Case Management Berufsbildung. Künftige Rolle und Finanzierung des Bundes
- ShortId
-
13.3481
- Id
-
20133481
- Updated
-
14.11.2025 07:37
- Language
-
de
- Title
-
Case Management Berufsbildung. Künftige Rolle und Finanzierung des Bundes
- AdditionalIndexing
-
32;junger Mensch;Bekämpfung der Arbeitslosigkeit;Sozialarbeit;Subvention;Ausbildung im Sozialwesen;berufliche Bildung;Jugendarbeitslosigkeit
- 1
-
- L03K130202, berufliche Bildung
- L04K01040405, Sozialarbeit
- L04K13020301, Ausbildung im Sozialwesen
- L05K1102030202, Subvention
- L05K0107010204, junger Mensch
- L05K0702030403, Jugendarbeitslosigkeit
- L05K0702030303, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit
- PriorityCouncil1
-
Ständerat
- Texts
-
- <p>Als grosse Herausforderung gilt für Jugendliche die erfolgreiche Gestaltung der Übergänge von der obligatorischen Schule bis zum Erwerbseinstieg. Jugendliche mit diskontinuierlichen Bildungsverläufen gehen zwischen der Schule und dem Berufseinstieg verloren, tauchen ab und sprechen in der Folge mit komplexen Problemlagen - und meist ohne berufliche Grundbildung - zwischen dem 18. und dem 24. Lebensjahr bei der Sozialhilfe vor.</p><p>Kantone und Bund haben diese Herausforderungen erkannt. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) unterstützte die Kantone bei der Umsetzung des Case Management seit dessen operativer Einführung im Jahr 2008. Grundlagen dazu sind die Leitlinien der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) zur Optimierung der Nahtstelle von der obligatorischen Schule zur Sekundarstufe II vom 27. Oktober 2007.</p><p>Die Zielvorgaben des Bundes für das CM-BB sind:</p><p>1. die Abschlussquote auf Sekundarstufe II schweizweit von heute etwa 89 Prozent auf 95 Prozent zu erhöhen;</p><p>2. die Jugendarbeitslosigkeit zu senken.</p><p>Der Bund förderte die Einführung des CM-BB in den Kantonen über den Zeitraum von 2008 bis 2011 mit insgesamt 20 Millionen Franken (Anschubfinanzierung). Er beschloss, die Kantone in der Konsolidierungsphase von 2012 bis 2015 nochmals finanziell mit 15,5 Millionen Franken zu unterstützen. Die Beiträge müssen im Zeitraum von 2012 bis 2015 ausgeschöpft werden und sind an die Erfüllung von definierten Bedingungen geknüpft. Nebst dem finanziellen Engagement des Bundes sind es vor allem die Kantone, welche die Angebote grösstenteils finanzieren.</p><p>Durch die vom Bund angekündigte Exitstrategie ist die Zielsetzung des Bundes zur nachhaltigen Verankerung des Case Management Berufsbildung höchst gefährdet. Es ist absehbar, dass die finanziell schlechtgestellten Kantone ohne Bundesgelder die Angebote schliessen werden.</p>
- <p>Mit dem Ziel, Jugendliche mit schulischen und sozialen Schwierigkeiten beim Einstieg in eine berufliche Grundbildung und während der Ausbildung zu unterstützen, verständigten sich Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt 2006 auf die Einführung des Case Management Berufsbildung (CM-BB). Dabei handelt es sich um ein strukturiertes Verfahren, das bestehende Angebote sowie alle involvierten Personen und Institutionen koordiniert. Dadurch werden Effizienz und Effektivität der eingesetzten Massnahmen gesteigert.</p><p>Der Bund leistete in der Implementierungsphase von 2008 bis 2011 im Sinne einer Anschubfinanzierung Beiträge von insgesamt 20 Millionen Franken. Da der Aufbau mehr Zeit in Anspruch nahm als angenommen, beschloss der Bund zusätzliche Finanzhilfen für eine Konsolidierungsphase bis 2015 von insgesamt 15,5 Millionen Franken. Dadurch soll die nachhaltige Verankerung in den Kantonen sichergestellt werden.