Nationales Forschungsprogramm zu den Auswirkungen von Online-Medien
- ShortId
-
12.4233
- Id
-
20124233
- Updated
-
28.07.2023 13:39
- Language
-
de
- Title
-
Nationales Forschungsprogramm zu den Auswirkungen von Online-Medien
- AdditionalIndexing
-
34;2841;Suchtprävention;Gesundheitsrisiko;soziale Medien;NFP;Sozialverträglichkeit;Sucht;Internet;Technologiebewertung
- 1
-
- L06K120202010502, soziale Medien
- L05K1202020105, Internet
- L04K01010201, Sucht
- L05K1602020107, NFP
- L06K070601050404, Technologiebewertung
- L04K01040214, Sozialverträglichkeit
- L04K01050510, Gesundheitsrisiko
- L06K010505070201, Suchtprävention
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Die Entwicklung der Online-Medien verläuft äusserst rasant: Der Markt hält ständig neue Geräte bereit, und die verschiedenen Anwendungsformen der Online-Medien (Social-Media-Anwendungen, Online-Games usw.) finden eine laufende, rasche Weiterentwicklung. In der Mediengeschichte gibt es noch keine Erfahrungswerte, anhand derer sich die Konsequenzen der aktuell zu beobachtenden Entwicklungen einschätzen lassen. Dass es diese Konsequenzen gibt - und zwar in zunehmendem Mass -, darauf weisen die steigenden Fallzahlen in Suchthilfeeinrichtungen und psychiatrischen Kliniken hin.</p><p>Mit seinem Bericht "Gefährdungspotenzial von Internet und Online-Games" vom 30. März 2012 erteilt der Bundesrat dem EDI zwar den Auftrag, Fragen zur Internetnutzung in die Erhebung des Nationalen Suchtmonitorings 2013 und des Schweizerischen Cannabismonitorings 2014 aufzunehmen. Das ist sicher zu begrüssen. Aber um die Gefährdung des Individuums durch eine (exzessive) Nutzung der neuen Medien auf psychischer, physischer und sozialer Ebene frühzeitig erkennen und verhindern bzw. eindämmen zu können, bedarf es darüber hinaus einer eigentlichen Grundlagenforschung. Sie muss Auskunft darüber geben können, welches Nutzungsmass und welche Nutzungsart welche Bedeutung für die physische, psychische und soziale Gesundheit des Individuums haben. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass einerseits griffige Präventions- und Behandlungsangebote entwickelt und implementiert werden können und andererseits drohende Problemlasten für die Gesamtgesellschaft und hohe Folgekosten für die Volkswirtschaft vermieden werden können.</p>
- <p>Der in der Motion erwähnte Expertenbericht des BAG "Gefährdungspotenzial von Internet und Online-Games" bietet eine Analyse der Verbreitung exzessiver Internetnutzung und damit zusammenhängender gesundheitlicher Beeinträchtigungen. Der Bericht zeigt auf, dass die zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Untersuchungen nicht ausreichen, um das Ausmass der Verbreitung der exzessiven Internetnutzung und dessen Auswirkungen auf die gesamte Bevölkerung abschliessend zu beurteilen. Weiter zeigt er, dass sich aus aktuellen, auf Jugendliche und junge Erwachsene fokussierten Studien aber vorläufig schliessen lässt, dass die Häufigkeit der Fälle (Prävalenz) exzessiver Internetnutzung als nicht alarmierend einzustufen ist. In einer der aufgeführten Schweizer Studien werden 2,3 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen als "problematische" Nutzerinnen und Nutzer eingestuft. In anderen europäischen Ländern und den USA variiert die Prävalenz zwischen 1 und 6 Prozent.