
  • L03K020206, Bericht
  • L05K0603030210, Trinkwasser
  • L04K11070204, steuerähnliche Abgabe
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Seit den Neunzigerjahren hat in der Schweiz der Verbrauch von Mineralwasser in PET-Flaschen stark zugenommen. Im "Land der Alpen" ist diese Situation jedoch absurd: Die Mehrheit der Schweizer Bürgerinnen und Bürger hat Zugang zu Leitungswasser von hervorragender Qualität. Wasser in Flaschen belastet die Umwelt fast 1000-mal mehr als Leitungswasser, und die hohe Recyclingquote von PET ändert nichts an der Energiebilanz im Zusammenhang mit der Wiederaufarbeitung des recycelten PET, dem Transport usw.</p><p>Der Preiskrieg zwischen den Verteilern hat einen drastischen Verfall der Preise von PET-Flaschen für die Konsumentinnen und Konsumenten ausgelöst: Zwischen 2005 und 2011 ist der Preis um 50 Prozent gesunken und liegt nun bei 0,161 Rappen pro Liter. Wasser in Flaschen wird zu einem gängigen Konsumgut, und das schadet der Umwelt.</p><p>In Anbetracht der Energiewende, die der Bundesrat anstrebt, und des Engagements der Schweiz im Bereich der CO2-Emissionen wäre es sachdienlich, wenn der Bundesrat einen Bericht über die Möglichkeiten einer Strategie steuerlicher Massnahmen zur Reduktion der Herstellung, der Einfuhr, der Verteilung und des Verbrauchs von PET-Flaschen erstellen würde. Eine Abgabe auf PET-Flaschen könnte eine der Massnahmen sein.</p>
  • <p>Die Schweizer Bevölkerung konsumiert jährlich (alle Angaben 2011) rund 2,8 Milliarden Liter Getränke (alkoholisch und nichtalkoholisch), die in Glas- oder PET-Flaschen resp. in Aluminium- oder Blechdosen abgefüllt sind. Dies entspricht rund einem Liter Getränk pro Person und Tag. Es ist davon auszugehen, dass schätzungsweise nochmals die gleiche Menge an Leitungswasser in Form von Tee, Kaffee oder Trinkwasser konsumiert wird. Vergleicht man die Verpackungsarten (Einweggebinde) im Bereich Mineralwasser und Süssgetränke, dominiert klar PET mit 45 000 Tonnen, gefolgt von 8100 Tonnen Glas und 1200 Tonnen Aluminium. Bei den alkoholischen Getränken überwiegt klar die Glasflasche mit rund 260 000 Tonnen. </p><p>Ökologische Abwägungen</p><p>Gemäss einer im Auftrag des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches (SVGW) ausgearbeiteten Ökobilanzstudie benötigt die Aufbereitung und Bereitstellung von Trinkwasser aus dem Hahn bis zur Konsumation bis zu 1000-mal weniger Energie, als dies bei Mineralwasser der Fall wäre. Der Unterschied ist umso grösser, je weiter das Mineralwasser transportiert oder wenn es gekühlt wird. Diese Ökobilanz zeigt auch, dass sich die Umweltbelastung des Leitungswassers durch Sprudelgeräte und Kühlung wesentlich erhöht. </p><p>Ökobilanzen von Glas- und PET-Getränkeflaschen, basierend auf aktuellen Daten zu den Sammel- und Recyclingleistungen, zeigen, dass bei kurzen Transportdistanzen Mehrwegflaschen aus Glas und PET sowie PET-Einwegflaschen gleich hohe Umweltbelastungen verursachen. Deutlich schlechter sind in dieser Hinsicht Einwegflaschen aus Glas (nur rund 10 Prozent aller Mineralwasser und Süssgetränke werden über Mehrweg-Glasflaschen umgesetzt). </p><p>Die verschiedenen Studien machen klar, dass nicht in erster Linie die Verpackungsart (PET, Glas, Alu), sondern der Inhalt und insbesondere der Transport und die Kühlung der Getränke ökologisch eine grosse Rolle spielen. Es ist deshalb ökologisch nicht gerechtfertigt, PET-Flaschen anders zu behandeln als andere Getränkeverpackungen. </p><p>Insgesamt verursacht der Konsum an Mineralwasser und anderen alkoholfreien Getränken weniger als ein halbes Prozent der gesamten Umweltbelastung, welche die Schweizer Bevölkerung durch ihren Konsum verursacht.