Personenfreizügigkeit und Fachkräftemangel in der Schweiz
- ShortId
-
13.3454
- Id
-
20133454
- Updated
-
27.07.2023 21:01
- Language
-
de
- Title
-
Personenfreizügigkeit und Fachkräftemangel in der Schweiz
- AdditionalIndexing
-
15;32;berufliche Umschulung;arztähnlicher Beruf;Freizügigkeit der Arbeitnehmer/innen;Arbeitskräftebedarf;Wiedereinstieg ins Berufsleben;freier Personenverkehr;Lehre;Weiterbildung;Schweizer/in;Unterricht für arztähnliche Berufe;Facharbeiter/in;berufliche Bildung
- 1
-
- L05K0702020302, Arbeitskräftebedarf
- L06K070202020102, Facharbeiter/in
- L03K130202, berufliche Bildung
- L04K13030203, Weiterbildung
- L04K01050401, arztähnlicher Beruf
- L06K070203030902, Freizügigkeit der Arbeitnehmer/innen
- L04K05060204, freier Personenverkehr
- L04K13020308, Unterricht für arztähnliche Berufe
- L04K13020204, Lehre
- L05K0702030304, berufliche Umschulung
- L05K0702030305, Wiedereinstieg ins Berufsleben
- L05K0506010605, Schweizer/in
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Die Schweiz verfügt in verschiedenen Bereichen nicht über genügend Fachkräfte. Dieser Fachkräftemangel hat grosse negative Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Gesellschaft und muss dringend angegangen werden. Heute wird vor allem versucht, den Fachkräftemangel über die Zuwanderung aus dem Europäischen Wirtschaftsraum zu lösen. Dies ist aber nicht nachhaltig, verursacht in den Herkunftsländern ähnliche Probleme (z. B. Mangel an Berufsleuten im Gesundheitsbereich) und führt zu einer sinkenden Akzeptanz der Personenfreizügigkeit in der Bevölkerung. Damit die Schweiz aus eigener Kraft mehr Fachkräfte erhält, braucht es eine schweizweite Bildungsoffensive und die Förderung von Schweizer Fachkräften in allen Branchen, wo es an Fachkräften mangelt. Dies bedingt eine aktive Steuerung im schweizerischen Bildungsbereich.</p>
- <p>Der Bundesrat teilt die Anliegen der Motion. Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) hat deshalb bereits 2011 eine Fachkräfteinitiative (FKI) lanciert mit dem Ziel, die Fachkräftenachfrage bis 2020 vermehrt durch Personen aus der Schweiz abzudecken. Mit diesem Ziel kann sowohl der demografischen Entwicklung als auch dem Unbehagen gegenüber der Personenfreizügigkeit begegnet werden.</p><p>Bund und Kantone haben im Massnahmenbericht zur FKI vom 21. Mai 2013 vier Handlungsfelder (Höherqualifizierung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Erwerbstätigkeit im Alter, Innovationen) identifiziert. Die Sozialpartner unterstützen diese Anliegen in ihrem Kompetenzbereich. Mit der FKI sieht der Bund bereits für alle Punkte der Motion konkrete Massnahmen vor. Einige Beispiele:</p><p>1. Der Bund stellt ein Indikatorensystem zur Identifikation des Fachkräftemangels und des Migrationsanteils der Fachkräfte pro Berufsfeld zur Verfügung.</p><p>2./7. Im Bildungsbereich haben sich der Bund und die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren auf Ziele wie die Förderung der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (Mint), der höheren Berufsbildung und der Validierung von Bildungsleistungen geeinigt. Im Bereich der Ärzteausbildung haben die beiden Departementsvorsteher des Eidgenössichen Departementes des Innern und des WBF gemeinsam beschlossen, das Thema Konsolidierung und Ausbau von Lehre und Forschung in der Humanmedizin als Schwerpunkt in die BFI-Botschaft 2017-2020 aufnehmen (vgl. dazu Antwort des Bundesrates auf die Motion Rytz Regula 12.3931).</p><p>3. 2010 hat der Bund zusammen mit den Kantonen und der nationalen Dachorganisation der Arbeitswelt Gesundheit (OdA Santé) den Masterplan Bildung Pflegeberufe lanciert, um dem prognostizierten Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Wie der Bundesrat bereits in der Stellungnahme zur Motion 11.3889 festgehalten hat, gilt es, sowohl das Angebot an Ausbildungsplätzen wie die Nachfrage zu optimieren und neben interessierten Jugendlichen auch Quer- und Wiedereinsteigerinnen und -einsteiger für Pflegeberufe zu gewinnen.</p><p>4. Bund und Kantone unterstützen die Anstrengungen der Schulen und Hochschulen, der Berufsverbände und der Wirtschaft, mehr junge Männer und Frauen in Mint-Berufen auszubilden. Ausserdem hat der Bund 2013 die Kampagne Berufsbildungplus.ch mit dem neuen Schwerpunkt der Talentförderung lanciert.