Bienensterben. Dringender Handlungsbedarf

ShortId
12.4074
Id
20124074
Updated
28.07.2023 11:50
Language
de
Title
Bienensterben. Dringender Handlungsbedarf
AdditionalIndexing
55;Pflanzenschutzmittel;grenzüberschreitende Zusammenarbeit;Giftstoff;Moratorium;Bienenzucht;Verkaufsverweigerung;Insektizid
1
  • L05K0602010402, Giftstoff
  • L05K1401010201, Bienenzucht
  • L06K140108020302, Insektizid
  • L05K1401080203, Pflanzenschutzmittel
  • L05K0703010109, Verkaufsverweigerung
  • L04K10010207, grenzüberschreitende Zusammenarbeit
  • L04K08020318, Moratorium
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Um Kulturen vor Schädlingen zu schützen, müssen Insektizide eingesetzt werden. Diese können aufgrund ihrer Wirkungsart für Bienen toxisch sein. In solchen Fällen werden die in der Bewilligung festgelegten Anwendungsvorschriften so formuliert, dass die Verwendung des Pflanzenschutzmittels kein Risiko für Bienenvölker darstellt, die sich in der Nähe der behandelten Kulturen niedergelassen haben. Kein Risiko für Bienen besteht beispielsweise bei der Anwendung von Insektiziden in Kulturen, die von den Bienen weder für das Sammeln von Blütenstaub noch für das Sammeln von Honigtau genutzt werden.</p><p>Um festzustellen, ob ein Insektizid für Bienen toxisch ist oder nicht, werden zuerst Tests im Labor durchgeführt. Der Expositionsgrad liegt bei diesen Tests jeweils über demjenigen, dem die Bienen in der Natur ausgesetzt wären. Die Pflanzenschutzmittel, die sich für Bienen als potenziell gefährlich erweisen, werden anschliessend unter realistischen Verwendungsbedingungen getestet. Ziel ist, bei einer Anwendung gemäss Vorschriften negative Auswirkungen auf umliegende Bienenstöcke ausschliessen zu können.</p><p>Kürzlich wurden wissenschaftliche Versuche publiziert, die zeigen, dass sich niedrige Insektiziddosierungen auf das Verhalten der Bienen, insbesondere auf ihre Orientierung, auswirken können. Es soll nun geprüft werden, ob diese Versuche repräsentativ für die realistischen Verwendungsbedingungen sind und ob kleinste Insektizidrückstände in den Pollen oder im Nektar des Rapses ein Risiko für das Verhalten der Bienen oder für die Entwicklung der Bienenvölker darstellen können. Die Tests, die unter realistischen Verwendungsbedingungen bis heute durchgeführt wurden, zeigen keine unerklärbaren Verluste bei den Bienenvölkern, die in der Nähe des Kulturlandes oder auf diesem leben. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hat am 16. Januar 2013 einen Bericht publiziert über Risiken für Bienen durch gewisse Neonicotinoide. Am 31. Januar 2013 schlug die Europäische Kommission ein zweijähriges Verbot von drei Neonicotinoid-Wirkstoffen auf vier von Bienen häufig besuchten Kulturen vor. Die Mitgliedstaaten werden Ende Februar darüber abstimmen, sodass das Verbot im Juli 2013 in Kraft treten könnte. Der Bundesrat verpflichtet sich, die Ergebnisse der Efsa sowie die Entscheide in der EU bei der bereits laufenden Überprüfung dieser Insektizide zu berücksichtigen.</p><p>Die markanten Verluste von Bienenvölkern in der Schweiz sind Winterverluste, die auf den starken Befall mit dem Parasiten Varroa und mit Virosen zurückgeführt werden können. Die Verluste sind im Berggebiet nicht kleiner als im Tal, wo Pflanzenschutzmittel zum Schutz der Kulturen eingesetzt werden. Die Fälle von Bienenvergiftungen, die während der Ausbringungsphase der Insektizide beobachtet wurden, hängen mit der Nichteinhaltung der Anwendungsvorschriften, die in der Bewilligung festgelegt sind, zusammen. Verglichen mit den mehreren Zehntausend Insektizidanwendungen pro Jahr ist die Anzahl Vergiftungsfälle - rund zehn im Jahr - verhältnismässig klein.