Vegetationsbrände als neue Herausforderung an die internationale Zusammenarbeit

ShortId
13.3915
Id
20133915
Updated
28.07.2023 07:01
Language
de
Title
Vegetationsbrände als neue Herausforderung an die internationale Zusammenarbeit
AdditionalIndexing
52;08;Feuerwehr;Politik der Zusammenarbeit;Evaluation;Brandbekämpfung;Waldschutz;Brand
1
  • L04K06020202, Brand
  • L05K1401070108, Waldschutz
  • L04K06010402, Brandbekämpfung
  • L04K04030202, Feuerwehr
  • L03K100102, Politik der Zusammenarbeit
  • L04K08020302, Evaluation
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>1.-3. Die Risiken für Vegetationsbrände und speziell Waldbrände nehmen infolge des globalen Wandels, insbesondere des Klimawandels, zu. In den Tropen stammt der weitaus grösste Teil der Treibhausgasemissionen aus dem Abbrennen und der Umnutzung von Wäldern zur Gewinnung von Palmöl, Soja, Mais oder anderen Produkten für die nationalen und globalen Märkte. Aber auch in anderen Gegenden mehren sich grosse Waldfeuer, beispielsweise 2010 in Russland oder in den letzten drei Jahren in Nordamerika. Zunehmend brennen Wälder am Rande oder innerhalb von Siedlungszonen. Gründe dafür sind Trockenheit und Veränderungen in der Pflege der Kulturlandschaft, die in einer Akkumulation von brennbarem Material resultieren. Aufgrund des Klimawandels rechnet der Bundesrat auch für die Schweiz mit einem zunehmenden Risiko für Waldbrände.</p><p>Brände zerstören nicht nur das organische Leben und gefährden die Biodiversität, sie führen auch zum Verlust von Schutzfunktionen und verändern den Wasserhaushalt und das lokale Temperaturregime. Der Beitrag der Waldzerstörung an die Treibhausgasemissionen wird global auf 17 Prozent geschätzt, was den Anteil des gesamten Transportsektors übersteigt. Die Entwaldung trägt in vielen Tropenländern zur weiteren Verarmung der ärmsten Bevölkerungsschichten bei, indem die Lebensgrundlagen durch den Verlust von Boden sowie extreme Ereignisse wie Springfluten, Bodenerosion und Hangrutsche gefährdet werden. In vielen Ländern der Tropen sind solche Ereignisse heute häufiger und stärker als vor dreissig Jahren, wie die nationalen Berichte über die Anpassung an den Klimawandel belegen.</p><p>4./5. Die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Wälder, für die sich die Schweiz auf internationaler Ebene seit Jahrzehnten engagiert, dient aus Sicht des Bundesrates auch der Verhinderung von Waldbränden. Im Rahmen der internationalen Klima-, Wald- und Biodiversitätspolitik finden regelmässige Kontakte zwischen den beteiligten Ämtern statt (insbesondere Bafu, Deza, Seco, BLW), um die Koordination zwischen den Departementen sicherzustellen und Synergien zu nutzen. Konkret engagiert sich die Schweiz etwa im Rahmen der Klimaverhandlungen für Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation in Developing Countries (Redd plus) oder für die Erarbeitung einer europäischen Waldkonvention. Im Rahmen der Internationalen Tropenholz-Organisation unterstützt die Schweiz auch Projekte zum Umgang mit Waldfeuern. Die Förderung von nachhaltigen Wertschöpfungsketten bei Gütern wie Soja, Kaffee oder Kakao - etwa im Rahmen von privatrechtlichen Nachhaltigkeitsstandards - stellt ebenfalls einen Beitrag zur Verhinderung von Waldbränden dar.</p><p>6./8. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Risikos von Vegetationsbränden auf globaler und nationaler Ebene widmet die Schweiz dieser Thematik im Rahmen von multilateralen Vereinbarungen und der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit bereits heute erhöhte Aufmerksamkeit. Anlässlich allfälliger Ergänzungen von bestehenden Konventionen wird die Schweiz entsprechende Vorstösse prüfen. Ein Engagement der Schweiz in internationalen Fachgruppen macht der Bundesrat von der Bedeutung abhängig, welche diesen im Rahmen des bestehenden Engagements der Bundesverwaltung im Bereich der Vegetationsbrände zukommt.</p><p>Im Rahmen der Verhandlungen für die Entwicklungsagenda post-2015 setzt sich die Schweiz für eine Ausgestaltung eines internationalen Rahmenwerkes zur Katastrophenvorsorge ein, insbesondere für die Umsetzung eines integralen Risikomanagement-Ansatzes, der auf eine klare Rollenteilung von der nationalen bis zur lokalen Ebene und deren Zusammenspiel beim Umgang mit Naturgefahren ausgelegt ist. Zudem wird die Schweiz im Rahmen ihrer OSZE-Präsidentschaft 2014 einen Schwerpunkt auf den sicheren Umgang mit Naturgefahren legen.