</p><p>Der Bericht weist weiter darauf hin, dass aufgrund der zahlreichen Personen, welche das Internet intensiv gebrauchen, der Internetnutzung eine wachsende Bedeutung für die öffentliche Gesundheit zukommen wird. Verschiedene Studien stellen einen Zusammenhang zwischen exzessiver Internetnutzung und der physischen Gesundheit fest; nach Einschätzung der Experten wirke sich das aber mehrheitlich positiv auf die Nutzenden aus. Negative gesundheitliche und soziale Reaktionen lassen sich nicht ausschliesslich aufgrund der Nutzungsart und des Nutzungsausmasses erklären, sondern sind in Kombination mit der Beurteilung weiterer Faktoren zu betrachten (z. B. schwierige familiäre und soziale Konstellation, bestehende psychische Probleme usw). Schliesslich gibt der Bericht einen Überblick über aktuelle Interventionsansätze zur Prävention und Behandlung exzessiver Internetnutzung und identifiziert entsprechende Massnahmen und Angebote auf den Ebenen Bund und Kantone.</p><p>Basierend auf diesen Ergebnissen ist der Bundesrat zum Schluss gekommen, dass die Beobachtung der weiteren Entwicklung und die Verbesserung der Datenlage weiterhin notwendig sind, um rechtzeitig und adäquat auf eine Veränderung der Problematik reagieren zu können. Er hat deshalb das Bundesamt für Gesundheit (BAG) beauftragt, Fragen zur Internetnutzung in das Nationale Suchtmonitoring 2013 aufzunehmen. Sollten die Resultate des Suchtmonitorings 2013 auf eine Zuspitzung der Problematik hindeuten, wäre die Situation erneut zu beurteilen.</p><p>Vor diesem Hintergrund ist der Bundesrat der Meinung, dass zurzeit kein zusätzlicher Handlungsbedarf besteht. Das schliesst jedoch nicht aus, dass interessierte Kreise in der nächsten NFP-Runde im Rahmen der etablierten Verfahren Themenvorschläge zu den in der Motion erwähnten Fragen einreichen können. Des Weiteren haben Forschende jederzeit auch die Möglichkeit, wissenschaftliche Projekte zu Einzelfragen in diesem Themenbereich beim SNF einzureichen.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, ein nationales Forschungsprogramm zu den Auswirkungen der Online-Medien auf das Individuum und die Gesellschaft in die Wege zu leiten.</p><p>Es soll insbesondere Aufschluss geben über die Entwicklung der individuellen (physischen, psychischen und sozialen) gesundheitlichen Beeinträchtigungen sowie auf mögliche negative volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen eines exzessiven Konsums von Online-Medien.</p>
- Nationales Forschungsprogramm zu den Auswirkungen von Online-Medien
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Die Entwicklung der Online-Medien verläuft äusserst rasant: Der Markt hält ständig neue Geräte bereit, und die verschiedenen Anwendungsformen der Online-Medien (Social-Media-Anwendungen, Online-Games usw.) finden eine laufende, rasche Weiterentwicklung. In der Mediengeschichte gibt es noch keine Erfahrungswerte, anhand derer sich die Konsequenzen der aktuell zu beobachtenden Entwicklungen einschätzen lassen. Dass es diese Konsequenzen gibt - und zwar in zunehmendem Mass -, darauf weisen die steigenden Fallzahlen in Suchthilfeeinrichtungen und psychiatrischen Kliniken hin.</p><p>Mit seinem Bericht "Gefährdungspotenzial von Internet und Online-Games" vom 30. März 2012 erteilt der Bundesrat dem EDI zwar den Auftrag, Fragen zur Internetnutzung in die Erhebung des Nationalen Suchtmonitorings 2013 und des Schweizerischen Cannabismonitorings 2014 aufzunehmen. Das ist sicher zu begrüssen. Aber um die Gefährdung des Individuums durch eine (exzessive) Nutzung der neuen Medien auf psychischer, physischer und sozialer Ebene frühzeitig erkennen und verhindern bzw. eindämmen zu können, bedarf es darüber hinaus einer eigentlichen Grundlagenforschung. Sie muss Auskunft darüber geben können, welches Nutzungsmass und welche Nutzungsart welche Bedeutung für die physische, psychische und soziale Gesundheit des Individuums haben. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass einerseits griffige Präventions- und Behandlungsangebote entwickelt und implementiert werden können und andererseits drohende Problemlasten für die Gesamtgesellschaft und hohe Folgekosten für die Volkswirtschaft vermieden werden können.</p>