</p><p>Ein Moratorium für eine ganze Wirkstoffgruppe ist keine Lösung. Damit der Schutz der Kulturen vor Schädlingen gewährleistet wird, braucht es diese Wirkstoffe. Es gibt nur begrenzt Alternativmöglichkeiten, die zudem andere negative Folgen für die Umwelt haben können. Zudem sind nicht alle Wirkstoffe der Gruppe der Neonicotinoide für Bienen gleich gefährlich. Dank der Bewilligungspflicht für Pflanzenschutzmittel kann garantiert werden, dass bei einer Verwendung gemäss Vorschrift kein unannehmbares Risiko für die Umwelt besteht. Bei neuen Erkenntnissen kann die Bewilligung eines Pflanzenschutzmittels jederzeit überprüft und können die Anwendungsvorschriften, falls nötig, verschärft werden. Dies wurde in der Vergangenheit bereits gemacht. Der Bundesrat ist der Meinung, dass prioritär nach den Ursachen des Bienensterbens gesucht werden muss. Neue Erkenntnisse zu den Risiken von Insektiziden für Bienen sind zu berücksichtigen, damit die jeweiligen Anwendungsbestimmungen gegebenenfalls optimiert werden können.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>Während der Sommersession 2012 reichte ich die Frage 12.5221, "Bienensterben. Pestizid Cruiser verbieten?", ein, in der es um den Einsatz von Neonicotinoiden geht. Diese Pestizide stehen unter dem Verdacht, zum massiven Bienensterben beizutragen.</p><p>In seiner Antwort hat der Bundesrat versichert, dass diese komplexe Sachlage gerade geprüft werde. Es herrscht jedoch dringender Handlungsbedarf, und es werden rasche Massnahmen erwartet. Eine breitangelegte Petition von Greenpeace verlangt ein zehnjähriges Moratorium für diese neuen Pestizide. Die von Maya Graf eingereichte Motion 12.3397 fordert die Sistierung der Zulassung von Neonicotinoiden; die Motion wurde vom Nationalrat noch nicht behandelt, und der Bundesrat beantragte deren Ablehnung. </p><p>Diese Interpellation soll dazu beitragen, dem Anliegen einmal mehr den nötigen Schub zu geben. </p><p>Die Schweizer Imkerinnen und Imker verzeichnen schon seit Jahren einen Verlust von Bienenvölkern, der wahrscheinlich mehrere Ursachen hat. Dazu gehören die Bedrohung durch Parasiten (Varroamilbe) oder invasive Spezies, Viren und Klimaprobleme. Eine Ursache rückt aber immer mehr in den Fokus der Wissenschaft: systemische Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoiden sowie Fipronil. Diese Produkte sind für Bienen vieltausendmal toxischer als Dichlordiphenyltrichloraethan (DDT).</p><p>Studien des französischen wissenschaftlichen Forschungszentrums CNRS in Orléans haben gezeigt, dass Pollen, Bienen und der Honig, der in Bienenstöcken gelagert ist, durch diese Pestizide kontaminiert werden. Dank hochentwickelten Analysetechniken konnten in den Körpern von toten Bienen und im Honig Spuren von besagten Pestiziden nachgewiesen werden. Anscheinend reichen bereits kleinste Mengen davon aus, um bis zu zehn Tage nach dem Kontakt mit kontaminierten Pollen ein Bienensterben auszulösen. Die Pestizide beeinflussen die synaptischen Neurotransmitter im zentralen Nervensystem der Bienen. Es ist also nicht verwunderlich, dass im Rahmen der französischen Studien zum Pestizid Cruiser Störungen des Nervensystems bei Bienen festgestellt wurden.</p><p>Übereinstimmende Beweismaterialien deuten darauf hin, dass diese neuen Pestizide für die Bienen tödlich sein können und sie auf jeden Fall schwächen können.</p><p>Wie schätzt der Bundesrat die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Neonicotinoiden und Fipronil ein? Ist er bereit, dem Beispiel unserer Nachbarländer zu folgen und den Einsatz der erwähnten Pestizide einzuschränken oder idealerweise gar ein Moratorium für deren Gebrauch zu verhängen?</p>
