Less is more. Wie steht es in der Schweiz mit dem Überkonsum von medizinischen Leistungen?
- ShortId
-
13.3222
- Id
-
20133222
- Updated
-
28.07.2023 15:20
- Language
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de
- Title
-
Less is more. Wie steht es in der Schweiz mit dem Überkonsum von medizinischen Leistungen?
- AdditionalIndexing
-
2841;ärztliche Versorgung;Konsumverhalten;medizinische Diagnose;Reduktion;Medizin;Therapeutik;Kosten-Nutzen-Analyse
- 1
-
- L03K010502, Medizin
- L04K01050214, Therapeutik
- L05K0701060302, Konsumverhalten
- L06K070302020501, Kosten-Nutzen-Analyse
- L04K08020224, Reduktion
- L04K01050208, medizinische Diagnose
- L05K0105051104, ärztliche Versorgung
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Medizinische Untersuchungen tragen zur Besserung unserer Gesundheit bei. Ist dies tatsächlich immer der Fall? In der medizinischen Literatur gibt es zu dieser Frage immer mehr Zweifel. Ein wichtiger Teil der Gesundheitskosten wird für Untersuchungen und Behandlungen ausgegeben, die nicht zur Verbesserung der Prognose der Patienten beitragen. Das könnte teilweise erklären, dass z. B. Holland mit seiner stark ausgebauten Grundversorgung bei der Versorgungsqualität an erster Stelle steht, obschon das Land nur halb so viel ausgibt wie die USA. Warum tragen manche ärztliche Untersuchungen nicht zu besserer Patientengesundheit bei oder schaden ihr sogar? Bei der Indikationsstellung für eine Untersuchung darf nicht nur der Gewinn dank Diagnosestellung berücksichtigt werden. Vielmehr müssen sämtliche Konsequenzen der verschiedenen möglichen Resultate im Auge behalten werden.</p><p>In letzter Zeit sind verschiedene Initiativen zur Bewertung dieses Problems ergriffen worden, so die Serie "Less is more" im "Archives of Internal Medicine" oder die Initiative "Choosing wisely" des American Board of Internal Medicine. Sie sollen die Untersuchungen und Behandlungen identifizieren, auf die in vielen Fällen ohne Nachteil für die Patienten - ja manchmal sogar zu ihrem Vorteil - verzichtet werden könnte. In einem Editorial des "Schweiz Med Forum" (2013; 13(10): 196) bemängelt Professor Rodondi vom Inselspital Bern das schmerzliche Fehlen in der Schweiz von Daten über Wirksamkeitsvergleiche von diagnostischen oder therapeutischen Massnahmen in der Praxis. Die Forschung zum Gesundheitswesen und zu Wirksamkeitsvergleichen stecke immer noch in den Kinderschuhen. Auch die Schweizerische Akademie der medizinischen Wissenschaften hat das Thema in ihrem Positionspapier "Nachhaltige Medizin" aufgenommen.</p><p>Ein NFP zur Situation in der Schweiz drängt sich auf! Die Erkenntnisse wären eine Grundlage für die Reform hin zu einem nachhaltigen Gesundheitswesen. Ärzte in der Praxis und im Spital müssen sich gemeinsam bemühen, das Problem des Überkonsums an medizinischen Leistungen zu reduzieren, und so dazu beitragen, dass wir unseren Patienten auch weiterhin eine Betreuung von hoher Qualität anbieten können, zu bezahlbaren Prämien.</p>
- <p>Wie bereits in der Antwort auf die Interpellation 11.4190, "Schweiz - wie weiter? Hausarztmedizin stärken", ausgeführt, begrüsst der Bundesrat zusätzliche Forschungsaktivitäten zur medizinischen Grundversorgung. Im Rahmen des Masterplans "Hausarztmedizin und medizinische Grundversorgung" und im Einklang mit der Strategie des Bundesrates im Gesundheitswesen "Gesundheit 2020" hat das Bundesamt für Gesundheit die Schweizerische Akademie der medizinischen Wissenschaften mit der Erarbeitung eines nationalen Konzeptes für die Versorgungsforschung beauftragt. Das Konzept ist als Grundlage für ein nationales Forschungsprogramm (NFP) zur Versorgungsforschung gedacht. Dieses soll in einem Schwerpunkt Forschungsfragen zu "Hausarztmedizin / Medizinische Grundversorgung" berücksichtigen. Die in der Motion dargelegten Anliegen betreffend Erarbeitung wissenschaftlicher Erkenntnisse über Wirksamkeitsvergleiche diagnostischer und therapeutischer Massnahmen in der Schweiz können in diesem Kontext berücksichtigt werden.</p><p>Aus Sicht des Bundesrates sind Initiativen wie "Choosing wisely" oder "Less is more" sinnvoll und bereits heute realisierbar. Einige medizinische Fachgesellschaften haben denn auch bereits erste Schritte in diese Richtung unternommen.</p><p>Was den eigentlichen Entscheid zur Lancierung eines solchen NFP betrifft, gelten die in der Forschungs- und Innovationsförderungsverordnung (SR 420.11) dargelegten Prüfverfahren. Unter diesem Vorbehalt kann die Motion angenommen werden.</p> Der Bundesrat beantragt die Annahme der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, ein nationales Forschungsprogramm (NFP) zum Thema "Überkonsum von medizinischen Leistungen und Untersuchungen" beim Schweizerischen Nationalfonds in die Wege zu leiten.</p>
- Less is more. Wie steht es in der Schweiz mit dem Überkonsum von medizinischen Leistungen?