</p><p>Ökonomische Abwägungen </p><p>Auch aus ökonomischer Sicht ist eine Steuer beziehungsweise eine Lenkungsabgabe auf PET-Flaschen nicht opportun. Schliesslich würde die Auferlegung fiskalischer Bürden auf ein einziges Verpackungsmaterial zu einem einseitigen Markthemmnis und zu entsprechenden Marktverzerrungen führen. Da alle Verpackungsmaterialien ähnliche ökologische Auswirkungen aufweisen, ist eine Ungleichbehandlung aus ökonomischer Sicht nicht zielführend. Wenn eine Nachfragelenkung hin zu unverpackten Getränken (d. h. Leitungswasser) erfolgen sollte, müssten fiskalische Massnahmen auf Mineralwasser und andere alkoholfreie Getränke in allen Verpackungsarten ausgeweitet werden.</p><p>Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Bundesrat weder aus ökologischer noch aus ökonomischer Sicht die Erarbeitung des vom Postulanten geforderten Berichtes als notwendig erachtet.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
  • <p>Angesichts des drastischen Preisverfalls von Mineralwasser in Flaschen in den letzten Jahren und des erhöhten Verbrauchs wird der Bundesrat beauftragt, einen Bericht über eine Strategie steuerlicher Massnahmen zu erstellen, die das Ziel verfolgt, Herstellung, Einfuhr, Verteilung und Verbrauch von PET-Flaschen einzuschränken.</p>
  • Strategie zur Bekämpfung der Verbreitung von PET-Flaschen
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Seit den Neunzigerjahren hat in der Schweiz der Verbrauch von Mineralwasser in PET-Flaschen stark zugenommen. Im "Land der Alpen" ist diese Situation jedoch absurd: Die Mehrheit der Schweizer Bürgerinnen und Bürger hat Zugang zu Leitungswasser von hervorragender Qualität. Wasser in Flaschen belastet die Umwelt fast 1000-mal mehr als Leitungswasser, und die hohe Recyclingquote von PET ändert nichts an der Energiebilanz im Zusammenhang mit der Wiederaufarbeitung des recycelten PET, dem Transport usw.</p><p>Der Preiskrieg zwischen den Verteilern hat einen drastischen Verfall der Preise von PET-Flaschen für die Konsumentinnen und Konsumenten ausgelöst: Zwischen 2005 und 2011 ist der Preis um 50 Prozent gesunken und liegt nun bei 0,161 Rappen pro Liter. Wasser in Flaschen wird zu einem gängigen Konsumgut, und das schadet der Umwelt.</p><p>In Anbetracht der Energiewende, die der Bundesrat anstrebt, und des Engagements der Schweiz im Bereich der CO2-Emissionen wäre es sachdienlich, wenn der Bundesrat einen Bericht über die Möglichkeiten einer Strategie steuerlicher Massnahmen zur Reduktion der Herstellung, der Einfuhr, der Verteilung und des Verbrauchs von PET-Flaschen erstellen würde. Eine Abgabe auf PET-Flaschen könnte eine der Massnahmen sein.</p>