</p><p>1. Die Integration der Jugendlichen in die Berufsbildung ist ein zentrales Anliegen des Bundesrates. Die Erhöhung der Abschlussquote auf Sekundarstufe II gehört seit 2011 zu den gemeinsamen bildungspolitischen Zielen von Bund und Kantonen. Bis 2020 sollen demnach 95 Prozent aller 25-Jährigen über einen nachobligatorischen Abschluss verfügen. Der Übergang in die berufliche Grundbildung bildet zudem einen Schwerpunkt der interinstitutionellen Zusammenarbeit (IIZ) 2013 und 2014. Im Rahmen seiner Aktivitäten in den IIZ-Gremien wird der Bund auch die Weiterentwicklung des CM-BB begleiten.</p><p>2. Die nachhaltige Verankerung des CM-BB liegt im Interesse aller Beteiligten. Die finanzielle Unterstützung durch den Bund während der Konsolidierungsphase sieht vor, dass die Kantone eigene Beiträge leisten, die für die erste Tranche mindestens dem Bundesbeitrag entsprechen und anschliessend in gleichem Masse steigen, wie sich der Bund aus der Finanzierung zurückzieht. Dadurch wird sichergestellt, dass das CM-BB in den Kantonen auch nach der Konsolidierungsphase weitergeführt wird.</p><p>Bundesbeiträge zur Erfüllung der in Artikel 53 des Berufsbildungsgesetzes (BBG; SR 412.10) gesetzlich festgelegten Aufgaben in der Berufsbildung werden seit 2008 mittels leistungsorientierter Pauschalen an die Kantone ausbezahlt. Dies garantiert einen gezielten Mitteleinsatz, der auch regionalen Besonderheiten Rechnung trägt. Finanziert werden so bereits heute Massnahmen zur Integration der Jugendlichen in die Berufsbildung, die auch im Rahmen des Case Management eingesetzt werden. Vor diesem Hintergrund ist der Bund nicht bereit, die Finanzierung des CM-BB über die Pauschalbeiträge gemäss Artikel 53 BBG zu verankern.</p><p>3. Das CM-BB hat sich in den Kantonen gut etabliert. Eine im Auftrag des Bundes durchgeführte Evaluation ergab, dass viele Kantone die Lancierung des CM-BB nutzten, um Strukturen und Leistungsfähigkeit ihrer Unterstützungssysteme zu prüfen und zu optimieren. Das CM-BB ist zudem eingebettet in die jeweiligen Gesamtstrategien zur Integration der Jugendlichen in die Berufsbildung.</p><p>4. Mit dem Ziel, die Abschlussquote auf Sekundarstufe II zu erhöhen, haben Bund und Kantone gemeinsam mit den Organisationen der Arbeitswelt in den vergangenen Jahren ein breites Unterstützungsinstrumentarium entwickelt. Dazu gehören insbesondere Berufsinformation und -beratung, Brückenangebote, Coaching- und Mentoring-Programme sowie die fachkundige individuelle Begleitung. Das Instrumentarium hat sich bewährt und kann bei Bedarf jederzeit angepasst werden.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Der Bund hat - laut seinen eigenen Zielvorgaben - ein grosses Interesse, das Case Management Berufsbildung (CM-BB) in den Kantonen nachhaltig zu verankern. Trotzdem kündigte er an, sich nach seinem Engagement innerhalb der Konsolidierungsphase Ende 2015 zurückzuziehen. Dazu stellen sich folgende Fragen:</p><p>1. Ist der Bund bereit, seine Steuerungsfunktion im Rahmen des CM-BB auch ab dem Jahre 2015 wahrzunehmen?</p><p>2. Ist der Bund bereit, sein finanzielles Engagement im Rahmen der Pauschalbeiträge gemäss Artikel 53 des Bundesgesetzes über die Berufsbildung gesetzlich nachhaltig zu verankern?</p><p>3. Worin besteht das strategische Vorgehen des Bundes in dieser Sache? Einerseits wird versucht, auf der Ebene der interinstitutionellen Zusammenarbeit (IIZ) das CM-BB verbindlich einzubinden, andererseits werden die CM-BB-Angebote durch die Exitstrategie des Bundes aber stark gefährdet.</p><p>4. Sollte der Bund aufgrund der laufenden Diskussion im Rahmen des Fachkräftemangels nicht alles daransetzen, Abschlüsse auf Sekundarstufe II zu erhöhen?</p>