  • Bienensterben. Dringender Handlungsbedarf
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Um Kulturen vor Schädlingen zu schützen, müssen Insektizide eingesetzt werden. Diese können aufgrund ihrer Wirkungsart für Bienen toxisch sein. In solchen Fällen werden die in der Bewilligung festgelegten Anwendungsvorschriften so formuliert, dass die Verwendung des Pflanzenschutzmittels kein Risiko für Bienenvölker darstellt, die sich in der Nähe der behandelten Kulturen niedergelassen haben. Kein Risiko für Bienen besteht beispielsweise bei der Anwendung von Insektiziden in Kulturen, die von den Bienen weder für das Sammeln von Blütenstaub noch für das Sammeln von Honigtau genutzt werden.</p><p>Um festzustellen, ob ein Insektizid für Bienen toxisch ist oder nicht, werden zuerst Tests im Labor durchgeführt. Der Expositionsgrad liegt bei diesen Tests jeweils über demjenigen, dem die Bienen in der Natur ausgesetzt wären. Die Pflanzenschutzmittel, die sich für Bienen als potenziell gefährlich erweisen, werden anschliessend unter realistischen Verwendungsbedingungen getestet. Ziel ist, bei einer Anwendung gemäss Vorschriften negative Auswirkungen auf umliegende Bienenstöcke ausschliessen zu können.</p><p>Kürzlich wurden wissenschaftliche Versuche publiziert, die zeigen, dass sich niedrige Insektiziddosierungen auf das Verhalten der Bienen, insbesondere auf ihre Orientierung, auswirken können. Es soll nun geprüft werden, ob diese Versuche repräsentativ für die realistischen Verwendungsbedingungen sind und ob kleinste Insektizidrückstände in den Pollen oder im Nektar des Rapses ein Risiko für das Verhalten der Bienen oder für die Entwicklung der Bienenvölker darstellen können. Die Tests, die unter realistischen Verwendungsbedingungen bis heute durchgeführt wurden, zeigen keine unerklärbaren Verluste bei den Bienenvölkern, die in der Nähe des Kulturlandes oder auf diesem leben. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hat am 16. Januar 2013 einen Bericht publiziert über Risiken für Bienen durch gewisse Neonicotinoide. Am 31. Januar 2013 schlug die Europäische Kommission ein zweijähriges Verbot von drei Neonicotinoid-Wirkstoffen auf vier von Bienen häufig besuchten Kulturen vor. Die Mitgliedstaaten werden Ende Februar darüber abstimmen, sodass das Verbot im Juli 2013 in Kraft treten könnte. Der Bundesrat verpflichtet sich, die Ergebnisse der Efsa sowie die Entscheide in der EU bei der bereits laufenden Überprüfung dieser Insektizide zu berücksichtigen.</p><p>Die markanten Verluste von Bienenvölkern in der Schweiz sind Winterverluste, die auf den starken Befall mit dem Parasiten Varroa und mit Virosen zurückgeführt werden können. Die Verluste sind im Berggebiet nicht kleiner als im Tal, wo Pflanzenschutzmittel zum Schutz der Kulturen eingesetzt werden. Die Fälle von Bienenvergiftungen, die während der Ausbringungsphase der Insektizide beobachtet wurden, hängen mit der Nichteinhaltung der Anwendungsvorschriften, die in der Bewilligung festgelegt sind, zusammen. Verglichen mit den mehreren Zehntausend Insektizidanwendungen pro Jahr ist die Anzahl Vergiftungsfälle - rund zehn im Jahr - verhältnismässig klein.