Psychische Gesundheit. Von anderen Ländern lernen
- ShortId
-
13.3695
- Id
-
20133695
- Updated
-
28.07.2023 07:23
- Language
-
de
- Title
-
Psychische Gesundheit. Von anderen Ländern lernen
- AdditionalIndexing
-
2841;Gesundheitsförderung;Prävention;Freitod;Statistik;psychische Krankheit
- 1
-
- L04K01050107, psychische Krankheit
- L04K01050507, Gesundheitsförderung
- L04K01010206, Freitod
- L03K020218, Statistik
- L05K0105050702, Prävention
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>2002 publizierte die Schweizerische Gesellschaft für Prävention und Gesundheitswesen im Rahmen des WHO-Programms "Gesundheit für alle im 21. Jahrhundert" die Schrift "Gesundheitsziele für die Schweiz", unterzeichnet von den damaligen Amtsträgern und -trägerinnen: Ignazio Cassis, Präsident der Gesellschaft; Thomas Zeltner, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit; Regierungsrätin Alice Scherrer, Präsidentin der Sanitätsdirektorenkonferenz (heute GDK); und Regierungsrätin Patrizia Pesenti, Präsidentin des Projekts Nationale Gesundheitspolitik. Als Ziel im Bereich psychische Gesundheit schlugen sie vor: "Bis 2020 ist die Suizidrate von Jugendlichen auf die Hälfte reduziert." Finnland hat sich 1986 in einer Zehnjahresstrategie zum Ziel gesetzt, die Suizidrate um 20 Prozent zu reduzieren. Das Land erreichte bis 1996 eine Reduktion um immerhin 9 Prozent. Die Schweiz hingegen stellt fest, dass viermal mehr Menschen Suizid begehen, als auf Schweizer Strassen sterben, und dass davon rund 90 Prozent an einer psychischen Störung litten, dass die "Schweiz innerhalb Europas zu den Ländern mit einer überdurchschnittlich hohen Suizidrate gehört", und verharrt dabei bei (zwar wichtigen) Grundlagenarbeiten und Erklärungen zur Bedeutung von Vorbeugung und Früherkennung psychischer Krankheiten und vereinzelten (wichtigen) kantonalen Aktivitäten, dies, obwohl sich ein Auftrag zu spezifischen Präventionsaktivitäten im Bereich "stark verbreiteter Krankheiten" in Artikel 118 der Bundesverfassung findet und obwohl Suizid vierthäufigster Grund für frühe Sterblichkeit ist. Rund 1500 Leute nehmen sich jedes Jahr das Leben, und mehr als 20 000 Leute unternehmen einen Suizidversuch. Diese Manifestation psychischer Krisen und Erkrankungen ist also "stark verbreitet". Der Bundesrat misst der Thematik zu Recht eine grosse Bedeutung zu und sollte die "Förderung der psychischen Gesundheit" in seiner Strategie "Gesundheit 2020" an konkreten Zielen messbar machen.</p>
- <p>Für eine Stärkung der psychischen Gesundheit sowie zur Reduktion der Suizidrate ist es von grosser Bedeutung, dass seitens des Bundes und der Kantone eine mittel- und langfristige Planung von Massnahmen vorgenommen wird. In zwei Vorhaben, die stark miteinander verbunden sind, werden demnächst erste Resultate vorgestellt werden können:</p><p>Erstens wird in Erfüllung des Postulates der SGK-S 13.3370, "Beabsichtigte Massnahmen zur psychischen Gesundheit in der Schweiz", ein Bericht verfasst, in welchem klare Handlungsziele gesetzt werden. Auch die Forderung nach der Messbarkeit der Ziele soll in die Überlegungen einfliessen.</p><p>Zweitens hat im Herbst 2013 die Erarbeitung einer zukünftigen Strategie "Nichtübertragbare Krankheiten 2020" begonnen. Dies geschah im Rahmen der bundesrätlichen Gesamtschau Gesundheit 2020. In einem ersten Schritt wird dabei im Rahmen eines Teilprojekts das Thema psychische Gesundheit bearbeitet. Ziel ist es, die Strukturen, die Formen der Zusammenarbeit sowie die Koordination der Aktivitäten der zentralen Akteure im Bereich der psychischen Gesundheit nachhaltig zu optimieren bzw. weiterzuentwickeln. Auch sollen kurz-, mittel- und langfristige Massnahmen formuliert werden. Die Ergebnisse sollen bis Mitte 2014 in einem gemeinsamen Bericht des Bundesamtes für Gesundheit, der Gesundheitsdirektorenkonferenz und der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz zuhanden des Dialogs Nationale Gesundheitspolitik festgehalten werden. Diese Ergebnisse sollen im Bericht zum Postulat 13.3370 ebenfalls Eingang finden. Deshalb ist es sinnvoll, den erwähnten Bericht abzuwarten, bevor konkrete Schlüsse gezogen werden können.</p><p>Die Schweiz engagiert sich im Bereich der psychischen Gesundheit auch international und beobachtet Strategien und Massnahmen im Ausland. Sie beteiligt sich an der Erarbeitung einer "Fallstudie zur Schweiz" im Rahmen des ersten Global Suicide Report der WHO. Die Erkenntnisse aus dem internationalen Kontext werden in beide obenbeschriebene Vorhaben einfliessen können.</p><p>Im Rahmen der laufenden Vorhaben wird auch geklärt, inwiefern eine Mehrjahresstrategie im Bereich der psychischen Gesundheit und der Suizidprävention - über ein Bündel an Massnahmen hinaus - sinnvoll, realisierbar und erfolgversprechend wäre. Vor diesem Hintergrund ist ein Entscheid zur Erarbeitung einer Mehrjahresstrategie heute verfrüht.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit den Kantonen eine Mehrjahresstrategie zur Stärkung der psychischen Gesundheit und zur Reduktion der hohen Suizidrate in der Schweiz vorzulegen und dabei zu prüfen, wie diese mit messbaren Zielen zu verbinden ist.</p>