</p><p>7. Die umfangreichen Waldbrandrodungen sind menschlichen Ursprungs und daher grundsätzlich vermeidbar. Die Schweiz engagiert sich in diesem Bereich etwa im Rahmen von Redd plus (siehe oben). Die unmittelbare Bekämpfung von Vegetationsbränden auf internationaler Ebene ist kein Schwerpunkt des Bundes.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>Das weltweite Feuerbeobachtungszentrum (Global Fire Monitoring Center) der Universität Freiburg im Breisgau hat zuhanden der Uno kürzlich ein umfassendes Weissbuch erstellt, das die Auswirkungen von Vegetationsbränden auf das globale Gleichgewicht aufzeigt. Jedes Jahr erfassen diese 3 bis 4 Millionen Quadratkilometer, sind teilweise wichtiger Bestandteil von feuerangepassten Ökosystemen, tragen aber auch zu erheblichen Schädigungen von Umwelt und Infrastrukturen bei und haben negative sozioökonomische und humanitäre Konsequenzen. Ich bitte den Bundesrat, zu folgenden Fragekomplexen Stellung zu beziehen:</p><p>1. Wie beurteilt er die weltweiten Vegetationsbrände in ökologischer, sozialer, wirtschaftlicher und entwicklungspolitischer Hinsicht?</p><p>2. Welche Bedeutung kommt Vegetationsbränden namentlich hinsichtlich des Klimawandels zu? In welchem Masse tragen sie zur weltweiten CO2-Emission bei? Wie viel Kohlenstoff wird durch Feuerschädigung von Ökosystemen emittiert, der andernfalls langfristig gebunden wäre?</p><p>3. Auf welche Ursachen sind Vegetationsbrände zurückzuführen? Hat sich das Risiko von Vegetationsbränden durch den Klimawandel vergrössert?</p><p>4. Welche Bundesstellen befassen sich heute mit Ursache und Wirkung der weltweit auftretenden Vegetationsbrände, und sind diese untereinander koordiniert?</p><p>5. Ist er bereit, eine übergreifende Strategie zu entwickeln, um international einen Beitrag zur Erforschung und Bekämpfung von Vegetationsbränden zu leisten?</p><p>6. Welche bestehenden internationalen Konventionen berühren Vegetationsbrände (z. B. Genfer Luftreinhaltekonvention, Europäisches Landschaftsübereinkommen, Berner Konvention usw.)? Sollten diese Konventionen um Protokolle zur Frage von Vegetationsbränden ergänzt werden?</p><p>7. Welche Vegetationsbrände sind grundsätzlich vermeidbar oder mit technischen Mitteln bekämpfbar? Können die Schweiz und ihre Feuerwehren hierzu einen Beitrag leisten?</p><p>8. Beabsichtigt die Schweiz, künftig in internationalen Fachgruppen wie dem Global Wildland Fire Network mitzuarbeiten, welches im Rahmen der internationalen Strategie zur Reduzierung von Katastrophen tätig ist?</p>
  • Vegetationsbrände als neue Herausforderung an die internationale Zusammenarbeit
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>1.-3. Die Risiken für Vegetationsbrände und speziell Waldbrände nehmen infolge des globalen Wandels, insbesondere des Klimawandels, zu. In den Tropen stammt der weitaus grösste Teil der Treibhausgasemissionen aus dem Abbrennen und der Umnutzung von Wäldern zur Gewinnung von Palmöl, Soja, Mais oder anderen Produkten für die nationalen und globalen Märkte. Aber auch in anderen Gegenden mehren sich grosse Waldfeuer, beispielsweise 2010 in Russland oder in den letzten drei Jahren in Nordamerika. Zunehmend brennen Wälder am Rande oder innerhalb von Siedlungszonen. Gründe dafür sind Trockenheit und Veränderungen in der Pflege der Kulturlandschaft, die in einer Akkumulation von brennbarem Material resultieren. Aufgrund des Klimawandels rechnet der Bundesrat auch für die Schweiz mit einem zunehmenden Risiko für Waldbrände.</p><p>Brände zerstören nicht nur das organische Leben und gefährden die Biodiversität, sie führen auch zum Verlust von Schutzfunktionen und verändern den Wasserhaushalt und das lokale Temperaturregime. Der Beitrag der Waldzerstörung an die Treibhausgasemissionen wird global auf 17 Prozent geschätzt, was den Anteil des gesamten Transportsektors übersteigt. Die Entwaldung trägt in vielen Tropenländern zur weiteren Verarmung der ärmsten Bevölkerungsschichten bei, indem die Lebensgrundlagen durch den Verlust von Boden sowie extreme Ereignisse wie Springfluten, Bodenerosion und Hangrutsche gefährdet werden. In vielen Ländern der Tropen sind solche Ereignisse heute häufiger und stärker als vor dreissig Jahren, wie die nationalen Berichte über die Anpassung an den Klimawandel belegen.