- Case Management Berufsbildung. Künftige Rolle und Finanzierung des Bundes
- State
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Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
-
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- Index
- 0
- Texts
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- <p>Als grosse Herausforderung gilt für Jugendliche die erfolgreiche Gestaltung der Übergänge von der obligatorischen Schule bis zum Erwerbseinstieg. Jugendliche mit diskontinuierlichen Bildungsverläufen gehen zwischen der Schule und dem Berufseinstieg verloren, tauchen ab und sprechen in der Folge mit komplexen Problemlagen - und meist ohne berufliche Grundbildung - zwischen dem 18. und dem 24. Lebensjahr bei der Sozialhilfe vor.</p><p>Kantone und Bund haben diese Herausforderungen erkannt. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) unterstützte die Kantone bei der Umsetzung des Case Management seit dessen operativer Einführung im Jahr 2008. Grundlagen dazu sind die Leitlinien der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) zur Optimierung der Nahtstelle von der obligatorischen Schule zur Sekundarstufe II vom 27. Oktober 2007.</p><p>Die Zielvorgaben des Bundes für das CM-BB sind:</p><p>1. die Abschlussquote auf Sekundarstufe II schweizweit von heute etwa 89 Prozent auf 95 Prozent zu erhöhen;</p><p>2. die Jugendarbeitslosigkeit zu senken.</p><p>Der Bund förderte die Einführung des CM-BB in den Kantonen über den Zeitraum von 2008 bis 2011 mit insgesamt 20 Millionen Franken (Anschubfinanzierung). Er beschloss, die Kantone in der Konsolidierungsphase von 2012 bis 2015 nochmals finanziell mit 15,5 Millionen Franken zu unterstützen. Die Beiträge müssen im Zeitraum von 2012 bis 2015 ausgeschöpft werden und sind an die Erfüllung von definierten Bedingungen geknüpft. Nebst dem finanziellen Engagement des Bundes sind es vor allem die Kantone, welche die Angebote grösstenteils finanzieren.</p><p>Durch die vom Bund angekündigte Exitstrategie ist die Zielsetzung des Bundes zur nachhaltigen Verankerung des Case Management Berufsbildung höchst gefährdet. Es ist absehbar, dass die finanziell schlechtgestellten Kantone ohne Bundesgelder die Angebote schliessen werden.</p>
- <p>Mit dem Ziel, Jugendliche mit schulischen und sozialen Schwierigkeiten beim Einstieg in eine berufliche Grundbildung und während der Ausbildung zu unterstützen, verständigten sich Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt 2006 auf die Einführung des Case Management Berufsbildung (CM-BB). Dabei handelt es sich um ein strukturiertes Verfahren, das bestehende Angebote sowie alle involvierten Personen und Institutionen koordiniert. Dadurch werden Effizienz und Effektivität der eingesetzten Massnahmen gesteigert.</p><p>Der Bund leistete in der Implementierungsphase von 2008 bis 2011 im Sinne einer Anschubfinanzierung Beiträge von insgesamt 20 Millionen Franken. Da der Aufbau mehr Zeit in Anspruch nahm als angenommen, beschloss der Bund zusätzliche Finanzhilfen für eine Konsolidierungsphase bis 2015 von insgesamt 15,5 Millionen Franken. Dadurch soll die nachhaltige Verankerung in den Kantonen sichergestellt werden.