</p><p>5. Mit der interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule (Harmos-Konkordat) verpflichteten sich die Kantone, für ein bedarfsgerechtes Angebot an Tagesstrukturen zu sorgen. Auf Bundesebene läuft die Anstossfinanzierung für die Schaffung von familienergänzenden Kinderbetreuungsplätzen bis Anfang 2015. Neu lanciert der Bund ferner das nationale Projekt "Change to Win-Win - Ein Anstoss für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Unternehmen".</p><p>6. Die geplante Reform der Altersvorsorge 2020 wird die rechtlichen Grundlagen im Bereich der AHV und der beruflichen Vorsorge für die Weiterbeschäftigung älterer Arbeitnehmender verbessern.</p><p>8. Durch Sensibilisierungsmassnahmen werden Bund und Kantone das Bewusstsein für die Problematik erhöhen sowie die Verbreitung von Best Practices sicherstellen. Ebenso wird der Bund als Katalysator den Prozess der FKI begleiten und die Fortschritte durch einen Monitoringprozess überwachen. Zudem wird im Rahmen der Regulierungsfolgenabschätzung bei Gesetzesänderungen ein Augenmerk auf die Auswirkungen für Fachkräfte gelegt.</p><p>Die Fachkräfteinitiative und die in deren Rahmen identifizierten Massnahmen und geplanten weiteren Arbeiten decken somit alle in der Motion angesprochenen Handlungsfelder bereits ab.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Wir fordern vom Bundesrat eine Strategie zur Behebung des Fachkräftemangels. Diese soll:</p><p>1. aufzeigen, in welchen Branchen Fachkräftemangel und wo ein Überfluss besteht;</p><p>2. eine Bildungsoffensive in den Bereichen mit Fachkräftemangel enthalten und eine mögliche Umsetzung von entsprechenden Massnahmen aufzeigen;</p><p>3. Massnahmen aufzeigen, wie man der Nachfrage von Fachpersonal in den Pflegeberufen gerecht werden kann;</p><p>4. Möglichkeiten aufzeigen, wie Jugendliche in der Schweiz motiviert und welche Anreize geschaffen werden können, damit sie sich in Berufsfeldern ausbilden, wo Fachkräftemangel herrscht;</p><p>5. die Einbindung von weiblichen Fachkräften fördern, indem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefördert wird;</p><p>6. Anreize schaffen, um ältere Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen im Erwerbsleben zu behalten im Hinblick auf die demographische Entwicklung;</p><p>7. Umschulungen und den Wiedereinstieg in Bereichen mit Fachkräftemangel fördern;</p><p>8. weitere Möglichkeiten aufzeigen, wie der Fachkräftemangel mit Schweizer Personal behoben werden kann.</p>
- Personenfreizügigkeit und Fachkräftemangel in der Schweiz
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Die Schweiz verfügt in verschiedenen Bereichen nicht über genügend Fachkräfte. Dieser Fachkräftemangel hat grosse negative Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Gesellschaft und muss dringend angegangen werden. Heute wird vor allem versucht, den Fachkräftemangel über die Zuwanderung aus dem Europäischen Wirtschaftsraum zu lösen. Dies ist aber nicht nachhaltig, verursacht in den Herkunftsländern ähnliche Probleme (z. B. Mangel an Berufsleuten im Gesundheitsbereich) und führt zu einer sinkenden Akzeptanz der Personenfreizügigkeit in der Bevölkerung. Damit die Schweiz aus eigener Kraft mehr Fachkräfte erhält, braucht es eine schweizweite Bildungsoffensive und die Förderung von Schweizer Fachkräften in allen Branchen, wo es an Fachkräften mangelt. Dies bedingt eine aktive Steuerung im schweizerischen Bildungsbereich.</p>
- <p>Der Bundesrat teilt die Anliegen der Motion. Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) hat deshalb bereits 2011 eine Fachkräfteinitiative (FKI) lanciert mit dem Ziel, die Fachkräftenachfrage bis 2020 vermehrt durch Personen aus der Schweiz abzudecken. Mit diesem Ziel kann sowohl der demografischen Entwicklung als auch dem Unbehagen gegenüber der Personenfreizügigkeit begegnet werden.</p><p>Bund und Kantone haben im Massnahmenbericht zur FKI vom 21. Mai 2013 vier Handlungsfelder (Höherqualifizierung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Erwerbstätigkeit im Alter, Innovationen) identifiziert. Die Sozialpartner unterstützen diese Anliegen in ihrem Kompetenzbereich. Mit der FKI sieht der Bund bereits für alle Punkte der Motion konkrete Massnahmen vor. Einige Beispiele:</p><p>1. Der Bund stellt ein Indikatorensystem zur Identifikation des Fachkräftemangels und des Migrationsanteils der Fachkräfte pro Berufsfeld zur Verfügung.