- Psychische Gesundheit. Von anderen Ländern lernen
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>2002 publizierte die Schweizerische Gesellschaft für Prävention und Gesundheitswesen im Rahmen des WHO-Programms "Gesundheit für alle im 21. Jahrhundert" die Schrift "Gesundheitsziele für die Schweiz", unterzeichnet von den damaligen Amtsträgern und -trägerinnen: Ignazio Cassis, Präsident der Gesellschaft; Thomas Zeltner, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit; Regierungsrätin Alice Scherrer, Präsidentin der Sanitätsdirektorenkonferenz (heute GDK); und Regierungsrätin Patrizia Pesenti, Präsidentin des Projekts Nationale Gesundheitspolitik. Als Ziel im Bereich psychische Gesundheit schlugen sie vor: "Bis 2020 ist die Suizidrate von Jugendlichen auf die Hälfte reduziert." Finnland hat sich 1986 in einer Zehnjahresstrategie zum Ziel gesetzt, die Suizidrate um 20 Prozent zu reduzieren. Das Land erreichte bis 1996 eine Reduktion um immerhin 9 Prozent. Die Schweiz hingegen stellt fest, dass viermal mehr Menschen Suizid begehen, als auf Schweizer Strassen sterben, und dass davon rund 90 Prozent an einer psychischen Störung litten, dass die "Schweiz innerhalb Europas zu den Ländern mit einer überdurchschnittlich hohen Suizidrate gehört", und verharrt dabei bei (zwar wichtigen) Grundlagenarbeiten und Erklärungen zur Bedeutung von Vorbeugung und Früherkennung psychischer Krankheiten und vereinzelten (wichtigen) kantonalen Aktivitäten, dies, obwohl sich ein Auftrag zu spezifischen Präventionsaktivitäten im Bereich "stark verbreiteter Krankheiten" in Artikel 118 der Bundesverfassung findet und obwohl Suizid vierthäufigster Grund für frühe Sterblichkeit ist. Rund 1500 Leute nehmen sich jedes Jahr das Leben, und mehr als 20 000 Leute unternehmen einen Suizidversuch. Diese Manifestation psychischer Krisen und Erkrankungen ist also "stark verbreitet". Der Bundesrat misst der Thematik zu Recht eine grosse Bedeutung zu und sollte die "Förderung der psychischen Gesundheit" in seiner Strategie "Gesundheit 2020" an konkreten Zielen messbar machen.</p>
- <p>Für eine Stärkung der psychischen Gesundheit sowie zur Reduktion der Suizidrate ist es von grosser Bedeutung, dass seitens des Bundes und der Kantone eine mittel- und langfristige Planung von Massnahmen vorgenommen wird. In zwei Vorhaben, die stark miteinander verbunden sind, werden demnächst erste Resultate vorgestellt werden können:</p><p>Erstens wird in Erfüllung des Postulates der SGK-S 13.3370, "Beabsichtigte Massnahmen zur psychischen Gesundheit in der Schweiz", ein Bericht verfasst, in welchem klare Handlungsziele gesetzt werden. Auch die Forderung nach der Messbarkeit der Ziele soll in die Überlegungen einfliessen.</p><p>Zweitens hat im Herbst 2013 die Erarbeitung einer zukünftigen Strategie "Nichtübertragbare Krankheiten 2020" begonnen. Dies geschah im Rahmen der bundesrätlichen Gesamtschau Gesundheit 2020. In einem ersten Schritt wird dabei im Rahmen eines Teilprojekts das Thema psychische Gesundheit bearbeitet. Ziel ist es, die Strukturen, die Formen der Zusammenarbeit sowie die Koordination der Aktivitäten der zentralen Akteure im Bereich der psychischen Gesundheit nachhaltig zu optimieren bzw. weiterzuentwickeln. Auch sollen kurz-, mittel- und langfristige Massnahmen formuliert werden. Die Ergebnisse sollen bis Mitte 2014 in einem gemeinsamen Bericht des Bundesamtes für Gesundheit, der Gesundheitsdirektorenkonferenz und der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz zuhanden des Dialogs Nationale Gesundheitspolitik festgehalten werden. Diese Ergebnisse sollen im Bericht zum Postulat 13.3370 ebenfalls Eingang finden. Deshalb ist es sinnvoll, den erwähnten Bericht abzuwarten, bevor konkrete Schlüsse gezogen werden können.</p><p>Die Schweiz engagiert sich im Bereich der psychischen Gesundheit auch international und beobachtet Strategien und Massnahmen im Ausland. Sie beteiligt sich an der Erarbeitung einer "Fallstudie zur Schweiz" im Rahmen des ersten Global Suicide Report der WHO. Die Erkenntnisse aus dem internationalen Kontext werden in beide obenbeschriebene Vorhaben einfliessen können.</p><p>Im Rahmen der laufenden Vorhaben wird auch geklärt, inwiefern eine Mehrjahresstrategie im Bereich der psychischen Gesundheit und der Suizidprävention - über ein Bündel an Massnahmen hinaus - sinnvoll, realisierbar und erfolgversprechend wäre. Vor diesem Hintergrund ist ein Entscheid zur Erarbeitung einer Mehrjahresstrategie heute verfrüht.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit den Kantonen eine Mehrjahresstrategie zur Stärkung der psychischen Gesundheit und zur Reduktion der hohen Suizidrate in der Schweiz vorzulegen und dabei zu prüfen, wie diese mit messbaren Zielen zu verbinden ist.</p>
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