    • <p>Die Schweizer Bevölkerung konsumiert jährlich (alle Angaben 2011) rund 2,8 Milliarden Liter Getränke (alkoholisch und nichtalkoholisch), die in Glas- oder PET-Flaschen resp. in Aluminium- oder Blechdosen abgefüllt sind. Dies entspricht rund einem Liter Getränk pro Person und Tag. Es ist davon auszugehen, dass schätzungsweise nochmals die gleiche Menge an Leitungswasser in Form von Tee, Kaffee oder Trinkwasser konsumiert wird. Vergleicht man die Verpackungsarten (Einweggebinde) im Bereich Mineralwasser und Süssgetränke, dominiert klar PET mit 45 000 Tonnen, gefolgt von 8100 Tonnen Glas und 1200 Tonnen Aluminium. Bei den alkoholischen Getränken überwiegt klar die Glasflasche mit rund 260 000 Tonnen. </p><p>Ökologische Abwägungen</p><p>Gemäss einer im Auftrag des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches (SVGW) ausgearbeiteten Ökobilanzstudie benötigt die Aufbereitung und Bereitstellung von Trinkwasser aus dem Hahn bis zur Konsumation bis zu 1000-mal weniger Energie, als dies bei Mineralwasser der Fall wäre. Der Unterschied ist umso grösser, je weiter das Mineralwasser transportiert oder wenn es gekühlt wird. Diese Ökobilanz zeigt auch, dass sich die Umweltbelastung des Leitungswassers durch Sprudelgeräte und Kühlung wesentlich erhöht. </p><p>Ökobilanzen von Glas- und PET-Getränkeflaschen, basierend auf aktuellen Daten zu den Sammel- und Recyclingleistungen, zeigen, dass bei kurzen Transportdistanzen Mehrwegflaschen aus Glas und PET sowie PET-Einwegflaschen gleich hohe Umweltbelastungen verursachen. Deutlich schlechter sind in dieser Hinsicht Einwegflaschen aus Glas (nur rund 10 Prozent aller Mineralwasser und Süssgetränke werden über Mehrweg-Glasflaschen umgesetzt). </p><p>Die verschiedenen Studien machen klar, dass nicht in erster Linie die Verpackungsart (PET, Glas, Alu), sondern der Inhalt und insbesondere der Transport und die Kühlung der Getränke ökologisch eine grosse Rolle spielen. Es ist deshalb ökologisch nicht gerechtfertigt, PET-Flaschen anders zu behandeln als andere Getränkeverpackungen. </p><p>Insgesamt verursacht der Konsum an Mineralwasser und anderen alkoholfreien Getränken weniger als ein halbes Prozent der gesamten Umweltbelastung, welche die Schweizer Bevölkerung durch ihren Konsum verursacht.</p><p>Ökonomische Abwägungen </p><p>Auch aus ökonomischer Sicht ist eine Steuer beziehungsweise eine Lenkungsabgabe auf PET-Flaschen nicht opportun. Schliesslich würde die Auferlegung fiskalischer Bürden auf ein einziges Verpackungsmaterial zu einem einseitigen Markthemmnis und zu entsprechenden Marktverzerrungen führen. Da alle Verpackungsmaterialien ähnliche ökologische Auswirkungen aufweisen, ist eine Ungleichbehandlung aus ökonomischer Sicht nicht zielführend. Wenn eine Nachfragelenkung hin zu unverpackten Getränken (d. h. Leitungswasser) erfolgen sollte, müssten fiskalische Massnahmen auf Mineralwasser und andere alkoholfreie Getränke in allen Verpackungsarten ausgeweitet werden.</p><p>Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Bundesrat weder aus ökologischer noch aus ökonomischer Sicht die Erarbeitung des vom Postulanten geforderten Berichtes als notwendig erachtet.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
    • <p>Angesichts des drastischen Preisverfalls von Mineralwasser in Flaschen in den letzten Jahren und des erhöhten Verbrauchs wird der Bundesrat beauftragt, einen Bericht über eine Strategie steuerlicher Massnahmen zu erstellen, die das Ziel verfolgt, Herstellung, Einfuhr, Verteilung und Verbrauch von PET-Flaschen einzuschränken.</p>
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