</p><p>1. Die Integration der Jugendlichen in die Berufsbildung ist ein zentrales Anliegen des Bundesrates. Die Erhöhung der Abschlussquote auf Sekundarstufe II gehört seit 2011 zu den gemeinsamen bildungspolitischen Zielen von Bund und Kantonen. Bis 2020 sollen demnach 95 Prozent aller 25-Jährigen über einen nachobligatorischen Abschluss verfügen. Der Übergang in die berufliche Grundbildung bildet zudem einen Schwerpunkt der interinstitutionellen Zusammenarbeit (IIZ) 2013 und 2014. Im Rahmen seiner Aktivitäten in den IIZ-Gremien wird der Bund auch die Weiterentwicklung des CM-BB begleiten.</p><p>2. Die nachhaltige Verankerung des CM-BB liegt im Interesse aller Beteiligten. Die finanzielle Unterstützung durch den Bund während der Konsolidierungsphase sieht vor, dass die Kantone eigene Beiträge leisten, die für die erste Tranche mindestens dem Bundesbeitrag entsprechen und anschliessend in gleichem Masse steigen, wie sich der Bund aus der Finanzierung zurückzieht. Dadurch wird sichergestellt, dass das CM-BB in den Kantonen auch nach der Konsolidierungsphase weitergeführt wird.</p><p>Bundesbeiträge zur Erfüllung der in Artikel 53 des Berufsbildungsgesetzes (BBG; SR 412.10) gesetzlich festgelegten Aufgaben in der Berufsbildung werden seit 2008 mittels leistungsorientierter Pauschalen an die Kantone ausbezahlt. Dies garantiert einen gezielten Mitteleinsatz, der auch regionalen Besonderheiten Rechnung trägt. Finanziert werden so bereits heute Massnahmen zur Integration der Jugendlichen in die Berufsbildung, die auch im Rahmen des Case Management eingesetzt werden. Vor diesem Hintergrund ist der Bund nicht bereit, die Finanzierung des CM-BB über die Pauschalbeiträge gemäss Artikel 53 BBG zu verankern.</p><p>3. Das CM-BB hat sich in den Kantonen gut etabliert. Eine im Auftrag des Bundes durchgeführte Evaluation ergab, dass viele Kantone die Lancierung des CM-BB nutzten, um Strukturen und Leistungsfähigkeit ihrer Unterstützungssysteme zu prüfen und zu optimieren. Das CM-BB ist zudem eingebettet in die jeweiligen Gesamtstrategien zur Integration der Jugendlichen in die Berufsbildung.</p><p>4. Mit dem Ziel, die Abschlussquote auf Sekundarstufe II zu erhöhen, haben Bund und Kantone gemeinsam mit den Organisationen der Arbeitswelt in den vergangenen Jahren ein breites Unterstützungsinstrumentarium entwickelt. Dazu gehören insbesondere Berufsinformation und -beratung, Brückenangebote, Coaching- und Mentoring-Programme sowie die fachkundige individuelle Begleitung. Das Instrumentarium hat sich bewährt und kann bei Bedarf jederzeit angepasst werden.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Der Bund hat - laut seinen eigenen Zielvorgaben - ein grosses Interesse, das Case Management Berufsbildung (CM-BB) in den Kantonen nachhaltig zu verankern. Trotzdem kündigte er an, sich nach seinem Engagement innerhalb der Konsolidierungsphase Ende 2015 zurückzuziehen. Dazu stellen sich folgende Fragen:</p><p>1. Ist der Bund bereit, seine Steuerungsfunktion im Rahmen des CM-BB auch ab dem Jahre 2015 wahrzunehmen?</p><p>2. Ist der Bund bereit, sein finanzielles Engagement im Rahmen der Pauschalbeiträge gemäss Artikel 53 des Bundesgesetzes über die Berufsbildung gesetzlich nachhaltig zu verankern?</p><p>3. Worin besteht das strategische Vorgehen des Bundes in dieser Sache? Einerseits wird versucht, auf der Ebene der interinstitutionellen Zusammenarbeit (IIZ) das CM-BB verbindlich einzubinden, andererseits werden die CM-BB-Angebote durch die Exitstrategie des Bundes aber stark gefährdet.</p><p>4. Sollte der Bund aufgrund der laufenden Diskussion im Rahmen des Fachkräftemangels nicht alles daransetzen, Abschlüsse auf Sekundarstufe II zu erhöhen?</p>
- Case Management Berufsbildung. Künftige Rolle und Finanzierung des Bundes
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