</p><p>Ein Moratorium für eine ganze Wirkstoffgruppe ist keine Lösung. Damit der Schutz der Kulturen vor Schädlingen gewährleistet wird, braucht es diese Wirkstoffe. Es gibt nur begrenzt Alternativmöglichkeiten, die zudem andere negative Folgen für die Umwelt haben können. Zudem sind nicht alle Wirkstoffe der Gruppe der Neonicotinoide für Bienen gleich gefährlich. Dank der Bewilligungspflicht für Pflanzenschutzmittel kann garantiert werden, dass bei einer Verwendung gemäss Vorschrift kein unannehmbares Risiko für die Umwelt besteht. Bei neuen Erkenntnissen kann die Bewilligung eines Pflanzenschutzmittels jederzeit überprüft und können die Anwendungsvorschriften, falls nötig, verschärft werden. Dies wurde in der Vergangenheit bereits gemacht. Der Bundesrat ist der Meinung, dass prioritär nach den Ursachen des Bienensterbens gesucht werden muss. Neue Erkenntnisse zu den Risiken von Insektiziden für Bienen sind zu berücksichtigen, damit die jeweiligen Anwendungsbestimmungen gegebenenfalls optimiert werden können.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>Während der Sommersession 2012 reichte ich die Frage 12.5221, "Bienensterben. Pestizid Cruiser verbieten?", ein, in der es um den Einsatz von Neonicotinoiden geht. Diese Pestizide stehen unter dem Verdacht, zum massiven Bienensterben beizutragen.</p><p>In seiner Antwort hat der Bundesrat versichert, dass diese komplexe Sachlage gerade geprüft werde. Es herrscht jedoch dringender Handlungsbedarf, und es werden rasche Massnahmen erwartet. Eine breitangelegte Petition von Greenpeace verlangt ein zehnjähriges Moratorium für diese neuen Pestizide. Die von Maya Graf eingereichte Motion 12.3397 fordert die Sistierung der Zulassung von Neonicotinoiden; die Motion wurde vom Nationalrat noch nicht behandelt, und der Bundesrat beantragte deren Ablehnung. </p><p>Diese Interpellation soll dazu beitragen, dem Anliegen einmal mehr den nötigen Schub zu geben. </p><p>Die Schweizer Imkerinnen und Imker verzeichnen schon seit Jahren einen Verlust von Bienenvölkern, der wahrscheinlich mehrere Ursachen hat. Dazu gehören die Bedrohung durch Parasiten (Varroamilbe) oder invasive Spezies, Viren und Klimaprobleme. Eine Ursache rückt aber immer mehr in den Fokus der Wissenschaft: systemische Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoiden sowie Fipronil. Diese Produkte sind für Bienen vieltausendmal toxischer als Dichlordiphenyltrichloraethan (DDT).</p><p>Studien des französischen wissenschaftlichen Forschungszentrums CNRS in Orléans haben gezeigt, dass Pollen, Bienen und der Honig, der in Bienenstöcken gelagert ist, durch diese Pestizide kontaminiert werden. Dank hochentwickelten Analysetechniken konnten in den Körpern von toten Bienen und im Honig Spuren von besagten Pestiziden nachgewiesen werden. Anscheinend reichen bereits kleinste Mengen davon aus, um bis zu zehn Tage nach dem Kontakt mit kontaminierten Pollen ein Bienensterben auszulösen. Die Pestizide beeinflussen die synaptischen Neurotransmitter im zentralen Nervensystem der Bienen. Es ist also nicht verwunderlich, dass im Rahmen der französischen Studien zum Pestizid Cruiser Störungen des Nervensystems bei Bienen festgestellt wurden.</p><p>Übereinstimmende Beweismaterialien deuten darauf hin, dass diese neuen Pestizide für die Bienen tödlich sein können und sie auf jeden Fall schwächen können.</p><p>Wie schätzt der Bundesrat die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Neonicotinoiden und Fipronil ein? Ist er bereit, dem Beispiel unserer Nachbarländer zu folgen und den Einsatz der erwähnten Pestizide einzuschränken oder idealerweise gar ein Moratorium für deren Gebrauch zu verhängen?</p>
    • Bienensterben. Dringender Handlungsbedarf

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