</p><p>2./7. Im Bildungsbereich haben sich der Bund und die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren auf Ziele wie die Förderung der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (Mint), der höheren Berufsbildung und der Validierung von Bildungsleistungen geeinigt. Im Bereich der Ärzteausbildung haben die beiden Departementsvorsteher des Eidgenössichen Departementes des Innern und des WBF gemeinsam beschlossen, das Thema Konsolidierung und Ausbau von Lehre und Forschung in der Humanmedizin als Schwerpunkt in die BFI-Botschaft 2017-2020 aufnehmen (vgl. dazu Antwort des Bundesrates auf die Motion Rytz Regula 12.3931).</p><p>3. 2010 hat der Bund zusammen mit den Kantonen und der nationalen Dachorganisation der Arbeitswelt Gesundheit (OdA Santé) den Masterplan Bildung Pflegeberufe lanciert, um dem prognostizierten Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Wie der Bundesrat bereits in der Stellungnahme zur Motion 11.3889 festgehalten hat, gilt es, sowohl das Angebot an Ausbildungsplätzen wie die Nachfrage zu optimieren und neben interessierten Jugendlichen auch Quer- und Wiedereinsteigerinnen und -einsteiger für Pflegeberufe zu gewinnen.</p><p>4. Bund und Kantone unterstützen die Anstrengungen der Schulen und Hochschulen, der Berufsverbände und der Wirtschaft, mehr junge Männer und Frauen in Mint-Berufen auszubilden. Ausserdem hat der Bund 2013 die Kampagne Berufsbildungplus.ch mit dem neuen Schwerpunkt der Talentförderung lanciert.</p><p>5. Mit der interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule (Harmos-Konkordat) verpflichteten sich die Kantone, für ein bedarfsgerechtes Angebot an Tagesstrukturen zu sorgen. Auf Bundesebene läuft die Anstossfinanzierung für die Schaffung von familienergänzenden Kinderbetreuungsplätzen bis Anfang 2015. Neu lanciert der Bund ferner das nationale Projekt "Change to Win-Win - Ein Anstoss für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Unternehmen".</p><p>6. Die geplante Reform der Altersvorsorge 2020 wird die rechtlichen Grundlagen im Bereich der AHV und der beruflichen Vorsorge für die Weiterbeschäftigung älterer Arbeitnehmender verbessern.</p><p>8. Durch Sensibilisierungsmassnahmen werden Bund und Kantone das Bewusstsein für die Problematik erhöhen sowie die Verbreitung von Best Practices sicherstellen. Ebenso wird der Bund als Katalysator den Prozess der FKI begleiten und die Fortschritte durch einen Monitoringprozess überwachen. Zudem wird im Rahmen der Regulierungsfolgenabschätzung bei Gesetzesänderungen ein Augenmerk auf die Auswirkungen für Fachkräfte gelegt.</p><p>Die Fachkräfteinitiative und die in deren Rahmen identifizierten Massnahmen und geplanten weiteren Arbeiten decken somit alle in der Motion angesprochenen Handlungsfelder bereits ab.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Wir fordern vom Bundesrat eine Strategie zur Behebung des Fachkräftemangels. Diese soll:</p><p>1. aufzeigen, in welchen Branchen Fachkräftemangel und wo ein Überfluss besteht;</p><p>2. eine Bildungsoffensive in den Bereichen mit Fachkräftemangel enthalten und eine mögliche Umsetzung von entsprechenden Massnahmen aufzeigen;</p><p>3. Massnahmen aufzeigen, wie man der Nachfrage von Fachpersonal in den Pflegeberufen gerecht werden kann;</p><p>4. Möglichkeiten aufzeigen, wie Jugendliche in der Schweiz motiviert und welche Anreize geschaffen werden können, damit sie sich in Berufsfeldern ausbilden, wo Fachkräftemangel herrscht;</p><p>5. die Einbindung von weiblichen Fachkräften fördern, indem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefördert wird;</p><p>6. Anreize schaffen, um ältere Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen im Erwerbsleben zu behalten im Hinblick auf die demographische Entwicklung;</p><p>7. Umschulungen und den Wiedereinstieg in Bereichen mit Fachkräftemangel fördern;</p><p>8. weitere Möglichkeiten aufzeigen, wie der Fachkräftemangel mit Schweizer Personal behoben werden kann.</p>
- Personenfreizügigkeit und Fachkräftemangel in der Schweiz
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