- State
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Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
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- Index
- 0
- Texts
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- <p>Medizinische Untersuchungen tragen zur Besserung unserer Gesundheit bei. Ist dies tatsächlich immer der Fall? In der medizinischen Literatur gibt es zu dieser Frage immer mehr Zweifel. Ein wichtiger Teil der Gesundheitskosten wird für Untersuchungen und Behandlungen ausgegeben, die nicht zur Verbesserung der Prognose der Patienten beitragen. Das könnte teilweise erklären, dass z. B. Holland mit seiner stark ausgebauten Grundversorgung bei der Versorgungsqualität an erster Stelle steht, obschon das Land nur halb so viel ausgibt wie die USA. Warum tragen manche ärztliche Untersuchungen nicht zu besserer Patientengesundheit bei oder schaden ihr sogar? Bei der Indikationsstellung für eine Untersuchung darf nicht nur der Gewinn dank Diagnosestellung berücksichtigt werden. Vielmehr müssen sämtliche Konsequenzen der verschiedenen möglichen Resultate im Auge behalten werden.</p><p>In letzter Zeit sind verschiedene Initiativen zur Bewertung dieses Problems ergriffen worden, so die Serie "Less is more" im "Archives of Internal Medicine" oder die Initiative "Choosing wisely" des American Board of Internal Medicine. Sie sollen die Untersuchungen und Behandlungen identifizieren, auf die in vielen Fällen ohne Nachteil für die Patienten - ja manchmal sogar zu ihrem Vorteil - verzichtet werden könnte. In einem Editorial des "Schweiz Med Forum" (2013; 13(10): 196) bemängelt Professor Rodondi vom Inselspital Bern das schmerzliche Fehlen in der Schweiz von Daten über Wirksamkeitsvergleiche von diagnostischen oder therapeutischen Massnahmen in der Praxis. Die Forschung zum Gesundheitswesen und zu Wirksamkeitsvergleichen stecke immer noch in den Kinderschuhen. Auch die Schweizerische Akademie der medizinischen Wissenschaften hat das Thema in ihrem Positionspapier "Nachhaltige Medizin" aufgenommen.</p><p>Ein NFP zur Situation in der Schweiz drängt sich auf! Die Erkenntnisse wären eine Grundlage für die Reform hin zu einem nachhaltigen Gesundheitswesen. Ärzte in der Praxis und im Spital müssen sich gemeinsam bemühen, das Problem des Überkonsums an medizinischen Leistungen zu reduzieren, und so dazu beitragen, dass wir unseren Patienten auch weiterhin eine Betreuung von hoher Qualität anbieten können, zu bezahlbaren Prämien.</p>
- <p>Wie bereits in der Antwort auf die Interpellation 11.4190, "Schweiz - wie weiter? Hausarztmedizin stärken", ausgeführt, begrüsst der Bundesrat zusätzliche Forschungsaktivitäten zur medizinischen Grundversorgung. Im Rahmen des Masterplans "Hausarztmedizin und medizinische Grundversorgung" und im Einklang mit der Strategie des Bundesrates im Gesundheitswesen "Gesundheit 2020" hat das Bundesamt für Gesundheit die Schweizerische Akademie der medizinischen Wissenschaften mit der Erarbeitung eines nationalen Konzeptes für die Versorgungsforschung beauftragt. Das Konzept ist als Grundlage für ein nationales Forschungsprogramm (NFP) zur Versorgungsforschung gedacht. Dieses soll in einem Schwerpunkt Forschungsfragen zu "Hausarztmedizin / Medizinische Grundversorgung" berücksichtigen. Die in der Motion dargelegten Anliegen betreffend Erarbeitung wissenschaftlicher Erkenntnisse über Wirksamkeitsvergleiche diagnostischer und therapeutischer Massnahmen in der Schweiz können in diesem Kontext berücksichtigt werden.</p><p>Aus Sicht des Bundesrates sind Initiativen wie "Choosing wisely" oder "Less is more" sinnvoll und bereits heute realisierbar. Einige medizinische Fachgesellschaften haben denn auch bereits erste Schritte in diese Richtung unternommen.</p><p>Was den eigentlichen Entscheid zur Lancierung eines solchen NFP betrifft, gelten die in der Forschungs- und Innovationsförderungsverordnung (SR 420.11) dargelegten Prüfverfahren. Unter diesem Vorbehalt kann die Motion angenommen werden.</p> Der Bundesrat beantragt die Annahme der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, ein nationales Forschungsprogramm (NFP) zum Thema "Überkonsum von medizinischen Leistungen und Untersuchungen" beim Schweizerischen Nationalfonds in die Wege zu leiten.</p>
- Less is more. Wie steht es in der Schweiz mit dem Überkonsum von medizinischen Leistungen?
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