</p><p>4./5. Die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Wälder, für die sich die Schweiz auf internationaler Ebene seit Jahrzehnten engagiert, dient aus Sicht des Bundesrates auch der Verhinderung von Waldbränden. Im Rahmen der internationalen Klima-, Wald- und Biodiversitätspolitik finden regelmässige Kontakte zwischen den beteiligten Ämtern statt (insbesondere Bafu, Deza, Seco, BLW), um die Koordination zwischen den Departementen sicherzustellen und Synergien zu nutzen. Konkret engagiert sich die Schweiz etwa im Rahmen der Klimaverhandlungen für Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation in Developing Countries (Redd plus) oder für die Erarbeitung einer europäischen Waldkonvention. Im Rahmen der Internationalen Tropenholz-Organisation unterstützt die Schweiz auch Projekte zum Umgang mit Waldfeuern. Die Förderung von nachhaltigen Wertschöpfungsketten bei Gütern wie Soja, Kaffee oder Kakao - etwa im Rahmen von privatrechtlichen Nachhaltigkeitsstandards - stellt ebenfalls einen Beitrag zur Verhinderung von Waldbränden dar.</p><p>6./8. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Risikos von Vegetationsbränden auf globaler und nationaler Ebene widmet die Schweiz dieser Thematik im Rahmen von multilateralen Vereinbarungen und der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit bereits heute erhöhte Aufmerksamkeit. Anlässlich allfälliger Ergänzungen von bestehenden Konventionen wird die Schweiz entsprechende Vorstösse prüfen. Ein Engagement der Schweiz in internationalen Fachgruppen macht der Bundesrat von der Bedeutung abhängig, welche diesen im Rahmen des bestehenden Engagements der Bundesverwaltung im Bereich der Vegetationsbrände zukommt.</p><p>Im Rahmen der Verhandlungen für die Entwicklungsagenda post-2015 setzt sich die Schweiz für eine Ausgestaltung eines internationalen Rahmenwerkes zur Katastrophenvorsorge ein, insbesondere für die Umsetzung eines integralen Risikomanagement-Ansatzes, der auf eine klare Rollenteilung von der nationalen bis zur lokalen Ebene und deren Zusammenspiel beim Umgang mit Naturgefahren ausgelegt ist. Zudem wird die Schweiz im Rahmen ihrer OSZE-Präsidentschaft 2014 einen Schwerpunkt auf den sicheren Umgang mit Naturgefahren legen.</p><p>7. Die umfangreichen Waldbrandrodungen sind menschlichen Ursprungs und daher grundsätzlich vermeidbar. Die Schweiz engagiert sich in diesem Bereich etwa im Rahmen von Redd plus (siehe oben). Die unmittelbare Bekämpfung von Vegetationsbränden auf internationaler Ebene ist kein Schwerpunkt des Bundes.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>Das weltweite Feuerbeobachtungszentrum (Global Fire Monitoring Center) der Universität Freiburg im Breisgau hat zuhanden der Uno kürzlich ein umfassendes Weissbuch erstellt, das die Auswirkungen von Vegetationsbränden auf das globale Gleichgewicht aufzeigt. Jedes Jahr erfassen diese 3 bis 4 Millionen Quadratkilometer, sind teilweise wichtiger Bestandteil von feuerangepassten Ökosystemen, tragen aber auch zu erheblichen Schädigungen von Umwelt und Infrastrukturen bei und haben negative sozioökonomische und humanitäre Konsequenzen. Ich bitte den Bundesrat, zu folgenden Fragekomplexen Stellung zu beziehen:</p><p>1. Wie beurteilt er die weltweiten Vegetationsbrände in ökologischer, sozialer, wirtschaftlicher und entwicklungspolitischer Hinsicht?</p><p>2. Welche Bedeutung kommt Vegetationsbränden namentlich hinsichtlich des Klimawandels zu? In welchem Masse tragen sie zur weltweiten CO2-Emission bei? Wie viel Kohlenstoff wird durch Feuerschädigung von Ökosystemen emittiert, der andernfalls langfristig gebunden wäre?</p><p>3. Auf welche Ursachen sind Vegetationsbrände zurückzuführen? Hat sich das Risiko von Vegetationsbränden durch den Klimawandel vergrössert?</p><p>4. Welche Bundesstellen befassen sich heute mit Ursache und Wirkung der weltweit auftretenden Vegetationsbrände, und sind diese untereinander koordiniert?</p><p>5. Ist er bereit, eine übergreifende Strategie zu entwickeln, um international einen Beitrag zur Erforschung und Bekämpfung von Vegetationsbränden zu leisten?</p><p>6. Welche bestehenden internationalen Konventionen berühren Vegetationsbrände (z. B. Genfer Luftreinhaltekonvention, Europäisches Landschaftsübereinkommen, Berner Konvention usw.)? Sollten diese Konventionen um Protokolle zur Frage von Vegetationsbränden ergänzt werden?</p><p>7. Welche Vegetationsbrände sind grundsätzlich vermeidbar oder mit technischen Mitteln bekämpfbar? Können die Schweiz und ihre Feuerwehren hierzu einen Beitrag leisten?</p><p>8. Beabsichtigt die Schweiz, künftig in internationalen Fachgruppen wie dem Global Wildland Fire Network mitzuarbeiten, welches im Rahmen der internationalen Strategie zur Reduzierung von Katastrophen tätig ist?</p>
    • Vegetationsbrände als neue Herausforderung an die internationale Zusammenarbeit

Back to List