- <p>Der in der Motion erwähnte Expertenbericht des BAG "Gefährdungspotenzial von Internet und Online-Games" bietet eine Analyse der Verbreitung exzessiver Internetnutzung und damit zusammenhängender gesundheitlicher Beeinträchtigungen. Der Bericht zeigt auf, dass die zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Untersuchungen nicht ausreichen, um das Ausmass der Verbreitung der exzessiven Internetnutzung und dessen Auswirkungen auf die gesamte Bevölkerung abschliessend zu beurteilen. Weiter zeigt er, dass sich aus aktuellen, auf Jugendliche und junge Erwachsene fokussierten Studien aber vorläufig schliessen lässt, dass die Häufigkeit der Fälle (Prävalenz) exzessiver Internetnutzung als nicht alarmierend einzustufen ist. In einer der aufgeführten Schweizer Studien werden 2,3 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen als "problematische" Nutzerinnen und Nutzer eingestuft. In anderen europäischen Ländern und den USA variiert die Prävalenz zwischen 1 und 6 Prozent.</p><p>Der Bericht weist weiter darauf hin, dass aufgrund der zahlreichen Personen, welche das Internet intensiv gebrauchen, der Internetnutzung eine wachsende Bedeutung für die öffentliche Gesundheit zukommen wird. Verschiedene Studien stellen einen Zusammenhang zwischen exzessiver Internetnutzung und der physischen Gesundheit fest; nach Einschätzung der Experten wirke sich das aber mehrheitlich positiv auf die Nutzenden aus. Negative gesundheitliche und soziale Reaktionen lassen sich nicht ausschliesslich aufgrund der Nutzungsart und des Nutzungsausmasses erklären, sondern sind in Kombination mit der Beurteilung weiterer Faktoren zu betrachten (z. B. schwierige familiäre und soziale Konstellation, bestehende psychische Probleme usw). Schliesslich gibt der Bericht einen Überblick über aktuelle Interventionsansätze zur Prävention und Behandlung exzessiver Internetnutzung und identifiziert entsprechende Massnahmen und Angebote auf den Ebenen Bund und Kantone.</p><p>Basierend auf diesen Ergebnissen ist der Bundesrat zum Schluss gekommen, dass die Beobachtung der weiteren Entwicklung und die Verbesserung der Datenlage weiterhin notwendig sind, um rechtzeitig und adäquat auf eine Veränderung der Problematik reagieren zu können. Er hat deshalb das Bundesamt für Gesundheit (BAG) beauftragt, Fragen zur Internetnutzung in das Nationale Suchtmonitoring 2013 aufzunehmen. Sollten die Resultate des Suchtmonitorings 2013 auf eine Zuspitzung der Problematik hindeuten, wäre die Situation erneut zu beurteilen.</p><p>Vor diesem Hintergrund ist der Bundesrat der Meinung, dass zurzeit kein zusätzlicher Handlungsbedarf besteht. Das schliesst jedoch nicht aus, dass interessierte Kreise in der nächsten NFP-Runde im Rahmen der etablierten Verfahren Themenvorschläge zu den in der Motion erwähnten Fragen einreichen können. Des Weiteren haben Forschende jederzeit auch die Möglichkeit, wissenschaftliche Projekte zu Einzelfragen in diesem Themenbereich beim SNF einzureichen.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, ein nationales Forschungsprogramm zu den Auswirkungen der Online-Medien auf das Individuum und die Gesellschaft in die Wege zu leiten.</p><p>Es soll insbesondere Aufschluss geben über die Entwicklung der individuellen (physischen, psychischen und sozialen) gesundheitlichen Beeinträchtigungen sowie auf mögliche negative volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen eines exzessiven Konsums von Online-Medien.</p>
- Nationales Forschungsprogramm zu den Auswirkungen von Online-Medien
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